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Dentale Ankylose – knöcherne Komplikation nach Zahntrauma

Unsere Zähne sitzen zwar fest im Zahnhalteapparat, verfügen jedoch über eine in Maßen flexible Aufhängung durch unzählige Sharpey-Fasern, die den kleinen Parodontalspalt von der Zahnwurzel zum Knochenfach überbrücken. Mit ihnen ist der Zahn in der Lage, Druck auszugleichen und sich unmerklich in seiner Position bewegen. Erleidet ein Zahn ein Trauma, zum Beispiel durch einen Schlag oder Unfall, kann es zu einer Ankylose kommen: Der Zahn verwächst mit seinem Knochenfach. 

Was ist eine Ankylose?

Der Begriff bezeichnet in der allgemeinen Medizin eine vollständige Gelenksteife, bei der durch eine Entzündung oder durch Verletzungen Knochen miteinander verwachsen. Die dentale Ankylose ist eine sehr seltene Komplikation, bei der die Zahnwurzel teilweise mit dem Knochen verschmilzt, der sie umgibt. Das kann nach einem Zahntrauma vorkommen. Hat die Wurzelhaut eines Zahns Schäden erlitten, beginnt sie sich zu resorbieren (Ersatzresorption) und verwächst dabei teilweise mit dem Knochen. Dem Patienten bereitet das gewöhnlich keine Beschwerden Der Zahnarzt kann diesen Vorgang auf dem Röntgenbild identifizieren, ein Perkussionstest des betroffenen Zahns (Klopftest) erzeugt in vielen Fällen einen metallischen Klopfschall.

Eine Ankylose kann auch entzündungsbedingte oder genetische Ursachen haben und betrifft in den meisten Fällen Milchzähne, kommt aber auch im bleibenden Gebiss vor. Der Zahn verliert dann seine physiologische Beweglichkeit. Bei einem Milchzahn bedeutet das, er kann nicht weiter wachsen, und die normale Zahnentwicklung wird behindert. Ein ankylosierter Zahn scheint bei jungen Patienten förmlich "abzutauchen", während die übrigen Zähne normal weiterwachsen. Heranwachsende Nachfolgerzähne bleiben unter den ankylosierten Exemplaren einfach stecken. Es kann zu einem offenen Biss kommen: Die Zähne treffen vertikal nicht mehr richtig aufeinander. Durch die Ankylose ist der Zusammenbiss gestört, die benachbarten Zähne können in den freien Platz im Gebiss kippen.

Bei bleibenden Zähnen treten weniger Symptome auf, im Seitenzahnbereich kann die Verwachsung sogar unbemerkt bleiben. Häufig weist aber ein Höhenunterschied zu den übrigen Zähnen auf ankylosierte Zähne hin, da die betroffene Wurzel kontinuierlich resorbiert wird. Ein offener Biss und Asymmetrien im Zahnbogen des Patienten sind die Folge.

Durch die voranschreitende Wurzelresorption sind ankylosierte Zähne nur begrenzt im Kiefer erhaltbar. Bei Kindern und jugendlichen Patienten bedeutet das durchschnittlich vier bis fünf Jahre, bei erwachsenen Patienten können bis zu zehn Jahre erreicht werden, bevor der Zahn gezogen werden muss. Durch die Verwachsung mit dem Knochen ist eine Entfernung ankylosierter Zähne schwieriger, gegebenenfalls muss ein Teil des Kieferknochens um den Zahn herum entfernt werden. Bei der Extraktion von Milchzähnen muss der Zahnarzt besonders umsichtig vorgehen, damit die Zahnkeime der nachwachsenden bleibenden Zähne nicht beschädigt werden.

Wie wird eine Ankylose behandelt?

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann einer Verschlechterung des Zustandes entgegenwirken und funktionelle wie ästhetische Probleme bei der Zahnentwicklung in Grenzen halten. Bei Kindern wird eine kieferorthopädische Behandlung empfohlen, um den Durchbruch der Zähne zu ermöglichen. In vielen Fällen wird der ganze Zahn extrahiert oder auch nur die Krone des Zahns entfernt und die Wurzel im Kiefer belassen, die dann vom Knochen überwachsen werden soll. Damit soll die Wachstumshemmung vermindert werden. 

Seit Mitte der 1990er Jahre wird in der Kieferchirurgie die Distraktionsosteogenese praktiziert. Das Verfahren nutzt die Fähigkeit des Knochens aus, neues Gewebe zu bilden, wenn er auseinandergezogen wird. Nach diesem Prinzip heilen auch Bruchstellen bei Knochenbrüchen aus. In der Zahnmedizin wird die Methode schon für den Knochenaufbau im Kiefer verwendet, wenn für Implantate genug Fundament geschaffen werden muss. Dafür wird im Knochen ein künstlicher Bruchspalt erzeugt und dieser Spalt mit einem chirurgisch eingesetzten Distraktor auseinandergehalten. Die Öffnung im Kieferknochen kann durch die verstellbare Mechanik schrittweise auseinandergedrängt werden. In dem Spalt bildet sich durch die normalen biologischen Heilungsvorgänge ein Regenerationsgewebe (Kallus), das sich im Verlauf der Behandlung in stabilen Knochen umbaut. Mit dieser Therapie kann der Zahn im Zahnbogen eingereiht und möglichst lange erhalten werden. Zusätzlich wird durch das Verfahren schon die Grundlage für eine spätere Implantation geschaffen.   

Fazit

Zähne müssen fest, aber in Maßen beweglich im Zahnhalteapparat verankert sein. Nach einem Zahntrauma oder einer schweren Entzündung kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass die Zahnwurzel sich mit dem umgebenden Knochen verbindet. Verwachsen Zähne mit dem Alveolarknochen, verlieren sie ihre physiologische Beweglichkeit und verursachen Probleme im Mund. Eine Therapie richtet sich nach den individuellen Gegebenheiten der jeweiligen Situation.