• Mundgesundheit

Woher kommen Zahnschmerzen bei einer Erkältung?

Eine Erkältung ist eine sehr unangenehme Erkrankung. Halsschmerzen, Kopfschmerzen, das Atmen fällt schwer, die Nase läuft oder ist verstopft – und dann kommen zu diesen typischen Symptomen auch noch Zahnschmerzen hinzu. Keine Sorge, mit ziemlicher Sicherheit hat sich nicht ganz plötzlich über Nacht eine schlimme Karies entwickelt. Aber woher kommen die Schmerzen an den Zähnen, wenn man eine Erkältung hat? Und welche Behandlung ist erforderlich?

Der Zusammenhang zwischen Nebenhöhlen und Zähnen

Gleich oberhalb der oberen Zahnreihe liegen rechts und links neben der Nase die Kieferhöhlen (Sinus maxillaris), die zu den Nasennebenhöhlen zählen. Es handelt sich dabei um luftgefüllte, mit Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume im Schädelknochen. Kleine Gänge verbinden die Kieferhöhlen mit der Nase. Die Schleimhaut der Kieferhöhlen und der Nase ist mit feinen Flimmerhärchen besetzt, deren Aufgabe es ist, ständig Sekret abzutransportieren und die Atemwege zu reinigen. Die Wurzeln der Zähne im Oberkiefer grenzen an die Kieferhöhlen. Wenn im Oberkiefer zum Beispiel Zahnimplantate eingesetzt werden sollen, muss der Zahnarzt darauf achten, die Kieferhöhle dabei nicht zu verletzen. Wird aus einer einfachen Erkältung eine Nebenhöhlenentzündung, können zu den Symptomen auch Zahnschmerzen hinzukommen.

Sinusitis maxillaris – Entzündung im Höhlensystem

Eine Erkältung – oder ein grippaler Infekt – wird gewöhnlich durch Viren ausgelöst. Die Viren breiten sich über die direkten Verbindungen von Nase und Nebenhöhlen aus. Das Immunsystem wird geschwächt, es kann zusätzlich zu einer bakteriellen Infektion kommen. Wenn sich daraus eine Nasennebenhöhlenentzündung entwickelt, staut sich zähes Sekret in den Höhlen und das Gewebe schwillt an. Das ist die Ursache für die durch Schnupfen verstopfte Nase und ein charakteristisches dumpfes Druckgefühl in den Wangen, das beim Bücken oder bei schnellen Bewegungen noch stärker wird. Drückende oder pochende Schmerzen können die Entzündung begleiten, und als zusätzliches Symptom kommen häufig auch Zahnschmerzen hinzu.

In Kombination mit einer Erkältung lassen sich die Zahnschmerzen typischerweise nicht einem einzelnen Zahn zuordnen, sondern wirken eher diffus im gesamten Kiefer. Bei einer Entzündung in den Nasennebenhöhlen drückt das geschwollene Gewebe auf die Nervenenden der Zahnwurzeln im Oberkiefer und verursacht so die Zahnschmerzen. Bei einem schweren Verlauf entwickeln sich Symptome wie Fieber und Abgeschlagenheit, es kann auch zu Sehstörungen oder gelegentlich zu äußerlich sichtbaren, schmerzhaften Schwellungen kommen. Die Schmerzen können bei einer schweren Nasennebenhöhlenentzündung auch in den Unterkiefer ausstrahlen.  

Welche Behandlung hilft bei erkältungsbedingten Zahnschmerzen?

Da die Zahnschmerzen ein begleitendes Symptom der Erkältung sind, muss zunächst die Entzündung abheilen und der Druck im Inneren des Kopfes nachlassen. Das Immunsystem ist für gewöhnlich in der Lage, eine Erkältung selbst erfolgreich zu bekämpfen. Das dauert allerdings einige Tage. Ausreichend Ruhe und viel Schlaf wirken dabei unterstützend, zur Bekämpfung von Schmerzen eignen sich frei verkäufliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS). Diese Medikamente hemmen gleichzeitig auch die Entzündung.

Gegen zähflüssiges Sekret bei Schnupfen hilft viel trinken und Inhalation mit Menthol, Eukalyptus oder Salzwasser. Thymian als frisch aufgebrühter Kräutertee oder Einreibung lindert Husten. Verwenden Sie Nasensprays zum Abschwellen der Schleimhäute höchstens für ein paar Tage, die Nasenschleimhaut kann sonst austrocknen und bei längerem Gebrauch geschädigt werden. Benötigen Sie professionellen Rat, ist bei einer Erkältung mit Zahnschmerzen die erste Anlaufstelle nicht der Zahnarzt, sondern der Hausarzt oder der Hals-Nasen-Ohren-Arzt. 

Chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen

Eine Sinusitis klingt meistens innerhalb von einigen Wochen wieder ab. Bleiben die Erkrankung und begleitende Symptome länger als zwölf Wochen bestehen, spricht man von einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung. Sie verursacht gewöhnlich weniger Schmerzen als die akute Version, die Nasenatmung ist jedoch durch den Ausfluss von Sekret weiter stark behindert. Geruchssinn und Geschmacksempfinden sind bei einer chronischen Sinusitis typischerweise gestört. Die Ursache für die chronischen Probleme kann auch anatomischer Art sein, zum Beispiel durch eine schiefe Nasenscheidewand, zu enge Verbindungsgänge zwischen Nase und Nebenhöhlen oder große Nasenpolypen. Dann wird eine Operation notwendig.

Ein Antibiotikum wirkt nur gegen Bakterien und hat bei einer virenbedingten Entzündung keinen Effekt. Nur wenn die Ursache der Kieferhöhlenentzündung eine bakterielle Infektion ist und sich schnell auf benachbartes Gewebe (Stirnhöhlenentzündung) ausbreitet, wird der HNO-Arzt mithilfe eines Antibiotikums dagegen wirken. Sonst drohen schwere Komplikationen wie eine Hirnhautentzündung, Blutgerinnsel in den Hirngefäßen oder eine Knochenentzündung.

Zahnschmerzen auch nach der Erkältung?

Ist die Kieferhöhlenentzündung überstanden und die Zahnschmerzen halten dennoch an, wird es Zeit für einen Besuch beim Zahnarzt. Weisen Sie Ihren Zahnarzt auf die überstandene Erkältung hin. Es besteht die Möglichkeit, dass die Infektion ein noch unbekanntes Problem mit den Zähnen zum Vorschein gebracht hat. In der Praxis können die möglichen Ursachen für die Schmerzen zahnärztlich abgeklärt und eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden. 

Fazit

Es ist nicht ungewöhnlich, dass bei einer Erkältung auch Zahnschmerzen auftreten, wenn sich daraus eine Kieferhöhlenentzündung entwickelt hat. Die Ursache für die Schmerzen sind nicht kranke Zähne, sondern der Druck, den das geschwollene Gewebe auf die Zahnwurzeln des Oberkiefers ausübt. Nur wenn die Zahnschmerzen auch nach Abklingen der Erkältung anhalten, sollten Sie zur Kontrolle Ihren Zahnarzt aufsuchen.