Wie viel Fluorid steckt in Leitungswasser, Mineralwasser, Salz und Zahnpasta? Und wie vermeiden Eltern, dass ihr Kind zu viel davon bekommt?
Leitungswasser in Deutschland enthält meist sehr wenig Fluorid, im Durchschnitt etwa 0,1 Milligramm pro Liter, und wird nicht künstlich fluoridiert. Für Kinder zählt deshalb vor allem die Summe aus Zahnpasta, Tabletten, Salz und Mineralwasser. Die Faustregel: nur eine Fluoridquelle zum Schlucken, Zahnpasta genau dosieren und bei Unsicherheit nachfragen.
Kaum ein Thema verunsichert junge Eltern so wie Fluorid. Die eine Hebamme empfiehlt Tabletten, die Kinderzahnärztin rät zur Zahnpasta, und im Internet liest man, Fluorid sei ohnehin schon im Wasser. Bei der ersten Kontrolle in der Zahnarztpraxis kommt dann oft die Frage: „Bekommt mein Kind jetzt zu viel oder zu wenig?“
Die gute Nachricht: Mit ein paar klaren Regeln lässt sich das sicher beantworten. Hier finden Sie die Werte, die Sie kennen sollten, und die Empfehlungen, auf die sich Kinder- und Zahnärzte 2021 geeinigt haben.
Wie viel Fluorid steckt im deutschen Leitungswasser?
Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung liegt der natürliche Fluoridgehalt des Trinkwassers in Deutschland im Mittel bei etwa 0,1 Milligramm pro Liter. Mehr als 90 Prozent der untersuchten Proben enthalten weniger als 0,3 Milligramm. Künstlich mit Fluorid angereichert wird das Trinkwasser hierzulande nicht. Wer also nur Leitungswasser trinkt, nimmt darüber kaum Fluorid auf.
Es gibt Ausnahmen. In einigen Regionen, zum Beispiel in der Osteifel, ist der Gehalt aus geologischen Gründen höher. Der gesetzliche Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 1,5 Milligramm pro Liter.
Den genauen Wert für Ihren Wohnort erfahren Sie bei Ihrem Wasserversorger. Viele Stadtwerke veröffentlichen ihre Trinkwasseranalyse online, sonst genügt meist ein Anruf oder eine E-Mail.
Was bedeuten die Fluorid-Angaben auf Mineralwasser?
Bei Mineralwasser lohnt ein Blick aufs Etikett, denn hier gibt es deutlich größere Unterschiede. Die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung legt feste Schwellen fest:
| Fluoridgehalt | Was gilt |
|---|
| höchstens 0,7 mg/l | Wasser darf als „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ beworben werden |
| mehr als 1 mg/l | darf als „fluoridhaltig“ bezeichnet werden |
| mehr als 1,5 mg/l | Pflichthinweis: für Säuglinge und Kinder unter sieben Jahren nicht zum regelmäßigen Verzehr geeignet |
| mehr als 5 mg/l | darf nicht verkauft werden |
Der genaue Gehalt muss erst ab 1,5 Milligramm pro Liter angegeben werden. Bei vielen Marken steht der Fluoridwert deshalb gar nicht auf der Flasche, Sie finden ihn aber oft auf der Website des Herstellers. Für Babynahrung empfehlen Fachleute in der Regel Leitungswasser. Eine Ausnahme ist ein hoher Nitratgehalt im Leitungswasser von mehr als 50 Milligramm pro Liter; dann kann ein als geeignet gekennzeichnetes Mineralwasser die bessere Wahl sein. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrem Kinderarzt nach.
Welche Rolle spielen fluoridiertes Speisesalz und Zahnpasta?
Fluoridiertes Speisesalz ist in Deutschland seit 1991 für den Haushalt zugelassen und darf bis zu 310 Milligramm Fluorid pro Kilogramm enthalten. Es ersetzt einfach das normale Salz in der Küche. Für die ganz Kleinen spielt es kaum eine Rolle, weil Säuglingsnahrung grundsätzlich nicht gesalzen wird und Kleinkinder nur sehr wenig Salz bekommen sollen. Liegt der Fluoridgehalt Ihres Trinkwassers über 0,7 Milligramm pro Liter, sollten Sie auf Fluoridsalz verzichten.
Den wichtigsten Kariesschutz liefert aber nicht das, was man schluckt, sondern das, was direkt auf den Zahn kommt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt zur Kariesvorbeugung ausdrücklich die örtliche Anwendung über Zahnpasta. Warum Fluorid den Zahnschmelz härter macht, erklärt unser Beitrag Fluorid als wirksamer Kariesschutz.
Was empfehlen Kinder- und Zahnärzte seit 2021 für Babys und Kleinkinder?
Lange haben Kinderärzte und Zahnärzte unterschiedlich beraten. 2021 haben sich die Fachgesellschaften unter dem Dach des Netzwerks Gesund ins Leben auf gemeinsame Empfehlungen geeinigt, beteiligt waren unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.
| Alter | Empfehlung |
|---|
| ab Geburt | tägliche Tablette mit Vitamin D und Fluorid |
| ab dem ersten Zahn | Eltern wählen: entweder weiter Tablette mit Fluorid und putzen ohne oder mit fluoridfreier Zahnpasta, oder nur noch Vitamin D und putzen mit reiskorngroßer Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid |
| ab dem 1. Geburtstag | zweimal täglich reiskorngroße Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid |
| ab dem 2. Geburtstag | zweimal täglich erbsengroße Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid, Eltern putzen nach |
Welchen Weg Sie im ersten Lebensjahr wählen, besprechen Sie am besten mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Zahnarzt. Wie das Putzen bei den Kleinen praktisch klappt, zeigt unser Ratgeber Kinderzahnpasta und Zähneputzen bei Kindern.
Wie vermeiden Sie, dass Ihr Kind doppelt Fluorid bekommt?
Die Empfehlungen sind so berechnet, dass Kinder auch bei mehreren Quellen unter der sicheren Tageshöchstmenge bleiben. Voraussetzung ist, dass Sie sich an einige Regeln halten:
- Fluoridtabletten und fluoridhaltige Zahnpasta nicht gleichzeitig verwenden. Sobald Sie mit Fluorid-Zahnpasta putzen, braucht Ihr Kind eine Tablette nur noch mit Vitamin D.
- Vor einer Verordnung von Fluoridtabletten sagen, ob zu Hause Fluoridsalz und Fluorid-Zahnpasta verwendet werden.
- Den Fluoridwert Ihres Leitungswassers kennen, vor allem wenn Ihr Kind nicht gestillt wird.
- Mineralwasser mit mehr als 1,5 mg/l Fluorid Kindern unter sieben Jahren nicht regelmäßig geben.
- Zahnpasta abmessen statt nach Gefühl dosieren: Eltern nehmen oft ein Vielfaches der empfohlenen Menge.
Kleinkinder können Zahnpasta noch nicht zuverlässig ausspucken. Ein großer Klecks auf der Bürste fällt deshalb mehr ins Gewicht, als viele denken.
Unser Tipp:
Fragen Sie einmal den Fluoridwert Ihres Leitungswassers bei den Stadtwerken ab und notieren Sie ihn im gelben Kinderuntersuchungsheft. Dann haben Kinderarzt und Zahnarzt die Zahl bei jeder Untersuchung parat, und Sie müssen nicht jedes Mal überlegen.
Was ist Fluorose, und woran erkennt man sie?
Bekommt ein Kind während der Zahnentwicklung über längere Zeit zu viel Fluorid, kann der Zahnschmelz schlechter mineralisieren. Leichte Formen zeigen sich als feine weiße Flecken oder Streifen, schwere Formen als bräunliche Verfärbungen bis hin zu Schmelzdefekten. Empfindlich ist die Zeit, in der die bleibenden Zähne im Kiefer reifen, ungefähr bis zum achten Lebensjahr. Danach kann keine Fluorose mehr entstehen.
Leichte Fluorose ist meist ein kosmetisches Thema. Nicht jeder weiße Fleck ist aber eine Fluorose. Häufig handelt es sich um beginnende Karies oder um Kreidezähne, eine Mineralisationsstörung mit anderen Ursachen. Die Unterscheidung gehört in zahnärztliche Hände. Bei beginnender Karies lässt sich mit Fluoridlack in der Praxis oft noch gegensteuern. Eine kinderzahnärztlich erfahrene Praxis finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche.
Ist Leitungswasser für die Zubereitung von Babynahrung geeignet?
In den meisten Regionen Deutschlands ja. Der Fluoridgehalt liegt fast überall weit unter den 0,7 Milligramm pro Liter, die für Wasser zur Säuglingsernährung gelten. Fachleute empfehlen Leitungswasser in der Regel ausdrücklich. Eine Ausnahme ist ein Nitratgehalt über 50 Milligramm pro Liter. Den Wert für Ihren Wohnort nennt der Wasserversorger, bei Unsicherheit berät Sie die Kinderarztpraxis.
Darf mein Kind Fluoridtabletten und Fluorid-Zahnpasta gleichzeitig bekommen?
Nein, beides zusammen wird nicht empfohlen. Nach den gemeinsamen Empfehlungen von 2021 entscheiden sich Eltern ab dem ersten Zahn für einen Weg: entweder weiter Tabletten mit Fluorid und Putzen ohne Fluorid-Zahnpasta, oder Tabletten nur mit Vitamin D und Putzen mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid. Sprechen Sie den Wechsel mit Ihrer Kinderarztpraxis ab.
Welches Mineralwasser ist für Kinder geeignet?
Für den täglichen Durst ist Leitungswasser meist die beste Wahl. Bei Mineralwasser gilt: Steht auf dem Etikett der Hinweis, dass es für Säuglinge und Kinder unter sieben Jahren nicht zum regelmäßigen Verzehr geeignet ist, enthält es mehr als 1,5 Milligramm Fluorid pro Liter. Solches Wasser sollten kleine Kinder nicht dauerhaft trinken. Den genauen Gehalt finden Sie oft auf der Herstellerseite.
Ab wann darf mein Kind mit Fluoridsalz gewürztes Essen bekommen?
Säuglingsnahrung wird grundsätzlich nicht gesalzen. Sobald Ihr Kind am Familienessen teilnimmt, kann im Haushalt fluoridiertes Speisesalz verwendet werden, Kleinkinder sollten aber insgesamt nur wenig Salz bekommen. Wenn Ihr Trinkwasser mehr als 0,7 Milligramm Fluorid pro Liter enthält, verzichten Sie auf Fluoridsalz. Erwähnen Sie die Salzwahl auch, bevor Fluoridtabletten verordnet werden.
Sind weiße Flecken auf Kinderzähnen immer eine Fluorose?
Nein. Weiße Flecken können auf eine leichte Fluorose hinweisen, häufiger stecken aber beginnende Karies oder Kreidezähne dahinter. Beginnende Karies zeigt sich oft als matter, kreidiger Rand am Zahnfleisch, Kreidezähne eher als gelblich-weiße, scharf begrenzte Flecken an Backenzähnen oder Schneidezähnen. Die Unterscheidung sollte eine Zahnärztin oder ein Zahnarzt treffen, weil die Behandlung jeweils anders aussieht.
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Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern.
Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.