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Oraler Lichen planus: Knötchenflechte im Mund erkennen und behandeln

Weiße Streifen an der Wangeninnenseite oder Brennen bei scharfem Essen können auf einen oralen Lichen planus hindeuten. Hier lesen Sie, welche Formen es gibt, wie die Diagnose gestellt wird, was gegen die Beschwerden hilft und warum Kontrollen sinnvoll sind.

Der orale Lichen planus, auf Deutsch auch Knötchenflechte im Mund genannt, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Mundschleimhaut. Bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems, die T-Lymphozyten, richten sich dabei gegen die eigene Schleimhaut. Ansteckend ist die Erkrankung nicht. Typisch sind weiße, netzartige Streifen an den Wangeninnenseiten, die manche Menschen gar nicht bemerken, während andere bei scharfem Essen ein deutliches Brennen spüren.

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Menschen verschwinden die Veränderungen nach einigen Monaten wieder, bei anderen bleiben sie über Jahre mit ruhigen Phasen und Schüben bestehen. Die Beschwerden lassen sich in vielen Fällen gut lindern. Weil in seltenen Fällen aus den Veränderungen Mundkrebs entstehen kann, gehören regelmäßige Kontrollen in der Zahnarztpraxis dazu.

Inhalt

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    Was ist ein oraler Lichen planus?

    Lichen planus ist eine entzündliche Erkrankung, die an der Haut, an den Schleimhäuten oder an beidem auftreten kann. Im Mund spricht man vom oralen Lichen planus, in manchen Fachtexten auch vom Lichen ruber mucosae. Nach heutigem Wissen greifen sogenannte zytotoxische T-Zellen die Zellen der obersten Schleimhautschicht an und halten so eine Entzündung in Gang. Fachleute gehen von einem autoimmunen Geschehen aus, die genaue Ursache ist aber weitgehend unbekannt.

    Für Familie und Partnerschaft gibt es eine gute Nachricht. Der orale Lichen planus wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen, Sie können also ganz normal Geschirr teilen oder küssen. Bei etwa der Hälfte der Menschen mit Lichen planus der Haut ist auch der Mund beteiligt. Die Erkrankung kann aber genauso ausschließlich im Mund auftreten.

    Seelischer Stress und kleine Verletzungen der Schleimhaut, etwa durch eine scharfe Zahnkante, können Schübe begünstigen. Ganz gesichert sind diese Zusammenhänge allerdings nicht.

    Wie häufig ist die Knötchenflechte im Mund?

    Eine große Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology hat 2020 zahlreiche Studien zusammengefasst. Für die Allgemeinbevölkerung kam sie auf eine Häufigkeit von knapp 0,9 Prozent, also auf etwa einen von hundert Menschen. Die einzelnen Studien wichen allerdings stark voneinander ab, die Zahl ist deshalb als grobe Orientierung zu verstehen.

    Frauen erkranken etwas häufiger als Männer. Auch das Alter macht einen Unterschied, denn bei Menschen ab 40 Jahren lag die Häufigkeit in der Auswertung deutlich höher als bei Jüngeren. Ein Fortbildungsbeitrag in den Zahnärztlichen Mitteilungen nennt als typisches Erkrankungsalter 30 bis 60 Jahre.

    Welche Formen gibt es, und welche Beschwerden verursachen sie?

    Ärztinnen und Ärzte unterscheiden mehrere Erscheinungsformen, die oft gleichzeitig vorkommen:

    • Bei der retikulären Form sieht man feine weiße Linien, die an ein Spitzenmuster erinnern und Wickham-Streifen heißen. Sie sitzen meist an beiden Wangeninnenseiten und verursachen oft keine Beschwerden.
    • Die erosive Form zeigt gerötete, wunde Stellen bis hin zu offenen Bereichen, häufig am Zahnfleisch und an den Lippen. Sie kann sehr schmerzhaft sein.
    • Bei der atrophen Form ist die Schleimhaut verdünnt und gerötet, oft mit einem weißlichen Rand.
    • Die plaqueartige Form bildet flächige weiße Bereiche und wird häufiger bei Rauchern beobachtet.

    Viele Betroffene beschreiben ein Brennen, sobald sie scharf gewürzte, saure oder heiße Speisen essen. Auch Zahnfleischbluten beim Putzen und Schmerzen beim Essen oder Sprechen kommen vor, vor allem bei der erosiven Form. Wer nur die retikulären Streifen hat, merkt dagegen oft gar nichts. Brennt vor allem die Zunge, kann auch etwas anderes dahinterstecken, mehr dazu im Ratgeber Zunge brennt.

    Unser Tipp:

    Notieren Sie ein paar Wochen lang kurz im Handy, wann es im Mund brennt, was Sie vorher gegessen haben und welche Medikamente oder Zahnpflegeprodukte Sie neu verwenden. Solche Beobachtungen helfen Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt, Auslöser einzugrenzen und einen Lichen planus von einer Reaktion auf einen bestimmten Stoff zu unterscheiden. Für die Untersuchung finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche eine Praxis in der Nähe und können online einen Termin anfragen.

    Woran unterscheidet sich eine lichenoide Reaktion vom Lichen planus?

    Nicht alles, was wie ein Lichen planus aussieht, ist auch einer. Bei der sogenannten lichenoiden Reaktion reagiert die Schleimhaut auf einen äußeren Auslöser und bildet ganz ähnliche weiße Streifen oder gerötete Stellen. Bekannte Auslöser sind Zahnmaterialien, etwa Amalgamfüllungen, aber auch Bestandteile wie Nickel, Gold oder Kunststoffe. Selbst Aromastoffe in Zahnpasta kommen infrage, besonders Minzaromen.

    Auch Medikamente können lichenoide Veränderungen hervorrufen, darunter manche Antibiotika, entzündungshemmende Schmerzmittel sowie Mittel gegen Bluthochdruck oder Herzerkrankungen. Die dermatologische Fachseite DermNet empfiehlt, kürzlich begonnene Medikamente und per Hauttest bestätigte Allergene als mögliche Auslöser zu prüfen und dann zu meiden. Setzen Sie Medikamente aber nie eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr zu Unverträglichkeiten lesen Sie im Ratgeber Metallallergie und Unverträglichkeit bei Zahnersatz.

    Wie wird ein oraler Lichen planus festgestellt?

    Oft erkennt die Zahnärztin oder der Zahnarzt den Lichen planus schon am typischen Bild und an Ihrer Schilderung der Beschwerden. Klarheit bringt eine Biopsie, also die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe. Im Labor lässt sich zeigen, ob die typischen Veränderungen vorliegen. Zugleich können andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, etwa eine lichenoide Reaktion, ein Lupus oder ein beginnender Krebs.

    Die S2k-Leitlinie von DGZMK und DGMKG zu Vorläuferläsionen des Mundhöhlenkrebses gibt hier eine Orientierung. Eine Veränderung, die sich nach zwei Wochen Beobachtung oder Behandlung nicht zurückbildet und keiner Grunderkrankung eindeutig zuzuordnen ist, gilt als abklärungsbedürftig. Spricht ein vermuteter Lichen nicht auf eine Behandlung mit Kortison an, ist das laut Leitlinie ebenfalls ein Grund für eine Gewebeprobe. Auch eine Pilzinfektion im Mund oder eine Leukoplakie können ähnlich aussehen, deshalb lohnt sich die genaue Abgrenzung.

    Wie wird die Knötchenflechte im Mund behandelt?

    Ob behandelt werden muss, hängt von den Beschwerden ab. Die retikuläre Form ohne Schmerzen braucht in der Regel keine Therapie, sondern vor allem Beobachtung. Bei Brennen, Schmerzen oder wunden Stellen gelten kortisonhaltige Präparate zum Auftragen auf die Schleimhaut laut Leitlinie als Mittel der ersten Wahl. Welches Präparat infrage kommt und wie lange es angewendet wird, entscheidet Ihre Zahnärztin, Ihr Zahnarzt oder Ihre Hautarztpraxis. Wenden Sie solche Mittel nur nach dieser Verordnung an.

    Daneben kommt es auf den Alltag im Mund an. Eine gründliche, aber schonende Mundhygiene, das Glätten scharfer Kanten an Füllungen oder Prothesen und die Behandlung einer Zahnfleischentzündung gehören nach einem Fortbildungsbeitrag in den Zahnärztlichen Mitteilungen zu den ersten Schritten. Hilfreich ist außerdem, Reize zu meiden, die bei Ihnen Beschwerden auslösen, etwa stark gewürzte Speisen, Zitrusfrüchte oder sehr heiße Getränke. Wer raucht, sollte aufhören. Allgemeine Hinweise zu gereizter Schleimhaut finden Sie im Ratgeber Entzündung im Mund.

    In schweren oder hartnäckigen Fällen gibt es weitere Möglichkeiten, etwa andere entzündungshemmende Wirkstoffe oder eine Behandlung, die im ganzen Körper wirkt. Diese Therapien gehören in spezialisierte Hände und werden eng ärztlich begleitet. Eine Einschränkung nennt die Leitlinie ebenfalls. Für keine der örtlichen Behandlungen ist bisher belegt, dass sie das Risiko einer bösartigen Veränderung senkt, die Behandlung ersetzt also nicht die Kontrollen.

    Kann aus einem oralen Lichen planus Mundkrebs werden?

    Diese Frage beschäftigt viele Betroffene. Eine bösartige Veränderung kommt vor, sie ist aber selten. Fachautoren in den Zahnärztlichen Mitteilungen nennen eine durchschnittliche geschätzte Rate von 1,4 Prozent, eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 kam auf rund 2,3 Prozent. Bei der großen Mehrheit der Menschen mit oralem Lichen planus entsteht also kein Mundkrebs.

    Das Risiko ist allerdings nicht für alle gleich. Als mögliche Risikofaktoren gelten Zellveränderungen im Gewebe, sogenannte Dysplasien, außerdem Rauchen und Alkohol, ein Befall der Zunge, die atrophe und die erosive Form sowie eine Infektion mit Hepatitis C. Welche Anzeichen allgemein auf Mundkrebs hindeuten können, lesen Sie im Ratgeber Mundkrebs: Risikofaktoren und Früherkennung.

    Wie oft sollten Sie zur Kontrolle, und wann früher?

    Die Leitlinie empfiehlt, Betroffenen dauerhaft regelmäßige Kontrollen anzuraten, unabhängig davon, wie behandelt wird. Für unauffällige, gleichmäßige Veränderungen nennen Fachautoren einen Abstand von etwa vier Monaten. Den passenden Rhythmus legt Ihre Praxis fest, denn er hängt von Form und Verlauf ab. Bei jeder Kontrolle wird die gesamte Mundschleimhaut angesehen, nicht nur die bekannte Stelle.

    Warten Sie nicht bis zum nächsten Termin, wenn Ihnen eines dieser Zeichen auffällt:

    • eine wunde Stelle oder ein Geschwür, das nach zwei Wochen nicht abheilt
    • ein Knoten oder eine Verhärtung, die größer wird
    • Beschwerden, die trotz Behandlung nicht besser werden

    Hinter solchen Veränderungen steckt meist nichts Bösartiges, sie sollten aber in der Praxis angesehen werden. Eine Einschätzung aus der Ferne ist nicht möglich. Mehr über andere wunde Stellen im Mund lesen Sie im Ratgeber zu Aphthen in der Mundhöhle.

    Häufige Fragen

    Muss ich meine Amalgamfüllungen austauschen lassen?

    Nicht automatisch. Amalgam ist ein bekannter Auslöser lichenoider Reaktionen, die einem Lichen planus ähneln. Ein Austausch kommt vor allem dann infrage, wenn ein Zusammenhang naheliegt, etwa durch einen bestätigten Allergietest. Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt.

    Verschwindet ein oraler Lichen planus von selbst wieder?

    Das ist möglich, lässt sich aber nicht vorhersagen. Nach Angaben von DermNet kann die Erkrankung innerhalb von Monaten abklingen oder über Jahrzehnte bestehen bleiben, oft mit ruhigen Phasen und neuen Schüben. Kontrollen bleiben deshalb auch dann sinnvoll, wenn gerade keine Beschwerden bestehen.

    Welche Zahnpasta ist bei oralem Lichen planus geeignet?

    Wenn Ihre gewohnte Zahnpasta brennt, kann eine Zahnpasta ohne den Schäumer Natriumlaurylsulfat angenehmer sein. Da Minzaromen eine Kontaktallergie auslösen können, sind milde Geschmacksrichtungen einen Versuch wert. Lassen Sie sich in Ihrer Praxis oder Apotheke zu passenden Produkten beraten.

    Hat Hepatitis C etwas mit dem Lichen planus zu tun?

    Eine Hepatitis-C-Infektion kann nach Angaben von DermNet Veränderungen im Mund hervorrufen, die einem Lichen planus ähneln. Fachautoren nennen sie außerdem als möglichen Faktor für ein höheres Entartungsrisiko. Ob ein Bluttest für Sie sinnvoll ist, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

    Wer ist für die Behandlung zuständig?

    Erste Anlaufstelle ist in der Regel Ihre Zahnarztpraxis, die die Mundschleimhaut bei jeder Kontrolle mit ansieht. Unklare oder verdächtige Befunde werden zur Gewebeprobe oft an die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie oder an spezialisierte Zentren überwiesen. Ist auch die Haut betroffen, kommt die Hautarztpraxis dazu.

    Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.

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