Alles was Sie über Weisheitszähne wissen müssen

Die Großeltern erinnern gerne die jüngere Generation daran: Die Weisheit kommt mit dem Alter. Das Alter kann jedoch auch zu ernsthaften Zahnproblemen führen – insbesondere wenn es um Weisheitszähne geht. Störende Weisheitszähne sind heute noch einer der häufigsten Gründe für eine Zahnextraktion. Was genau sind Weisheitszähne, und warum werden sie so vielen Patienten entfernt? Lesen Sie weiter, um es herauszufinden. Häufige Fragen zu diesem Thema sind:

Was sind Weisheitszähne?

Weisheitszähne sind die dritten und damit letzten Backenzähne in Ihrem Kiefer. Sie erscheinen jeweils im Unterkiefer und im Oberkiefer auf beiden Seiten. Sie brechen als letzte Zähne im Mund durch – meistens in einem Alter zwischen 17 und 21 – und haben oft nicht den ausreichenden Platz, den Sie benötigen. Durch das fortgeschrittene Alter des Patienten wird dessen erlangte Weisheit als Namensgeber für den spät ankommenden Zahn verwendet.

Während die meisten unserer bleibenden Zähne wachsen, wenn wir noch recht jung sind, zeigen sich die Weisheitszähne erst dann, wenn alle unsere Milchzähne verschwunden sind. Die Weisheitszähne werden auch oft als "Achter" bezeichnet, da es sich bei diesen Zähnen um den achten Zahn, ausgehend von der Mitte Ihrer Zahnreihe gezählt, handelt. Das gilt für den Oberkiefer und den Unterkiefer auf beiden Seiten. Die verspätete Ankunft sorgt jedoch für Ärger in Mund und Kiefer und kann starke Beschwerden hervorrufen, die häufig einen operativen Eingriff erfordern.

Warum müssen Weisheitszähne so oft gezogen werden?

Da Weisheitszähne in den Teenagerjahren oder frühen Zwanzigern wachsen, gibt es oft nur sehr wenig Platz im Mund. Aus diesem Grund können die Weisheitszähne oft nicht so wachsen, wie sie es gerne tun würden. Nicht selten liegen sie im Kiefer und haben keinen Platz herauszuwachsen. Das führt zu folgenden ungewollten Symptomen, die oftmals einen Eingriff erfordern:

  • Sie brechen im seitlichen Winkel aus dem Kieferknochen aus
  • Sie brechen nur teilweise durch das Zahnfleisch
  • Sie bleiben im Zahnfleisch eingeschlossen

Zu welchen negativen gesundheitlichen Folgen können Weisheitszähne führen?

  • Höhere Infektions-Risiken, Entzündungen, Karies
  • Gesichtsschwellung
  • Schmerzhafter Kontakt der Zähne
  • Bissprobleme

Was habe ich zu erwarten, wenn ein Weisheitszahn gezogen werden muss?

Wenn Ihr Weisheitszahn bereits starken Schmerz im Mund verursacht oder mögliche Komplikationen verhindert werden sollen, wird Ihr Zahnarzt normalerweise empfehlen, ihn zu entfernen. Eine operative Entfernung dauert im Normalfall nur 5 bis 30 Minuten. Es ist einfacher, den Weisheitszahn in jungen Jahren zu entfernen, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht so stark im Knochen verwurzelt ist.
In der Regel wird eine örtliche Betäubung oder ein Beruhigungsmittel eingesetzt, um sicherzustellen, dass das Verfahren schmerzlos ist. Auf Wunsch können Sie auch nach einer Vollnarkose verlangen. Dies bedeutet jedoch auch, dass der Patient nach der Weisheitszahn OP nicht selbst fahren kann.

In den ersten Tagen treten erhebliche Schwellungen der Wangen und des Kiefers auf. Das ist nach der Operation nicht ungewöhnlich. Es kann schwierig sein, bestimmte Nahrungsmittel unmittelbar nach der Behandlung zu sich zu nehmen. Um einer Entzündung der Wunde vorzubeugen, sollten Sie nach dem Eingriff die Wunde mit einem fusselfreien Wattebausch bedecken und Nahrung möglichst auf der anderen Seite des Kiefers mit den gesunden Zähnen kauen. Ihr Zahnarzt wird Ihnen ein Rezept für Schmerzmittel verschreiben, die Sie bei Bedarf einnehmen können.

 

Ist es immer notwendig, einen Weisheitszahn zu ziehen?

Nicht alle Weisheitszähne müssen entfernt werden. Es gibt Gründe, von der Operation abzusehen. Wenn Ihre dritten Molaren in aufrechter und funktioneller Position durchkommen, Ihre anderen Zähne nicht beeinträchtigen und keine weiteren Symptome und Schmerzen verursachen, ist eine Entfernung möglicherweise nicht notwendig. 

Vor dem 20. Lebensjahr ist es einfacher, Zähne zu ziehen, da die Wurzeln der Zähne weniger entwickelt sind und dadurch weniger Komplikationen auftreten. Aus diesem Grund wird empfohlen, die Weisheitszähne zwischen dem 16. und 19. Lebensjahr von einem Zahnarzt kontrollieren zu lassen. Digitale Röntgenbilder können Ihrem Zahnarzt dabei helfen, nicht durchgebrochene Weisheitszähne, auch retinierte Weisheitszähne genannt, zu identifizieren. Ihr Zahnarzt trifft daraufhin die Einschätzung, ob sie Probleme verursachen könnten. In diesem Fall kann die Entfernung bzw. das Ziehen des Zahnes als vorbeugende Maßnahme empfohlen werden. 

Warten Sie also nicht, bis Ihre Weisheitszähne zu Beschwerden führen, sondern kontaktieren Sie Ihren Zahnarzt vorher. Vermeiden Sie Schmerzen und andere Komplikationen, die mit dem Thema Weisheitszähne einhergehen, indem Sie proaktiv sind und frühzeitig zum Telefon greifen.

 

Wie kommt der Weisheitszahn zu seinem Namen?

Obwohl sie früher als dritte Backenzähne oder die achten Zähne bekannt waren, ist der Begriff der Weisheitszähne gebräuchlicher. Der Begriff wurde geprägt, weil die hinteren Backenzähne sehr spät auftreten – viel später als die anderen Zähne. Mit dem Erscheinen der Zähne befindet sich der Mensch in einem Alter, in dem ihm eine gewisse "Weisheit"  zugeordnet wird und er sich "weiser" verhält als Kinder, bei denen die ersten bleibenden Zähne austreten. Der Begriff entstand wahrscheinlich als Übersetzung der lateinischen Dens Sapientiae.

Wie lange dauert die Heilung, nachdem Weisheitszähne gezogen wurden?

Nach einer Weisheitszahn-Entfernung hängt die Geschwindigkeit der Heilung vom Schwierigkeitsgrad der Weisheitszahn-Operation ab. Geben Sie Ihrem Körper ausreichend Zeit, um die Wunde zu heilen. Vermeiden Sie körperliche Anstrengungen und schonen Sie die betroffene Stelle im Mund. Die Schwellung erreicht Ihren Höhepunkt am dritten Tag. Die Blutungen sollten bis dahin aufgehört haben. Durch das Kühlen der Wange lindern Sie Ihre Schmerzen und sorgen dafür, dass die Schwellung zurückgeht. Die operative Weiheitszahnentfernung ist ein normaler chirurgischer Eingriff, der routiniert von Ihrem behandelnden Arzt oder einem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen durchgeführt werden sollte. Die Wundheilungsdauer bei einer normalen Entfernung sollte nur wenige Tage betragen, bei einer größeren und tieferen Wunde kann das auch eine Woche dauern.

Was passiert in den ersten 24 Stunden nach der Weisheitszahn OP?

  • Nach dem Ziehen des Zahnes kann es einige Stunden lang zu Blutungen an der Wunde kommen. Um dies zu kontrollieren, wird ein Wattetupfer über dem leeren Zahnfach positioniert und durch leichten Anbiss auf die Wunde gedrückt. Versuchen Sie, den Druck auf die Wunde über einen längeren Zeitraum konstant zu halten. Wiederholen Sie den Vorgang, wenn die Blutung leicht anhält. Wenn weiterhin starke Blutungen auftreten, wenden Sie sich an Ihren Zahnarzt oder Kieferchirurgen. Vermeiden Sie es, 24 Stunden nach dem Eingriff zu spülen oder zu spucken, saugen Sie nicht (z. B. trinken Sie keine Getränke durch Strohhalme oder ziehen Sie nicht an einer Zigarette) und vermeiden Sie heiße Flüssigkeiten (wie Kaffee, Tee oder Suppe). Diese Aktivitäten können den schützenden Blutpfropf lösen, wodurch sich eine schmerzhafte trockene Alveole (Zahnfach) bilden kann.
  • Typischerweise tritt eine Gesichtsschwellung in dem Bereich auf, in dem der Zahn gezogen wurde. Um die Schwellung zu minimieren, legen Sie ein Stück Eis, eingewickelt in ein Tuch, etwa 10 Minuten auf die schmerzende Stelle Ihres Gesichts, gefolgt von 20 Minuten Pause. Wiederholen Sie diesen Vorgang nach Bedarf während dieser ersten 24 Stunden nach der Zahnextraktion.
  • Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können gegen den Schmerz eingenommen werden. Ihr Zahnarzt oder Kieferchirurg kann Ihnen bei Bedarf stärkere Schmerzmittel verschreiben.
  • Antibiotika, die möglicherweise vor der Weisheitszahn OP verschrieben wurden (um eine aktive Infektion oder Entzündung um den zu entfernenden Weisheitszahn zu behandeln), sollten so lange eingenommen werden, bis die Packung vollstämdig aufgebraucht ist.
  • Lebensmittel sollten auf eine flüssige Diät beschränkt werden, bis die lokale Betäubung durch die Anästhesie abgeklungen ist. Essen Sie ein paar Tage lang weiche Lebensmittel. Vermeiden Sie unbedingt Alkohol, wenn Sie narkotische Schmerzmittel einnehmen.
  • Putzen Sie weiterhin Ihre Zähne, aber meiden Sie in den ersten 24 Stunden die Zähne direkt neben dem entfernten Zahn. Setzen Sie am zweiten Tag das sanfte Zähneputzen, möglichst mit einer weichen Zahnbürste, fort. Verwenden Sie keine handelsüblichen Mundspülungen – diese können die Wunde reizen.

Was passiert nach 24 Stunden nach der Weisheitszahn OP?

  • Nachdem Sie die Gesichtsschwellungen im Bereich des Eingriffes in den ersten 24 Stunden mit Eis behandelt haben, sollten Sie nun zu einer Wärmebehandlung übergehen. Drücken Sie ein feuchtes, warmes Handtuch ca. 20 Minuten lang von außen an die Wange. Wiederholen Sie diesen Vorgang nach Bedarf. Beachten Sie, dass die Schwellung in der Regel 2 bis 3 Tage nach dem Eingriff ansteigt.
  • Spülen Sie Ihren Mund nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen mit warmem Salzwasser (1/2 Teelöffel Salz in einer Tasse warmem Wasser) aus. Verwenden Sie keine handelsüblichen Mundspülungen, es sei denn, Ihr Zahnarzt verordnet es Ihnen.
  • Falls Ihre Wunde genäht werden musste, müssen die Fäden innerhalb einer Woche von Ihrem Zahnarzt entfernt werden, wenn die Fäden nicht selbst auflösend sind.
  • Eine vollständige Heilung erfolgt erst einige Wochen bis einige Monate nach der Weisheitszahn OP. In den ersten ein bis zwei Wochen ist jedoch in der Regel eine ausreichende Heilung eingetreten, damit Sie sich im Bereich der Wunde einigermaßen wohl fühlen können. Ihr behandelnder Zahnarzt wird Ihnen erklären, was Sie in Ihrem speziellen Fall erwartet.

Welches Risiko besteht für Sie als Patient bei einer Weisheitszahn OP?

In den wenigsten Fällen kommt es bei der Entfernung eines Weisheitszahns zu Komplikationen. Für die meisten Operateure ist der Eingriff Routine und ein sehr kurzer Eingriff. Trotzdem kann auch mal etwas nicht optimal laufen. Häufige Probleme sind dabei:

  • Bruch der Zahnkrone oder -wurzel
  • Kieferbruch
  • Schwellungen oder Blutergüsse
  • Verletzung angrenzender Strukturen, beispielsweise von Nachbarzähnen oder Nerven
  • Eröffnung oder Entzündung der Kieferhöhle
  • Einatmen oder Verschlucken von Zahnteilen
  • Wundinfektionen, Entzündungen oder Blutungen

Welche Betäubung beim Ziehen des Weisheitszahn kann ich wählen?

Der Schmerz bei der Entfernung einer der vier Weisheitszähne wird in der Regel durch eine örtliche Betäubung gelindert. Die örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) erfolgt durch eine Spritze mit dem Betäubungsmittel in das anliegende Zahnfleisch der betroffenen Stelle. Dadurch wird nur der Teil des Kiefers betäubt, wo der Zahn aus dem Knochen gezogen wird. Der Patient ist bei vollem Bewusstsein und hat trotzdem keine Schmerzen. Eine Vollnarkose wird bei derartigen Eingriffen nur selten verwendet und muss meistens vom Patienten selbst bezahlt werden. Gesetzliche Krankenkassen bezahlen die Vollnarkose nicht, wenn keine medizinische Notwendigkeit vorliegt. Wenn Ihr Arzt keine Empfehlung für die medizinische Notwendigkeit einer Vollnarkose ausspricht, dann werden die Kosten für eine Vollnarkose meistens auch nicht von der Krankenkasse übernommen. Wenn sie nachgewiesenermaßen ein Angstpatient sind, wird dies wahrscheinlich genehmigt. Wenn Sie sich alle vier Weisheitszähne unter Vollnarkos auf einmal ziehen lassen möchten, übernimmt die Krankenkasse die Kosten sehr wahrscheinlich nicht, das dies auch in 4 Einzelsitzungen mit einer örtlichen Betäubung möglich wäre.
Immer häufiger wird auch die Sedierung mit Lachgas in Verbindung mit einer örtlichen Betäubung angewandt. Dies hängt allerdings von der Ausstattung der Zahnarztpraxis und von den bevorzugten Behandlungsmethoden Ihres Zahnarztes ab.

Fazit:

Bei Schmerzen am Weisheitszahn begeben Sie sich umgehend in die Behandlung Ihres Zahnarztes. Ihr Zahnarzt kann bei seiner Untersuchung beurteilen, ob Ihr Schmerz aufgrund einer krankhaften Veränderung an Ihren Zähnen auftritt, und Ihnen zu einer Weisheitszahn OP raten. Gönnen Sie sich nach der Operation ausreichend Ruhe, um die schnelle Wundheilung zu gewährleisten, und bleiben Sie solange zuhause, bis Ihre körperliche Leistungsfähigkeit wieder hergestellt ist. Weitere Informationen zum Thema Zähne ziehen erhalten Sie in unserem Ratgeber - Artikel Zahnextraktion.