Zahnhalsversiegelung – gegen Schmerzen bei freiliegenden Zahnhälsen

Autor: Dr. Petra Klostermann, DentNet Zahnärztin in Hamburg

Es muss nicht immer Karies sein: Wenn die Zähne schmerzen beim Genuss von kalten oder heißen Speisen oder bei süßen oder sauren Lebensmitteln und Getränken, dann steckt dahinter nicht unbedingt ein Loch im Zahn. Schmerzempfindliche Zähne werden häufig durch zurückgehendes Zahnfleisch ausgelöst. Dann werden die Zahnhälse nicht mehr bedeckt, und die Nervenfasern in den freiliegenden Dentinkanälchen sind äußeren Einflüssen ungeschützt ausgeliefert.

Warum können Zahnhälse schmerzen?

Rund jeder vierte Erwachsene hat in seinem Leben Probleme mit freiliegenden Zahnhälsen. Im Zuge des Älterwerdens verändert sich ganz natürlich auch das Zahnfleisch und zieht sich langsam etwas weiter zurück. Der Zahnarzt bezeichnet das als Rezession der Gingiva (Gingiva = Zahnfleisch). Das führt nicht nur dazu, dass am Zahnfleischrand das dunkle Metall von Zahnkronen sichtbar wird. Durch den Zahnfleischrückgang werden allmählich auch die empfindlichen Zahnhälse freigelegt. Sie sind nicht vom harten Zahnschmelz bedeckt, denn am Zahnhals sorgt gewöhnlich das Zahnfleisch für Schutz vor Temperaturempfindungen oder anderen Reizen. Wenn das Zahnfleisch den Zahnhals nicht mehr schützt, können winzige Kanäle im Dentin Schmerzen ans Innere des Zahns weiterleiten. Welche Aufgaben der Zahnschmelz hat und wie wichtig er für die Zahngesundheit ist, können Sie hier nachlesen: Der Zahnschmelz – Schutzpanzer des Zahns

Welche Ursachen können freiliegende Zahnhälse haben?

Zahnfleischerkrankungen

Eine unbehandelte Gingivitis (Zahnfleischentzündung) kann sich zu einer Parodontitis entwickeln. Wenn es beim Zähneputzen oder bei der Reinigung mit Interdentalbürsten mal blutet, ist das nicht gleich ein Weltuntergang. Schon gar nicht sollten Sie deshalb Ihre regelmäßige Zahnpflegeroutine unterbrechen. Hält das Zahnfleischbluten aber an, auch wenn Sie regelmäßig die Zahnzwischenräume reinigen, sollten Sie Ihren Zahnarzt zur Kontrolle aufsuchen. Wenn aus der Zahnfleischentzündung eine Entzündung des Zahnhalteapparats wird – eine Parodontitis –, kann das zunächst gar nicht auffallen, da eine Parodontitis oft schmerzfrei verläuft. Im Untergrund jedoch baut sich der Kieferknochen ab und die Zähne lockern sich. Ein äußeres Indiz dafür sind tiefe Zahnfleischtaschen, zurückweichendes Zahnfleisch und damit zwangsläufig auch freiliegende Zahnhälse. Die Zähne wirken optisch länger, da das Zahnfleisch schwindet und mehr vom ganzen Zahn und seiner Wurzel preisgibt. Die Folgen einer chronischen Entzündung wie einer Parodontitis können sich im ganzen Körper zeigen, da die Entzündungsstoffe über die Blutbahn verteilt werden. Der Zahnarzt kann mit speziellen Untersuchungsmethoden feststellen, ob eine Parodontitis vorliegt und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Alle zwei Jahre zahlt die gesetzliche Krankenkasse ein parodontales Screening zur Früherkennung von Parodontitis. Sprechen Sie Ihren Zahnarzt einfach darauf an. 

Zähneknirschen (Bruxismus)

Das unbewusste Verarbeiten von seelischen Belastungen im Schlaf sorgt bei vielen Menschen dafür, dass sie die Zähne mit extremem Druck aufeinander pressen und knirschend gegeneinander reiben. Das fördert nicht nur Zahnschmelzabbau und kann zu Problemen mit dem Kiefer und einer CMD (Cranio-mandibuläre Dysfunktion) führen. Im Zahnschmelz und am Zahnhals entstehen winzige Risse, auch das Zahnfleisch reagiert auf die starke Belastung und zieht sich zurück. Freiliegende Zahnhälse sind die Folge. Die Konsequenzen nächtlichen Knirschens kann der Zahnarzt mit einer individuellen Aufbissschiene aus Kunststoff verhindern, die den Druck abmildert, den Kiefer entlastet und den Zahnschmelz vor übermäßigem Abrieb schützt. Die Ursache für den Bruxismus ist damit meistens nicht beseitigt, aber die Folgeschäden lassen sich in Grenzen halten. Mehr zur Knirscherschiene und den häufigsten Ursachen für das Zähneknirschen können Sie hier nachlesen: Die Knirscherschiene – nächtlicher Schutz vor Zahnschäden

Zu intensives und falsches Zähneputzen

Zwei Mal täglich putzen ist gut. Aber zu viel des Guten sollte es auch nicht werden: Eine harte Zahnbürste, eine stark schmirgelnde Zahnpasta, zu fester Druck beim Putzen oder eine falsche Zahnputztechnik kann nicht nur den Zahnschmelz beschädigen, sondern auch das Zahnfleisch angreifen. Es zieht sich vor dem mechanischen Reiz zurück und legt die Zahnhälse immer mehr frei. Süßes und Saures, Hitze oder Kälte schmerzen dann, Bakterien und Keime können sich leichter ansiedeln, und das Zahnfleisch reagiert darauf, in dem es noch weiter zurückweicht. Durch zu grobes Zähneputzen können direkt am Zahnfleischrand charakteristische keilförmige Putzdefekte entstehen Ein elektrische Zahnbürste kann Abhilfe schaffen, da sie ihren Benutzer bei zu festem Putzen mit einem Licht- oder Tonsignal warnt. Ihr Zahnarzt erklärt Ihnen gern, wie Sie Ihre Zähne gründlich putzen, ohne sie zu beschädigen. Wenn Sie eine Handzahnbürste verwenden, wählen Sie eine Zahnbürste mit weichen Borsten und eine Zahnpasta mit wenig Schleifanteilen. Mehr über die unterschiedlichen Sorten Zahnpasta und was sie alles können, haben wir hier beschrieben: Zahnpasta – die Putzhilfe aus der Tube

Andere Ursachen für freiliegende Zahnhälse

Mangelnde oder falsche Mundhygiene, Rauchen, ungesunde Ernährung und Stress können die Ursache für freiliegende Zahnhälse sein. Eine schlecht eingestellte Diabetes zählt ebenfalls zu den Risikofaktoren für offene Zahnhälse. Metallene Piercings im Mund schädigen nicht nur die Zähne, sondern fördern auch Zahnfleischrückgang und damit die Schmerzempfindlichkeit. 

Wie kann der Zahnarzt bei freiliegenden Zahnhälsen helfen?

Die Reizempfindlichkeit freiliegender Zahnhälse kann der Zahnarzt durch eine Zahnhals-Versiegelung (Dentinversiegelung) verringern. Bei dieser Prozedur wird Fluoridlack auf die Zahnhälse aufgetragen, der die feinen Dentinkanäle verschließt und dadurch die Schmerzleitfähigkeit einschränkt oder unterbindet. Die schmerzfreie Behandlung muss meistens nur ein Mal vorgenommen werden; in manchen Fällen ist aber auch eine Wiederholung der Versiegelung notwendig. Alternativ kann auch ein dünnflüssiger Kunststoff auf die Zahnhälse aufgetragen werden, der einen ähnlichen Effekt hat. Vor der Behandlung mit Lack oder Kunststoff muss eine Professionelle Zahnreinigung durchgeführt werden, damit die Versiegelung gut hält.

Durch falsches Putzen – zum Beispiel intensives horizontales Schrubben – oder heftiges Knirschen entstehen am Zahnhals sichtbare Kerben, die der Zahnarzt schichtweise mit einer zahnfarbenen Kompositfüllung versorgt, der sogenannten Zahnhalsfüllung. Der Unterschied zu gewöhnlichen Füllungen ist, dass am Zahnhals kein Zahnschmelz zur Verfügung steht, in den eine Füllung eingebracht werden kann. Zahnhalsfüllungen müssen farblich zum Zahn passen, um ästhetisch auszusehen, und werden aufgrund ihrer Position mechanisch sehr ungünstig belastet. Daher verwenden Zahnärzte meist eine andere Zusammensetzung der Kunststofffüllung als üblich, und auch eine andere Klebetechnik, um die Füllung zu befestigen. 

Freiliegende Dentinkanälchen am Zahnhals können auch mit einem Laser verschlossen werden, um die Schmerzempfindlichkeit sensibler Zähne zu beheben. Die Behandlung mit einem Diodenlaser weicht das freiliegende Dentin kurzzeitig auf, sodass sich die offenen Kanäle verschließen können. 

Zurückgegangenes Zahnfleisch wächst nicht wieder nach. Hat sich das Zahnfleisch so weit zurückgezogen, dass der Patient unter der ästhetischen Beeinträchtigung leidet, kann es mit plastischen Maßnahmen wiederhergestellt werden. Dazu wird noch vorhandenes Zahnfleisch entweder verschoben oder mit einem Streifen Transplantat aus dem Gaumen rekonstruiert und vernäht. Etwa drei Wochen lang muss der Patient die betroffene Stelle mit der Zahnbürste meiden, bis die Wundheilung abgeschlossen ist. 

Was können Sie selbst tun, um gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch zu behalten?

Die Voraussetzung für gesunde Zähne ist immer eine gute Mundhygiene. Konsequente Zahnpflege, die Reinigung der Zahnzwischenräume und regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt sorgen dafür, dass ihr Mund gesund bleibt und Zahn- und Zahnfleischerkrankungen früh genug erkannt werden. Wie Sie richtig Zähneputzen, ohne dabei die Zahnsubstanz zu beschädigen oder das Zahnfleisch zu reizen, haben wir hier beschrieben: Richtig Zähneputzen. Spezielle Zahnpasten für empfindliche Zähne schmirgeln den Zahnschmelz nicht ab und können mit speziellen Wirkstoffen dabei helfen, die Dentinkanälchen zu verschließen. Versäumen Sie nicht, an eine Professionelle Zahnreinigung in der Praxis zu denken. Sie reinigt gründlicher und nachhaltiger als jede Zahnbürste, entfernt Flecken und Verfärbungen und sollte mindestens ein Mal im Jahr durchgeführt werden. 

Fazit:

Zieht sich der schützende Saum des Zahnfleischs vom Zahnhals zurück, schmerzt es empfindlich. Mit verschiedenen Maßnahmen kann der Zahnarzt die Probleme beheben und die Schmerzempfindlichkeit der Zähne und der sensiblen Zahnhälse verringern oder abstellen. Zu Hause sollten Sie unbedingt die richtige Putztechnik trainieren, damit Sie Ihren Zähnen bei Ihren Reinigungsbemühungen keine Schäden zufügen.


Dieser Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist nicht als Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung gedacht. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.