Sofort, in ein bis zwei Tagen oder beim nächsten Kontrolltermin? Unsere Ampel hilft Ihnen, Zahnbeschwerden ruhig und richtig einzuordnen.
Sofort Hilfe brauchen Sie bei einer Schwellung mit Fieber, bei Schluck- oder Atembeschwerden, bei einer Blutung, die nicht aufhört, und nach einem Unfall mit ausgeschlagenem Zahn. Bei Atemnot wählen Sie 112. Starke oder pochende Zahnschmerzen gehören innerhalb von ein bis zwei Tagen in die Praxis. Leichte Beschwerden ohne Schmerz können meist bis zum nächsten Kontrolltermin warten.
Die meisten Menschen, die mit Zahnschmerzen zu uns kommen, haben vorher eine Weile gegrübelt. Ist das schlimm genug für den Notdienst? Kann ich bis Montag warten? Oder übertreibe ich gerade? Diese Unsicherheit ist völlig normal, denn Zähne melden sich selten mit einer klaren Ansage.
Dieser Ratgeber gibt Ihnen eine einfache Orientierung in drei Stufen, ähnlich einer Ampel. Er ersetzt keine Untersuchung, aber er hilft Ihnen, Warnsignale zu erkennen und den richtigen Weg zu wählen: Rettungsdienst, zahnärztlicher Notdienst, ein kurzfristiger Termin in Ihrer Praxis oder einfach die nächste Kontrolle.
Welche Warnsignale sind ein echter Notfall?
Ein Zahn allein bringt Sie selten in Lebensgefahr. Gefährlich wird es, wenn sich eine Entzündung aus dem Zahn heraus ausbreitet. Das MSD Manual nennt dafür klare Warnzeichen: Fieber, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit, eine Schwellung oder Druckschmerz am Mundboden sowie Sehstörungen oder Doppelbilder. Wer solche Zeichen hat oder bei wem das Auge mit anschwillt, sollte laut MSD Manual sofort ins Krankenhaus.
Ebenso ernst sind Schwellungen, die das Atmen, Schlucken oder Sprechen erschweren. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät in diesem Fall, nicht selbst ans Steuer zu steigen, sondern sich fahren zu lassen oder den Rettungsdienst zu rufen. In Deutschland ist das die 112. Sie ist für lebensbedrohliche Situationen gedacht, und eine zunehmende Schwellung im Hals gehört eindeutig dazu.
Zu den Notfällen zählt außerdem ein Unfall, bei dem ein bleibender Zahn abbricht oder ganz herausfällt. Die Barmer bezeichnet das ausdrücklich als Notfall, weil jede Minute über die Rettung des Zahns mitentscheidet. Und schließlich eine Blutung, etwa nach dem Ziehen eines Zahns, die trotz festem Aufbeißen auf ein sauberes Tuch nicht zur Ruhe kommt. Hier rufen Sie die behandelnde Praxis oder den Notdienst an. Wenn Sie Blutverdünner nehmen, sagen Sie das am Telefon gleich dazu.
Hinter einer dicken Backe mit Fieber steckt häufig ein Abszess. Was dabei im Kiefer passiert und wie er behandelt wird, lesen Sie im Beitrag Zahnabszess, dicke Backe und Fistel.
Wann sofort zum Zahnarzt?
- Schwellung im Gesicht oder am Hals zusammen mit Fieber oder deutlichem Krankheitsgefühl
- Schwellung am Mundboden, am Auge oder eine Schwellung, die schnell größer wird
- Schluck-, Sprech- oder Atembeschwerden: Notruf 112
- Blutung im Mund, die sich nicht stillen lässt
- Zahnunfall mit ausgeschlagenem oder abgebrochenem bleibendem Zahn
Außerhalb der Sprechzeiten hilft Ihnen der zahnärztliche Notdienst Ihrer Region weiter.
Wie funktioniert die Notfall-Ampel für Zahnbeschwerden?
Die folgende Tabelle ist eine Faustregel aus dem Praxisalltag. Sie orientiert sich an den Empfehlungen von MSD Manual, NHS und Krankenkassen, ersetzt aber nicht Ihr eigenes Gefühl. Wenn Sie zwischen zwei Stufen schwanken, wählen Sie die dringlichere.
| Stufe | Typische Anzeichen | Was Sie tun |
|---|
| Rot: sofort | Schwellung mit Fieber, Schwellung am Auge, Hals oder Mundboden, Schluck- oder Atembeschwerden, nicht stillbare Blutung, ausgeschlagener Zahn nach Unfall | Bei Atemnot oder starker Halsschwellung 112. Sonst sofort Praxis, zahnärztlicher Notdienst oder Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie |
| Gelb: innerhalb von 24 bis 48 Stunden | Pochender oder nächtlicher Zahnschmerz, Schmerz beim Aufbeißen, Zahnschmerz länger als zwei Tage, abgebrochene Ecke, verlorene Füllung oder Krone, geschwollenes Zahnfleisch ohne Fieber | Morgens in der Praxis anrufen und Schmerzen erwähnen. Am Wochenende bei starken Schmerzen der Notdienst |
| Grün: beim nächsten Routinetermin | Kurz ziehende Kälteempfindlichkeit, gelegentliches Zahnfleischbluten beim Putzen, kleine Verfärbung, rauer Rand ohne Schmerz | Bei der nächsten Kontrolle ansprechen. Wird es schlimmer, rutscht es eine Stufe höher |
Die Ampel ist keine starre Einteilung. Ein Zahn, der heute grün ist, kann in zwei Wochen gelb sein. Achten Sie deshalb vor allem auf die Richtung: Beschwerden, die zunehmen, sind immer ein Grund, früher anzurufen.
Welche Beschwerden sollten Sie innerhalb von ein bis zwei Tagen abklären lassen?
Die gelbe Stufe ist im Praxisalltag die häufigste. Typisch ist der Patient, der seit Freitag einen pochenden Backenzahn hat, nachts davon aufwacht und am Montagmorgen anruft. Das ist genau richtig so. Pochende, spontane Schmerzen, die ohne Auslöser kommen oder auf Wärme reagieren, sprechen oft für eine Entzündung des Zahnnervs. Die verschwindet nicht von allein, auch wenn sie sich zwischendurch ruhiger anfühlt.
Der NHS empfiehlt, einen Zahnarzt aufzusuchen, wenn Zahnschmerzen länger als zwei Tage anhalten, wenn Schmerzmittel nicht ausreichend helfen oder wenn Fieber oder eine geschwollene Wange dazukommen. Die Barmer nennt als Warnsignale unter anderem geschwollenes oder blutendes Zahnfleisch, eine dicke Backe und Beschwerden, die zunehmen oder immer wiederkehren.
In diese Stufe gehören auch mechanische Probleme: eine abgebrochene Zahnecke, eine herausgefallene Füllung oder eine gelockerte Krone. Das tut oft gar nicht weh, aber der offene Zahn ist ungeschützt. Bis zum Termin hilft es, auf der anderen Seite zu kauen und sehr heiße, kalte oder süße Speisen zu meiden. Scharfe Kanten, die an der Zunge scheuern, lassen sich in der Praxis schnell glätten. Mögliche Ursachen und Hausmittel für die ersten Stunden finden Sie unter Zahnschmerzen: Ursachen und Soforthilfe.
Wenn Sie in der Praxis anrufen, sagen Sie gleich, dass Sie Schmerzen haben. Die Barmer weist darauf hin, dass Schmerzpatienten dann meist kurzfristig einen Termin bekommen. Viele Praxen halten dafür feste Zeitfenster frei.
Was kann bis zum nächsten Kontrolltermin warten?
Nicht jede Veränderung im Mund ist dringend. Ein kurzer Stich bei Eis oder kaltem Wasser, der sofort wieder abklingt, deutet häufig auf empfindliche Zahnhälse hin, etwa wenn sich das Zahnfleisch etwas zurückgezogen hat. Eine Zahnpasta für empfindliche Zähne und sanfteres Putzen bringen hier oft schon Erleichterung. Auch gelegentliches Zahnfleischbluten beim Putzen, eine leichte Verfärbung oder eine raue Kante an einer alten Füllung können Sie in Ruhe bei der nächsten Untersuchung ansprechen.
Notieren Sie sich bis zur nächsten Kontrolle, wann die Beschwerde auftritt und ob sie sich verändert. Solche Notizen helfen uns in der Praxis mehr, als man denkt. Ein Satz wie „seit drei Wochen, nur bei Eiswasser, immer unten links“ grenzt die Ursache oft schon deutlich ein.
Eine Ausnahme gibt es: Wenn aus dem kurzen Kälteschmerz ein langes Nachziehen wird oder sich die Stelle zusätzlich bemerkbar macht, rückt die Beschwerde in die gelbe Stufe.
Wie finden Sie nachts und am Wochenende einen zahnärztlichen Notdienst?
Hier gibt es eine Besonderheit, die viele überrascht: Die bekannte Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst, nicht der zahnärztliche. Laut Bundesgesundheitsministerium organisieren die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen den zahnärztlichen Notdienst selbst, und dafür gibt es keine bundesweit einheitliche Telefonnummer. Wie Sie ihn erreichen, regelt jedes Bundesland anders. Auch die Website 116117.de verweist bei Zahnproblemen auf die zahnärztlichen Notdienste.
In der Praxis heißt das: Schauen Sie auf die Website der Kassenzahnärztlichen Vereinigung oder der Landeszahnärztekammer Ihres Bundeslandes. Dort finden Sie die Notdienstsuche oder die zentrale Telefonnummer für Ihre Region. Oft nennt auch der Anrufbeantworter Ihrer eigenen Praxis den diensthabenden Kollegen. Mehr zum Ablauf lesen Sie im Ratgeber Zahnarzt-Notdienst.
Der Notdienst ist für akute Beschwerden da, also für Schmerzen, Schwellungen, Unfälle und Blutungen. Er stillt den Schmerz, öffnet zum Beispiel einen entzündeten Zahn oder versorgt eine Wunde. Die weitere Behandlung übernimmt danach Ihre eigene Praxis. Bringen Sie Ihre Gesundheitskarte mit und, falls vorhanden, eine Liste Ihrer Medikamente.
Wenn allgemeine Krankheitszeichen im Vordergrund stehen, etwa hohes Fieber, starke Schwellung oder Sie fühlen sich richtig krank, ist eine Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie oder die Notaufnahme der richtige Ort. Bei Atemnot gilt immer die 112.
Was tun bei einem Zahnunfall mit ausgeschlagenem Zahn?
Ein ausgeschlagener Zahn lässt sich oft wieder einsetzen, wenn die Zellen auf der Wurzeloberfläche überleben. Das Zahntraumazentrum des Universitätsklinikums Regensburg gibt dafür klare Regeln: den Zahn sofort suchen, nur an der Krone anfassen, nicht säubern und nicht desinfizieren. Am besten kommt er direkt in eine Zahnrettungsbox. Darin hält er sich laut Merkblatt bis zu 48 Stunden bei Zimmertemperatur.
Ohne Box ist kalte H-Milch die nächstbeste Lösung, laut Zahntraumazentrum für höchstens 120 Minuten, isotone Kochsalzlösung für höchstens 30 Minuten. Trocken oder in Leitungswasser stirbt das Gewebe dagegen innerhalb weniger Minuten ab. Den Zahn bitte auch nicht im Mund transportieren, denn er könnte verschluckt oder eingeatmet werden.
Danach geht es ohne Umweg zum Zahnarzt oder in den Notdienst. Das gilt für jede Zahnverletzung, auch wenn der Zahn noch im Mund ist und nur wackelt oder sich verschoben hat. Bei Kindern lassen Sie auch einen verletzten Milchzahn zeitnah ansehen. Wo Sie eine Zahnrettungsbox bekommen und wie sie funktioniert, lesen Sie im Ratgeber Zahnrettungsbox.
Was können Sie tun, bis Sie in der Praxis sind?
Bis zum Termin dürfen Sie sich Erleichterung verschaffen. Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können helfen, die Zeit zu überbrücken. Halten Sie sich an die Packungsbeilage und fragen Sie in der Apotheke, wenn Sie andere Medikamente nehmen oder schwanger sind. Acetylsalicylsäure, kurz ASS, ist bei Zahnschmerzen ungünstig, weil sie die Blutgerinnung hemmt. Das kann bei einem Eingriff stören, wie die Pharmazeutische Zeitung erklärt. Welches Mittel für wen passt, erklären wir ausführlich im Beitrag Schmerzmittel bei Zahnschmerzen.
Wichtig ist nur eines: Lassen Sie sich von einer guten Wirkung nicht täuschen. Schmerzmittel überdecken das Problem, sie lösen es nicht. Ein Zahn, der mit Tabletten ruhig ist, braucht trotzdem eine Untersuchung.
Manchmal tauchen Schmerzen in besonderen Situationen auf, etwa kurz nach einer Behandlung oder beim Fliegen. Dazu haben wir eigene Ratgeber: Zahnschmerzen nach Füllung, Krone oder Wurzelbehandlung und Zahnschmerzen im Flugzeug und beim Tauchen.
Und wenn Sie gerade keine eigene Zahnarztpraxis haben oder Ihre Praxis keinen Termin frei hat: Über die DentNet-Zahnarztsuche finden Sie Partnerpraxen in Ihrer Nähe, bei vielen auch mit Online-Terminbuchung.
Unser Tipp:
Suchen Sie die Notdienst-Seite Ihres Bundeslandes heraus, solange es Ihnen gut geht, und speichern Sie sie im Handy. Wer nachts mit einem pochenden Zahn wach liegt, ist froh über jeden Handgriff, den er nicht mehr suchen muss. Eine Zahnrettungsbox im Haus lohnt sich vor allem in Familien mit sportlichen Kindern.
Ist eine dicke Backe ein Notfall?
Eine dicke Backe ohne Fieber und ohne Schluck- oder Atembeschwerden sollte innerhalb von ein bis zwei Tagen in der Zahnarztpraxis angesehen werden, besser früher. Kommen Fieber, eine Schwellung am Auge oder am Hals oder Schluckbeschwerden hinzu, ist es ein Notfall. Dann gehen Sie sofort in den zahnärztlichen Notdienst, eine Kieferklinik oder rufen bei Atemnot die 112.
Kann ich mit Zahnschmerzen die 116117 anrufen?
Die 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst und nicht für Zahnprobleme zuständig. Den zahnärztlichen Notdienst organisieren die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen der Länder, eine bundesweit einheitliche Nummer gibt es nicht. Die Kontaktdaten finden Sie auf den Websites der KZV oder Landeszahnärztekammer Ihres Bundeslandes. Bei lebensbedrohlichen Beschwerden wie Atemnot wählen Sie die 112.
Darf ich mit Zahnschmerzen in die Notaufnahme gehen?
Für reine Zahnschmerzen ist der zahnärztliche Notdienst die bessere Adresse, weil in vielen Notaufnahmen keine Zahnärztin und kein Zahnarzt Dienst hat. Anders ist es bei einer sich ausbreitenden Schwellung mit Fieber, bei Schwellungen am Auge oder Hals sowie bei Schluck- oder Atembeschwerden. Dann sind eine Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, die Notaufnahme oder bei Atemnot der Rettungsdienst richtig.
Wie lange darf ich mit Zahnschmerzen warten?
Leichte, kurze Kälteempfindlichkeit kann bis zum nächsten Kontrolltermin warten. Pochende, nächtliche oder anhaltende Schmerzen sollten Sie innerhalb von ein bis zwei Tagen abklären lassen. Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt zwei Tage als Grenze, ab der Zahnschmerzen in die Praxis gehören. Schmerzmittel können die Zeit überbrücken, ersetzen die Untersuchung aber nicht.
Was kostet der zahnärztliche Notdienst für Kassenpatienten?
Die Behandlung im zahnärztlichen Notdienst ist für gesetzlich Versicherte eine Kassenleistung, wie ein normaler Zahnarztbesuch. Sie zeigen Ihre elektronische Gesundheitskarte vor. Kosten können entstehen, wenn Sie Leistungen wählen, die über die Kassenversorgung hinausgehen. Das bespricht die Praxis vorher mit Ihnen.
Was mache ich, wenn mein Kind einen Zahn verloren hat?
Bei einem Unfall suchen Sie den Zahn, fassen ihn nur an der Krone an und legen ihn ungereinigt in eine Zahnrettungsbox oder notfalls in kalte H-Milch. Dann geht es sofort zum Zahnarzt oder Notdienst. Auch wenn es sich um einen Milchzahn handelt, sollte die Verletzung zeitnah angesehen werden, damit der nachfolgende Zahn und das Zahnfleisch beurteilt werden können.
Sie brauchen kurzfristig einen Termin? Über die DentNet-Zahnarztsuche finden Sie Partnerpraxen in Ihrer Nähe.
Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern.
Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.