Zahnfleischerkrankungen: Ursachen, Vorbeugung und Behandlung

Wenn das Zahnfleisch blutet, geschwollen ist oder schmerzt, steckt ziemlich sicher eine Zahnfleischerkrankung dahinter. Diese kann verschiedene Ursachen, Ausprägungen und Folgen haben. Das Zahnfleisch gehört zum Zahnhalteapparat und ist von größter Bedeutung für die Zahngesundheit. Nicht behandelte Zahnfleischerkrankungen können weitreichende gesundheitliche Folgeschäden verursachen, vom Zahnfleischschwund über Zahnverlust bis hin zum Herzinfarkt.

Was sind Anzeichen und Symptome für Zahnfleischerkrankungen?

Wenn eine oder mehrere der folgenden Merkmal vorliegen, sollte unbedingt der Zahnarzt aufgesucht werden:

  • rotes, geschwollenes Zahnfleisch
  • Zahnfleischrückgang
  • Blutungen beim Bürsten oder bei Verwendung von Zahnseide
  • sichtbarer Eiter
  • Zähne fühlen sich locker und beweglich an
  • Veränderungen im Biss
  • erhöhte Empfindlichkeit gegenüber heißen oder kalten Speisen
  • Schmerzen beim Kauen
  • schlechter Geschmack im Mund
  • anhaltender Mundgeruch

Ein Hinweis zur Vorsicht: Auch wenn Sie keins dieser Symptome haben, ist es möglich, dass Sie eine Zahnfleischerkrankung haben.

Wichtig: Gehen Sie regelmäßig zu Routineuntersuchungen, damit der Zustand Ihres Zahnfleischs kontinuierlich kontrolliert wird.

Wie wird Ihr Zahnarzt die Zahnfleischerkrankung diagnostizieren?

Wenn Sie zu einem Zahnarzttermin erscheinen, bemerken Sie möglicherweise nicht, dass Ihr Zahnarzt oder Ihr Dentalhygieniker nach Symptomen der Zahnfleischerkrankung suchen. Hier finden Sie einige Informationen darüber, was zur Erkennung von Parodontitis beitragen kann.

1. Krankengeschichte

Sie denken vielleicht: „Bin ich zum Arzt oder zum Zahnarzt gekommen?“ Es ist jedoch üblich, dass der Zahnarzt nach Ihrer Krankengeschichte fragt und somit nach möglichen Problemen, die auch in Ihrer Familie vorkommen können. Eine andere wichtige Information ist, ob bei Ihnen kürzlich eine Diagnose gestellt wurde, woraus sich wiederum systemische Bedingungen ergeben können, die sich auch auf Ihr Zahnfleisch auswirken.

Medikamente, die Sie möglicherweise von Ihrem Arzt verschrieben bekommen haben, können schwerwiegende Folgen für Ihre Mundgesundheit haben. Ein Nebeneffekt kann z. B. ein trockener Mund, die sogenannte „Xerostomie“, sein, die zu Karies führen kann. Der Speichel in unserem Mund hilft uns, Nahrung und andere Ablagerungen wegzuwaschen, um Plaque zu entfernen. Plaque bildet auf natürliche Weise einen Biofilm auf der Zahnoberfläche, nachdem wir Kohlenhydrate oder Zucker zu uns genommen haben. Im Laufe der Zeit kann es zu Zahnsteinansammlungen kommen, wenn Plaque nicht regelmäßig durch Bürsten und Zahnseide entfernt wird. Zahnstein bildet nach dem Aushärten der Plaque eine gelbe, braune Ablagerung. Im Gegensatz zu Plaque können Sie Zahnstein nicht selbst entfernen. Dies kann nur professionell von einem Zahnarzt oder einem Dentalhygieniker durchgeführt werden.

2. Taschentiefenmessung

Dieser Teil Ihrer zahnärztlichen Untersuchung und Zahnreinigung wird mit einem Instrument namens „Perio Sonde“ oder Parodontal Sonde durchgeführt. Die Sonde ist mit einer Millimeter-Markierung versehen, mit der die Taschentiefen um jeden Zahn herum gemessen werden. Mit festem und sanftem Druck wird die Perio Sonde in Ihren Gingivasulcus eingeführt, den Raum zwischen Ihrem Zahn und dem ihn umgebenden Zahnfleisch. Kann die Sonde zwischen Zahn und Zahnfleisch tief eindringen, weisst dies auf eine Entzündung des Zahnfleisches hin. Je tiefer die Tasche ist, desto lockerer ist das Zahnfleisch, das den Zahn umgibt, und desto höher ist der Grad der Entzündung.

Ein weiteres Zeichen, nach dem Ihr Zahnarzt während der Messung der Taschentiefe suchen wird, ist, ob das Zahnfleisch beim Sondieren blutet. Eine Parodontalsonde ist am Ende abgestumpft und sollte üblicherweise nicht das Zahnfleisch verletzen. Blutungen beim Sondieren gelten nicht als normal und sind eines der signifikanten Anzeichen einer Zahnfleischentzündung.

Es ist daher sehr wichtig, dass Sie Ihre regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und Reinigungen nicht verpassen oder Ihre Termine so schnell wie möglich ändern, wenn etwas Akutes auftaucht. Auf diese Weise wird alles Außergewöhnliche frühzeitig erkannt und sofort behandelt.

3. Zahnärztliche Röntgenstrahlen

Der Zweck der Röntgenaufnahme besteht darin, alles in Ihrem Mund zu untersuchen, das mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Es werden vier Bilder aufgenommen, eines für jeden Quadranten. Auf den Aufnahmen kann Ihr Zahnarzt von der Zahnspitze bis zu den Wurzeln sowie die Höhe des umgebenden Knochens alles im Detail sehen. Bakterien können sich in tiefen Parodontaltaschen ansammeln und dort die Strukturen angreifen, was zu Knochenverlust und letztendlich zu Zahnverlust führen kann. Die Röntgenaufnahmen helfen Ihrem Zahnarzt zu beurteilen, ob sich Ihr Kieferknochen infolge einer Zahnfleischerkrankung verändert hat.

Was ist eine Gingivitis?

Die Gingivitis ist eine akute oder chronische Entzündung der Gingiva (lateinisch für Zahnfleisch). Die Gingiva ist der strapazierfähige Teil der Mundschleimhaut, der fest auf dem Kieferknochen sitzt und die Zähne wie eine Manschette umschließt. Gesundes Zahnfleisch ist rosa, gut durchblutet und fest und liegt dicht am Zahn an. Bei einer Zahnfleischentzündung vermehren sich die Bakterien in den Zahnbelägen und in feinen Zwischenräumen. Das Zahnfleisch rötet sich und schwillt an, kleine Zahntaschen bilden sich durch die Entzündung. Auch eine zu harte Zahnbürste und ein falsche Putztechnik können die Ursache für kleine Wunden in der Schleimhaut sein, die sich entzünden. Wenn eine Gingivitis nicht behandelt wird, kann daraus eine Parodontitis entstehen, die schwerwiegende Folgen für den gesamten Zahnhalteapparat haben kann. Es gibt verschiedene Formen der Gingivitis:

Plaque-induzierte Gingivitis

Die Plaque-induzierte Gingivitis ist eine milde Form der Zahnfleischentzündung und wird auch Schmutz-Gingivitis genannt. Sie ist weit verbreitet, verursacht gewöhnlich keine Schmerzen und wird daher meistens erst durch den Zahnarzt erkannt. Ursache dafür ist der bakterielle Zahnbelag, der sich immer wieder auf den Zähnen bildet. Die Schmutz-Gingivitis geht häufig mit Karies einher. Schlechte Mundhygiene, Tabakkonsum und häufiger Genuss von klebrigem Zucker, Süßigkeiten oder Softdrinks bieten Keimen im Mund und eine guten Nährboden und lassen Entzündungen entstehen. Das Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen und blutet bei mechanischen Reizen wie Zähneputzen oder der Verwendung von Zahnseide. Eine unbehandelte Gingivitis kann chronisch werden und sich im weiteren Verlauf zu einer Parondontitis entwickeln.

Akute nekrotisierende ulzerierende Gingivitis (NUG)

Bei der ulzerösen Gingivitis greifen die Bakterien im Mund das Zahnfleisch zwischen den Zähnen an. An Zahnfleischrändern und und den Zahnzwischenräumen bilden sich Nekrosen und kleine Krater, das Zahnfleisch stirbt ab. Die Symptome dieser Form der Entzündung geht mit akuten Schmerzen, übermäßigem Speichelfluss und fauligem Atem einher. Der Patient fühlt sich krank und hat Fieber, Schlucken und Sprechen kann schmerzhaft sein. Eine Zahnfleischbehandlung ist dann unumgänglich. 

Gingivitis bei bestimmten Krankheiten

Verschiedene Erkrankungen oder Konstitutionen fördern die Entstehung von Zahnfleischentzündungen. Hormonelle Veränderungen sorgen in der Pubertät, während der Schwangerschaft oder vor dem Eisprung im Rahmen des Menstruationszyklus für ein häufigeres Auftreten von Zahnfleischentzündungen. Auch der Verlauf der Zahnfleischentzündung kann schwerwiegender sein. Patienten mit schlecht eingestellter Diabetes, Leukämie oder generell geschwächter Immunabwehr leiden ebenfalls verstärkt unter Zahnfleischentzündungen.

Behandlung der Gingivitis

Eine sorgfältige und gewissenhafte Mundhygiene ist Vorbeugung und Behandlung für alle Formen der Gingivitis. Der ständig nachwachsende Biofilm auf den Zähnen – die Plaque – und die Bereiche, in denen Zahnstein entsteht, sind ideales Siedlungsgebiet für entzündungsfördernde Bakterien. Um einer Zahnfleischentzündung vorzubeugen, müssen die Zähne zwei Mal täglich gründlich mit der Zahnbürste und Zahnseide oder Interdentalbürstchen von bakteriellen Belägen befreit werden. Eine antibakterielle Mundspülung wirkt unterstützend, um die Keime in Schach zu halten. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und mindestens ein Mal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung helfen dabei, die Zahnfleischentzündung gar nicht erst entstehen zu lassen. Da die tieferliegenden Strukturen des Zahnhalteapparats nicht betroffen sind, heilt durch gute Zahnpflege die Gingivitis meist in Kürze ab.

Was ist eine Parodontitis?

Wenn eine chronische Gingivitis nicht behandelt wird, kann die Entzündung weiter fortschreiten. Die Parodontitis bezeichnet eine Zahnbettentzündung, bei der die tieferliegenden Bereiche des Zahnhalteapparats betroffen sind. Tiefere Zahnfleischtaschen bilden sich. Bakterien können sich dort bestens vermehren, da sie sich auch mit gründlichem Zähneputzen nicht mehr entfernen lassen. Das Gewebe zwischen den Zähnen schwindet, dunkle Stellen erscheinen in den Zwischenräumen, und die Zähne wirken durch den Zahnfleischrückgang länger. Freiliegende Zahnhälse sind nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern schmerzen empfindlich. Eine Zahnfleischbehandlung beim Zahnarzt ist spätestens dann dringend erforderlich. In diesem Stadium kann der Schaden noch behoben werden, bevor Kieferknochen und Bindegewebe bei fortschreitender Erkrankung ebenfalls betroffen sind und sogar Zahnverlust droht. Die Entzündung und der Zahnfleischschwund schädigt im weiteren Verlauf der Krankheit den Zahnhalteapparat nachhaltig und baut sogar den Kieferknochen ab. Der Zahnfleischrückgang lässt sich allerdings nicht mehr rückgängig machen. Parodontitis ist eine Erkrankung, die nicht nur die Zähne betrifft. Durch die ständige Entzündung produzieren die Bakterien in den Zahnfleischtaschen Stoffwechselprodukte, die über den Blutstrom zu anderen Organen wie zum Beispiel Herz oder Gehirn transportiert werden. Dort können können sie Gefäße schädigen und einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall auslösen. Dauerhafte Entzündungen stehen außerdem im Verdacht, auch Depressionen zu verursachen. Übrigens: Die Bezeichnung Parodontose anstelle von Parodontitis hält sich immer noch im allgemeinen Sprachgebrauch, ist aber nicht die medizinisch korrekte Bezeichnung für die Entzündung des Zahnbetts. Eine Parodontose bezeichnet den nicht durch eine Entzündung bedingten Zahnfleischrückgang. 

Parodontitis – Diagnose und Behandlung

Parodontitis kann man nicht selbst behandeln, da die Keime tief unter dem Zahnfleisch sitzen und durch herkömmliche Zahnpflege nicht beseitigt werden können. Bei der Zahnfleischbehandlung verwendet der Zahnarzt eine stumpfe Sonde. Damit misst er in den Zahnfleischtaschen den Spielraum zwischen festem Zahn und Zahnfleisch. Aufgrund der Blutungsneigung kann er mögliche Krankheitsherde erkennen. Wenn ein Zahn von Parodontitis betroffen ist, muss das nicht unbedingt für alle anderen Zähne gelten. Mittels Röntgen kann der Zahnarzt die befallenen Stellen erkennen. Bei familiär häufig aufretenden Parodontitisfällen wird inzwischen auch ein Gen-Test durchgeführt und ein Abstrich aus der Mundhöhle genommen. Der Zahnarzt entfernt bei der Zahnfleischbehandlung zunächst alle Beläge, die die Zahnfleischentzündung begünstigen. Entzündetes Gewebe wird unter örtlicher Betäubung mit einer Kürette aus den Zahnfleischtaschen entfernt. In schweren Fällen wird eventuell auch ein Antibiotikum verschrieben, um die Entzündung einzudämmen. Gelegentlich ist auch ein "offenes" Vorgehen notwendig. Dabei wird das Zahnfleisch aufgeschnitten und zurückgeklappt, um schwer zu erreichende Stellen besser reinigen zu können. Anschließend wird das Zahnfleisch wieder eng am Zahn anliegend genäht. Mit konsequenter guter Mundhygiene und Zahnpflege kann innerhalb von 8 bis 12 Wochen eine deutliche Besserung der Zahnfleischentzündung erzielt und der Zahnfleischrückgang gebremst werden. Rückgängig gemacht werden kann der Zahnfleischschwund aber nicht, die Therapie bringt die Erkrankung nur zum Stillstand.

Zahnfleischentzündung durch Vitamin C Mangel

Die Geißel der weltumfahrenden Seefahrer aus alter Zeit – der Skorbut – sollte nach heutigen Ernährungserkenntnissen eigentlich längst überwunden sein. Halbe Schiffsbesatzungen starben an der Unterversorgung mit dem lebenswichtigen Vitamin C (Ascorbinsäure), da sich entsprechende Nahrungsmittel auf den monatelangen Fahrten nicht hielten. Der Name Ascorbinsäure stammt aus dem Lateinischen: a scorbutus – gegen den Skorbut. Die Symptome des extremen Vitamin C Mangels sind vielfältig und betreffen den gesamten Körper, lösen aber auch Zahnfleischbluten und Zahnfleischschwund aus und führen zu Zahnausfall. Der Seefahrer James Cook fütterte seine Matrosen mit Sauerkraut und Zitronensaft, heute ist Vitamin C in fast allen Nahrungsmitteln enthalten. Und doch werden auch heute noch Fälle von Skorbut diagnostiziert. Diabetiker haben einen höheren Vitamin C Bedarf als Menschen mit gesundem Stoffwechsel. Daher sollten besonders Diabetiker auf Symptome der Parodontitis achten und sie frühzeitig behandeln lassen. Raucher sind ebenfalls stark gefährdet: Ihr Vitaminbedarf ist ebenfalls deutlich erhöht, durch den giftigen Rauch gefährden sie ihre Mundgesundheit und haben ein größeres Risiko für entzündliche Zahnfleischerkrankungen.

Fazit:

Gesunde Zähne und Zahnfleisch brauchen gute Pflege und eine gewissenhafte häusliche Mundhygiene. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen und professionelle Zahnreinigungen sind unverzichtbar, um Zahnfleischentzündungen vorzubeugen oder frühzeitig festzustellen. Menschen mit bestimmten Krankheitsbildern sollten besonders auf gingivale Erkrankungen achten, da sie ein erhöhtes Risiko aufweisen. 

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