• Zahnheilkunde

Zahnherde und Störfelder – Gift mit Fernwirkung

Zahnschmerzen sind zwar sehr unangenehm, die Ursache dafür kann aber meistens recht schnell identifiziert und mit entsprechender Behandlung beseitigt werden. Aber auch wenn die Zähne selbst keinerlei Schmerzen oder Probleme bereiten, können sie nach der biologischen Zahnmedizin an ganz anderer Stelle im Körper für große Probleme sorgen. Zahnherde oder Zahnstörfelder sind auch für den Zahnarzt nicht leicht aufzufinden und können jahrelang die Gesundheit eines Patienten beeinflussen, bevor sie identifiziert werden. 

Was versteht man unter einem Zahnherd oder einem Störfeld?

In der ganzheitlichen Medizin versteht man darunter einen Krankheitsprozess an einem Zahn, der im Mund keine Beschwerden bereitet, aber in anderen Regionen des Körpers gesundheitliche Störungen oder Erkrankungen verursacht. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich anhaltende Entzündungsprozesse, die durch Bakterien ausgelöst werden und quasi unbemerkt im Untergrund schwelen.

Ein Beispiel: Ein abgestorbener Zahn, der noch nicht wurzelbehandelt wurde, enthält in seinem verzweigten Wurzelsystem totes Nervengewebe. Über die Wurzelhaut und die Markräume gibt der Zahn ständig Giftstoffe an seine Umgebung ab und verteilt sie über das Blutsystem im Organismus. Auch Unverträglichkeiten gegen Zahnersatz oder Füllungsmaterialien können als Störfelder wirken. Die chronische Entzündung im Kiefer kann böse Folgen haben: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Arteriosklerose, Bluthochdruck, Gelenkentzündungen, permanente Müdigkeit oder Depressionen können durch einen Zahnherd ausgelöst werden.

Welche Erkrankungen können als Zahnherd wirken?

Verlagerte Zähne, Unverträglichkeiten durch Zahnersatzmaterialien oder Füllungen und zahnlose Kieferabschnitte können ebenfalls Störfelder darstellen. Heilt nach der Entfernung eines Weisheitszahns die knöcherne Umgebung nicht richtig aus, kann sich der Kieferknochen entzünden (NICO = Neuralgia inducing cavitational osteonecrosis; im Deutschen FDOK = Fettige degenerative Osteonekrose des Kiefers) und einen Zahnherd bilden.

Jonathan Zipf: Wie ein Zahnherd wirken kann

Während seiner erfolgreichsten Saison 2011 bekam der Triathlet und Leistungssportler Jonathan Zipf heftige Zahnschmerzen und suchte einen Zahnarzt auf. Nach einer Wurzelkanalbehandlung des betroffenen Zahns war Zipf zunächst schmerzfrei und konnte wieder trainieren. Anfang 2012 litt der Sportler unter Schmerzen in der Leistengegend, die so stark wurden, dass er die Saison im Spätsommer abbrechen musste. Mit Verdacht auf einen Leistenbruch wurde Zipf operiert, doch der Eingriff brachte keine Besserung. Trotz andauernder Schmerzen schaffte Zipf im Jahr 2013 noch den Deutschen Meistertitel im Triathlon, danach stagnierte seine sportliche Karriere aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme.

Auch nach einer langen Odyssee zwischen verschiedensten medizinischen Fachbereichen und Therapeuten, einer Ernährungsumstellung und einer Plasmabehandlung besserten sich seine Beschwerden nicht. Sport zu treiben war aufgrund der Schmerzen praktisch unmöglich. Erst als eine befreundete Triathletin ihm riet, einen Zahnarzt für ganzheitliche Zahnmedizin aufzusuchen, wurde der ursprünglich wurzelbehandelte Zahn als Störfeld identifiziert. Zwei Wochen, nachdem der Zahn gezogen wurde, war Zipf in der Lage, ein leichtes Lauftraining wieder aufnehmen. In 2015 nahm er wieder an Wettkämpfen teil und konnte das Training für sein damaliges Ziel – die Olympischen Spiele 2020 – schmerzfrei wieder in Angriff nehmen. 

Wie belastet ein Störfeld den Organismus?

Nach der Theorie der traditionellen chinesischen Medizin steht jeder Zahn energetisch mit einem Organ in Verbindung. Die verbindenden Energieleitbahnen im Körper werden Meridiane genannt und haben auch in der Akupunktur eine entscheidende Bedeutung. So stehen zum Beispiel die Frontzähne in Beziehung zu Nieren und Blase, die großen Backenzähne hingegen zu Lunge und Dickdarm und die Eckzähne zu den Augen – daher rührt auch die Bezeichnung "Augenzähne" im Volksmund. 

Chronische, stille Infektionen sorgen dafür, dass die Energieleitbahnen blockiert werden. Dauerhafte toxische Belastungen durch Abbauprodukte von Bakterien rauben Kraft und schwächen das Immunsystem, da es ständig gegen die Giftstoffe ankämpfen muss. Heilungsprozesse und die natürlichen Selbstregulierungsmechanismen werden gestört oder verlangsamt, das vegetative Nervensystem und damit die Steuerung grundlegender Körperfunktionen werden beeinflusst. Nach der ganzheitlichen Zahnmedizin können die Auswirkungen eines kranken Zahns anhaltende Beschwerden im ganzen Körper und Unwohlsein verursachen, deren Ursache unklar bleibt, und auch die Psyche beeinflussen. 

Wie werden Störfelder diagnostiziert?

In der Störfelddiagnostik der ganzheitlichen Zahnheilkunde werden Beziehungen zwischen den Zähnen, dem Kieferbereich und anderen Organen im Körper sichtbar. Die Untersuchung durch den Zahnarzt und einfache digitale Röntgenaufnahmen reichen nicht aus, um Zahnherde zu identifizieren. Die dreidimensionale Darstellung mit einem Digitalen Volumentomographen (DVT), gelegentlich in Kombination mit einer Ultraschalldiagnose, ermöglicht eine zuverlässige Beurteilung der Kieferknochenstruktur.

In der neuraltherapeutischen Diagnostik spritzt der Zahnarzt Lokalanästhetika (Procain, Lidocain) in verdächtige Regionen, um damit die chronische Schmerzweiterleitung "auszuschalten" und Zahnherde als den Ursprung erkennen zu können. Wird ein bestimmtes Areal im Gebiss betäubt und der Schmerz in einer anderen Körperregion lässt nach, deutet das auf einen Zahnherd hin: Die Wechselbeziehung zum entsprechenden Organ wird durch die Anästhesie kurzzeitig unterbrochen. Bestimmte Tests weisen Schwefelverbindungen und Entzündungsproteine nach und können so eine verborgene Infektion offenbaren. Im Rahmen der Bioresonanztherapie wird der Körper des Patienten mit bestimmten Stoffen konfrontiert und anhand der Reaktion Rückschlüsse auf den Ort oder die Art der Störung gezogen.

Behandlung von Zahnherden

Die Therapie erfolgt in einer Praxis für ganzheitliche Zahnmedizin und hängt vom jeweiligen Störfeld und der Ursache der Probleme ab. Unverträglichkeiten gegen bestimmte Materialien können durch Austausch von Zahnersatz oder Füllungen beseitigt werden (zum Beispiel Keramik statt Metall). Entzündetes Gewebe muss vollständig beseitigt werden. Handelt es sich um eine chronische Infektion des Kieferknochens, muss nicht nur der eigentliche Herd operativ entfernt werden, sondern auch Teile des umgebenden Knochens. Ein kranker Zahn wird meistens gezogen und ersetzt. In der Biologischen Zahnmedizin setzt der Zahnarzt auch Elektroakupunktur und Kinesiologie zur Therapie von Herden ein.

Fazit

Auch ganz ohne "dicke Backe" oder Schmerzen im Kiefer kann der Auslöser für ungeklärte Erkrankungen oder gesundheitliche Probleme im Gebiss oder im Kieferknochen stecken. Mit den Methoden der ganzheitlichen Zahnmedizin wird der verantwortliche Zahnherd aufgespürt und beseitigt und das Immunsystem von chronischen Belastungen befreit.