Zysten im Zahnfleisch oder Kiefer – was tun?

Eine Kieferzyste ist ein Hohlraum im Kieferknochen oder im Gewebe, der mit einer dünnen Membran verkapselt ist. Die Zyste füllt sich ganz allmählich mit einer Flüssigkeit, die durch die Umhüllung nicht entweichen kann, und wächst so langsam weiter. Spätestens, wenn eine Zyste so groß ist, dass sie schmerzhaft auf Zahnnerven drückt, Zähne verschiebt oder Taubheitsgefühle erzeugt, muss der Zahnarzt etwas unternehmen. 

Was ist eine Zyste?

Zysten können fast überall im Körper in Weichteilen oder Knochen entstehen. Von allen Knochen des Körpers wird der Kiefer am häufigsten von Zysten befallen. Die mit Flüssigkeit oder einem gasförmigen oder breiigem Inhalt gefüllten Hohlräume im Gewebe bleiben oft sehr lange unbemerkt, da sie selten Beschwerden hervorrufen. Patienten nehmen eine Kieferzyste meistens erst wahr, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht hat und fühlbar ist oder eine Schwellung sichtbar wird.

Die meisten dieser langsam wachsenden Gewebehohlräume sind harmlos und gutartig und treten vermehrt zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf. Wenn sie sich aber durch ständige Flüssigkeitsansammlung vergrößern, kann der dieser Hohlraum Schmerzen verursachen, indem er auf Nerven drückt oder anderes Gewebe und benachbarte Zähne verdrängt. Im Kiefer kann eine Zyste im schlimmsten Fall schwerwiegende Folgen für die Zahnwurzeln oder den Kieferknochen haben. Eine Zahnwurzelzyste kann sich auch bis in die Kieferhöhle ausdehnen. Wenn sich eine Zyste infiziert, bezeichnet man das als Abzess. Zysten, die im Kiefer entstehen, sollten immer möglichst bald operiert werden. 

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sorgen für eine optimale Zahngesundheit und helfen unerwünschte Veränderungen im Mund zu identifizieren.

Wie wird eine Zyste im Kiefer diagnostiziert?

Häufig findet der Zahnarzt eine Zyste im Kiefer zufällig bei einer Röntgenuntersuchung. Wenn eine Zyste entdeckt wurde, muss sie entfernt werden, um Folgeschäden an Gebiss und Kieferknochen zu verhindern. Um welche Art von Zyste es sich handelt, muss der Zahnarzt anhand des Röntgenbefunds und der Lage im Kieferknochen schließen, erst die anschließende Untersuchung der entfernten Zyste gibt sicher Aufschluss über ihre genaue Beschaffenheit. Es kann auch vorkommen, dass der Zahnarzt schon vor der operativen Entfernung der Zyste eine Biopsie, die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe, vornimmt. 

Welche Arten von Zysten unterscheidet man?

 

Radikuläre und follikuläre Zysten

Die am häufigsten im Kiefer vorkommenden Zysten sind odontogenen Ursprungs, das heißt, "von den Zähnen ausgehend". Die radikuläre Zyste (radikulär bedeutet "die Wurzel betreffend") tritt hauptsächlich im Oberkiefer auf. Die Ursache dafür ist meistens eine chronisch entzündete Zahnwurzelspitze an einem abgestorbenen Zahn. Der Wurzelkanal wird von Bakterien besiedelt, die an der Wurzelspitze des betroffenen Zahns eine Entzündung auslösen. In der Umgebung dieser Entzündung kann sich dann eine Zahnwurzelzyste entwickeln, die sich auf dem Röntgenbild durch ihren scharf begrenzten hellen Rand abzeichnet.  

Die zweithäufigste Form, die follikuläre Zyste, betrifft hauptsächlich den Unterkiefer und wird von verlagerten Zähne hervorgerufen. Das sind Zähne, die nicht in den Mundraum durchgebrochen sind, sondern versteckt im Kiefer schlummern, oder auch überzählige Zähne im Kiefer. In vielen Fällen sind die unteren Weisheitszähne betroffen, aber auch die unteren Backenzähne und die oberen Eckzähne können eine Zyste entwickeln. Die follikuläre Zyste ensteht durch eine Fehlentwicklung bei der Zahnanlage und bildet sich an der Krone eines nicht durchgebrochenen Zahns. 

Weitere odontogene Kieferzysten, die seltener auftreten:

Eine Eruptionszyste (Druchbruchzyste) ist eine follikuläre Zyste, die sich oberhalb der Zahnkrone eines Zahnes befindet, der bereits den Knochen durchbrochen hat, aber noch unter dem Zahnfleisch steckt. Der Zahnarzt erkennt sie an einer bläulichen Schwellung über der Zahnkrone. Therapie: Zystektomie oder Zystosomie

Eine gingivale Zyste tritt meistens nach erschwertem Zahndurchbruch im Unterkiefer auf und bildet sich aus den Resten der Zahnleiste, aus der sich die Zahnalagen bilden. Eine gingivale Zyste vergeht häufig von ganz allein, in dem sie aufplatzt. Therapie: Zystosomie

Ein keratozystischer odontogener Tumor geht von den Ursprungsgeweben der Zahnbildung aus. Die Ursache seiner Entstehung ist nicht eindeutig geklärt, man geht davon aus, dass er sich aus den Resten der Zahnleiste entwickelt. Sehr selten kommt es bei dieser Erkrankung zu maligner Entartung. Bei der Entfernung des Tumors wird auch die Knochenhöhle ausgefräst, damit eventuell verbliebende Mikrozysten vollständig entfernt werden. 

Nicht odontogene Zysten

Nicht odontogenene Zysten im Kiefer- und Mundhöhlenbereich sind entweder Fehlentwicklungen embryonaler Zellen oder Retentionszysten der Speicheldrüsen und seltener als odontogene Zysten. Zu ihnen gehören unter anderem die nasopalatinalen Zysten, die Papilla-palatina Zyste, die Naseneingangszyste, die globulomaxilliäre Zyste und die mediane Gaumenzyste und Unterkieferzyste. 

Zystektomie oder Zystosomie – wie wird eine Zyste entfernt?

Bei der Zystektomie schneidet der Kieferchirurg das Zahnfleisch auf und klappt es beiseite. Die Operation wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und verursacht keine Schmerzen. Anschließend wird der Knochen geöffnet und die komplette Zyste aus dem Knochen entfernt. Falls durch einen sehr großen Hohlraum bereits Knochendefekte entstanden sind, füllt der Chirurg den Kiefer mit Knochenersatzmaterial auf. Für diese Maßnahme kann eine Vollnarkose und ein stationärer Aufenthalt nötig werden. Da der aufgefüllte Hohlraum eine Weile braucht, um wieder vollständig zu verknöchern, dauert der Heilungsprozess entsprechend länger (sechs bis zwölf Monate). 

Ist eine Zyste bis in die Kieferhöhle vorgedrungen und bereitet dort Probleme, wird der Kieferchirurg die Kieferhöhle öffnen und die Zyste über diese Öffnung entfernen. Eine solcher Eingriff kann mit örtlicher Betäubung erfolgen, wobei die Kombination mit einem Dämmerschlaf oder einer Sedierung empfehlenswert ist.  

Bei Patienten, die unter einer schweren Allgemeinerkrankung leiden oder sehr große Zysten haben, die nahe an Nerven oder anderen empfindlichen Strukturen liegen, kann auch eine Zystosomie sinnvoller sein. Dabei wird die Zyste nur eingeschnitten und die Flüssigkeit herausgelassen. Der Druck nimmt ab, und die Zyste kann nicht weiter wachsen. Der entstandene Hohlraum bildet sich im Laufe der Zeit durch das körpereigene Knochenwachstum wieder zurück. Ein zweiter Eingriff, bei dem die Reste der Zyste entfernt werden, kann nach einer Zystosomie angeraten sein.

Nachsorge nach der Operation

Der Patient muss mit Schwellungen und Schmerzen rechnen. Sport, körperliche Belastungen, Alkohol- und Tabakgenuss sollten in den Tagen nach dem Eingriff vermieden werden. Auch kann es in den erstenTagen schmerzhaft sein, feste Nahrung zu kauen. Suppen oder breiförmige Lebensmittel sind daher empfehlenswert. Eine sorgfältige Mundhygiene ist Pflicht, der operierte Bereich sollte allerdings nur sehr umsichtig geputzt werden, die Zahnbürste könnte sonst an der Wundnaht hängenbleiben.

Fazit:

Zysten im Kiefer sind in der Regel harmlos, können aber durch stetig wachsende Raumforderung Schmerzen verursachen, das benachbarte Gewebe oder Nerven schädigen und sogar Zähne im Kiefer verschieben. Wenn Ihr Zahnarzt bei der Röntgenuntersuchung zufällig eine Zyste entdeckt, wird sie in einem kleinen Eingriff entfernt, auch wenn sie bisher keine Probleme bereitet hat.