THIS IS THE PAGE RENDERED

Probiotika und Intervallfasten: Was hilft den Zähnen wirklich?

Probiotische Lutschtabletten, Joghurt, 16:8-Fasten: Was die Studien für Zähne, Zahnfleisch und Atem tatsächlich zeigen und wo der Trend der Datenlage voraus ist.

Probiotische Lutschtabletten oder Joghurts können die Bakterien im Mund kurzfristig verändern. Dass sie zuverlässig vor Karies, Zahnfleischentzündung oder Mundgeruch schützen, ist bisher nicht belegt, die Studien sind meist klein und kurz. Intervallfasten schadet den Zähnen nicht, solange Sie genug trinken. Weniger Essanlässe bedeuten sogar weniger Säureangriffe.

In der Praxis kommen beide Themen erstaunlich oft zusammen. Eine Patientin fastet seit ein paar Wochen nach dem 16:8-Schema, fühlt sich gut damit und hat irgendwo gelesen, dass „gute Bakterien“ auch dem Mund helfen. Ob das nicht eine sinnvolle Ergänzung wäre?

Die ehrliche Antwort fällt nüchterner aus als viele Werbeversprechen. Für Ihre Zähne ist sie trotzdem brauchbar, denn einiges, was beim Fasten passiert, lässt sich gut für die Mundgesundheit nutzen.

Inhalt

Verdacht auf Parodontitis? Jetzt Termin vereinbaren und Klarheit schaffen:

Was gehört zur Mundflora, und wann gerät sie aus dem Gleichgewicht?

Ihr Mund ist dicht besiedelt: Bakterien, einige Pilze und Viren leben auf Zähnen, Zunge, Wangenschleimhaut und im Zahnfleischsaum. Die meisten davon sind harmlos oder sogar nützlich, weil sie Platz besetzen, den sonst Krankheitserreger einnehmen würden. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag über die Mundflora und ihre Aufgaben.

Problematisch wird es, wenn der Belag auf den Zähnen lange liegen bleibt und häufig Zucker nachkommt. Dann setzen sich Bakterien durch, die aus Zucker Säure machen. Am Zahnfleischrand wiederum verschiebt sich die Zusammensetzung in Richtung entzündungsfördernder Keime, wenn dort tagelang nicht gründlich geputzt wird.

Die Parodontologin Nicole Arweiler hat es in einer Übersicht für die Zahnärztlichen Mitteilungen treffend formuliert: Eine dauerhafte Veränderung der Mundflora erreicht man eher über die Lebensbedingungen im Mund, also regelmäßige mechanische Reinigung, als über das gelegentliche Zuführen einzelner Bakterienstämme.

Was zeigen Studien zu Probiotika gegen Karies, Zahnfleischentzündung und Mundgeruch?

Die Idee klingt einleuchtend: Man gibt freundliche Milchsäurebakterien hinzu, die schädliche Keime verdrängen. In Laborversuchen und kurzen Studien gibt es dafür auch Hinweise. Für Ihren Alltag zählt aber, ob am Ende weniger Löcher, weniger Zahnfleischbluten oder frischerer Atem herauskommen.

Karies: Eine viel zitierte Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2013 wertete 23 randomisierte Studien aus. Nur drei davon hatten tatsächlich Karies gemessen, die übrigen zählten Bakterien im Speichel. Das Fazit der Autoren: Die wissenschaftliche Beweislage ist trotz vielversprechender Ergebnisse dünn. Neuere Arbeiten haben daran wenig Grundsätzliches geändert, die Ergebnisse bleiben uneinheitlich.

Zahnfleischentzündung: Eine Studie mit Schwangeren fand mit probiotischen Lutschtabletten etwas weniger Belag und Entzündung. Der Effekt war allerdings klein, und keine der Gruppen hatte eine Mundhygieneanleitung bekommen. Eine andere Untersuchung zeigte, dass schon intensiviertes Putzen allein die Werte bei Schwangeren ungefähr halbierte.

Parodontitis: Die deutsche S3-Leitlinie zur Behandlung der Parodontitis rät davon ab, Probiotika begleitend zur Therapie einzusetzen. Begründung: Die Evidenz ist nicht ausreichend oder widersprüchlich.

Mundgeruch: Eine systematische Übersicht von 2022 mit acht Studien und 326 Teilnehmenden kam zu dem Ergebnis, dass sich ein überzeugender Nutzen von Probiotika bei Mundgeruch nicht ableiten lässt. Für klare Empfehlungen seien die Studien zu wenige und von zu geringer Qualität.

Worauf sollten Sie bei probiotischem Joghurt und Lutschtabletten achten?

Gegen einen Naturjoghurt zum Frühstück spricht aus zahnärztlicher Sicht nichts. Anders sieht es bei gesüßten Trinkjoghurts aus, die als Mundpflege-Ersatz den ganzen Vormittag über geschlürft werden. Milchsäurebakterien bilden selbst Säure, und der zugesetzte Zucker füttert genau die Keime, um die es bei Karies geht. Warum gerade die Häufigkeit zählt, erklären wir im Beitrag Zucker und Zähne.

Probiotische Lutschtabletten werden meist als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, nicht als Arzneimittel. Sie müssen also keinen Wirksamkeitsnachweis erbringen, und Zusammensetzung und Qualität können schwanken. Wer ein geschwächtes Immunsystem hat, schwer erkrankt ist oder eine Herzklappenerkrankung hat, sollte solche Präparate nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.

Wenn Sie Probiotika ausprobieren möchten, ist das Ihre Entscheidung. Wichtig ist nur, dass sie Zähneputzen, Zwischenraumpflege und die Kontrolle beim Zahnarzt nicht ersetzen.

Ist Intervallfasten gut oder schlecht für die Zähne?

Für die Zähne ist weniger entscheidend, wie viel Sie essen, als wie oft. Nach jeder zuckerhaltigen Mahlzeit verwandeln Bakterien im Zahnbelag den Zucker in Säure, der pH-Wert sinkt, und der Zahnschmelz verliert Mineralien. Der Speichel braucht danach Zeit, um die Säure zu neutralisieren und den Schmelz wieder zu reparieren. Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung raten deshalb, die Zahl zuckerhaltiger Mahlzeiten und Snacks so gering wie möglich zu halten.

Hier kann Intervallfasten tatsächlich helfen. Wer nur in einem Zeitfenster isst, hat automatisch längere Pausen, in denen sich der Zahnschmelz erholen kann. Der Vorteil verpufft allerdings, wenn im Essfenster ständig genascht oder Saft getrunken wird. Wie eine zahnfreundliche Ernährung insgesamt aussieht, lesen Sie im Ratgeber Zahngesundheit und Ernährung.

In der Fastenzeit selbst sind Wasser und ungesüßter Tee ideal. Gesüßte Getränke, auch „nur ein Schluck“ Limonade oder Saftschorle, unterbrechen nicht nur das Fasten, sie bedeuten für die Zähne einen neuen Säureangriff.

Warum riecht der Atem beim Fasten manchmal anders?

Viele Fastende bemerken in den ersten Tagen einen veränderten Atem. Dafür gibt es zwei verschiedene Ursachen, und nur eine davon hat mit dem Mund zu tun.

Wer weniger isst und kaut, bildet weniger Speichel. Der Mund wird trockener, Bakterien auf dem Zungenrücken vermehren sich und setzen schwefelhaltige Gase frei. Das ist der klassische Mundgeruch, gegen den Trinken, Zungenreinigung und gründliches Putzen helfen. Hinweise, was bei trockenem Mund noch hilft, finden Sie im Beitrag zur Mundtrockenheit.

Die zweite Ursache sitzt tiefer. Bekommt der Körper über längere Zeit kaum Kohlenhydrate, stellt er auf Fettverbrennung um und bildet Ketonkörper. Einer davon, Aceton, wird über die Lunge abgeatmet und lässt sich in der Atemluft messen. Dieser leicht fruchtige Geruch kommt nicht aus dem Mund, eine Zahnbürste ändert daran wenig. Er verschwindet, sobald wieder regelmäßig gegessen wird.

Eine Studie aus einer Fastenklinik am Bodensee hat bei 36 Erwachsenen während eines rund neuntägigen Heilfastens die Atemluft untersucht. Eine bestimmte Schwefelverbindung stieg an, die typischen „Mundgeruch-Gase“ dagegen nicht, und die Bakterienzusammensetzung im Speichel veränderte sich. Eine Kontrollgruppe gab es nicht, die Ergebnisse sind also vorläufig. Mehr zu Ursachen und Abhilfe lesen Sie unter Mundgeruch und schlechter Atem.

Kann Fasten Zahnfleischentzündungen sogar bremsen?

Ein Team der Charité Berlin hat das 2025 an 66 gesunden Erwachsenen untersucht. Eine Gruppe aß nach dem 16:8-Schema, eine zweite hielt ein religiöses Trockenfasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ein, die dritte aß normal. Alle verzichteten neun Tage lang in einem Kieferbereich auf das Putzen, damit sich dort eine leichte, wieder abklingende Zahnfleischentzündung entwickelte.

Das Zahnfleischbluten nahm in der Kontrollgruppe um 14,9 Prozent zu, in der 16:8-Gruppe um 14,6 Prozent und in der Trockenfasten-Gruppe nur um 5,4 Prozent. Die Flüssigkeit aus der Zahnfleischtasche, ein weiteres Entzündungszeichen, stieg nur in der Kontrollgruppe an.

Das ist interessant, aber noch kein Behandlungsansatz. Die Teilnehmenden waren gesund, die Studie dauerte nur wenige Wochen, und die Trockenfasten-Gruppe wurde nicht zufällig zugeteilt. Die Forschenden selbst betonen, dass größere Studien nötig sind. Eine Parodontitis behandelt man weiterhin in der Zahnarztpraxis, Fasten ersetzt das nicht.

Unser Tipp:

Nutzen Sie Ihr Essfenster für richtige Mahlzeiten statt für viele kleine Snacks. Putzen Sie nach der letzten Mahlzeit gründlich mit fluoridhaltiger Zahnpasta und reinigen Sie die Zahnzwischenräume. In der Fastenphase gilt: Wasser oder ungesüßter Tee, und ruhig öfter einen Schluck, damit der Mund nicht austrocknet.

Wie pflegen Sie Ihre Zähne, wenn Sie fasten oder Probiotika ausprobieren?

Die Grundregeln ändern sich nicht: zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen, die Zwischenräume reinigen und bei belegtem Zungenrücken auch die Zunge. Beim Trockenfasten, etwa im Ramadan, verschieben sich die Putzzeiten einfach auf die Mahlzeiten vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang.

Erzählen Sie Ihrem Zahnarzt beim nächsten Termin ruhig, dass Sie fasten oder Präparate nehmen. Hält sich der Mundgeruch trotz guter Pflege über Wochen, blutet das Zahnfleisch regelmäßig oder ist der Mund dauerhaft trocken, gehört das untersucht. Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche.

Häufige Fragen

Helfen probiotische Lutschtabletten gegen Mundgeruch?

Bisher lässt sich das nicht sicher sagen. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 hat acht Studien ausgewertet und keinen überzeugenden Nutzen gefunden; die Studien waren klein und teils methodisch schwach. Mundgeruch entsteht meist durch Beläge auf der Zunge und zwischen den Zähnen oder durch entzündetes Zahnfleisch. Gründliche Reinigung und die Behandlung der Ursache sind deshalb der verlässlichere Weg.

Kann ich mit Probiotika die Zahnreinigung oder Parodontitisbehandlung ersetzen?

Nein. Die deutsche S3-Leitlinie zur Parodontitisbehandlung empfiehlt Probiotika nicht als Ergänzung zur Therapie, weil die Studienlage nicht ausreicht oder widersprüchlich ist. Eine Parodontitis wird durch das Entfernen der Beläge in den Zahnfleischtaschen behandelt, gefolgt von regelmäßiger Nachsorge. Probiotika können das weder ersetzen noch nachweislich verbessern.

Darf ich während des Intervallfastens Zähne putzen?

Ja, das ist sogar sinnvoll. Zahnpasta wird nicht geschluckt und liefert keine nennenswerten Kalorien. Am besten putzen Sie nach der letzten Mahlzeit im Essfenster und morgens. Wer während der Fastenzeit einen trockenen Mund oder unangenehmen Geschmack bemerkt, kann zusätzlich die Zunge reinigen und Wasser trinken. Mundspülungen ersetzen das Putzen nicht.

Warum riecht mein Atem beim Fasten nach Aceton?

Bekommt der Körper kaum Kohlenhydrate, bildet er Ketonkörper, und Aceton wird über die Lunge ausgeatmet. Dieser fruchtige Geruch stammt also nicht aus dem Mund und lässt sich durch Putzen kaum beeinflussen. Er verschwindet in der Regel, wenn Sie wieder normal essen. Bemerken Sie ihn ohne Fasten oder Diät, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

Ist Trinkjoghurt gut für die Zähne?

Das hängt vom Zucker ab. Naturjoghurt ohne Zuckerzusatz ist zu einer Mahlzeit unproblematisch. Gesüßte Trinkjoghurts enthalten oft viel Zucker und werden gern nebenbei getrunken, was die Zähne über längere Zeit Säure aussetzt. Wenn Sie Trinkjoghurt mögen, trinken Sie ihn lieber zu einer Mahlzeit als zwischendurch über den Tag verteilt.

Ist Trockenfasten im Ramadan schlecht für die Zähne?

Nicht grundsätzlich. Tagsüber wird weniger Speichel gebildet, der Mund trocknet aus, und Mundgeruch tritt häufiger auf. Hilfreich ist, vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang gründlich zu putzen, die Zunge zu reinigen und in der Nacht ausreichend Wasser zu trinken. Zuckerreiche Süßspeisen am Abend sollten Sie möglichst zur Mahlzeit essen und nicht über den ganzen Abend verteilen.

Sie möchten Ihre Mundflora oder Ihren Atem einmal fachlich prüfen lassen? Über die DentNet-Zahnarztsuche finden Sie eine Partnerpraxis in Ihrer Nähe.

Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.

dentnet.de als bevorzugte Quelle bei Google

Wenn Sie bei Google suchen, zeigt die Schlagzeilen-Box aktuelle Themen aus ausgewählten Quellen. Legen Sie DentNet als Ihre bevorzugte Quelle fest – dann erhalten Sie dort regelmäßig unsere geprüften, verlässlichen Fachinhalte.

Jetzt DentNet als Quelle einstellen

Verantwortlich: (Geschäftsführer – Strategie & Unternehmensentwicklung, Imex Dental)
Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

Imex Dental steht für präzisen Zahnersatz, meisterliche Zahntechnik und digitale Fertigungsprozesse.