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Munddusche – sinnvoll oder nicht?

Zu einer guten Mundhygiene gehört immer auch die Reinigung der Zahnzwischenräume. Wo die Zahnbürste nicht hinkommt, helfen Zahnseide und Interdentalbürstchen. Zur Ergänzung der täglichen Zahnreinigung zu Hause kann eine elektrische Munddusche (auch Wasser Flosser, von engl. Floss = Zahnseide) zum Einsatz kommen. Welchen Nutzen haben die Wasserstrahlgeräte, und können sie Zahnseide oder Zwischenraumbürsten ersetzen?

Wie funktioniert eine Munddusche?

Die meisten Geräte arbeiten mit einem oder mehreren Wasserstrahlen, die mit regulierbarem Druck lockere Plaque und Speisereste aus den Zwischenräumen der Zähne spülen. Einige neuere Modelle mischen Luft mit dem Wasserstrahl (Micro-Luftblasen-Technologie). Das Wasser-Luft-Gemisch mit Millionen Mikro-Luftblasen soll Plaque noch schonender entfernen und zudem die Zahntaschen mit Sauerstoff anreichern. Damit werden anaerobe (ohne Luft lebende) Bakterien beseitigt, die sich dort gern ansiedeln. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für Mundgeruch.

Manche Mundduschen-Modelle haben spezielle Düsen, mit denen das Zahnfleisch massiert werden kann, einen Zungenreiniger und verschiedene Modi für die sanfte oder intensive Zahnreinigung. Es gibt auch Düsen, die als Nasendusche eingesetzt werden können. Oral-B bietet ein komplettes Mundpflegecenter an, eine Kombination aus Munddusche und elektrischer Zahnbürste. In den Wassertank eines Wasser Flossers können außerdem antibakterielle Zusätze oder Mundspüllösungen hinzugefügt werden, um die Reinigung zu erleichtern und Bakterien abzutöten. 

Die meisten Akku-Mundduschen arbeiten mit einem Lithium-Ionen-Akku, der per USB-Ladekabel aufgeladen werden muss. Das kann über eine Powerbank, ein Handyladegerät oder den USB-Anschluss eines Computers erfolgen.

Wie unterscheiden sich die Geräte?

Stationäre Munddusche mit Wassertank und Netzanschluss

Ein großer Wassertank ist über einen Schlauch mit dem Handstück verbunden, er muss manuell nachgefüllt werden. Eine elektrische Pumpe sorgt für den Wasserdruck. Das Handstück ist bei diesen Modellen relativ leicht, dafür ist die Bewegungsfreiheit durch den Schlauch etwas eingeschränkt. Eine stationäre Munddusche braucht etwas Platz und muss in der Nähe einer Steckdose aufgestellt werden.

Stationäre Munddusche mit Wasseranschluss 

Das Gerät ist direkt an den Wasserhahn angeschlossen, über den auch der Wasserdruck geregelt wird. Wasserknappheit ist bei diesem Modell nicht zu befürchten, und Strom wird für den Betrieb nicht benötigt. Allerdings hängt am Wasserhahn permanent ein Schlauch, wenn der Aufsatz des Geräts nicht jedes Mal aufs Neue  angeschlossen werden soll. Ein Splitter bzw. ein Verteiler ermöglicht eine dauerhafte Montage des Schlauchs und die gleichzeitige Nutzung des Wasserhahns.

Mobile Munddusche mit kleinem Wassertank für unterwegs

Die kabellose Munddusche benötigt keinen Schlauch und gewährt die größte Bewegungsfreiheit, hat dafür aber nur einen sehr begrenzten integrierten Wassertank, der häufig nachgefüllt werden muss. Die gesamte Ausstattung steckt im Handstück, das mit gefülltem Wassertank entsprechend schwerer wird. 

Wie und wann wird eine Munddusche angewendet?

Das Gerät kann morgens und abends vor oder nach dem Zähneputzen verwendet werden. Am besten beugt man sich bei der Verwendung über das Waschbecken, damit das Wasser nicht auf andere Oberflächen spritzt. Die Düse des Geräts wird auf den Zahnfleischsaum und die Zwischenräume gerichtet, um Speisereste und lockere Zahnbeläge fortzuspülen, und an allen Zähnen langsam vorbeigeführt. Anfangs sollte der Wasserdruck eher niedrig sein, damit das empfindliche Zahnfleisch nicht verletzt wird. Bei gesundem Zahnfleisch kann der Druck auf eine mittlere Stufe erhöht werden. Eine Munddusche erreicht besonders gut die schwer erreichbaren Areale unter Zahnbrücken, an Implantaten und kieferorthopädischen Zahnspangen und eignet sich auch für die Reinigung der Zähne nach dem Essen zwischendurch. 

Tonsillensteine entfernen

Tonsillensteine (Mandelsteine) können sich in den tiefen Furchen der Gaumenmandeln bilden und eine Ursache für Mundgeruch sein. Die wenige Millimeter großen Gebilde bestehen aus Speiseresten, abgestorbenen Zellen und Bakterien, sind weiß-gelblich und haben eine mürbe Konsistenz. Gefährlich sind sie nicht, aber sie erzeugen einen üblen Geruch, wenn sie zerdrückt werden. Mit der Zeit werden die Mandelsteine meist von allein aus dem Gewebe freigegeben. Die Beseitigung mit einem Holzspatel oder Wattestäbchen löst den natürlichen Würgereflex aus. Eine Munddusche mit einem einstellbaren Wasserstrahl ist in der Lage, die Tonsillensteine herauszuspülen und die Neubildung zu verhindern. Dazu verwendet man am besten einen geringen Wasserdruck und eine Salzwasserlösung. 

Gibt es Gegenanzeigen?

Besteht eine Parodontitis oder akute Zahnfleischentzündung, sollte die Munddusche nicht angewendet werden, um keine Verschlimmerung zu bewirken. Auch Patienten, die Herzfehler, künstliche Herzklappen oder ein erhöhtes Risiko für eine Endokarditis (Herzinnenwand-Entzündung) haben, wird der Gebrauch nicht empfohlen. Erreger könnten aus dem Mundraum in die Blutbahn verschleppt werden. 

Kann eine Munddusche das Zähneputzen oder die Zahnseide ersetzen?

Nein, das kann sie nicht. Die Anwendung von Zahnseide ist sicher nicht jedermanns Sache. Das umständliche Hantieren zwischen den Zähnen mit dem dünnen Faden fällt manchen Menschen schwer, besonders Personen, die motorisch eingeschränkt sind. In diesem Fall ist ein Wasser Flosser ein gutes ergänzendes Hilfsmittel zur Reinigung der Zähne. Ein gebündelter Wasserstrahl allein ist allerdings nicht in der Lage, festsitzende ältere Beläge großflächig einfach wegzuspülen. Gründliches Zähneputzen mit der Zahnbürste und die Verwendung von Zahnseide oder den praktischen Interdentalbürsten sind also trotz Munddusche Pflicht. Stehen die Zähne sehr eng zueinander, sodass auch Zahnseide nicht in die Zwischenräume kommt, kann eine Munddusche für die Reinigung der Zahnzwischenräume nützlich sein, selbst wenn sie nicht alle Beläge restlos entfernen kann.

Wie viel kostet eine Munddusche?

Abhängig von der Art des Geräts und dem Hersteller gibt es die günstigsten Modelle schon ab etwa 15 Euro. Die bekannteren Marken wie Oral-B, Philips oder Waterpik bieten Mundduschen zwischen 40 und 120 Euro an, die Kombination von Munddusche und elektrischer Zahnbürste oder Schallzahnbürste gibt es in der Preisklasse von 70 bis 270 Euro. Welche die beste Munddusche für Sie ist und ob das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, finden Sie am besten über einen Mundduschen-Test der Stiftung Warentest oder vergleichbaren Institutionen heraus.

Beachten Sie bei der Anschaffung auch die Folgekosten, zum Beispiel für neue Düsen; diese sollten genau wie bei der elektrischen Zahnbürste regelmäßig ausgetauscht werden. Die Düse der Munddusche muss allerdings erst alle drei bis sechs Monate gewechselt werden. Manche Hersteller erlauben den Einbau von Ersatzteilen, bei anderen Marken muss gleich das ganze Gerät ausgetauscht werden, wenn einmal ein Schlauch gebrochen ist. Auch die Akkulaufzeit und die Ladezeit sind – je nach geplantem Einsatzgebiet – ein wichtiges Kriterium beim Kauf.

Fazit

Ganz ohne Zahnbürste und Zahnseide (oder Interdentalbürsten) geht es bei der täglichen Mundhygiene nicht, wenn Zähne und Zahnfleisch gesund bleiben sollen. Eine Munddusche ist aber besonders für Menschen mit Zahnspangen, Brücken oder Implantaten ein gutes ergänzendes Hilfsmittel zur täglichen Reinigung der Zähne. 

Neben einer gewissenhaften häuslichen Mundhygiene sollten Sie ein oder zweimal im Jahr eine Professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt durchführen lassen, um die Gesundheitsvorsorge für Ihre Zähne perfekt zu machen.