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Nach der Implantation: Heilung Tag für Tag und Nachsorge

Was in den ersten 24 Stunden, an den Tagen mit der stärksten Schwellung und in der ersten Woche nach einer Implantation normal ist, erklärt dieser Ratgeber. Sie erfahren auch, bei welchen Warnzeichen Sie anrufen sollten und wie gute Nachsorge aussieht.

Nach dem Setzen eines Zahnimplantats verläuft die Heilung bei den meisten Menschen nach einem recht vorhersehbaren Muster. Am ersten Tag stehen Kühlen, Schonen und etwas Geduld mit der Betäubung im Vordergrund. Die Schwellung erreicht meist nach zwei bis drei Tagen ihren Höhepunkt, und nach ein bis zwei Wochen werden in der Regel die Fäden entfernt. Danach entscheidet vor allem die tägliche Pflege, wie lange das Implantat gesund bleibt.

Viele Patientinnen und Patienten verunsichert vor allem die Zeit zu Hause, wenn niemand aus der Praxis danebensteht. Ist die dicke Backe am dritten Morgen normal? Darf man abends schon einen Kaffee trinken? Dieser Ratgeber geht die ersten Tage und Wochen der Reihe nach durch. Er stützt sich auf die Verhaltensregeln der DGZMK, auf Patienteninformationen von Kliniken für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und auf die aktuelle Leitlinie zu Entzündungen am Implantat.

Eine Bitte vorab. Die Hinweise Ihrer eigenen Praxis haben immer Vorrang, denn dort kennt man den Umfang Ihres Eingriffs, etwa ob zusätzlich ein Knochenaufbau nötig war.

Inhalt

    Verdacht auf Parodontitis? Jetzt Termin vereinbaren und Klarheit schaffen:

    Was passiert in den ersten 24 Stunden nach der Implantation?

    Direkt nach dem Eingriff wirkt die örtliche Betäubung noch eine Weile nach. Solange Lippe und Wange taub sind, sollten Sie nichts essen und nichts Heißes trinken, weil Sie sich sonst leicht in die Wange beißen oder verbrühen. Die DGZMK weist außerdem darauf hin, dass die Reaktionsfähigkeit für mehrere Stunden eingeschränkt sein kann. Lassen Sie sich deshalb am besten abholen oder nehmen Sie Bus und Bahn.

    Auf den eingelegten Tupfer beißen Sie je nach Anweisung etwa 15 bis 30 Minuten und nehmen ihn dann vorsichtig heraus. Etwas Blut im Speichel ist in den ersten Stunden normal. Sickert es weiter nach, beißen Sie eine halbe Stunde lang auf ein zusammengerolltes, sauberes und leicht angefeuchtetes Stofftaschentuch. Wenn Sie sich hinlegen, polstern Sie den Kopf etwas höher.

    Gegen die Schwellung hilft Kälte von außen. Gut geeignet sind feucht-kalte Umschläge, zum Beispiel ein Waschlappen, den Sie in kaltes Wasser tauchen. Eispackungen gehören nicht direkt auf die Haut, und Wärme ist in dieser Phase tabu. Am ersten Tag verzichten Sie außerdem auf das Ausspülen des Mundes. Das Universitätsklinikum Bonn rät, damit bis zum Folgetag zu warten.

    Warum ist die Schwellung am zweiten und dritten Tag am stärksten?

    Viele wundern sich, dass die Wange am Morgen nach dem Eingriff dicker ist als am Abend davor. Das ist kein Grund zur Sorge. Die Schwellung ist eine normale Reaktion des Gewebes und erreicht nach Angaben der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Kantonsspital Aarau meist nach zwei bis drei Tagen ihren Höhepunkt. Danach bildet sie sich langsam zurück.

    Kühlen Sie in diesen Tagen weiter regelmäßig mit feucht-kalten Umschlägen. Sauna und direkte Sonne lassen Sie besser aus. Es kann gut sein, dass Sie den Mund für einige Tage nicht ganz so weit öffnen können wie gewohnt. Auch eine leicht erhöhte Temperatur kommt nach Eingriffen im Kiefer vor. Die Techniker Krankenkasse nennt in ihrer Patienteninformation leichtes Fieber bis 38,5 Grad als normal.

    Wie verläuft die erste Woche, und wann kommen die Fäden heraus?

    Ab dem zweiten Tag gehört die Zahnpflege wieder zum Alltag. Die DGZMK empfiehlt, die Zähne dreimal täglich zu putzen und den frisch operierten Bereich dabei zunächst auszusparen. Heftiges oder häufiges Spülen sollten Sie vermeiden. Nach den Hinweisen aus Aarau kann zu viel Spülen die Wundheilung stören und die Nähte gefährden.

    Hat Ihre Praxis eine spezielle Mundspüllösung verordnet, verwenden Sie diese genau so, wie es mit Ihnen besprochen wurde. Wann Sie damit beginnen und wie lange Sie spülen, legt die Praxis fest. Eine Spüllösung ergänzt das Putzen, ersetzt es aber nicht.

    Nach etwa einer Woche steht meist ein Kontrolltermin an. Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt schaut sich dann die Wunde an und entfernt, falls nötig, die Fäden. Nach den Patienteninformationen der Techniker Krankenkasse und des Universitätsklinikums Bonn geschieht das je nach Eingriff nach etwa einer bis zwei Wochen. Bringen Sie zu diesem Termin ruhig Ihre Fragen mit, etwa zu Sport, Prothese oder Zahnpflege.

    Unser Tipp:

    Legen Sie sich schon vor dem Eingriff zurecht, was Sie in den ersten Tagen brauchen, also saubere Waschlappen zum Kühlen, ein Stofftaschentuch, ein paar weiche Lebensmittel und die Telefonnummer der Praxis. Notieren Sie sich außerdem, wie Sie außerhalb der Sprechzeiten den zahnärztlichen Notdienst erreichen. Wenn Sie für Eingriff oder Nachsorge eine Praxis in Wohnortnähe suchen, finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche eine Praxis in der Nähe und können online einen Termin anfragen.

    Was dürfen Sie nach der Implantation essen und trinken?

    Essen Sie erst, wenn die Betäubung vollständig abgeklungen ist. In den Tagen danach ist weiche und nicht zu heiße Kost am besten, zum Beispiel Kartoffelbrei, Rührei, weich gegartes Gemüse oder eine lauwarme Suppe. Kauen Sie möglichst auf der Seite, auf der nicht operiert wurde. Rohkost ist nach den Hinweisen des Universitätsklinikums Bonn bis zur Abheilung ungünstig, das knackige Salatblatt hat also noch etwas Zeit.

    Beim Trinken ist Wasser eine gute Wahl. Auf Alkohol, Bohnenkaffee, Cola und schwarzen Tee verzichten Sie nach den Empfehlungen der DGZMK mindestens in den ersten 24 Stunden. Die Klinik in Aarau rät beim Alkohol sogar zu drei Tagen Pause. Weitere Anregungen für die ersten Tage finden Sie in unserem Ratgeber Verhalten und Ernährung nach zahnärztlichem Eingriff.

    Ab wann sind Sport, Sauna und Zigarette wieder erlaubt?

    Gönnen Sie Ihrem Körper in der ersten Woche Ruhe. Die DGZMK rät, in dieser Zeit auf körperliche Anstrengung und Saunabesuche zu verzichten. Joggen, Krafttraining oder schweres Heben bringen den Kreislauf in Schwung, und genau das soll die frische Wunde in den ersten Tagen nicht abbekommen. Mit dem Training in der Woche danach sprechen Sie am besten Ihre Praxis ab.

    Beim Rauchen raten die Kliniken übereinstimmend zu einer Pause. Das Universitätsklinikum Bonn empfiehlt dringend, bis zur Fädenentfernung nicht zu rauchen, weil Rauchen die Wundheilung stark beeinträchtigt. Die Klinik in Aarau nennt sogar die vollständige Wundheilung als Ziel. Welche Folgen Tabak für Implantate haben kann, lesen Sie im Ratgeber Rauchen und Zahnersatz. Wer die Pause als Anlass für einen dauerhaften Ausstieg nutzen möchte, findet Hilfe im Beitrag Mit dem Rauchen aufhören.

    Welche Schmerzmittel dürfen Sie nach der Implantation nehmen?

    Meist bekommen Sie nach dem Eingriff eine Empfehlung oder ein Rezept für ein Schmerzmittel. Nehmen Sie es genau so ein, wie es mit Ihnen besprochen wurde, und überschreiten Sie die angegebene Höchstmenge nicht. Zusätzliche Mittel nach eigenem Ermessen sollten Sie laut DGZMK nicht einnehmen. Vertragen Sie ein Medikament nicht, melden Sie sich bitte umgehend in der Praxis.

    Vorsicht ist bei Präparaten mit Acetylsalicylsäure geboten, denn dieser Wirkstoff kann Nachblutungen verlängern. Das Universitätsklinikum Bonn rät deshalb, ihn vor einem Eingriff nur nach Rücksprache zu nehmen. Haben Sie ihn zur Blutverdünnung verordnet bekommen, setzen Sie ihn auf keinen Fall eigenmächtig ab. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Hausarztpraxis und der behandelnden Zahnarztpraxis, bei Fragen zu frei verkäuflichen Mitteln auch mit Ihrer Apotheke. Allgemeine Hinweise finden Sie im Ratgeber Schmerzmittel bei Zahnschmerzen.

    Wann sollten Sie nach der Implantation sofort in die Praxis?

    Manche Beschwerden gehören nicht mehr zum normalen Heilungsverlauf. Melden Sie sich in diesen Fällen umgehend bei Ihrer Praxis oder außerhalb der Sprechzeiten beim zahnärztlichen Notdienst:

    • eine Blutung, die auch nach einer halben Stunde Aufbeißen auf ein Tuch nicht nachlässt
    • Fieber über 38,5 Grad
    • Schmerzen oder eine Schwellung, die nach dem zweiten oder dritten Tag wieder zunehmen, statt abzuklingen
    • ein Taubheits- oder Kribbelgefühl, das nach dem Abklingen der Betäubung bestehen bleibt
    • eine stark eingeschränkte Mundöffnung

    Hinter diesen Zeichen kann eine behandlungsbedürftige Störung der Wundheilung stecken, manchmal aber auch etwas Harmloses. Aus der Ferne lässt sich das nicht beurteilen, deshalb gehört die Abklärung in die Praxis. Lieber einmal zu früh anrufen als zu spät. Sind Sie gerade weit weg von Ihrer behandelnden Praxis, können Sie über die DentNet-Suche einen Zahnarzt in der Nähe finden.

    Wie bleibt Ihr Implantat auf Dauer gesund?

    Ist die Wunde verheilt, läuft im Kiefer die eigentliche Einheilung weiter. Nach Angaben der Zahnärztekammern im Patientenmagazin ZahnRat bildet sich nach etwa 90 Tagen eine knöcherne Verbindung zwischen Implantat und Knochen. In der Einheilzeit darf das Implantat nicht durch Kaukraft belastet werden. Halten Sie sich deshalb genau an die Vorgaben Ihrer Praxis.

    Die DGI empfiehlt, ein Implantat mindestens so gut zu pflegen wie die eigenen Zähne. Neben der Zahnbürste gehören Interdentalbürstchen oder Zahnseide zur täglichen Pflege, und auch die Rück- und Unterseite des Zahnersatzes braucht eine gewissenhafte Reinigung. Mundspülungen allein reichen nicht aus. Blutet es beim Putzen am Implantat, lassen Sie das in der Praxis ansehen.

    Der Aufwand hat einen Grund, denn Entzündungen am Implantat sind nicht selten. Die S3-Leitlinie von DGI und DGZMK nennt aus der Studienlage eine durchschnittliche Häufigkeit von 43 Prozent für die periimplantäre Mukositis, eine Entzündung nur der Schleimhaut, und von 22 Prozent für die Periimplantitis, bei der auch der Knochen angegriffen wird. Eine Mukositis heilt nach Angaben der DGI bei gründlicher Belagentfernung und besserer Mundhygiene meist innerhalb weniger Wochen ab. Unbehandelt kann sie in eine Periimplantitis übergehen. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Periimplantitis.

    Regelmäßige Kontrollen und professionelle Zahnreinigungen helfen, solche Entzündungen früh zu erkennen. Wie oft Sie kommen sollten, richtet sich nach Ihrem persönlichen Risiko. Ein erhöhtes Risiko besteht laut DGI zum Beispiel nach einer Parodontitis oder bei schlechter Belagkontrolle. Die Zahnärztekammern nennen als Orientierung Kontrollen alle drei bis sechs Monate, mindestens aber einmal im Jahr.

    Häufige Fragen

    Darf ich nach der Implantation meine Prothese tragen?

    Nur wenn Ihre Praxis es ausdrücklich erlaubt. Nach Angaben der Zahnärztekammern darf während der Einheilzeit keine Kaukraft auf das Implantat übertragen werden. Ein angepasster Übergangsersatz dient in dieser Phase deshalb meist vor allem dem Aussehen.

    Wann darf ich wieder eine Munddusche oder elektrische Zahnbürste benutzen?

    Eine elektrische Zahnbürste dürfen Sie laut DGZMK außerhalb des operierten Bereichs weiter verwenden. Mit der Munddusche sollten Sie etwa zwei Wochen pausieren. Ab wann Sie damit auch am Implantat reinigen, klären Sie am besten beim Kontrolltermin.

    Wann darf ich nach dem Eingriff wieder Auto fahren?

    Die Reaktionsfähigkeit kann nach der Betäubung für mehrere Stunden eingeschränkt sein. Das Universitätsklinikum Bonn rät, nach einem ambulanten Eingriff etwa zwei Stunden lang nicht selbst zu fahren, und weist darauf hin, dass auch Schmerzmittel die Fahrtüchtigkeit beeinflussen können. Am entspanntesten ist es, sich abholen zu lassen.

    Warum soll ich nach der Implantation keine Wärme anwenden?

    Kliniken wie das Universitätsklinikum Bonn raten ausdrücklich zu feuchter Kälte und von Wärme ab. Kalte Umschläge verringern nach Angaben der Techniker Krankenkasse das Risiko einer dicken Backe und einer Nachblutung. Wärmflasche, Sauna und pralle Sonne warten deshalb besser, bis die ersten Tage überstanden sind.

    Merke ich selbst, wenn sich mein Implantat entzündet?

    Nicht immer sofort. Zahnfleischbluten beim Putzen am Implantat ist ein Warnsignal, das Sie in der Praxis ansprechen sollten. Nach Angaben der DGI kann eine Periimplantitis bereits zwei bis drei Jahre nach der Implantation beginnen, deshalb lohnen sich Kontrolltermine auch ohne Beschwerden.

    Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.

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    Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

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