Bei der Socket Preservation wird das leere Zahnfach nach dem Zahnziehen aufgefüllt, damit möglichst viel Kieferknochen erhalten bleibt. Sie erfahren, für wen das sinnvoll ist, wie es abläuft, was Studien zeigen und wer die Kosten trägt.
Socket Preservation bedeutet, dass die Zahnärztin oder der Zahnarzt das leere Zahnfach direkt nach dem Ziehen eines Zahns mit Knochen oder Knochenersatzmaterial auffüllt. Ziel ist, möglichst viel vom Kieferkamm zu erhalten, damit später ein Implantat ohne größeren Aufbau gesetzt werden kann. Laut einer Cochrane-Übersicht kann das den Verlust an Breite und Höhe in den ersten sechs Monaten verringern, die Aussagekraft der Studien ist allerdings gering.
Ob sich der Eingriff für Sie lohnt, hängt von der Stelle, vom Zustand des Knochens und von Ihren Plänen für den Zahnersatz ab. Hier lesen Sie, was im Zahnfach nach dem Ziehen passiert, welche Materialien verwendet werden, wie der Ablauf aussieht und was Sie zu den Kosten wissen sollten.
Was passiert in der Extraktionsalveole nach dem Zahnziehen?
Die Extraktionsalveole ist das leere Zahnfach, das nach dem Ziehen eines Zahns zurückbleibt. Zuerst füllt es sich mit einem Blutgerinnsel. In den ersten vier Wochen bildet sich neuer Knochen vor allem in der Tiefe, danach verlagert sich die Knochenbildung nach oben. Am aktivsten ist sie laut Leitlinie etwa zwölf Wochen nach der Extraktion.
Gleichzeitig baut der Körper Knochen ab. Der Bündelknochen, in dem die Wurzel verankert war, geht mit dem Zahn verloren. Nach der Leitlinie zu Implantationszeitpunkten schrumpft der Kieferkamm in der Breite um 29 bis 63 Prozent und in der Höhe um 11 bis 22 Prozent, am stärksten in den ersten drei bis sechs Monaten.
Besonders anfällig ist eine dünne Knochenwand auf der Seite zur Wange oder Lippe. Ist sie dünner als ein Millimeter, begünstigt das laut Leitlinie den Abbau und einen Rückgang des Zahnfleischs. Wie das Zahnziehen selbst abläuft, lesen Sie im Beitrag zur Zahnextraktion.
Was ist Socket Preservation, und was ist Ridge Preservation?
Beide Begriffe stehen für Maßnahmen, die den Kieferkamm nach dem Zahnziehen erhalten sollen. Socket Preservation, auf Deutsch etwa Alveolenerhalt, meint das Auffüllen eines Zahnfachs, dessen Knochenwände intakt sind. Von Ridge Preservation, also Kieferkammerhalt, spricht man, wenn die Wände schon beschädigt sind oder mehrere benachbarte Zahnfächer gemeinsam versorgt werden.
Davon abzugrenzen ist der eigentliche Knochenaufbau. Er wird nötig, wenn die Wände so stark zerstört sind, dass vor dem Implantat zusätzlich eine gesteuerte Knochenregeneration erforderlich ist. Mehr dazu lesen Sie unter Knochenaufbau. In Studien werden die Begriffe übrigens nicht immer streng getrennt, oft ist dort allgemein von Alveolar Ridge Preservation die Rede.
Welche Materialien werden verwendet?
Die Leitlinie zu Knochenersatzmaterialien empfiehlt, beim Kieferkammerhalt ein Material einzusetzen. Infrage kommen unter anderem:
- Eigenknochen (autolog), gewonnen im Operationsgebiet oder an einer anderen Stelle
- Ersatzmaterial aus aufbereitetem menschlichem Spenderknochen (allogen)
- Ersatzmaterial tierischen Ursprungs (xenogen), meist vom Rind
- synthetische Materialien (alloplastisch), zum Beispiel Biogläser
Am besten untersucht sind Materialien menschlichen und tierischen Ursprungs. Ein Material, das allen anderen klar überlegen ist, gibt es nach heutigem Stand nicht, die Cochrane-Übersicht fand zwischen ihnen keine klinisch bedeutsamen Unterschiede. Fachautoren raten eher zu langsam abbaubaren Materialien.
Sind die Knochenwände gut erhalten, ist eine Membran laut Leitlinie nicht nötig. Bei beschädigten Wänden bringt eine abdeckende Membran bessere Ergebnisse. Häufig wird der Eingang des Zahnfachs zusätzlich mit Weichgewebe, einer Kollagenmembran oder einem kollagenbasierten Ersatz verschlossen. Auch Konzentrate aus Eigenblut und aufbereitetes Material aus dem eigenen Zahn werden eingesetzt, für das Zahnmaterial ist die Datenlage aber noch dünn. Mehr dazu in den Beiträgen Eigenblut beim Zahnimplantat und Eigener Zahn als Knochenersatz.
Für wen ist Socket Preservation sinnvoll?
Die Leitlinie zu Implantationszeitpunkten empfiehlt kammerhaltende Maßnahmen nach der Zahnentfernung, wenn aus persönlichen Gründen erst später implantiert werden soll. Gegen ein Implantat direkt nach dem Ziehen können zum Beispiel eine akute Entzündung oder ungünstige anatomische Verhältnisse sprechen.
Besonders häufig wird der Eingriff im Frontzahnbereich erwogen, weil dort schon kleine Einbrüche des Kieferkamms beim Lächeln auffallen. Auch eine dünne äußere Knochenwand spricht eher dafür. Fachautoren empfehlen den Kammerhalt außerdem nach Zähnen, die wegen starken Knochenabbaus durch Parodontitis gezogen werden.
Nicht immer ist ein Kammerhalt nötig. Manchmal kann das Implantat direkt nach dem Zahnziehen gesetzt werden. Bei intakter, über einen Millimeter dicker Knochenwand und kräftigem Zahnfleisch kann laut Leitlinie dann oft auf einen gleichzeitigen Aufbau verzichtet werden. Mehr dazu im Beitrag Sofortimplantat.
Unser Tipp:
Fragen Sie vor einer geplanten Zahnentfernung gezielt, ob später ein Implantat infrage kommt und ob ein Kammerhalt dafür sinnvoll ist. Diese Entscheidung sollte vor dem Zahnziehen fallen, denn in derselben Form lässt sich der Eingriff nicht nachholen. Für ein Beratungsgespräch finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche eine Praxis in Ihrer Nähe und können online einen Termin anfragen.
Wie läuft eine Socket Preservation ab?
Der Eingriff findet in derselben Sitzung wie das Zahnziehen statt. Zuerst wird der Zahn so schonend wie möglich entfernt, damit die Knochenwände unversehrt bleiben. Danach säubert die Zahnärztin oder der Zahnarzt das Zahnfach gründlich und füllt das Material ein. Zum Schluss wird die Öffnung abgedeckt und spannungsfrei vernäht, meist ohne dass dafür ein Zahnfleischlappen gebildet werden muss.
Ein Antibiotikum ist nicht in jedem Fall nötig. Fachautoren nennen es zum Beispiel bei Diabetes, bei geschwächtem Immunsystem, sehr großen Defekten oder nach einer akuten Infektion. Ob Sie ein Medikament brauchen, entscheidet Ihre Praxis. Sprechen Sie dabei bitte auch Allergien und andere Arzneimittel an, die Sie einnehmen.
Liegt die Lücke im sichtbaren Bereich, kann ein Provisorium, etwa eine provisorische Brücke, sie vorübergehend schließen. Sie hilft zugleich dabei, das Zahnfleisch zu formen.
Wie verläuft die Heilung, und wann kommt das Implantat?
Das eingebrachte Material braucht Zeit, um einzuheilen. Bis zur Implantation nennt die Fachliteratur laut Leitlinie am häufigsten vier bis sechs Monate. Auch Praxisberichte beschreiben das Implantat meist etwa sechs Monate nach dem Auffüllen.
In den ersten Tagen gelten ähnliche Regeln wie nach jeder Zahnentfernung. Hinweise zu Essen, Mundhygiene und Schonung finden Sie im Beitrag Verhalten und Ernährung nach einem zahnärztlichen Eingriff. Werden die Beschwerden nach einigen Tagen stärker statt schwächer, lassen Sie das bitte in der Praxis ansehen.
Eine Einschätzung aus der Ferne kann diese Untersuchung nicht ersetzen. Ist Ihre Praxis gerade nicht erreichbar, können Sie über die DentNet-Suche einen Zahnarzt in der Nähe finden.
Was bringt Socket Preservation laut Studienlage?
Die wichtigste Übersicht ist ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2021. Ausgewertet wurden 16 randomisierte Studien mit 426 Erwachsenen. Mit Material tierischen Ursprungs gingen nach sechs Monaten im Mittel etwa 1,2 Millimeter weniger Breite und etwa 1,4 Millimeter weniger Höhe verloren als bei natürlicher Heilung.
Die Autoren bewerten die Vertrauenswürdigkeit dieser Ergebnisse jedoch als sehr gering. Ob später seltener ein zusätzlicher Knochenaufbau nötig war oder die Implantate besser hielten, ließ sich nicht belegen, und Langzeitdaten fehlen. Die deutsche Leitlinie zu Implantationszeitpunkten bewertet die Maßnahme dagegen als wirksam, um einen späteren Aufbau zu vermeiden. In diesem Punkt ist sich die Fachwelt also nicht einig.
Einig sind sich die Quellen darin, dass sich der Abbau verringern, aber nicht vollständig verhindern lässt. Der Bündelknochen geht auch mit Füllung verloren. Wurde der richtige Zeitpunkt beim Zahnziehen verpasst, ist ein späterer Aufbau nur dort möglich, wo noch genug Knochen als Basis vorhanden ist.
Was kostet Socket Preservation, und zahlt die Krankenkasse?
Das Ziehen des Zahns selbst ist für gesetzlich Versicherte eine Kassenleistung. Die Socket Preservation gehört dagegen in der Regel nicht zu den vertragszahnärztlichen Leistungen. Sie ist auch in der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) nicht eigens aufgeführt und wird nach Angaben aus der zahnärztlichen Abrechnungsliteratur über eine vergleichbare Gebührenposition privat berechnet, eine sogenannte Analogberechnung.
Gesetzlich Versicherte schließen deshalb vor dem Eingriff eine schriftliche Vereinbarung über diese private Leistung mit ihrer Praxis. Wie hoch die Kosten ausfallen, hängt unter anderem vom Aufwand und vom verwendeten Material ab. Lassen Sie sich vorab einen schriftlichen Kostenvoranschlag geben und fragen Sie bei einer bestehenden Zahnzusatzversicherung nach, ob sie sich beteiligt.
Was ein späteres Implantat kosten kann, lesen Sie im Beitrag Was kostet ein Zahnimplantat.
Kann ich eine Socket Preservation nachholen, wenn der Zahn schon gezogen ist?
In derselben Form nicht, denn das Verfahren wirkt am besten direkt beim Zahnziehen. Ist bereits Knochen verloren gegangen, kann er später gezielt aufgebaut werden, sofern noch genug Knochen als Basis vorhanden ist. Bei größeren Defekten, etwa über mehrere Zähne hinweg, sind manchmal aufwendigere Verfahren wie Knochenblöcke nötig.
Gibt es Alternativen zu Knochenersatz tierischen Ursprungs?
Ja. Neben Material vom Rind gibt es Ersatzmaterial aus menschlichem Spenderknochen, synthetische Materialien und Eigenknochen. Wenn Sie aus persönlichen oder religiösen Gründen kein tierisches Material möchten, sprechen Sie das vor dem Eingriff an. Laut Cochrane-Übersicht ist bisher kein Material den anderen klar überlegen.
Ist Socket Preservation auch sinnvoll, wenn ich kein Implantat plane?
Studien und Leitlinien betrachten das Verfahren vor allem mit Blick auf spätere Implantate. Für andere Versorgungen wie Brücken oder Prothesen ist der Nutzen weniger gut untersucht. Ob es in Ihrem Fall Vorteile bringt, etwa im sichtbaren Frontzahnbereich, besprechen Sie am besten mit Ihrer Praxis.
Brauche ich nach einer Socket Preservation trotzdem noch einen Knochenaufbau?
Das ist möglich. Die Cochrane-Übersicht konnte nicht zeigen, dass ein späterer Aufbau seltener nötig war, die deutsche Leitlinie sieht dagegen einen Nutzen. Wie viel Knochen für das Implantat zur Verfügung steht, zeigt erst die Untersuchung nach der Heilung.
Kann statt einer Socket Preservation gleich ein Implantat gesetzt werden?
In manchen Fällen ja. Gegen eine Sofortimplantation sprechen laut Leitlinie zum Beispiel eine akute, eitrige Entzündung, eine Behandlung mit knochenstärkenden Medikamenten wie Antiresorptiva oder eine frühere Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich. Ob die Voraussetzungen bei Ihnen erfüllt sind, klärt die Untersuchung vor dem Zahnziehen.
Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern.
Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.