Fluorid – wirksamer Kariesschutz für die Zähne

Fluorid schützt wirksam gegen Karies, das ist wissenschaftlich belegt. Die repräsentative Deutsche Mundgesundheitsstudie hat festgestellt, dass sich durch verbesserte Vorsorgemaßnahmen und die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta die Anzahl der kariesfreien Gebisse von 1997 bis 2014 verdoppelt hat. Wenn eine intensivere Fluoridierung als durch herkömmliche Zahnpasta notwendig ist, kommen konzentrierte Fluoridgele, individuell angepasste Schienen vom Zahnarzt oder Fluoridtabletten zum Einsatz.

Ist das Spurenelement Fluorid nicht giftig?

Vorweg ein wichtiger Hinweis: Verwechseln Sie Fluorid zur Kariesprophylaxe bitte nicht aufgrund des ähnlichen Namens mit dem hoch giftigen Gas Fluor!


Fluorid findet man in geringem Gehalt allen Lebensmitteln und im Trinkwasser. Fluoridiertes Kochsalz wurde eigens zur Kariesprophylaxe eingeführt, einige Mineralwasser sind ebenfalls damit angereichert. Walnüsse, Sojabohnen, Fisch, Garnelen, Algen, Meerestiere und einige Sorten schwarzer Tee sind besonders fluoridreich, wobei der Stoff bei Meerestieren hauptsächlich in den Gräten und Schalen vorkommt. Fluorid ist entscheidend für den Aufbau von Hartgewebe und kommt auch in den Knochen und Zähnen unseres Körpers ganz natürlich vor.


Bei der Einnahme von extremen Mengen ist Fluorid in der Tat gesundheitsschädlich. Genauso wie man sich mit zu viel Salz oder zu viel Wasser vergiften kann, macht auch beim Fluorid die Dosis das Gift. Ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener müsste den Inhalt von zwei bis drei ganzen Zahnpastatuben verzehren, um erste Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Erbrechen zu zeigen. Die Fluoridkonzentration in Zahncreme für Erwachsene ist gesetzlich begrenzt auf 0,15 Prozent (1500 ppm, parts per million), diese Konzentration können auch Kinder ab sechs Jahren verwenden. Das bedeutet, selbst wenn Sie die Zahnpasta nach dem täglichen Putzen nicht ausspucken, sondern immer herunterschlucken, nehmen Sie nur rund 4 mg auf. Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt an, dass erste Symptome einer Vergiftung erst ab einer Menge von 5 mg pro Kilo Körpergewicht auftreten. Sie haben also wirklich nichts zu befürchten, wenn Sie sich zwei oder drei Mal täglich die Zähne putzen und danach die Zahnpasta ausspucken.


Die karieshemmende und antibakterielle Wirkung von Fluoridsalzen ist weltweit bestens erforscht. Einige Länder reichern sogar ihr Trinkwasser künstlich mit dem Spurenelement an und haben damit eine deutliche Verbesserung der Zahngesundheit erreicht. In den Untersuchungen von Ökotest und Stiftung Warentest werden Zahnpasten ohne Fluoridanreicherung als "mangelhaft" bewertet, da sie nicht wirksam zur Kariesprophylaxe beitragen. 

Welche Wirkung hat Fluorid auf die Zähne?

Der harte weiße Zahnschmelz besteht hauptsächlich aus Kalzium und Phosphat und liegt als schützender Panzer über dem Zahnbein, dem Dentin. Die Mikroorganismen im menschlichen Mund verarbeiten die Kohlenhydrate aus der Nahrung zu Säure. Diese Säure greift den Zahnschmelz an und löst die Mineralien heraus, er wird demineralisiert und weich. Kariesbakterien können ihn dann leicht zerstören. Fluorid lagert sich im Zahnschmelz ein und hilft dabei, die Mineralien aus dem Speichel wieder einzubauen. Mit Fluorid geschützte Zähne haben wieder eine intakte Oberfläche und können sich beim nächsten Säureangriff besser gegen den Angriff der Kariesbakterien wehren. Als zusätzlicher Effekt wird durch den Wirkstoff auch der Stoffwechsel der karieserzeugenden Bakterien gestört, die weniger schädliche Säuren produzieren können.  

 

Bei kleinen Kindern und Jugendlichen mit hohem Kariesrisiko trägt der Zahnarzt zur Vorbeugung vor Karies eine fluoridhaltigen Lack auf die Zähne auf. Je nach Konzentration oder Sorte des Lacks kann diese Fluoridierung stunden- oder tagelang auf der Zahnoberfläche verweilen und sorgt langanhaltend für die Remineralisierung des Zahnschmelzes.

 

Je nachdem, wie hoch der Fluoridgehalt im regionalen Trinkwasser ist, kann auch eine zusätzliche Einnahme von Fluoridtabletten bei Kindern sinnvoll sein, um frühzeitig eine gesunde Zahnschmelzbildung zu fördern.

Was ist eine Fluorose?

Eine Fluorose entsteht hauptsächlich bei Kindern in den ersten sechs Lebensjahren durch eine langfristige Überdosierung von Fluorid. Experten empfehlen eine adäquate Aufnahmemenge von täglich 0,05 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht. Für diese Empfehlung müssen allerdings alle zur Verfügung stehenden Fluoridquellen berücksichtigt werden, also Lebensmittel und Getränke (zum Beispiel fluoridiertes Speisesalz und Mineralwasser), Zahnpasta und Mundwasser. Werden über lange Zeit zu hohe Dosen Fluorid verabreicht – zum Beispiel bei der Kombination von Fluoridtabletten, fluoridhaltiger Nahrung oder Mineralwasser und hoch dosierten Fluoridgelen –  können sich auf den Zähnen weiße Flecken und später auch braune Streifen bilden. Das sind Anzeichen für eine sogenannte Dentalfluorose. Das bedeutet, der Körper lagert überschüssiges Fluorid in den Zahnschmelz ein. Bei schwerer Ausprägung beeinträchtigt eine Fluorose die Härte des Zahnschmelzes auf negative Weise. Er bekommt Löcher und wird anfälliger für Karies. Besonders bei Kindern, deren Zähne sich noch im Wachstum befinden, muss daher auf die insgesamt zugeführte Menge an Fluorid geachtet werden.

Was bewirken Fluorid-Gele oder Gelées?

Hoch konzentrierte Fluoridgele – sie sind in der Apotheke oder im Drogeriemarkt erhältlich – sind sozusagen eine Intensivkur für den Zahnschmelz. Auch empfindliche Zahnhälse kann das Spurenelement mit seinen Eigenschaften beruhigen. Das Gel wird normalerweise ein Mal wöchentlich nach dem abendlichen Zähneputzen verwendet, wie gewöhnliche Zahnpasta zwei bis drei Minuten eingebürstet und anschließend ausgespuckt (nicht ausgespült!). So erhalten die Zähne eine Deckschicht aus Kalziumfluorid, die in der Lage ist, Säuren zu neutralisieren und Karies zu verhindern. Patienten, die kieferorthopädische Apparaturen tragen, sollten die Anwendung und Einwirkungsdauer des Gels mit ihrem Zahnarzt besprechen.  

Welche Wirkung hat eine Fluoridierungsschiene?

Maßgeschneiderte Intensivprophylaxe: Noch effizienter als die wöchentliche Intensivkur mit einem Gel wirken individuell angepasste Zahnschienen. Sie werden – genau wie Knirscherschienen oder Zahnkorrekturschienen – nach einer Gebissabformung beim Zahnarzt im Zahnlabor hergestellt und passen exakt auf die Zähne des Trägers. In diese Schiene wird das hoch konzentrierte Gel eingefüllt und schmiegt sich während der Tragezeit dicht und gleichmäßig an die Zahnoberflächen. Aufgrund der präzisen Passform der Schienen muss dafür weniger Gel verwendet werden. Die Intensität der Fluoridierung und die Dauer der Einwirkung (etwa fünf bis fünfzehn Minuten) mittels angepasster Zahnschienen übersteigt noch die des manuellen Putzens mit Fluoridgel. Zudem kann der Speichel das Gel in der Schiene nicht einfach wegspülen.

Es werden auch konfektionierte Zahnschienen zur Fluoridierung angeboten. Sie sind jedoch aufgrund ihrer einheitlichen Passform klobiger und können bei empfindlichen Menschen Würgereiz auslösen. Da sie nicht passgenau an den Zähnen sitzen, benötigt man beim Einsatz dieser Schienen mehr Gel als bei den individuellen Zahnschienen. 

Sollten kleine Kinder fluoridhaltige Zahnpasta verwenden?

Zähneputzen sollten Kinder, sobald sich die ersten Milchzähne im Mund zeigen. Auch Kinderzähne brauchen Kariesschutz. Da Kinderzahncremes aber meistens eher süß oder fruchtig schmecken, verschlucken Kinder die Produkte einfach. Deshalb enthalten Kinderzahncremes häufig weniger oder sogar gar kein Fluorid, um keine Überdosierung und damit eine Fluorose zu erzeugen. Auch hier gilt es, den Überblick über die gesamte Zufuhr zu behalten. Solange auf anderem Wege eine Fluoridversorgung gewährleistet ist, reicht auch eine niedrig dosierte oder fluoridfreie Zahnpasta. Eine erbsengroße Menge Zahncreme reicht übrigens auch bei Erwachsenen völlig aus. Ist der Zahnwechsel einmal vollzogen, können Kinder auch eine ganz normale Erwachsenenzahnpasta verwenden. Diese sollte nach dem Zähneputzen aber auf jeden Fall ausgespuckt und nicht heruntergeschluckt werden.

Fazit:

Die Vorbeugung gegen Karies ist immer besser, als dass der Zahnarzt entstandene Kariesschäden am Zahn reparieren muss. Fluoride leisten – richtig dosiert – einen wichtigen Beitrag zu Ihrer Zahngesundheit. Ihre eigene konsequente häusliche Mundhygiene gehört genauso dazu: Zweimal täglich Zähneputzen, Zahnseide oder Interdentalbürstchen für die Zwischenräume und regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt halten die Zähne gesund. 


Dieser Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist nicht als Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung gedacht. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.