Eingerissene Mundwinkel – was hilft bei Rhagaden?

Da vergeht einem nicht nur das Lachen: Wenn die Haut in den Mundwinkeln entzündet und eingerissen ist, schmerzt es beim Lächeln, Gähnen, Essen und Küssen. Jede Bewegung des Mundes tut weh, und schön sehen die Einrisse auch nicht aus. Aber wodurch entstehen Mundwinkelrhagaden (Angular cheilitis), die umgangssprachlich auch Faulecken oder Schrunden genannt werden? Wie sieht die Behandlung aus?

Was sind Rhagaden?

Rhagaden sind spaltförmige kleine Risse in der Haut der Mundwinkel, die mehr als ein kosmetisches Problem darstellen. Die Hautbarriere ist geschädigt, und die schmerzhaften Einrisse reichen bis in die Lederhaut. Kommen diese eingerissenen Mundwinkel mit sauren oder salzigen Speisen in Kontakt, brennt es fürchterlich. Krusten und Entzündungen bilden sich. Rhagaden können sich nicht nur in den Mundwinkeln entwickeln. Sie bilden sich auch an den Fußsohlen und Fersen, zwischen den Zehen und in Gelenkbeugen, an den Ohrläppchen und im Analbereich. Sie entstehen, wenn die Haut nicht elastisch genug ist und verheilen oft schlecht, da der Mund ständig in Bewegung ist. Bei Diabetikern können Schrunden am Fuß zu Geschwüren führen, dem diabetischen Fußsyndrom. Chronische Mundwinkelrhagaden sollten vom Arzt behandelt werden, da durch die Risse Keime und Erreger in den Körper gelangen können. 

Welche Ursachen können Rhagaden in den Mundwinkeln haben?

Die Ursachen für die eingerissenen Mundwinkel können ganz unterschiedlich sein. Zu trockene Haut ist nicht mehr elastisch und reißt schnell ein. Mundwinkelrhagaden entstehen daher manchmal einfach bei zu trockenen Lippen. Die Haut der Lippen kann mangels Talgdrüsen keinen schützenden Fettfilm bilden. Besonders im Winter, wenn Temperaturunterschiede und trockene Heizungsluft die zarte Haut der Lippen stressen, kann ein fetthaltiger Lippenpflegestift, Vaseline oder eine entzündungshemmende Salbe Wunder wirken.  

Die Mundwinkel sind "feuchte Kammern", in denen Speichel hängen bleiben kann. Sie bilden damit einen idealen Nährboden für viele Krankheitserreger. Auch wer sich ständig über die Lippen leckt, fördert damit die Entstehung von Rhagaden, da der Speichel die Haut noch zusätzlich austrocknet. Halten Sie die Mundwinkel trocken und tupfen Sie übermäßigen Speichelfluss mit einem Taschentuch ab. Eine zinkhaltige Creme – auch über Nacht auf die Mundwinkel aufgetragen – pflegt die entzündeten Stellen und fördert den Heilungsprozess.

Zahlreiche Erkrankungen begünstigen die Entstehung von Rhagaden. Dazu gehören Diabetes mellitus oder Erkrankungen der Magenschleimhaut, Neurodermitis, Schuppenflechte, Parkinson, Leberzirrhose, Eisen- oder Zinkmangel. Allergische Reaktionen und Vitamin-B12-Mangel oder Vitamin-B2-Mangel sind weitere mögliche Ursachen für chronisch eingerissene Mundwinkel.   

Pilzinfektionen können ebenfalls zu eingerissenen Mundwinkeln führen. Nach Infektionen dem Herpes-Simplex-Virus kann es bei bestimmten Auslösern – zum Beispiel Stress oder Ekel – dazu kommen, dass sich Rhagaden bilden. Ein Hinweis darauf sind Krusten in den Mundwinkeln, die einen weißen Belag haben; begleitend dazu können die typischen Herpesbläschen an den Lippen auftreten. Der Arzt wird in diesem Fall einen Abstrich nehmen, um den Erreger genau zu bestimmen, und ein Antimykotikum verschreiben.

Zu den nicht-infektiösen Ursachen für hartnäckige Rhagaden können auch anatomische Voraussetzungen gehören. Starke Faltenbildung in den Mundwinkeln und übermäßiger Speichelfluss fördern die Feuchtigkeitsbildung an diesen Stellen. Schlecht sitzende Zahnprothesen oder Zahnspangen und der übertriebene Gebrauch von Mundspülungen und Zahnseide können für entzündete Mundwinkel verantwortlich sein.

Muss man mit Rhagaden den Arzt aufsuchen?

So unangenehm sie auch sind, häufig stellen die Risse in den Mundwinkeln nur ein vorübergehendes Problem dar. Lassen sich die entzündeten Mundwinkel zu Hause nicht mit lindernden Salben und einer fetthaltigen Lippenpflege beseitigen, sollten Sie Ihren Zahnarzt oder Hausarzt um Rat fragen. Mit der richtigen Therapie haben Sie eine gute Chance, chronische Rhagaden schnell wieder loszuwerden. Auch wenn in den meisten Fällen keine größeren Komplikationen zu erwarten sind, sollte die Ursache für chronisch eingerissene Mundwinkel sicherheitshalber geklärt werden. Nach einer gründlichen Anamnese kann Ihr Arzt Sie mit dem richtigen Medikament behandeln oder mit einer passenden Hautpflege von den schmerzhaften Entzündungen erlösen. Eventuelle Mangelerscheinungen kann er mit einem Blutbild abklären, und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln behebt Eisen- oder Vitaminmangel. 

Tipp: Hausmittel zur Behandlung von Mundwinkelrhagaden

Honig wirkt entzündungshemmend und lindernd, wenn er mehrmals täglich auf die rissigen Mundwinkel aufgetragen wird. Aber bitte nicht ablecken, auch wenn es verlockend ist! Das hätte den gegenteiligen Effekt. 

Die Haut der Lippen und der Mundwinkel sollte weich und elastisch gehalten werden, um Einrisse zu verhindern. Dazu eignen sich Stoffe wie Dexpanthenol, Harnstoff, Bienenwachs oder Sheabutter, die in pflegenden Salben, Cremes oder Lippenpflegestiften enthalten sind. 

Kokosöl beruhigt irritierte Haut und ist auch hervorragend als fettende Lippenpflege geeignet. Wer den Duft von Kokosöl nicht mag, kann alternativ auch Olivenöl verwenden.

Sie können die entzündeten Mundwinkel auch mit einem Kamillenaufguss behandeln. Brühen Sie dafür Kamillenblüten auf und lassen sie zehn Minuten ziehen, dann tupfen Sie die entzündeten Stellen mehrmals täglich damit ab. Einen ähnlich heilenden Effekt haben auch Aufgüsse mit Melisse, Ringelblume oder Salbei. Statt eines Aufgusses wirken auch Tinkturen aus den Pflanzen, die es fertig in der Apotheke zu kaufen gibt.

Steckt ein geschwächtes Immunsystem hinter den Symptomen, kann die Einnahme von Zink, Sanddorn oder Echinacea (Sonnenhut) unterstützend wirken. Achten Sie immer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine abwechslungsreiche ausgewogene Ernährung. So lange Sie Probleme mit eingerissenen Mundwinkeln haben, verzichten Sie möglichst auf reizende Nahrungsmittel wie scharfe, salzige oder saure Speisen. Beim Zähneputzen sollten Sie die entzündeten Stellen vorsichtig umgehen und den Kontakt mit Zahnpasta vermeiden. 

Achten Sie stets auf eine gute Hygiene, damit keine Bakterien in die entzündeten Stellen geraten und Schlimmeres hervorrufen. Bevor Sie die Mundwinkel pflegen oder behandeln, waschen Sie sich gründlich die Hände. 

Fazit:

Mundwinkelrhagaden sind sehr unangenehm und schmerzhaft. Lassen sie sich nicht mit pflegender Salbe oder Hausmitteln in den Griff bekommen, suchen Sie Ihren Arzt auf und lassen Sie die Ursache abklären. So können Folgeerkrankungen rechtzeitig verhindert und ernste Ursachen früh erkannt werden.


Dieser Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist nicht als Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung gedacht. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.