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Zahnschmerzen – was tun? Schnelle Hilfe

Autor: Dr. Stefan Thomas, DentNet Zahnarzt in Hannover

Jeder, der schon mal Zahnschmerzen hatte, weiß wie schmerzhaft das sein kann. Meistens kommen sie aus dem Nichts und schlagen mit voller Kraft zu – bevorzugt vor dem Wochenende oder auf Urlaubsreisen. Betroffene sollten umgehend einen Zahnarzt oder den zahnärztlichen Notdienst aufzusuchen. Aber das ist leichter gesagt als getan, wenn gerade keine Praxis geöffnet hat. Der Schmerz ist in den meisten Fällen ein Symptom, das auf einen Defekt hinweist. Bis eine professionelle Behandlung Abhilfe schafft, können Stunden oder vielleicht Tage vergehen. Wie Sie einen zahnärztlichen Notdienst finden, können Sie hier nachlesen: Zahnärztlicher Notdienst – wer, wie, wann?

Im Folgenden haben wir einige Geheimtipps und Hausmittel zusammengestellt, um Schmerzen temporär in den Griff zu bekommen. Unsere Tipps können Ihnen Erleichterung verschaffen und Symptome lindern, aber die Ursache des Problems meistens nicht beseitigen. Suchen Sie so schnell wie möglich Ihren Zahnarzt auf

Was sind mögliche Ursachen für Zahnschmerzen?

Zahnschmerzen können sich auch als Symptome von Herzkrankheiten (Angina pectoris, Herzinfarkt), Ohrinfektionen oder anderen Nebenhöhlenerkrankungen manifestieren.

Welche Art von Zahnschmerz haben Sie?

Versuchen Sie Ihren Zahnschmerz einzuordnen

Zahnschmerzen können Symptome für größere Probleme in Ihrem Mund sein und verschiedene Ursachen haben. Versuchen Sie zunächst die schmerzhafte Stelle zu lokalisieren und die Beschwerden einzuordnen.

  • Ist es ein scharfer stechender Schmerz, der sich anfühlt, als ob jemand mit einem spitzen Gegenstand auf Ihren Zahn einschlägt?
  • Ist es ein pochender Schmerz, der sich anfühlt, als ob der Zahn einen eigenen Herzschlag hat?
  • Handelt es sich um eine Entzündung in der Umgebung des Zahns, mit ggf. rotem, gereiztem Zahnfleischrand?
  • Ist es ein genereller Schmerz in Mund und Kiefer, der schwer zu lokalisieren ist?

 

Schmerzempfindliche Zähne können immer wieder auftreten und werden häufig mit Zahnpasta für besonders empfindliche Zähne erfolgreich behandelt. Scharfe Schmerzen deuten oftmals auf einen Defekt am einzelnen Zahn oder auf eine Verletzung hin, die Sie auf jeden Fall von einem Zahnarzt untersuchen lassen sollten, ebenso wie lang anhaltende, heftige Schmerzen von mehr als 30 Sekunden nach dem Verzehr von warmen oder kalten Speisen. Konstante und starke Schmerzen in Verbindung mit Druckgefühl, Schwellung des Zahnfleisches und Empfindlichkeit gegenüber Berührung sprechen für eine Infektion im Kiefer oder des umliegenden Gewebes, ggf. auch für eine Zahnfleischentzündung. Auch hier sollte Ihr erster Weg zu einem Zahnarzt führen und Ihre Aktivität in der Bekämpfung der Schmerzen bis zu diesem Termin liegen. Dumpfe Zahnschmerzen und Druck in der oberen Zahnreihe können entweder auf eine Form von Zähneknirschen – auch Bruxismus genannt – hinweisen oder eine Ausstrahlung von Stirnhöhlenkopfschmerz sein, der auch im Gesicht und in den Zähnen spürbar ist.

Schlecht schmeckende Drainage aus dem infizierten Zahn oder sogar Fieber, Ohren- oder Kopfschmerzen sind ernstzunehmende Anzeichen. Bitte suchen Sie so schnell wie möglich Ihren Zahnarzt auf, wenn Ihre Zahnschmerzen länger als ein oder zwei Tage anhalten.

Ist Alkohol ein geeignetes Hausmittel gegen Zahnschmerzen?

Alkohol ist durchaus ein geeignetes Mittel bei einem schmerzenden Zahn. Allerdings nur, wenn Sie hochprozentigen Alkohol als Mundspülung benutzen und ihn nachher wieder ausspucken. Hochprozentiger Alkohol hat eine desinfizierende Wirkung, die Keime und Bakterien an der schmerzenden Stelle beseitigen kann. Dieses Hausmittel sollte natürlich nicht bei Kindern angewendet werden. 

Kann man vom Stress Zahnschmerzen bekommen?

Menschen, die unter großem Stress leiden, neigen dazu, ihre Zähne unter Anspannung fest zusammenzupressen oder nachts mit den Zähnen zu knirschen. Beides schädigt auf Dauer die Substanz der Zähne und kann zu Kieferproblemen oder einer Craniomandibulären Dysfunktion führen.

Können Zahnschmerzen vom Ohr kommen?

Starke Ohrenschmerzen strahlen innerhalb des Kopfes so weit aus, dass der Eindruck entsteht, dass die Ursache bei den Zähnen liegt. Oft ist dieses Symptom mit dem Abklingen der Ohren-Erkrankung jedoch ebenfalls behoben und muss nicht mehr separat behandelt werden.

DentNet Ratgeber - Zahnschmerzen - Kinderzähne - Milchzähne - Kind

Welche Art von Zahnerkrankungen könnten Sie haben?

Karies

Als Karies werden weiche Stellen im Zahnschmelz bezeichnet. Dort haben Bakterien einen Säureangriff gestartet, können sich dauerhaft ansiedeln und die Zahnsubstanz schädigen. Die faulen Stellen im Zahn werden auch gern als Löcher bezeichnet. Nicht alle Löcher schmerzen, und nur Ihr Zahnarzt kann feststellen, ob Sie Karies haben. Wenn der Schmerz nur in einem Zahn auftritt, kann der Zahn ein Loch haben. Karies kann durch schlechte Zahnhygiene und durch den Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln verursacht werden. Sie kann auch durch Medikamente ausgelöst werden, die einen trockenen Mund verursachen, wie Antazida, Antihistaminika und Blutdruck Medikamente.

Zahnfleischentzündungen

Ein Abszess oder eine Eitertasche können an verschiedenen Teilen des Zahnes auftreten. Abszesse werden durch bakterielle Infektionen verursacht. Sie können von Parodontitis oder nicht behandelter Karies herrühren. Es gibt zwei Arten von Abszessen: parodontale Abszesse, die neben einem Zahn in der Nähe des Zahnfleisches auftreten – häufig auch in den Zahnfleischtaschen –, und periapikale Abszesse, die normalerweise durch Fäulnis oder Verletzung verursacht werden und an der Zahnwurzel stattfinden.

 

Dünner oder verletzter Zahnschmelz

Ihre Zähne werden außen durch den Zahnschmelz geschützt – eine harte Schicht, die die Nervenenden schützt. Wenn diese Schicht sich abnutzt oder verletzt wird, werden Ihre Zähne empfindlich für heiße und kalte Speisen oder kalte Luft. Saure, süße und klebrige Nahrungsmittel können dazu führen, dass Ihre Zähne empfindlich reagieren. Ursache für den Abrieb und Verlust des Zahnschmelzes kann das Zähneputzen mit zu viel Druck oder mit einer harten Zahnbürste sein, nächtliches Zähneknirschen oder die Reibung an der gegenüberliegenden Zahnreihe.

 

Zahnfleischrückgang (Gingivarezession)

Wenn das Zahnfleischgewebe sich zurückzieht und den Zahnhals freilegt, kommt es zu überempfindlichen Zähnen und ziehenden Schmerzen. Eine häufige Ursache für die freiliegenden Zahnhälse ist das Zähneputzen mit zu viel Druck und einer zu harten Zahnbürste. Aber auch ein Mundtrauma, schlechte Mundhygiene oder die Genetik können für eine Gingivarezession verantwortlich sein.

 

Pulpitis

Pulpitis ist eine Entzündung des Gewebes innerhalb eines Zahnes, wo sich die Nerven und Blutgefäße des Zahns befinden. Wenn eine Pulpitis unbehandelt bleibt, kann es dazu kommen, dass ein Zahn abstirbt. Bevor die Zahnwurzel vollkommen gefühllos wird, entstehen starke Zahnschmerzen.

 

Zahnfleischerkrankungen (Gingivitis und Parodontitis)

Gingivitis ist eine Vorstufe von Parodontitis, eine Art von Zahnfleischerkrankung. Das Zahnfleisch ist entzündet, schmerzt und blutet beim Zähneputzen oder bei der Verwendung von Zahnseide. Bleibt die Gingivitis unbehandelt, können Bakterien durch die tiefer werdenden Zahnfleischtaschen bis tief in den Zahnhalteapparat (das Parodont) vordringen. Eine Parodontitis verursacht zunächst keine Schmerzen, kann im weiteren Stadium jedoch zur Lockerung und zum Verlust von Zähnen führen. 

Was kann mir gegen Zahnschmerzen helfen?

Für die Zeit bis zu Ihrem Termin beim Zahnarzt haben wir für Sie die besten Tipps und bewährte Erste-Hilfe-Maßnahmen zusammengestellt, damit Sie plötzlich auftretenden Zahnschmerz temporär lindern können.

Spülen Sie mit warmen Salzwasser

Diesen Tipp erhalten Sie auch von Ihrem Zahnarzt, um Schmerzen bis zur Behandlung zu stoppen. Dies ist nicht nur eine sehr effektive Art und Weise, Zahnschmerz zu lindern, sondern auch eine sehr einfache. Salzwasser wirkt antibakteriell, desinfizierend, abschwellend und schmerzlindernd.

Eine Kochsalzlösung stellen Sie unkompliziert zu Hause her: Lösen Sie einen gehäuften Teelöffel Speisesalz in 500 ml warmem Wasser auf, bis sich das ganze Salz aufgelöst hat. Spülen Sie mit der Kochsalzlösung gründlich Ihren Mund und vor allem die schmerzende Stelle. Spucken Sie das Wasser danach aus. Wiederholen Sie den Vorgang mehrmals hintereinander und erneut nach ein paar Stunden.  

Verwenden Sie einen Eisbeutel

Wenn die Ursache des Schmerzes eine Schwellung oder die berühmte "dicke Backe" ist, wie es oft bei entzündeten Weisheitszähnen der Fall ist, kann die Anwendung eines Eisbeutels eine gute Erste Hilfe sein. Füllen Sie einfach Eiswürfel aus ihrem Gefrierschrank in einen Plastikbeutel und wickeln Sie ein Handtuch darum. Drücken Sie den Eisbeutel direkt von außen an die schmerzende Wange. Das Handtuch verhindert die Verletzung der Haut durch die Kälte. Das Eis lindert nicht nur den Schmerz durch die betäubende Wirkung der Kälte, sondern lässt auch mögliche Entzündungen zurückgehen. Die Kälte drosselt die Blutzufuhr am Schmerzursprung.

Der Geheimtipp: Die Gewürznelke

Die Gewürznelke ist das am besten gehütete Geheimnis, wenn es um die Linderung von Zahnschmerzen geht. Sie ist eines der besten Hausmittel, die sogar eine Doppelwirkung mitbringen. Der Schmerz wird durch die anästhetischen Eigenschaften der Nelke betäubt, eine Infektion aufgrund der antibakteriellen und antiseptischen Eigenschaften verhindert. Schon in der Antike wurde Nelkenöl mit seinen ätherischen Ölen bei Zahnbehandlungen eingesetzt, um Schmerzen zu lösen und Entzündungen zu lindern.

Nehmen Sie etwas Nelkenöl und träufeln Sie es auf einen Wattebausch. Halten Sie den Wattebausch direkt auf die betroffene Stelle und das umliegende Zahnfleisch. Halten Sie den Wattebausch an Ort und Stelle, bis die akuten Zahnschmerzen nachlassen.

Für manche Menschen ist der Geschmack von Nelkenöl zu intensiv und unangenehm. Wenn dies der Fall ist, mischen Sie es mit ein wenig Olivenöl. Dies verdünnt das Nelkenöl und macht es geschmacklich milder. Wiederholen Sie diese Behandlung mehrmals täglich nach Bedarf. Nelkenöl ist ein pflanzliches Mittel mit einer sehr guten Wirkung.

DentNet Ratgeber - Gewürznelken gegen Zahnschmerzen

Verwendung von Schmerzmitteln

Auch rezeptfreie Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen können Schmerzen und Schwellungen lindern und sind legitime Mittel, Sie nachts gut schlafen zu lassen und um die Wartezeit bis zur zahnärztlichen Behandlung zu überbrücken. Sie stellen jedoch nur eine kurzfristige Lösung dar und können Nebenwirkungen verursachen; daher ist äußerste Vorsicht bei der Dosierung und ein gründliches Lesen der Packungsbeilage empfohlen. Vor eventuellen zahnärztlichen Eingriffen sollte die teils blutverdünnende Wirkung von Schmerzmitteln wie z. B. der Acetyl-Salicyl-Säure (Aspirin) berücksichtigt werden. Magenbeschwerden, Durchfall und eine Belastung der Leber sowie eine Begünstigung von Herzinfarkten und Schlaganfällen sind mögliche Risiken dieser Medikamente. Suchen Sie Ihren Zahnarzt möglichst zeitnah auf, damit er die Ursache für Ihre plötzlichen Zahnschmerzen ermitteln kann.

Menschen, die Schmerzmedikamente nicht vertragen, sollten auf homöopathische Mittel oder Hausmittel ausweichen, die am besten gegen Schmerzen wirken.

 

Mundspülung mit Tee

Kamille, Johanniskraut, Pfefferminze, Baldrian, Melisse und Salbei: Nutzen Sie die entzündungshemmende Wirkung dieser Kräuter, um Ihre Schmerzen einzudämmen. Sie können diese Kräuter einzeln oder gemischt als Tee aufgießen. Die natürlichen Hausmittel haben noch viele andere gesundheitsfördernde Eigenschaften und wirken sich auch auf andere Körperregionen positiv aus. Spülen Sie nur nicht länger als eine Woche, da sie – Vorsicht bei Salbei in der Schwangerschaft! – auch Nebenwirkungen entfalten können.

Zwiebeln

Die Verwendung dieses wirksamen Hausmittels klingt zwar etwas seltsam, kann aber unter Umständen eines der zuverlässigsten sein. Zwiebeln waren schon immer ein Hausmittel, um Schmerzen und Entzündungen von Arthritis und anderen Erkrankungen zu lindern. Aus diesem Grund liegt es nahe, dass auch Schmerzen und Entzündungen im Mundraum auf diese Art und Weise behandelt werden können.

Die Zwiebel ist wirksam, weil sie Phytochemikalien enthält, die auf die Keime abzielen, die für die Infektion verantwortlich sind. Allein die Tatsache, dass man bei der Anwendung auf rohen Zwiebeln kauen muss, lässt viele Schmerzpatienten vor dieser Behandlung zurückschrecken. Vor allem, weil die Schmerzlinderung umso besser wirkt, wenn der Geschmack der Zwiebel besonders intensiv und penetrant ist. Milde und süße Zwiebeln funktionieren nicht so gut wie die roten und gelben Zwiebeln.

Bei den ersten Anzeichen von Zahnschmerzen schneiden Sie ein Stück Zwiebel ab und kauen Sie es auf der Seite des Mundes, die am meisten schmerzt. Dadurch kann der Saft der Zwiebel in Ihren Zahn eindringen. Wenn Sie feststellen, dass der Schmerz beim Kauen zu stark ist, können Sie mit Ihrem Finger das Stück Zwiebel direkt gegen die schmerzende Stelle an Zahn und Zahnfleisch halten.

Nikotin und Zucker gefährden Ihre Zahngesundheit

Um es erst gar nicht zu Zahnschmerzen kommen zu lassen, können Sie sinnvoll vorbeugen. Nikotin schadet Ihren Zähnen ebenso wie Zucker. Während Sie das Rauchen aufgeben können, lässt sich Zucker in vielen Lebensmitteln nicht immer identifizieren. Leben Sie gesund, vermeiden Sie Risikofaktoren und behandeln Sie Ursachen für drohende Erkrankungen schon bei den ersten Anzeichen.

Fazit:

Die Vorsorge

Gute Zahnpflege ist der beste Weg, um weitere Ursachen für Zahnschmerzen zu vermeiden. Zahnbürste und Zahnseide in der täglichen Anwendung sind eine effiziente Lösung, um viele der genannten Probleme und Komplikationen zu vermeiden und gesunde Zähne zu erhalten. Benutzen Sie keine zu harten Zahnbürsten und reinigen Sie Ihre Zähne nicht mit zu viel Krafteinsatz. Lassen Sie zweimal im Jahr eine Professionelle Zahnreinigung durchführen. Hausmittel wirken bei Erkrankungen unterschiedlich intensiv und meistens nur temporär. Starke Zahnschmerzen haben eine breite Palette von Ursachen. Wenn Ihre Schmerzen konstant sind oder sich nicht schnell beheben lassen, suchen Sie unbedingt einen Zahnarzt auf. Nur er ist in der Lage, eine professionelle Einschätzung Ihrer Schmerzursachen zu treffen und für Sie als Patient eine schnelle Abhilfe zu schaffen.

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