THIS IS THE PAGE RENDERED

Schmerzmittel bei Zahnschmerzen: Was hilft, was ist riskant?

Ibuprofen, Paracetamol oder doch ASS? Welche Schmerzmittel bei Zahnschmerzen infrage kommen und wann Sie besser vorher in der Apotheke fragen.

Bei Zahnschmerzen kommen für die Selbstbehandlung vor allem Ibuprofen und Paracetamol infrage. Ibuprofen wirkt zusätzlich gegen Entzündungen, passt aber nicht bei Magengeschwüren, schweren Nieren- oder Herzproblemen und nicht im letzten Schwangerschaftsdrittel. ASS ist ungünstig, weil es die Blutgerinnung hemmt. Jedes Schmerzmittel überbrückt nur die Zeit bis zum Zahnarzttermin.

In Zahnarztpraxen fällt am Telefon oft derselbe Satz: „Ich habe schon zwei Tabletten genommen, jetzt geht es.“ Das ist erst einmal gut, denn niemand muss Zahnschmerzen tapfer aushalten. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick darauf, welches Mittel zu Ihnen passt.

Dieser Ratgeber ordnet die gängigen rezeptfreien Schmerzmittel ein. Dosierungen nennen wir bewusst nicht. Die richtige Menge steht in der Packungsbeilage, und in der Apotheke berät man Sie gern, wenn Sie unsicher sind oder weitere Medikamente nehmen.

Inhalt

Verdacht auf Parodontitis? Jetzt Termin vereinbaren und Klarheit schaffen:

Warum lindern Schmerzmittel nur, statt den Zahn zu heilen?

Zahnschmerzen haben fast immer eine handfeste Ursache, am häufigsten Karies, die bis in die Nähe des Zahnnervs vorgedrungen ist. Eine Tablette dämpft das Schmerzsignal, aber sie füllt kein Loch und beseitigt keine Entzündung im Zahninneren. Die Pharmazeutische Zeitung bringt es auf den Punkt: Schmerzmittel und Hausmittel überbrücken die Beschwerden nur kurz, und ohne bekannte Ursache sollten sie nicht über längere Zeit genommen werden.

Viele Packungsbeilagen begrenzen deshalb die Einnahme ohne ärztlichen oder zahnärztlichen Rat auf wenige Tage. Wer länger Tabletten braucht, um den Alltag zu schaffen, gehört in die Praxis. Wie dringend das ist, können Sie mit unserem Notfall-Check: Wann zum Zahnarzt? einschätzen. Mögliche Ursachen und Hausmittel für die ersten Stunden stehen im Ratgeber Zahnschmerzen: Ursachen und Soforthilfe.

Ibuprofen oder Paracetamol: Was wirkt besser bei Zahnschmerzen?

Ibuprofen gehört zu den nichtsteroidalen Antirheumatika, kurz NSAR. Es lindert Schmerzen und hemmt gleichzeitig Entzündungen, und das passt gut zu vielen Zahnproblemen. Paracetamol wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, hat aber kaum entzündungshemmende Wirkung.

Gut untersucht ist der Vergleich nach dem Entfernen von Weisheitszähnen. Ein Cochrane-Review kam zu dem Ergebnis, dass Ibuprofen in allen untersuchten Dosierungen besser wirkte als Paracetamol. Die Kombination beider Wirkstoffe schnitt sechs Stunden nach dem Eingriff besser ab als jeder Wirkstoff allein, die Datenlage dazu ist allerdings begrenzt. Auf normale Zahnschmerzen lässt sich das nicht eins zu eins übertragen, es gibt aber eine Richtung vor.

Ob eine Kombination für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Zahnärztin, Ihrem Zahnarzt oder in der Apotheke. Nehmen Sie nicht auf eigene Faust mehrere Präparate durcheinander. Manche Mittel enthalten bereits mehrere Wirkstoffe, und dann wird es schnell zu viel.

Wann ist Ibuprofen keine gute Wahl?

So bewährt Ibuprofen ist, für manche Menschen passt es nicht. Laut Arzneimitteldatenbank von aponet darf es unter anderem nicht genommen werden bei Magen- oder Darmgeschwüren und Magen-Darm-Blutungen, auch wenn diese früher aufgetreten sind, bei stark eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion und bei schwerer Herzschwäche. Rücksprache mit Arzt oder Apotheke ist nötig bei Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Diabetes, Gerinnungsstörungen, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und eingeschränkter Nierenfunktion.

Menschen mit Asthma sollten ebenfalls vorsichtig sein. Ibuprofen, Diclofenac und ASS können eine sogenannte Analgetika-Intoleranz auslösen, bei der sich die Atemwege verengen. Als Risikofaktoren gelten laut Pharmazeutischer Zeitung Asthma und Nasenpolypen. Als Ausweichmittel nennt der Beitrag Paracetamol. Wer schon einmal nach einer Schmerztablette Atemnot hatte, sagt das bitte in der Apotheke und in der Praxis.

Diclofenac ist eng mit Ibuprofen verwandt. Für Menschen mit Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit, Durchblutungsstörungen der Beine oder nach einem Schlaganfall ist es laut einem Rote-Hand-Brief, den die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft veröffentlicht hat, nicht geeignet. Paracetamol wiederum belastet bei zu hoher Dosis die Leber. Wer eine Lebererkrankung hat oder regelmäßig Alkohol trinkt, klärt die Einnahme vorher ab.

Was spricht gegen ASS, und was gilt mit Blutverdünnern?

Acetylsalicylsäure, kurz ASS, ist für viele das klassische Schmerzmittel aus der Hausapotheke. Bei Zahnschmerzen ist es aber keine gute Idee. ASS hemmt die Blutgerinnung, und das ist ungünstig, falls in den nächsten Tagen ein Eingriff nötig wird, etwa das Öffnen eines Zahns oder eine Extraktion. Darauf weist die Pharmazeutische Zeitung ausdrücklich hin. Wenn Sie ASS gegen die Schmerzen genommen haben, sagen Sie es bitte bei der Anmeldung.

Etwas ganz anderes ist ASS, das Sie auf ärztliche Verordnung zum Schutz von Herz und Gefäßen nehmen. Dieses Medikament setzen Sie nicht eigenmächtig ab, auch nicht vor einer Zahnbehandlung. Ob und wie es angepasst wird, entscheiden Zahnarzt und Hausarzt gemeinsam. Gleiches gilt für Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon oder die neueren direkten Antikoagulanzien.

Wer Blutverdünner nimmt, sollte auch bei rezeptfreien Schmerzmitteln vorher in der Apotheke fragen. NSAR wie Ibuprofen können die Blutungsneigung zusätzlich verstärken, und bei Gerinnungsstörungen verlangen die Packungsbeilagen Rücksprache. Was bei Zahnbehandlungen unter Gerinnungshemmern zu beachten ist, lesen Sie im Ratgeber Zahnbehandlung unter Blutverdünnern.

Wann sofort zum Zahnarzt?

  • Die Schmerzen lassen sich trotz Schmerzmittel nicht aushalten
  • Die Wange, das Zahnfleisch oder der Hals schwellen an, vor allem mit Fieber
  • Schlucken, Sprechen oder Atmen fallen schwer: dann Notruf 112
  • Nach der Tablette treten Atemnot, Hautausschlag oder Schwellungen im Gesicht auf

Außerhalb der Sprechzeiten ist der zahnärztliche Notdienst Ihres Bundeslandes zuständig, nicht die 116117.

Welche Schmerzmittel sind in Schwangerschaft und Stillzeit möglich?

Hier lohnt sich ein Blick auf Embryotox, das Pharmakovigilanzzentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité Berlin. Laut Embryotox ist Paracetamol bei klarer Indikation in jeder Phase der Schwangerschaft ein Mittel der Wahl. Über Tage oder Wochen sollte die Einnahme aber ärztlich begleitet werden.

Ibuprofen ist laut Embryotox im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel möglich. Ab der 20. Schwangerschaftswoche empfiehlt Embryotox nur noch Einzeldosen, und ab der 28. Woche dürfen Ibuprofen und andere NSAR nicht mehr angewendet werden. Dasselbe gilt für Diclofenac.

In der Stillzeit nennt Embryotox Paracetamol und Ibuprofen als Schmerzmittel der Wahl. Bei Zahnschmerzen in der Schwangerschaft gilt übrigens nicht „Augen zu und durch“. Zahnbehandlungen sind in der Schwangerschaft möglich, und eine Entzündung im Mund ist für Mutter und Kind keine gute Begleitung. Mehr dazu im Ratgeber Schwangerschaft und gesunde Zähne.

Was ist bei Kindern zu beachten?

Kinder bekommen Schmerzmittel nur in Darreichungsformen, die für ihr Alter und Gewicht gedacht sind, etwa Saft oder Zäpfchen. Tabletten für Erwachsene sind für jüngere Kinder in der Regel nicht vorgesehen, das steht auch in den Packungsbeilagen. Lassen Sie sich in der Apotheke oder von der Kinderärztin beraten, bevor Sie Ihrem Kind etwas geben.

ASS gehört bei Kindern und Jugendlichen nicht in die Selbstbehandlung. Und weil Kinder Schmerzen oft schlecht beschreiben können, sollten Sie Zahnschmerzen beim Kind lieber früher als später ansehen lassen. Viele Praxen sind auf kleine Patienten gut eingestellt und nehmen sich für sie besonders Zeit.

Helfen Antibiotika gegen Zahnschmerzen?

Diese Frage hören Zahnarztpraxen oft, gerade am Wochenende. Die kurze Antwort: in der Regel nein. Die meisten Zahnschmerzen entstehen durch eine Entzündung im Zahninneren, und dort kommen Antibiotika kaum hin. Ein Cochrane-Review fand keinen Hinweis darauf, dass Antibiotika die Schmerzen bei einer irreversiblen Entzündung des Zahnnervs relevant lindern. Die Datenlage ist zwar dünn, aber sie gibt keinen Anlass, Antibiotika gegen Zahnschmerzen zu schlucken.

Was wirklich hilft, ist die Behandlung der Ursache: den Zahn öffnen, die Entzündung entfernen, eine Wurzelbehandlung beginnen oder den Zahn im Ausnahmefall ziehen. Antibiotika haben ihren Platz, wenn sich eine Infektion ausbreitet, etwa bei Fieber oder einer zunehmenden Schwellung. Wann das der Fall ist, erklären wir im Ratgeber Antibiotika beim Zahnarzt.

Wenn Sie gerade keinen Termin bei Ihrer Praxis bekommen, finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche eine Partnerpraxis in Ihrer Nähe.

Häufige Fragen

Darf ich Ibuprofen und Paracetamol zusammen nehmen?

Grundsätzlich lassen sich Ibuprofen und Paracetamol kombinieren, und nach Weisheitszahn-Operationen wirkte die Kombination in Studien etwas länger als die Einzelmittel. Ob das für Sie passt und in welchem Abstand, sollten Sie aber in der Apotheke oder mit Ihrer Zahnarztpraxis klären. Achten Sie darauf, nicht unbemerkt Kombipräparate doppelt zu nehmen, und halten Sie sich an die Packungsbeilagen.

Warum soll ich bei Zahnschmerzen kein ASS nehmen?

ASS steht für Acetylsalicylsäure. Der Wirkstoff hemmt die Blutgerinnung. Wird kurz darauf ein Eingriff am Zahn nötig, etwa eine Extraktion, kann es stärker bluten. Deshalb raten Apotheker bei Zahnschmerzen eher zu Ibuprofen oder Paracetamol. ASS, das Ihnen ärztlich zum Herzschutz verordnet wurde, setzen Sie dagegen nicht selbst ab.

Wie lange darf ich Schmerzmittel gegen Zahnschmerzen nehmen?

Rezeptfreie Schmerzmittel sind für eine kurze Überbrückung gedacht. Viele Packungsbeilagen begrenzen die Selbstbehandlung ohne ärztlichen oder zahnärztlichen Rat auf wenige Tage. Wenn Sie länger Tabletten brauchen, um mit den Zahnschmerzen zurechtzukommen, ist das ein klares Zeichen, dass die Ursache behandelt werden muss. Vereinbaren Sie dann zeitnah einen Termin.

Was hilft bei Zahnschmerzen in der Schwangerschaft?

Laut Embryotox ist Paracetamol bei klarer Indikation in der gesamten Schwangerschaft ein Mittel der Wahl. Ibuprofen kommt nur im ersten und zweiten Drittel infrage und ist ab der 28. Woche tabu. Wichtiger als jede Tablette ist aber der Zahnarztbesuch, denn Zahnbehandlungen sind auch in der Schwangerschaft möglich und eine Entzündung sollte nicht verschleppt werden.

Hilft ein Antibiotikum gegen meine Zahnschmerzen?

Meistens nicht. Die typischen Zahnschmerzen kommen von einer Entzündung im Zahninneren, die ein Antibiotikum kaum erreicht. Ein Cochrane-Review fand keinen Beleg für eine relevante Schmerzlinderung durch Antibiotika bei Zahnnerventzündung. Nötig sind sie, wenn sich eine Infektion ausbreitet, etwa mit Fieber oder zunehmender Schwellung. Darüber entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt nach der Untersuchung.

Welches Schmerzmittel bei Zahnschmerzen und Asthma?

Bei Asthma ist Vorsicht mit Ibuprofen, Diclofenac und ASS geboten, weil diese Mittel bei empfindlichen Menschen die Atemwege verengen können. Als Ausweichmittel gilt häufig Paracetamol, doch auch hier sind Unverträglichkeiten sehr selten möglich. Lassen Sie sich vor der ersten Einnahme in der Apotheke beraten, besonders wenn Sie schon einmal auf ein Schmerzmittel reagiert haben.

Schmerzmittel überbrücken nur die Zeit: Über die DentNet-Zahnarztsuche finden Sie eine Praxis, die der Ursache auf den Grund geht.

Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.

dentnet.de als bevorzugte Quelle bei Google

Wenn Sie bei Google suchen, zeigt die Schlagzeilen-Box aktuelle Themen aus ausgewählten Quellen. Legen Sie DentNet als Ihre bevorzugte Quelle fest – dann erhalten Sie dort regelmäßig unsere geprüften, verlässlichen Fachinhalte.

Jetzt DentNet als Quelle einstellen

Verantwortlich: (Geschäftsführer – Strategie & Unternehmensentwicklung, Imex Dental)
Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

Imex Dental steht für präzisen Zahnersatz, meisterliche Zahntechnik und digitale Fertigungsprozesse.