Die Knirscherschiene – nächtlicher Schutz vor Zahnschäden

Die Zähne beißt man sprichwörtlich zusammen, wenn man etwas Unangenehmes überwinden oder überstehen muss. Manche Menschen können sich auch besser konzentrieren, wenn sie die Zähne mit hohem Druck aufeinander pressen. Wenn das Zähneknirschen – ob bewusst oder unbewusst – die Zahnsubstanz oder den Zahnersatz gefährdet und für Muskel- und Kieferschmerzen verantwortlich ist, verschreibt der Zahnarzt eine Aufbissschiene

Warum knirscht man mit den Zähnen?

Das Zähneknirschen (Bruxismus) kann verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen tritt das Knirschen unbewusst nachts im Schlaf auf. Der Anlass dafür kann in einem gestörten Zusammenbiss (Okklusion) liegen. Wenn ein Zahn gezogen werden musste und nicht ersetzt wird, kann der im Kiefer gegenüberliegende Zahn ohne Gegendruck herauswachsen und zu Kontaktproblemen im Biss führen. Schlecht passende Kronen oder Füllungen haben eine vergleichbare Wirkung, die häufig von Zähneknirschen begleitet wird. Übermäßiger Konsum von Alkohol, bestimmte Medikamente oder Drogen wie Amphetamine können ebenfalls Auslöser für das Knirschen sein. Auch einige Krankheiten – beispielsweise eine Schlafapnoe oder das Restless-Legs-Syndrom – zählen zu den Verursachern für Bruxismus.

Lässt sich keine medizinische Ursache für das Knirschen ermitteln, stecken eventuell seelische Belastungen oder viel beruflicher oder emotionaler Stress hinter dem unwillkürlichen Aufeinanderpressen der Zähne. Viele Menschen kauen nachts unbewusst die Probleme und Ängste durch, die sie beschäftigen. Dabei kann ein Druck bis zu 480 Kilogramm pro Quadratzentimeter entstehen – viel mehr, als beim normalen Kauen notwendig ist. Kiefermuskeln, Kiefergelenke und Zahnsubstanz werden dabei extrem belastet.

Woher weiß ich, ob ich nachts mit den Zähnen knirsche?

Wenn Sie nicht allein schlafen, kann Ihr/e leidgeprüfte/r Partner/in sicherlich zur Aufklärung beitragen. Ansonsten achten Sie darauf, ob Sie folgende Symptome an sich feststellen:

  • schmerzende und verspannte Kiefer- und Kaumuskeln 
  • Nackenschmerzen/Kopfschmerzen
  • Ohrgeräusche (Tinnitus) 
  • Ohrenschmerzen

Kieferorthopäden erkennen an den verräterischen Schleifspuren und Riefen an den Zähnen, dass der Patient mit den Zähnen knirscht. Durch andauerndes heftiges Knirschen wird der schützende harte Zahnschmelz abgerieben und das darunterliegende Dentin freigelegt, die Zähne werden schmerzempfindlich und porös. Die Schädigungen durch Bruxismus können sogar bis zum Zahnverlust führen.

Was ist eine Knirscherschiene (Aufbissschiene)?

Eine adjustierte Aufbissschiene wird speziell für das Gebiss des Patienten angefertigt und ist ein medizinisches Hilfsmittel, dass die gesundheitlichen Folgen des Zähneknirschens verringern oder verhindern soll. Der Zahnarzt nimmt in der Praxis zunächst eine Abformung beider Kiefer, aus dieser Form wird im Zahnlabor eine exakt passende Schiene für die Zähne des Patienten hergestellt. Sie besteht aus transparentem biokompatiblem Kunststoff und bedeckt wie eine transparente Schutzschicht vollständig einen der beiden Zahnbögen; meistens wird sie im Unterkiefer eingesetzt. Die individuelle Knirscherschiene gibt es in weicher und harter Ausführung. Die weiche Schiene hat eine gummiähnliche Konsistenz, ist etwa einen Millimeter dick und relativ flexibel, die harte Variante ist dicker und unnachgiebig. Sie kann mehr Druck ausüben und beeinflusst auch die Position des Kiefers im Ruhezustand. Durch einen bestimmten Schliff kann die harte Knirscherschiene auch die Zahnführung steuern.

Wie hilft die Knirscherschiene?

Die Behandlung mit einer Knirscherschiene therapiert in erster Linie die Symptome, die durch das Knirschen entstehen, und schützt die Zähne vor den Folgen des ständigen Abriebs. Eine adjustierte Aufbissschiene bildet eine schützende Schicht zwischen den beiden Zahnbögen, die je nach Schiene unterschiedlich hoch ist. Wenn die Zähne im Schlaf aufeinander gepresst oder knirschend aneinander gerieben werden, verhindert die Schiene die Abnutzung der Zähne durch die starken Kaukräfte. Die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur werden entlastet. Eine individuell angefertigte harte Aufbissschiene – auch Michigan-Schiene genannt – schützt nicht nur, sondern wirkt sich durch ihre besondere Form und Härte so aus, dass auch Veränderungen in der Kieferstellung und der Muskulatur damit beeinflusst werden können. Die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) – eine Funktionsstörung beim Zusammenspiel von Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Zähnen – kann mit einer harten Schiene therapiert werden, die langfristig die Funktion des Kausystems korrigieren kann. Die Schiene aus hartem Kunststoff ist außerdem haltbarer als die weiche Schiene und wird nicht so schnell "durchgeknirscht". Die Knirscherschienen werden über Nacht getragen, wobei in bestimmten Fällen auch empfohlen wird, sie zusätzlich einige Stunden tagsüber oder sogar 24 Stunden lang zu tragen.

Was kostet eine Knirscherschiene?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Untersuchung und die Anfertigung einer Aufbissschiene, wenn der Zahnarzt die Diagnose Zähneknirschen/Bruxismus stellt. Falls besondere Behandlungen oder Arbeitsschritte hinzukommen – beispielsweise eine Funktionsdiagnostik des Kiefers, der Wunsch nach einem höherwertigen Material oder eine besondere Ausfertigung der Schiene –, sind diese nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten und werden daher nicht erstattet.  

Was hilft sonst noch bei Zähneknirschen und Muskelverspannungen?

Zur Entspannung des Körpers und der Muskeln bewähren sich seit langem Autogenes Training, die Muskelentspannung nach Jakobsen oder Yoga. Sportliche Betätigung und Spaziergänge helfen dabei, Stress abzubauen. Versuchen Sie, Gedanken, die Sie beschäftigen oder belasten, nicht mit ins Bett zu nehmen, sondern sich noch vor dem Schlafengehen damit auseinanderzusetzen. Da die Kaumuskeln durch das Knirschen hart und verspannt sind, sind Dehnungsübungen und Massagen für den Kiefer hilfreich. Physiotherapie und Osteopathie lösen auf professionelle Weise Verspannungen und lindern Muskelschmerzen. Mit bestimmten Zusatzqualifikationen wird auch eine CMD in der Physiotherapie behandelt. Der Zahnarzt kann auch muskelentspannende Medikamente verschreiben, die allerdings nur kurzfristig eingenommen werden sollten.

Fazit:

Der Kaumuskel (Musculus masseter) ist der stärkste Muskel im menschlichen Körper. Die Kräfte, die unbewusst beim nächtlichen Knirschen auf den Kiefer wirken, können mit einer Aufbiss- oder Knirscherschiene abgefedert werden. Die Zähne werden mit der Schiene vor Schäden bewahrt, und mit einer harten Knirscherschiene können sogar Kieferfehlstellungen korrigiert werden.