Zahnfleischbluten in der Schwangerschaft ist häufig. Warum es entsteht, was wirklich hilft und was die Krankenkasse beim Zahnarzt übernimmt.
Zahnfleischbluten in der Schwangerschaft ist sehr häufig und meist gut in den Griff zu bekommen. Die Hormone machen das Zahnfleisch empfindlicher gegenüber Zahnbelag, es schwillt an und blutet schneller. Sanftes, gründliches Putzen einschließlich der Zwischenräume und ein Kontrolltermin beim Zahnarzt helfen. Röntgen und Betäubung sind bei Bedarf grundsätzlich möglich.
Viele Frauen erschrecken, wenn beim Zähneputzen plötzlich Blut im Waschbecken ist, obwohl sie nichts anders machen als sonst. Manche putzen dann vorsichtiger oder lassen die Zahnseide weg. Genau das ist der falsche Weg, denn dann bleibt mehr Belag liegen und die Entzündung nimmt zu.
In diesem Beitrag erklären wir, was hinter der Schwangerschaftsgingivitis steckt, wann ein Knoten am Zahnfleisch harmlos ist, wie es um den Zusammenhang mit Schwangerschaftskomplikationen steht und welche Leistungen die gesetzliche Krankenkasse übernimmt.
Warum blutet das Zahnfleisch in der Schwangerschaft so schnell?
Während der Schwangerschaft steigen die Spiegel von Östrogen und Progesteron stark an. Das Zahnfleisch wird stärker durchblutet und reagiert heftiger auf Bakterien im Zahnbelag. Die Hormone allein machen also keine Entzündung. Sie sorgen aber dafür, dass schon eine Menge Belag, die vorher kaum aufgefallen wäre, jetzt zu Rötung, Schwellung und Bluten führt.
Wie häufig das ist, schwankt je nach Studie stark. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie nennt Werte zwischen 38 und rund 94 Prozent aller Schwangeren. Am ausgeprägtesten ist die Entzündung meist im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft. Nach der Geburt bildet sie sich in der Regel wieder zurück. Allgemeine Ursachen und Tipps finden Sie auch im Beitrag zum Zahnfleischbluten.
Auch andere Veränderungen spielen mit. Der Speichel wird im Lauf der Schwangerschaft saurer, viele Frauen essen öfter kleine Portionen, und die Übelkeit macht das Putzen der hinteren Zähne mitunter zur Qual. Ein Schwangerschaftsdiabetes, der weltweit etwa jede siebte Schwangere betrifft, kann Entzündungen im Mund zusätzlich begünstigen. Wenn Sie davon betroffen sind, sagen Sie es Ihrer Zahnarztpraxis.
Was ist eine Schwangerschaftsepulis?
Manchmal bildet sich zwischen zwei Zähnen ein weicher, roter Knoten am Zahnfleisch, der schon bei leichter Berührung blutet. Fachleute sprechen von einer Schwangerschaftsepulis oder einem pyogenen Granulom. Er sieht oft beunruhigend aus, ist aber gutartig.
In den meisten Fällen bildet sich die Epulis nach der Geburt von selbst zurück. Entfernt wird sie nur, wenn sie stört, etwa beim Kauen, oder wenn sie stark blutet. Lassen Sie einen solchen Knoten trotzdem ansehen, damit Ihr Zahnarzt ihn sicher einordnen kann.
Kann eine Zahnfleischentzündung meinem Baby schaden?
Hier lohnt ein genauer Blick. Die Schwangerschaftsgingivitis betrifft nur das Zahnfleisch und heilt meist folgenlos ab. Anders ist es bei einer Parodontitis, bei der auch der Kieferknochen angegriffen wird. Studien zeigen, dass Frauen mit Parodontitis häufiger Frühgeburten haben. Eine von der Fachgesellschaft zitierte Auswertung kommt auf ein knapp doppelt so hohes Risiko.
Ob die Zahnfleischerkrankung die Ursache ist, bleibt aber offen. Ein Cochrane-Review von 2017 fand keinen sicheren Beleg, dass eine Parodontitisbehandlung während der Schwangerschaft Frühgeburten verhindert, möglicherweise aber etwas weniger Babys mit niedrigem Geburtsgewicht. Die Aussagekraft der Studien ist allerdings gering. Für Sie heißt das: kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, die Mundgesundheit jetzt ernst zu nehmen.
Wie pflege ich Zähne und Zahnfleisch jetzt am besten?
Putzen Sie zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta und einer weichen Bürste, gerade am Zahnfleischrand. Das Bluten ist kein Zeichen, dass Sie zu viel putzen, sondern dass dort noch Belag sitzt. Reinigen Sie einmal täglich die Zwischenräume mit Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen. Nach wenigen Tagen konsequenter Pflege wird das Bluten bei den meisten Frauen spürbar weniger.
Wenn Ihnen in den ersten Wochen übel ist, spülen Sie nach dem Erbrechen den Mund mit Wasser aus. Häufige kleine Zwischenmahlzeiten mit Süßem oder Saurem belasten die Zähne zusätzlich. Wenn Sie beim Putzen schnell würgen müssen, hilft oft ein kleinerer Bürstenkopf, eine Zahnpasta mit mildem Geschmack oder das Putzen zu einer Tageszeit, zu der die Übelkeit schwächer ist. Lieber in Ruhe und etwas langsamer putzen als gar nicht. Mehr zur Entstehung und Vorbeugung lesen Sie im Beitrag zur Zahnfleischentzündung.
Wann sofort zum Zahnarzt?
- starke Zahnschmerzen, eine dicke Backe oder Eiter am Zahnfleisch
- Fieber in Verbindung mit Beschwerden im Mund
- ein Knoten am Zahnfleisch, der schnell wächst, stark blutet oder beim Essen stört
- Zähne, die sich locker anfühlen
Schmerzen und Entzündungen werden in jeder Phase der Schwangerschaft behandelt. Abwarten ist hier meist die schlechtere Wahl.
Ist ein Zahnarztbesuch in der Schwangerschaft sicher?
Ja. Am besten gehen Sie früh in der Schwangerschaft einmal zur Kontrolle. Planbare Behandlungen legt man gern in das zweite Drittel, also etwa die 13. bis 25. Woche. Im ersten Drittel und gegen Ende der Schwangerschaft verzichtet man auf alles, was warten kann. Größere chirurgische Eingriffe am Zahnfleisch verschiebt man auf die Zeit nach der Geburt.
Geröntgt wird nur, wenn es für die Behandlung wirklich nötig ist. Die Strahlenmenge bei Zahnaufnahmen ist gering, und eine Schutzschürze senkt die Belastung für das Kind praktisch auf null. Auch eine Betäubung ist möglich. Fachgesellschaften empfehlen dafür bestimmte Wirkstoffe mit wenig Adrenalinzusatz, die Ihr Zahnarzt entsprechend auswählt. Amalgam wird bei Schwangeren seit 2018 nicht mehr verwendet. Ausführlich geht es um den Termin im Beitrag Schwangerschaft und gesunde Zähne.
Was zahlt die Krankenkasse für Schwangere beim Zahnarzt?
Eine besondere zahnärztliche Vorsorgeuntersuchung nur für Schwangere gibt es als Kassenleistung nicht. Sie haben aber dieselben Ansprüche wie alle Erwachsenen: zwei Kontrolluntersuchungen im Jahr, einmal jährlich die Entfernung von Zahnstein und alle zwei Jahre eine Früherkennungsuntersuchung auf Parodontitis. Außerdem sieht die Mutterschafts-Richtlinie vor, dass Ihre Frauenarztpraxis Sie über die Bedeutung der Mundgesundheit für Mutter und Kind aufklärt.
Die professionelle Zahnreinigung ist in der Regel eine Privatleistung. Manche Krankenkassen geben aber einen Zuschuss oder haben eigene Angebote für Schwangere. Fragen Sie vorher bei Ihrer Kasse nach. Lassen Sie jede Kontrolle ins Bonusheft eintragen, das zahlt sich später beim Zahnersatz aus. Und denken Sie schon an Ihr Baby: Ab dem sechsten Lebensmonat übernimmt die Kasse eigene zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen für Kinder. Eine Partnerpraxis für Ihren Kontrolltermin finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche.
Ab wann blutet das Zahnfleisch in der Schwangerschaft?
Bei manchen Frauen fängt es schon in den ersten Wochen an, deutlicher wird es meist im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft. Dann sind die Hormonspiegel besonders hoch, und das Zahnfleisch reagiert empfindlich auf Belag. Wichtig ist dann vor allem eine gründliche Reinigung am Zahnfleischrand. Nach der Geburt klingt die Entzündung in der Regel wieder ab.
Hört die Schwangerschaftsgingivitis nach der Geburt von selbst auf?
Meistens ja. Wenn die Hormonspiegel nach der Geburt sinken, geht auch die Entzündung in der Regel zurück. Blutet das Zahnfleisch einige Monate nach der Entbindung weiterhin, sollten Sie es untersuchen lassen. Dann steckt möglicherweise eine fortgeschrittene Zahnfleischerkrankung dahinter, die eine eigene Behandlung braucht. Eine Kontrolle nach der Geburt ist ohnehin sinnvoll.
Darf ich in der Schwangerschaft eine professionelle Zahnreinigung machen lassen?
Ja, eine professionelle Zahnreinigung ist in der Schwangerschaft möglich und kann bei entzündetem Zahnfleisch gut helfen. Viele Praxen legen sie in das zweite Drittel, weil diese Phase als günstigste Zeit für planbare Behandlungen gilt. Die Kosten tragen Sie in der Regel selbst, manche Krankenkassen geben aber einen Zuschuss. Fragen Sie vorher bei Ihrer Kasse nach.
Ist Mundspülung in der Schwangerschaft erlaubt?
Eine Mundspülung ersetzt das Putzen und die Reinigung der Zwischenräume nicht. Wenn Sie eine verwenden möchten, lassen Sie sich in Ihrer Zahnarztpraxis oder Apotheke beraten, welche für die Schwangerschaft geeignet ist. Manche Spüllösungen sind ohnehin nicht für die Daueranwendung gedacht. Bei starkem Zahnfleischbluten bringt eine gründliche Kontrolle meist mehr als jede Spülung.
Kann ich in der Schwangerschaft einen Zahn ziehen lassen?
Wenn es nötig ist, ja. Ein stark entzündeter oder nicht mehr zu rettender Zahn belastet Mutter und Kind mehr als ein gut geplanter Eingriff. Ihr Zahnarzt wählt eine passende Betäubung und röntgt nur, wenn es unumgänglich ist. Planbare Eingriffe verschiebt man dagegen gern auf das zweite Drittel oder die Zeit nach der Geburt. Sagen Sie immer, in welcher Woche Sie sind.
Zeit für einen Kontrolltermin? Über die DentNet-Zahnarztsuche finden Sie eine Partnerpraxis in Ihrer Nähe.
Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern.
Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.