THIS IS THE PAGE RENDERED

Eigenblut beim Zahnimplantat: Nutzen, Grenzen und Kosten von PRGF und PRF

Ein Zahnimplantat soll fest im Kiefer einheilen. Manche Zahnarztpraxen bieten dafür eine zusätzliche Behandlung mit Ihrem eigenen Blut an. Aus einer kleinen Blutprobe gewinnen sie Bestandteile, die die Heilung unterstützen sollen. Die Verfahren heißen PRGF und PRF.

Inhalt

    Doch welchen Vorteil bringt diese Ergänzung? Die Forschung liefert Hinweise auf eine bessere frühe Wundheilung und weniger Beschwerden nach bestimmten Eingriffen. Ob Implantate dadurch langfristig häufiger erhalten bleiben, ist bisher nicht ausreichend belegt. Für Ihre Entscheidung zählen deshalb der konkrete Nutzen in Ihrem Fall, die zusätzlichen Kosten und die möglichen Risiken.

    Das Wichtigste in Kürze

    • Körpereigenes Material: PRGF und PRF nutzen aufbereitete Bestandteile Ihres Bluts.
    • Möglicher Nutzen: Studien zeigen bei bestimmten Anwendungen Vorteile für die frühe Wundheilung und postoperative Beschwerden.
    • Begrenzte Aussagekraft: Ein langfristig besserer Implantaterfolg ist damit nicht gesichert.
    • Ergänzung zur Behandlung: Ein Implantat oder einen erforderlichen umfangreichen Knochenaufbau ersetzen die Verfahren nicht.
    • Zusätzliche Kosten: Klären Sie vorab schriftlich, was die Behandlung kostet und ob Ihre Versicherung etwas erstattet.

    Was bedeutet „Eigenblut“ in der Zahnmedizin?

    Bei dieser Behandlung wird eine kleine Menge Blut entnommen, aufbereitet und anschließend im Operationsgebiet eingesetzt. Das Material stammt ausschließlich von Ihnen und wird nur bei Ihnen angewendet.

    Eine Rolle spielen dabei Blutplättchen und Fibrin. Blutplättchen setzen Botenstoffe frei, die an Heilungsprozessen beteiligt sind. Fibrin bildet bei der Blutgerinnung ein Netzwerk, das als vorübergehendes Gerüst für die Wundheilung dient. Die Verfahren sollen diese natürlichen Vorgänge gezielt unterstützen. Aus diesem Wirkprinzip allein lässt sich jedoch noch kein gesicherter Behandlungsvorteil ableiten.

    Was unterscheidet PRGF und PRF?

    Beide Verfahren beruhen auf Eigenblut, unterscheiden sich aber in der Aufbereitung.

    PRGF steht für Plasma Rich in Growth Factors, also Plasma, das reich an Wachstumsfaktoren ist. Ein Gerinnungshemmer hält das entnommene Blut zunächst flüssig. Nach der Zentrifugation wird die gewünschte Plasmafraktion gewonnen. Zur Herstellung eines Gels wird die Gerinnung anschließend mit Calciumchlorid ausgelöst.

    PRF steht für Platelet-Rich Fibrin, also plättchenreiches Fibrin. Hier erfolgt die Aufbereitung ohne zugesetzte Gerinnungshemmer. Je nach Herstellungsverfahren entsteht festes oder zunächst flüssiges Material. Festes PRF kann zu einer dünnen Membran geformt werden.

    Die Herstellung und Anwendung beschreibt die Richtlinie der Bundeszahnärztekammer zu Blutprodukten in der Zahnheilkunde.

    Welche Variante für Sie infrage kommt, sollte die Praxis anhand des geplanten Eingriffs erklären. Die Bezeichnung allein sagt noch nichts über den zu erwartenden Nutzen aus.

    Wie läuft die Behandlung ab?

    Die Aufbereitung erfolgt im Zusammenhang mit dem Eingriff:

    1. Blutentnahme: Die Praxis entnimmt eine kleine Menge Blut aus einer Vene.
    2. Zentrifugation: Eine Zentrifuge trennt die Blutbestandteile.
    3. Aufbereitung: Die benötigten Anteile werden für die Anwendung vorbereitet.
    4. Anwendung: Das Material wird beispielsweise in eine Wunde eingebracht, mit Knochenersatzmaterial vermischt oder zur Abdeckung verwendet.

    Diese Schritte benötigen zusätzliche Zeit. Der genaue Ablauf hängt vom Verfahren und vom Umfang der Behandlung ab.

    Wann wird Eigenblut beim Implantat eingesetzt?

    PRGF und PRF werden in unterschiedlichen Phasen einer Implantatbehandlung untersucht und angewendet:

    • Nach einer Zahnentfernung: Das Material kann in das leere Zahnfach eingebracht werden, um die Heilung zu unterstützen. Wird gezielt versucht, das Knochenvolumen für ein späteres Implantat zu erhalten, spricht man von Socket Preservation.
    • Beim Knochenaufbau: Eigenblutprodukte können mit Eigenknochen oder Knochenersatzmaterial kombiniert werden.
    • Beim Sinuslift: Sie können ergänzend zum Aufbau des Knochens unterhalb der Kieferhöhle eingesetzt werden.
    • Beim Einsetzen des Implantats: Manche Praxen behandeln das Implantat oder das Implantatbett mit dem aufbereiteten Material.
    • Zur Wundabdeckung: Fibrinmembranen können auf das Operationsgebiet gelegt werden.

    Diese Einsatzmöglichkeiten bedeuten nicht, dass für jede Anwendung ein gleich gut belegter Vorteil besteht. Übersichtsarbeiten unterscheiden ausdrücklich zwischen Wundheilung, Knochenbildung und Einheilung des Implantats. Systematische Übersicht zu PRF in der Implantattherapie

    Was sagt die Forschung?

    Für eine sinnvolle Entscheidung müssen drei Fragen getrennt betrachtet werden: Heilt die Wunde besser? Entsteht mehr Knochen? Und bleibt das Implantat langfristig häufiger erhalten?

    Frühe Wundheilung und Beschwerden

    Hier gibt es Hinweise auf einen Nutzen. Eine systematische Übersicht von 2026 zu PRGF nach Zahnentfernungen beschreibt überwiegend günstige Ergebnisse für die frühe Heilung. Zugleich unterscheiden sich die ausgewerteten Studien deutlich in Herstellung, Messmethoden und Beobachtungsdauer. Übersichtsarbeit zu PRGF nach Zahnentfernung

    Auch eine Metaanalyse zu einer PRF-Variante mit weißen Blutkörperchen, dem sogenannten L-PRF, fand nach Zahnentfernungen Vorteile bei Heilungswerten und Schmerzen. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf jede Implantatoperation übertragen. Metaanalyse zu L-PRF nach Zahnentfernung

    Knochenheilung und Knochenaufbau

    Die Ergebnisse hängen von der Anwendung ab. Nach Zahnentfernungen zeigen einzelne Untersuchungen günstigere Werte für die Knochenbildung oder den Erhalt des Zahnfachs. Beim umfangreicheren Knochenaufbau und beim Sinuslift sind die Befunde weniger eindeutig. Eine systematische Übersicht zu PRGF beschreibt widersprüchliche Ergebnisse für die zusätzliche Knochenbildung. Übersichtsarbeit zu PRGF bei Knochenaufbauverfahren

    Ein notwendiger größerer Knochenaufbau lässt sich daher nicht verlässlich durch Eigenblut allein ersetzen. Eine Übersicht von 2025 bewertet PRF bei größeren Knochendefekten ausdrücklich als möglichen Zusatz; die Daten reichen für einen gleichwertigen Ersatz von Knochenaufbaumaterial nicht aus. Übersichtsarbeit zum Knochenbildungspotenzial von PRF

    Einheilung und langfristiger Implantaterfolg

    Eine Metaanalyse zur PRF-Beschichtung von Implantaten fand günstigere Messwerte für die Stabilität während der frühen Einheilung. Die Sicherheit der Evidenz wurde jedoch als niedrig bewertet. Solche Messwerte belegen noch nicht, dass später weniger Implantate verloren gehen oder dass sie länger halten. Metaanalyse zu PRF und Implantatstabilität

    Für Patienten bedeutet das: Eigenblut kann eine begründete Ergänzung sein. Ein besseres Ergebnis lässt sich damit nicht garantieren.

    Welche Risiken gibt es?

    Dass das Material aus dem eigenen Körper stammt, macht die Behandlung nicht risikofrei. Bei der Blutentnahme können beispielsweise Schmerzen, ein Bluterguss oder Kreislaufbeschwerden auftreten. Auch die sachgerechte Aufbereitung und Hygiene sind entscheidend. Bei Verfahren mit Zusätzen müssen deren mögliche Risiken berücksichtigt werden.

    Die allgemeinen Risiken der Operation, etwa Infektionen oder Nachblutungen, bleiben ebenfalls bestehen. Die Bundeszahnärztekammer verlangt deshalb eine verständliche Aufklärung über Blutentnahme, Herstellung, Anwendung und mögliche Risiken. Richtlinie zu Blutprodukten in der Zahnheilkunde

    Informieren Sie Ihre Praxis über Vorerkrankungen und alle Medikamente, insbesondere solche, die die Blutgerinnung beeinflussen. Die Praxis prüft, ob und unter welchen Bedingungen das Verfahren für Sie geeignet ist.

    Was kosten PRGF und PRF?

    Eine verlässliche allgemeine Preisangabe ist nicht möglich. Der Betrag hängt unter anderem vom Verfahren, der benötigten Materialmenge und dem Behandlungsumfang ab.

    Die Behandlung wird üblicherweise privat berechnet. Bei selbstständigen zahnärztlichen Leistungen, die nicht im Gebührenverzeichnis beschrieben sind, kommt eine sogenannte Analogberechnung infrage. Dabei wird eine nach Art, Kosten und Zeitaufwand gleichwertige Gebührenposition herangezogen. Patienteninformation der Bundeszahnärztekammer zur Analogberechnung

    Lassen Sie sich vorab schriftlich erläutern:

    • Welche zusätzlichen Leistungen werden berechnet?
    • Wie hoch sind die voraussichtlichen Gesamtkosten?
    • Sind Blutentnahme, Aufbereitung und Anwendung darin enthalten?

    Ob eine private Krankenversicherung, Zahnzusatzversicherung oder Beihilfe die Kosten übernimmt, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab. Eine Analogberechnung allein begründet keinen Erstattungsanspruch. Reichen Sie den Kostenplan deshalb vor der Behandlung ein. Auch gesetzlich Versicherte sollten eine mögliche Kostenübernahme ausdrücklich klären.

    Diese Fragen helfen Ihnen bei der Entscheidung

    Eine verständliche Beratung sollte die Empfehlung mit Ihrem Befund verbinden. Fragen Sie Ihre Praxis:

    • Welchen konkreten Vorteil erwarten Sie in meinem Fall?
    • Geht es um die Wundheilung, weniger Beschwerden oder den Knochenaufbau?
    • Welche Studien stützen diese Empfehlung?
    • Wie würde die Behandlung ohne Eigenblut aussehen?
    • Welches Verfahren verwenden Sie und warum?
    • Welche Risiken und zusätzlichen Kosten entstehen für mich?

    Sie müssen sich nicht allein aufgrund des Begriffs „Wachstumsfaktoren“ für die Behandlung entscheiden. Lassen Sie sich erklären, wie groß der erwartete Vorteil ist und welche Unsicherheiten bestehen.

    Häufige Fragen

    Ist das eine Bluttransfusion?

    Nein. Das aufbereitete Material wird lokal im Operationsgebiet verwendet und nicht als Transfusion in die Blutbahn gegeben.

    Ist PRF immer eine feste Membran?

    Nein. Neben festen Varianten gibt es zunächst flüssige PRF-Zubereitungen. Welche Form eingesetzt wird, hängt vom Herstellungsverfahren und der geplanten Anwendung ab.

    Kann ich durch Eigenblut auf einen Knochenaufbau verzichten?

    Das lässt sich nicht pauschal zusagen. Bei einem größeren Knochendefekt ist Eigenblut allein kein verlässlich belegter Ersatz für das erforderliche Aufbaumaterial.

    Brauche ich PRGF oder PRF für ein Implantat?

    Die Verfahren sind keine allgemeine Voraussetzung für eine Implantatversorgung. Ob eine zusätzliche Anwendung sinnvoll erscheint, muss die Praxis anhand Ihres Befunds begründen.

    Heilt das Implantat damit sicher ein?

    Nein. Auch mit Eigenblut kann ein Implantat verloren gehen. Ein garantierter Behandlungserfolg lässt sich aus den bisherigen Studien nicht ableiten.

    Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine individuelle zahnärztliche Beratung.

    Daniel J. H. Rehberg, Zahnarzt in Crailsheim

    Über den Autor

    – Zahnarzt in Crailsheim

    Daniel J. H. Rehberg leitet die Zahnarztpraxis in der Weickstraße 4 in Crailsheim. Zum Leistungsspektrum der Praxis gehören unter anderem Zahnimplantate. Seine Praxis ist DentNet-Partnerpraxis.

    Zum Praxisprofil von Daniel J. H. Rehberg · Zuletzt aktualisiert: 05.10.2026

    dentnet.de als bevorzugte Quelle bei Google

    Wenn Sie bei Google suchen, zeigt die Schlagzeilen-Box aktuelle Themen aus ausgewählten Quellen. Legen Sie DentNet als Ihre bevorzugte Quelle fest – dann erhalten Sie dort regelmäßig unsere geprüften, verlässlichen Fachinhalte.

    Jetzt DentNet als Quelle einstellen

    Verantwortlich: (Geschäftsführer – Strategie & Unternehmensentwicklung, Imex Dental)
    Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

    Imex Dental steht für präzisen Zahnersatz, meisterliche Zahntechnik und digitale Fertigungsprozesse.