Zahnschmerzen nach der Füllung – wie kann das sein?

Spätestens wenn es richtig weh tut, gehen selbst die härtesten Patienten zum Zahnarzt und lassen nachschauen, was da los ist. Zahnschmerzen gehören zu den unangenehmsten Schmerzen, und nach der Untersuchung kann der Zahnarzt die Ursache gezielt bekämpfen. Was aber, wenn die Karies beseitigt ist, der kaputte Zahn eine schöne neue Füllung bekommen hat und es trotzdem weiter schmerzt? 

Verschiedene Arten von Zahnschmerzen

Zahnschmerzen sind nicht immer gleich. Pochende oder pulsierende Schmerzen werden durch Entzündungen hervorgerufen. Das Immunsystem kämpft gegen die Entzündung an, indem es das Gewebe stärker durchblutet – es kommt zu Schwellungen. Ist das Innere des Zahns entzündet (Pulpitis), kann es sich in seinem begrenzten Raum nicht ausdehnen – das ist die Ursache für ausgeprägte Zahnschmerzen, die vor allem beim Kauen entstehen. Der Schmerz verstärkt sich bei körperlicher Anstrengung und ist abends meistens stärker als morgens. 

Druckschmerz entsteht durch Schwellungen bei gesteigerter Durchblutung oder die Ansammlung von Sekret im Gewebe. Wenn sich Eiter im Knochen oder Zahnfleisch bildet, baut sich immer mehr Druck auf, bis sich das Sekret schließlich an der Oberfläche entlädt. Eine weitere Ursache für Zahnschmerzen durch zu viel Druck ist die Überlastung des Zahnhalteapparats, die zum Beispiel vom nächtlichen Zähneknirschen kommt. Die Sharpey-Fasern, die den Zahn im Zahnfach verankern, werden durch den hohen Druck stark gedehnt. Das kann zu Empfindlichkeiten und Schmerzen führen.

Ziehende Zahnschmerzen deuten auf freiliegende Nervenkanäle im Dentin hin. Der Schmerz zeigt sich hauptsächlich beim Verzehr von Heißem, Kaltem oder süßen und sauren Speisen und Getränken und verschwindet danach wieder. Nach einer Zahnbehandlung können diese Schmerzen vor allem auftreten, wenn das Zahnfleisch für eine Füllung beiseite geschoben wurde und sich erst wieder regenerieren muss.

Woher kommen Zahnschmerzen nach einer zahnärztlichen Behandlung?

Unter ihrem harten Mantel aus Zahnschmelz sind die Zähne empfindliche Wesen. Das Dentin unter der Schmelzhülle macht den größten Teil des Zahns aus und ist von winzigen Kanälchen durchzogen. Diese Dentinkanälchen enthalten Fortsätze der Nervenzellen des Zahns, die Schmerz weiterleiten können. Ist der Zahnschmelz irgendwo beschädigt – zum Beispiel durch Karies –, schmerzt Heißes oder Kaltes, Süßes und Saures, weil der Zahnnerv gereizt wird.

Aber auch Behandlungen mit mechanischen Geräten und den diversen Materialien für Zahnfüllungen können dem Zahn im wahrsten Sinne des Wortes "auf den Nerv" gehen. Je tiefer die Karies sich in den Zahn gefressen hat, desto näher kommt der Zahnarzt beim Ausbohren dem Zahnnerv. Dasselbe gilt für die Entfernung von alten Füllungen, die ersetzt werden müssen. Von Karies befallene Stellen müssen vor dem Legen einer neuen Füllung vollständig entfernt werden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass nach Abklingen der örtlichen Betäubung in den ersten Tagen bis zu einer Woche nach einer Zahnfüllung noch schmerzempfindliche Zähne oder Zahnschmerzen auftreten. Wenn der Zahnnerv sich wieder beruhigt hat, legen sich auch die Beschwerden. Zur Unterstützung können Sie die betroffene Stelle kühlen und den schmerzenden Zahn schonen. Ist der Schmerz schlecht auszuhalten, helfen auch frei verkäufliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol.

Welche anderen Ursachen haben Zahnschmerzen nach der Füllung?

Bestehen auch eine Woche oder länger nach dem Zahnarztbesuch starke Zahnschmerzen am behandelten Zahn, sollten Sie Ihren Zahnarzt kontaktieren. Je nach Art der zuerst erfolgten Behandlung kann sich dahinter ein weiterer behandlungsbedürftiger Befund verbergen. Auch bei pochenden Schmerzen, Blutungen und Entzündungen ist eine Untersuchung in der Praxis dringend angeraten, um schlimmere Folgen zu verhindern. Die häufigsten Ursachen für Zahnschmerzen, die nach einer Behandlung auftreten, sind:

Zahnschmerzen nach einer Füllung

Wenn nach dem Abklingen der Betäubung das unangenehme Gefühl entsteht, beim Kauen ständig auf die neue Füllung zu beißen, ist sie womöglich zu hoch. Schon eine geringfügig zu hohe Füllung ist die Ursache für Probleme, weil der Zusammenbiss ungünstig verändert wird. Schon ein leicht unpassender Biss kann auch der Grund für Zähneknirschen sein, da der Körper versucht, das Ungleichgewicht zu beheben. Der Zahnarzt behebt diesen Höhenunterschied mit einer einfachen und schnellen Korrektur.

Eine nicht korrekt abgedichtete Füllung hinterlässt einen kleinen Spalt zwischen Zahn und dem Füllungsmaterial. Durch diesen Spalt können reizende Einflüsse aus dem Mund über die Dentinkanälchen ins Innere des Zahns gelangen und Schmerzen verursachen. Der Zahnarzt muss eine fehlerhafte Füllung erneuern, da ansonsten auch Bakterien oder Speisereste eindringen und eine Entzündung hervorrufen.

Manchmal muss bei der Behandlung der Karies an einer ungünstigen Stelle das Zahnfleisch beiseite geschoben werden. Dann liegen für eine Weile die schmerzempfindlichen Zahnhälse frei. Bei anhaltenden Beschwerden und ziehenden Schmerzen werden die freiliegenden Zahnhälse mit einem Fluoridlack oder mit Füllungsmaterial, in Form von flüssigem Kunststoff (Komposit), in der Praxis versiegelt.

Es kann trotz aller Sorgfalt des Zahnarztes dazu kommen, dass beim Legen einer Zahnfüllung bakterielle Beläge unter das Zahnfleisch geschoben werden. Das kann zu Schwellungen, Zahnfleischbluten und Entzündungen führen. Die gewissenhafte Reinigung der Zähne mit Zahnbürste, Zahnseide oder Interdentalbürsten ist die beste Maßnahme bei solchen Erscheinungen. Lassen die Blutungen und Entzündungssymptome auch dann nicht nach, ist ein Besuch beim Zahnarzt nötig. 

Bei der Entfernung von tiefer Karies aus dem Zahn kommt der Bohrer dem Zahnnerv sehr nahe. Durch die mechanische Bearbeitung mit dem Bohrer, aber auch durch das Eindringen von Bakterien ins Innere des Zahns kann sich der Nerv gereizt werden und sich entzünden. Das verursacht pochende starke Schmerzen. Wenn der Zahnnerv geschädigt ist, ist eine Wurzelkanalbehandlung nötig. Dabei wird das Innere des Zahns bis zu seiner Wurzelspitze komplett ausgeräumt und anschließend mit einem Füllmaterial bakteriendicht verschlossen. Der Zahn ist dann klinisch tot und empfindet keine Schmerzen mehr, kann aber im Gebiss noch lange erhalten bleiben und seine Funktion erfüllen.

Manchmal ist auch das Material für die Zahnfüllung die Ursache für Schmerz. Zahnfarbene Kompositmaterialien müssen absolut trockengelegt werden, damit die Füllung im Zahn dauerhaft hält. Während der Trocknung verschiebt sich die Flüssigkeit in den Dentinkanälen, der Zahnnerv reagiert darauf mit Zahnschmerzen. In seltenen Fällen kann auch das Kompositmaterial selbst reizend wirken. Eine Füllung aus Kompositmaterial wird mit Säure-Ätz-Technik fest mit dem Dentin des Zahnes verbunden. Dauert der Ätzvorgang zu lange an, kann auch dabei der Zahnnerv gereizt werden oder sich entzünden.

Zahnschmerzen nach einer Wurzelbehandlung

Wenn der Zahnarzt eine tiefe Karies entfernen musste und der Zahnnerv auf die Behandlung mit einer Entzündung (Pulpitis) reagiert, ist eine Wurzelkanalbehandlung notwendig. Eine Entzündung im Inneren des Zahns verursacht intensive Schmerzen. Unter lokaler Betäubung wird der Zahnnerv mit kleinen Werkzeugen komplett entfernt und alle vorhandenen Wurzelkanäle gespült und desinfiziert. Anschließend erhält der Zahn eine spezielle Wurzelfüllung. Es kann vorkommen, dass die Wurzelbehandlung nicht erfolgreich war. Wenn Entzündung und Schmerz bestehen bleiben, muss eine erneute Behandlung vorgenommen werden. Sie ist etwas aufwendiger als die erste. Als letzte Möglichkeit, den Zahn zu erhalten, bietet sich noch eine Wurzelspitzenresektion zur Behebung der Schmerzen an. In letzter Konsequenz muss der betroffene Zahn gezogen werden.

Fazit

Patienten, die gerade eine neue Füllung beim Zahnarzt bekommen haben, können anschließend einige Tage unter Zahnschmerzen oder Empfindlichkeiten leiden. Das ist nicht ungewöhnlich, da die mechanische Behandlung oder das Material für die Füllung für ein paar Tage empfindliche Zähne hervorrufen kann. Bleiben die Beschwerden aber länger bestehen, sollte der Zahnarzt noch einmal mögliche Ursachen kontrollieren, die für die Schmerzen verantwortlich sind. Chronische Schmerzen sind immer ein Grund, die Praxis aufzusuchen.