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Epilepsie beim Zahnarzt: Gut vorbereitet und sicher behandelt

Mit Epilepsie zum Zahnarzt: Hier lesen Sie, wie Sie den Termin vorbereiten, was das Team bei einem Anfall tut, welche Medikamente das Zahnfleisch verändern und welcher Zahnersatz sich eignet.

Menschen mit Epilepsie können ganz normal zahnärztlich behandelt werden. Wichtig sind eine offene Information des Praxisteams, eine gute Terminplanung und das Wissen um einige Besonderheiten: Manche Medikamente lassen das Zahnfleisch wuchern, bei Anfällen können Zähne verletzt werden, und beim Zahnersatz zählt Stabilität.

Eine Patientin erwähnte erst beim dritten Termin, fast beiläufig, dass sie seit ihrer Jugend Epilepsie habe. Sie hatte befürchtet, wir würden sie sonst nicht behandeln. Das Gegenteil war der Fall: Mit dieser Information konnten wir den Termin besser planen, und sie fühlte sich danach deutlich sicherer.

Nach der deutschen Patientenleitlinie hat knapp ein Prozent der Bevölkerung eine Epilepsie, fast jeder zehnte Mensch erlebt mindestens einmal im Leben einen epileptischen Anfall. Für Zahnarztpraxen ist das Thema also alltäglich. Was Sie selbst beitragen können und worauf die Praxis achtet, erklären wir hier.

Inhalt

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Was bedeutet Epilepsie für die Zahnbehandlung?

Für die meisten Menschen mit Epilepsie verläuft ein Zahnarztbesuch ohne Zwischenfälle. Trotzdem gehören epileptische Anfälle nach Angaben der Schweizerischen Epilepsie-Liga zu den häufigeren Notfällen in Zahnarztpraxen, und Stress während der Behandlung kann dazu beitragen. Ein gut informiertes Team kann vorbeugen und im Ernstfall ruhig und richtig reagieren.

Drei Bereiche betreffen die Zähne direkt. Erstens können Medikamente gegen Anfälle Wechselwirkungen mit Betäubungs- und Schmerzmitteln haben. Zweitens verändern einzelne Wirkstoffe das Zahnfleisch. Drittens können Stürze und Krämpfe zu abgebrochenen oder ausgeschlagenen Zähnen und zu Zungenbissen führen.

Wenn Sie zusätzlich eine Behinderung oder einen Pflegebedarf haben, finden Sie im Beitrag zur Zahnbehandlung bei Behinderung oder Pflegebedarf weitere Hinweise zu Unterstützungsangeboten.

Wie bereite ich den Zahnarzttermin bei Epilepsie vor?

Sagen Sie dem Praxisteam von Anfang an, dass Sie Epilepsie haben, auch wenn Sie nur selten Anfälle haben. Hilfreich sind Angaben zur Art und Häufigkeit Ihrer Anfälle, zu bekannten Auslösern und zu Vorzeichen, die Sie selbst spüren. Bringen Sie Ihren aktuellen Medikamentenplan mit und hinterlegen Sie eine Kontaktperson für den Notfall.

Viele Menschen wissen, zu welcher Tageszeit ihre Anfälle eher auftreten. Wählen Sie den Termin möglichst außerhalb dieser Zeiten. Nehmen Sie Ihre Medikamente in den Tagen davor wie gewohnt ein, schlafen Sie ausreichend und vermeiden Sie bekannte Auslöser. Wer auf flackerndes oder grelles Licht empfindlich reagiert, kann eine Sonnenbrille mitbringen und die Praxis bitten, auf Lichtwechsel zu achten.

Bei einem hohen Anfallsrisiko kann es sinnvoll sein, vorab mit Ihrer Neurologin zu besprechen, ob eine vorbeugende Medikation infrage kommt. Das entscheidet ausschließlich die Ärztin, die Ihre Epilepsie behandelt. In einzelnen Fällen kommt auch eine Behandlung in Vollnarkose in Betracht. Wenn Angst vor dem Termin bei Ihnen Stress auslöst, finden Sie Anregungen im Beitrag Angst vorm Zahnarzt.

Was passiert, wenn während der Behandlung ein Anfall auftritt?

Das Team entfernt sofort alle Instrumente aus dem Mund und räumt gefährliche Gegenstände aus der Reichweite. Der Behandlungsstuhl wird in eine flache, tiefe Position gebracht, damit Sie nicht herausfallen können. Brille und enge Kleidung werden gelöst, der Kopf wird geschützt. Niemand versucht, Ihre Bewegungen festzuhalten oder Ihnen etwas zwischen die Zähne zu schieben, denn genau dabei entstehen Verletzungen.

Nach dem Anfall prüft das Team die Atmung, bringt Sie bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage und schaut nach Verletzungen im Mund. Jemand bleibt bei Ihnen, bis Sie wieder ganz orientiert sind. Die Behandlung wird in der Regel auf einen anderen Tag verschoben.

Die meisten Anfälle hören nach ein bis zwei Minuten von selbst auf. Die Schweizerische Epilepsie-Liga rät, den Notruf zu wählen, wenn ein Anfall länger als drei Minuten dauert, sich wiederholt, die Atmung nicht in Ordnung ist oder eine ernste Verletzung entstanden ist. Nach der deutschen Leitlinie spricht man ab einer Dauer von mehr als fünf Minuten von einem Status epilepticus, der ärztlich behandelt werden muss.

Unser Tipp:

Fragen Sie beim ersten Termin ruhig nach, wie die Praxis auf einen Anfall vorbereitet ist. Ein kurzes Gespräch darüber, was Ihnen in solchen Momenten hilft, nimmt beiden Seiten viel Unsicherheit. Tragen Sie außerdem einen Notfallausweis bei sich, der Ihre Medikamente und eine Kontaktperson nennt.

Welche Epilepsie-Medikamente verändern das Zahnfleisch?

Am bekanntesten ist der Wirkstoff Phenytoin. Er kann eine Zahnfleischwucherung auslösen, in der Fachsprache Gingivahyperplasie. Das Zahnfleisch wird dicker, wächst über Teile der Zahnkronen und lässt sich schwerer reinigen. Eine systematische Übersichtsarbeit fand bei Menschen, die Phenytoin einnehmen, je nach Studie eine Häufigkeit zwischen etwa 16 und 73 Prozent. Die Schweizerische Epilepsie-Liga nennt 50 bis 60 Prozent.

Die Veränderung entwickelt sich meist über Monate und tritt bei Kindern und Jugendlichen häufiger auf. Beläge verstärken sie, und umgekehrt erschwert das gewucherte Zahnfleisch die Reinigung. So kann ein Kreislauf entstehen, den man früh unterbrechen sollte. Mehr zu Ursachen und Behandlung lesen Sie im Beitrag zur Zahnfleischwucherung.

Bitte setzen Sie ein Medikament niemals eigenständig ab oder verändern die Dosis, nur weil sich Ihr Zahnfleisch verändert. Das kann Anfälle auslösen. Sprechen Sie stattdessen mit Ihrer Neurologin, ob ein anderer Wirkstoff für Sie infrage kommt.

Was hilft gegen Zahnfleischwucherungen?

Der erste Schritt ist die Frage an die behandelnde Neurologin, ob eine Umstellung möglich ist. Wird das auslösende Medikament abgesetzt, bildet sich die Wucherung in vielen Fällen zurück. Bei mäßigen Befunden kann das einige Monate dauern, bei ausgeprägten länger.

Ist ein Wechsel nicht möglich, steht die Mundhygiene im Mittelpunkt. Gründliches Putzen, die Reinigung der Zahnzwischenräume und professionelle Zahnreinigungen mindestens zwei- bis dreimal im Jahr können das Fortschreiten bremsen. Antibakterielle Mundspülungen können unterstützen, sprechen Sie Art und Dauer der Anwendung mit Ihrer Praxis ab. Bei sehr ausgeprägten Wucherungen kann das überschüssige Gewebe chirurgisch entfernt werden. Ohne gute Pflege kann es danach allerdings wiederkommen.

Was tun, wenn bei einem Anfall ein Zahn abbricht oder herausfällt?

Stürze während eines Anfalls können Zähne abbrechen, lockern oder ganz herausschlagen. Wie gut ein ausgeschlagener Zahn wieder einheilt, hängt stark davon ab, wie er bis zur Behandlung aufbewahrt wird. Das Zahntraumazentrum Regensburg empfiehlt eine Zahnrettungsbox. Darin bleibt der Zahn bei Raumtemperatur bis zu 48 Stunden lebensfähig.

Fassen Sie den Zahn nur an der Krone an, nicht an der Wurzel, und reinigen oder desinfizieren Sie ihn nicht. Ist keine Box zur Hand, eignet sich kalte H-Milch für bis zu zwei Stunden. Wasser und trockenes Aufbewahren schaden dem Gewebe dagegen schon nach Minuten. Abgebrochene Stücke sollten ebenfalls aufgehoben werden, weil sie sich oft wieder befestigen lassen. Gehen Sie anschließend zügig in eine Zahnarztpraxis. Welche weiteren Situationen dringend sind, zeigt der Beitrag Wann zum Zahnarzt.

Auch wenn nach einem Sturz äußerlich alles in Ordnung scheint, lohnt sich eine Kontrolle. Zähne können gelockert oder verschoben sein, Wurzeln und Zahnfleisch können Schaden genommen haben, ohne dass man es sofort sieht. Spätere Nachkontrollen helfen, Folgeschäden früh zu erkennen. Bewahren Sie Unterlagen zum Unfall auf, sie können für die Versicherung wichtig sein.

Für Menschen mit häufigen Anfällen kann es sich lohnen, eine Zahnrettungsbox zu Hause und unterwegs griffbereit zu haben.

Welcher Zahnersatz eignet sich bei Epilepsie?

Bei Menschen, die nicht anfallsfrei sind, geht Stabilität vor Ästhetik. Die Schweizerische Epilepsie-Liga hält herausnehmbaren Zahnersatz für ungünstig, weil sich Teile bei einem Anfall lösen, beschädigt oder verschluckt werden können. Festsitzende Lösungen wie Kronen, Brücken oder Implantate werden deshalb bevorzugt.

Wie stabil eine Versorgung sein muss, hängt davon ab, wie häufig und wie stark Ihre Anfälle sind. Besprechen Sie das offen bei der Planung. Wer eine Praxis sucht, die sich dafür Zeit nimmt, kann über die Zahnarztsuche eine Partnerpraxis in Ihrer Nähe finden.

Häufige Fragen

Muss ich dem Zahnarzt sagen, dass ich Epilepsie habe?

Ja, das ist sehr zu empfehlen, auch wenn Sie selten Anfälle haben. Das Team kann den Termin dann besser planen, Wechselwirkungen mit Betäubungs- und Schmerzmitteln berücksichtigen und im Ernstfall richtig reagieren. Bringen Sie Ihren Medikamentenplan mit.

Bildet sich eine Zahnfleischwucherung durch Phenytoin zurück?

Wird das auslösende Medikament abgesetzt, bildet sich die Wucherung häufig zurück, das kann aber Monate dauern. Eine Umstellung entscheidet allein Ihre Neurologin, setzen Sie nichts eigenständig ab. Ausgeprägte Wucherungen lassen sich auch chirurgisch entfernen.

Was macht das Praxisteam, wenn ich auf dem Behandlungsstuhl einen Anfall bekomme?

Das Team nimmt sofort alle Instrumente aus dem Mund, bringt den Stuhl in eine tiefe Position und schützt Ihren Kopf. Es hält Sie nicht fest und schiebt nichts zwischen die Zähne. Nach dem Anfall wird die Atmung geprüft und die Behandlung meist verschoben.

Wie bewahre ich einen ausgeschlagenen Zahn richtig auf?

Am besten in einer Zahnrettungsbox, darin bleibt er bis zu 48 Stunden lebensfähig. Ersatzweise eignet sich kalte H-Milch für bis zu zwei Stunden. Fassen Sie den Zahn nur an der Krone an und legen Sie ihn nie in Wasser.

Kann ich mit Epilepsie Implantate bekommen?

Ja, festsitzender Zahnersatz wie Implantate, Kronen oder Brücken wird bei Menschen mit Anfällen sogar bevorzugt, weil herausnehmbare Prothesen sich bei einem Anfall lösen können. Ob und wann ein Eingriff sinnvoll ist, besprechen Sie mit Ihrer Zahnarztpraxis und bei Bedarf mit Ihrer Neurologin.

Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.

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Verantwortlich: (Geschäftsführer – Strategie & Unternehmensentwicklung, Imex Dental)
Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

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