Landkartenzunge, Faltenzunge und Haarzunge sehen ungewohnt aus, sind aber meist harmlos. Sie erfahren, woran Sie die häufigsten Zungenveränderungen erkennen, was hilft und wann die Zunge ärztlich untersucht werden sollte.
Die meisten auffälligen Veränderungen der Zunge sind harmlos. Eine Landkartenzunge mit wandernden roten Flecken, tiefe Furchen bei der Faltenzunge oder ein dunkler, pelziger Belag bei der Haarzunge sehen ungewohnt aus, sind aber in aller Regel keine Krankheit im engeren Sinn. Abgeklärt werden sollte dagegen jede Stelle, die wund ist, blutet, sich verhärtet anfühlt oder nach etwa zwei Wochen nicht von selbst abheilt.
Die Zunge wird gern als Spiegel der Gesundheit bezeichnet. Ganz falsch ist das nicht, denn manche Veränderungen können auf einen Nährstoffmangel oder eine Infektion hinweisen. In diesem Ratgeber erklären wir die häufigsten Zungenvarianten, was Sie selbst tun können und wann Sie sich besser in der Zahnarztpraxis oder bei Ihrer Hausärztin melden.
Was haben die Zungenpapillen mit diesen Veränderungen zu tun?
Der Zungenrücken ist von winzigen Erhebungen bedeckt, den Papillen. Die meisten davon sind fadenförmig und heißen filiforme Papillen. Dazwischen liegen die etwas größeren, pilzförmigen Papillen. Fast alle Varianten, um die es in diesem Ratgeber geht, haben mit den fadenförmigen Papillen zu tun.
Mal fehlen sie an einzelnen Stellen, wie bei der Landkartenzunge. Mal werden sie zu lang und halten Farbstoffe fest, wie bei der Haarzunge. Bei der Faltenzunge wiederum wird die Oberfläche durch Furchen unterbrochen. Und wenn die Papillen großflächig schwinden, wirkt die Zunge glatt und blank.
Das kann mit einem Nährstoffmangel zusammenhängen. Wenn Ihre Zunge vor allem dick belegt ist, finden Sie Hinweise im Beitrag zur belegten Zunge.
Was ist eine Landkartenzunge?
Bei der Landkartenzunge, medizinisch Lingua geographica, fehlen an einzelnen Stellen die feinen fadenförmigen Papillen. Es entstehen glatte, rote Flächen, die oft von einem hellen, weiß-gelblichen Saum umrandet sind. Das Muster erinnert an eine Landkarte. Typisch ist, dass die Flecken ihre Form ändern und über Tage bis Monate über die Zunge wandern. Deshalb heißt die Veränderung auch gutartige wandernde Glossitis.
Nach Angaben der Dermatologie-Plattform DermNet haben etwa 1 bis 3 Prozent der Erwachsenen eine Landkartenzunge, Frauen ungefähr doppelt so häufig wie Männer. Oft gibt es in der Familie weitere Betroffene. Die Ursache ist nicht geklärt. Auffällig ist ein Zusammenhang mit der Schuppenflechte (Psoriasis), besonders mit deren pustulöser Form, und mit der Faltenzunge, die häufig gleichzeitig vorkommt. Bei Rauchern ist die Landkartenzunge laut MSD Manual dagegen seltener.
Viele Betroffene merken gar nichts. Andere spüren ein Brennen, vor allem bei heißen, scharfen oder sauren Speisen. Eine heilende Behandlung gibt es nicht, nötig ist sie meist auch nicht.
Gegen das Brennen hilft es, auslösende Lebensmittel eine Zeit lang zu meiden. Bei stärkeren Beschwerden kann Ihre Zahnärztin oder Ihr Arzt örtlich wirkende Mittel empfehlen. Brennt die Zunge, ohne dass Flecken zu sehen sind, lesen Sie unseren Beitrag Wenn die Zunge brennt.
Wichtig für die Einordnung ist das Wandern. Bleibt ein Fleck immer an derselben Stelle, kommen andere Ursachen wie eine Pilzinfektion, ein Lichen planus oder eine Leukoplakie infrage.
Was hat es mit der Faltenzunge auf sich?
Bei der Faltenzunge, auch Lingua plicata genannt, durchziehen flache oder tiefe Furchen den Zungenrücken. Manchmal verläuft eine kräftige Rille in der Mitte, manchmal verteilen sich viele kleine Furchen bis an die Ränder. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken stark, das MSD Manual nennt etwa 3 bis 30 Prozent. Die Furchen können schon in der Kindheit vorhanden sein und werden mit dem Alter oft deutlicher.
Eine Faltenzunge ist harmlos und tut normalerweise nicht weh. Beschwerden entstehen eher dann, wenn sich Speisereste in den Rillen festsetzen und die Schleimhaut reizen. Deshalb lohnt es sich, die Zungenoberfläche bei der täglichen Mundpflege vorsichtig mitzubürsten. Wie das am besten gelingt, zeigt unser Ratgeber zum Thema Zungenbelag entfernen.
Gelegentlich tritt die Faltenzunge zusammen mit anderen Erkrankungen auf, etwa beim Down-Syndrom oder beim seltenen Melkersson-Rosenthal-Syndrom, bei dem zusätzlich Schwellungen im Gesicht und eine Lähmung des Gesichtsnervs auftreten können. Fallen Ihnen neben den Furchen solche Veränderungen auf, sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.
Warum wird die Zunge schwarz oder „haarig“?
Die Haarzunge, in der dunklen Variante Lingua villosa nigra genannt, entsteht, wenn sich die fadenförmigen Papillen nicht mehr richtig abschilfern. Sie werden immer länger. Laut einer Übersicht von Hautärzten aus Essen können sie von normalerweise etwa einem Millimeter auf bis zu 15 Millimeter anwachsen.
In diesem dichten Rasen verfangen sich Speisereste, Bakterien und Farbstoffe aus Kaffee, Tee oder Tabak. Die Zunge sieht dann schwarz, braun, grünlich oder gelblich und wie behaart aus. Am häufigsten betroffen sind nach dieser Übersicht Männer, die rauchen.
Nach Angaben der Mayo Clinic und des MSD Manuals begünstigen vor allem diese Umstände eine Haarzunge:
- Rauchen und anderer Tabakkonsum
- eine Antibiotikabehandlung, die die Mundflora verändert
- häufige Mundspülungen mit Peroxid
- überwiegend weiche Kost, die die Zunge kaum mechanisch reinigt
- Mundtrockenheit und eine unzureichende Reinigung von Zähnen und Zunge
- viel Kaffee oder schwarzer Tee
So unschön sie aussieht, die Haarzunge ist harmlos. Manche bemerken einen veränderten Geschmack, Mundgeruch oder ein Kitzeln im Rachen.
Meist bessert sie sich, wenn die Auslöser wegfallen und die Zunge über einige Wochen regelmäßig mit einer weichen Bürste gereinigt wird. Bei Mundtrockenheit hilft unser Ratgeber zur Mundtrockenheit weiter. Verwechselt werden sollte die Haarzunge nicht mit der oralen Haarleukoplakie. Diese weißliche Veränderung wird durch das Epstein-Barr-Virus verursacht, tritt vor allem im Zusammenhang mit einer HIV-Infektion auf und gehört ärztlich abgeklärt.
Unser Tipp:
Nehmen Sie die Zunge in Ihre tägliche Mundpflege auf. Mit einer weichen Zahnbürste oder einem Zungenreiniger entfernen Sie Beläge, bevor sie sich festsetzen. Das ist gerade bei Falten- und Haarzunge sinnvoll. Bei der nächsten Kontrolle können Sie sich die Technik auch zeigen lassen. Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche, dort können Sie auch online einen Termin anfragen.
Was bedeutet eine glatte, rote Zunge?
Wirkt die Zunge auffallend glatt und blank, weil die Papillen großflächig fehlen, sprechen Fachleute von einer atrophischen Glossitis. Das MSD Manual beschreibt eine blasse, glatte Zunge bei Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel. Eine magentarote Färbung kann auf einen Vitamin-B12-Mangel hinweisen. Auch ein Mangel an Niacin, einem B-Vitamin, kann eine glatte, rote und schmerzhafte Zunge verursachen.
Ob tatsächlich ein Mangel dahintersteckt, lässt sich nicht mit bloßem Auge entscheiden. Das klärt Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt, in der Regel über eine Blutuntersuchung. Nehmen Sie bitte nicht auf Verdacht Präparate ein, sondern besprechen Sie das vorher ärztlich oder in der Apotheke. Mehr zu entzündeten Geschmackspapillen lesen Sie im Beitrag Entzündungen der Zungenpapillen.
Was steckt hinter Himbeerzunge und Zahnabdrücken am Zungenrand?
Bei der Himbeerzunge, auch Erdbeerzunge genannt, schilfern die feinen Papillen ab, während die rötlichen Pilzpapillen deutlich hervortreten. Die Zunge leuchtet dann kräftig rot und wirkt gekörnt. Das kann ein erstes Zeichen von Scharlach sein.
Bei kleinen Kindern kommt sie außerdem bei der Kawasaki-Krankheit vor. Ganz eindeutig ist das Zeichen allerdings nicht, auch andere durch Bakteriengifte ausgelöste Erkrankungen können es hervorrufen. Hat Ihr Kind Fieber und eine auffallend rote Zunge, gehört es in die Kinderarztpraxis.
Wellenförmige Abdrücke am Zungenrand entstehen, wenn die Zunge dauerhaft gegen die Zähne drückt. Dahinter kann eine vergrößerte oder geschwollene Zunge stecken, etwa bei einer Schilddrüsenunterfunktion oder bei Flüssigkeitsmangel. Ebenso können Gewohnheiten dahinterstecken, zum Beispiel Zähnepressen oder das unbewusste Drücken der Zunge gegen die Zahnreihen in angespannten Phasen. Auch ein Zusammenhang mit nächtlichen Atemaussetzern wird diskutiert. Die Abdrücke selbst sind harmlos, die Ursache sollte aber ärztlich oder zahnärztlich eingeordnet werden.
Wann sollten Sie mit einer Zungenveränderung in die Praxis?
Landkartenzunge, Faltenzunge und Haarzunge zeigen ein typisches Bild, das sich in der Regel schon beim Anschauen einordnen lässt. Anders liegt der Fall bei Veränderungen, die sich keiner harmlosen Ursache zuordnen lassen. Die deutsche Leitlinie zu Vorläuferläsionen des Mundhöhlenkarzinoms stuft eine Schleimhautveränderung als verdächtig ein, wenn sie sich nach zwei Wochen Beobachtung oder Behandlung nicht zurückbildet.
Lassen Sie Ihre Zunge zeitnah untersuchen, wenn Ihnen eines dieser Zeichen auffällt. Dazu zählen eine wunde Stelle oder ein Geschwür, das nach zwei Wochen nicht abgeheilt ist, ein tastbarer Knoten oder eine Verhärtung und Blutungen schon bei leichter Berührung. Ebenso gehören weiße oder rote Flecken, die sich nicht abwischen lassen und nicht wandern, in fachkundige Hände. Bei solchen Befunden kann eine Gewebeprobe nötig sein. Mehr dazu, wie man Mundkrebs früh erkennt, lesen Sie im Beitrag Mundkrebs früh erkennen.
Lieber einmal zu früh als zu spät nachsehen lassen. Und wenn sich alles als harmlos herausstellt, haben Sie Gewissheit. Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche.
Geht eine Landkartenzunge wieder weg?
Bei vielen Menschen verschwindet sie mit der Zeit von selbst, sie kann aber auch über Monate bestehen oder immer wieder auftreten. Eine Behandlung, die sie dauerhaft beseitigt, gibt es nicht. Langfristige Folgen sind laut DermNet nicht zu erwarten.
Ist eine Faltenzunge erblich?
Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Fachquellen beschreiben, dass die Faltenzunge vererbt sein kann und häufig mehrere Familienmitglieder betroffen sind, oft zusammen mit einer Landkartenzunge. Behandlungsbedürftig ist sie in aller Regel nicht.
Wie lange dauert es, bis eine Haarzunge verschwindet?
Das ist sehr unterschiedlich. Oft bessert sie sich innerhalb weniger Wochen, wenn Auslöser wie Rauchen wegfallen und die Zunge regelmäßig gereinigt wird. Bei manchen Menschen bleibt sie länger bestehen oder kehrt zurück. Dann lohnt sich ein Gespräch in der Zahnarztpraxis.
Kann eine veränderte Zunge Mundgeruch verursachen?
Das ist möglich. Bei der Haarzunge nennt die Mayo Clinic Mundgeruch als mögliches Begleitzeichen, weil sich zwischen den langen Papillen Bakterien und Speisereste sammeln. Auch in den Rillen einer Faltenzunge können Reste hängen bleiben. Eine regelmäßige, sanfte Zungenreinigung ist deshalb sinnvoll.
Sollte ich meine Zunge selbst regelmäßig anschauen?
Ein gelegentlicher Blick in den Spiegel bei gutem Licht schadet nicht. So fallen Ihnen neue Stellen eher auf. Ob eine Veränderung harmlos ist, beurteilt aber die Zahnärztin oder der Arzt, etwa bei der halbjährlichen Kontrolle.
Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern.
Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.