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Röntgen und Betäubung beim Zahnarzt in der Schwangerschaft

Darf der Zahnarzt in der Schwangerschaft röntgen oder eine Spritze geben? Was als gut untersucht gilt, wann eine Behandlung günstig ist und was Sie in der Praxis ansprechen sollten.

Kurz gesagt: Röntgen und örtliche Betäubung sind in der Schwangerschaft möglich, wenn sie für die Behandlung gebraucht werden. Das Betäubungsmittel Articain gilt laut Embryotox als Mittel der Wahl, auch mit Adrenalinzusatz. Zahnaufnahmen werden nur gemacht, wenn sie nötig sind, und am Bauch kommt dabei sehr wenig Strahlung an. Planbare Behandlungen sind im zweiten Schwangerschaftsdrittel meist am angenehmsten. Sagen Sie Ihrer Praxis immer, dass Sie schwanger sind.

Inhalt

    Wann eine Zahnbehandlung in der Schwangerschaft günstig ist

    Für planbare Behandlungen gilt das zweite Schwangerschaftsdrittel, also etwa die 13. bis 27. Woche, als guter Zeitraum. Die Übelkeit der ersten Wochen hat dann bei vielen Frauen nachgelassen, und das Liegen auf dem Behandlungsstuhl fällt leichter als kurz vor der Geburt. Die Zahnärztekammer Niedersachsen schreibt in ihrer Information für Schwangere, Zahnbehandlungen im zweiten Drittel seien „kein Problem“.

    Das heißt nicht, dass Sie mit Beschwerden bis dahin warten sollten. Embryotox empfiehlt die vorbeugende und, wenn nötig, auch die behandelnde Zahnmedizin in der Schwangerschaft ausdrücklich. Eine Entzündung am Zahn oder am Zahnfleisch sollte behandelt werden, egal in welcher Woche. Was gut warten kann, etwa eine rein ästhetische Behandlung, verschieben viele Praxen auf die Zeit nach der Geburt.

    Darf der Zahnarzt in der Schwangerschaft röntgen?

    Ja, wenn die Aufnahme für Diagnose oder Behandlung gebraucht wird. Die Strahlenschutzverordnung verpflichtet die Praxis, vorher nach einer möglichen Schwangerschaft zu fragen, die Dringlichkeit zu prüfen und die Strahlung so gering wie möglich zu halten (§ 120 StrlSchV). Eine Routineaufnahme ohne Anlass wird daher eher verschoben. Bei Schmerzen oder vor einer Wurzelbehandlung ist eine Aufnahme dagegen oft nötig, damit gezielt behandelt werden kann.

    Zur Einordnung: Beim Zahnröntgen zielt der Strahl auf Kiefer und Zähne, nicht auf den Bauch. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt schon für eine Röntgenaufnahme des ganzen Schädels eine Dosis an der Gebärmutter von weniger als 0,1 Millisievert an. Schäden wie Fehlbildungen erwartet das Amt erst ab etwa 50 bis 100 Millisievert. Eine Zahnaufnahme erfasst nur einen kleinen Bereich, moderne digitale Röntgengeräte kommen zudem mit wenig Strahlung aus.

    Und die Bleischürze? Die Strahlenschutzkommission hält Schutzschürzen beim Zahnröntgen inzwischen grundsätzlich für entbehrlich, weil sie die ohnehin geringe Dosis kaum weiter senken. Viele Praxen legen Schwangeren trotzdem eine an. Wenn Sie sich damit wohler fühlen, fragen Sie danach.

    Örtliche Betäubung: Welche Mittel als gut untersucht gelten

    Niemand muss in der Schwangerschaft eine Behandlung ohne Betäubung aushalten. Embryotox, das Pharmakovigilanzzentrum der Charité in Berlin, bewertet Articain als Mittel der Wahl. Es kann laut Embryotox auch mit dem Zusatz Adrenalin (Epinephrin) gegeben werden, der die Wirkung am Zahn verlängert.

    Für das erste Schwangerschaftsdrittel gibt es zu Articain keine systematischen Studien. Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko liegen laut Embryotox aber nicht vor. Muss in dieser Zeit behandelt werden, ist die Betäubung deshalb kein Grund, Schmerzen in Kauf zu nehmen.

    Wenn Sie Angst vor dem Einstich haben, sagen Sie das vor der Behandlung. Die Praxis kann sich dann mehr Zeit nehmen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Die Spritze beim Zahnarzt.

    Schmerzmittel und Antibiotika nach der Behandlung

    Paracetamol kann laut Embryotox während der gesamten Schwangerschaft angewendet werden. Ibuprofen gilt bei leichten Schmerzen bis zur 28. Schwangerschaftswoche als gut geeignet. Ab der 28. Woche dürfen Ibuprofen und andere Mittel aus derselben Wirkstoffgruppe (NSAR, zum Beispiel Diclofenac) nicht mehr eingenommen werden. Kombinationspräparate mit mehreren Wirkstoffen sollten Sie meiden.

    Nehmen Sie Schmerzmittel in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit Ihrer Zahnarztpraxis oder Ihrer Frauenarztpraxis. Ist nach einer Behandlung ein Antibiotikum nötig, gibt es Wirkstoffe, die in der Schwangerschaft gut untersucht sind. Welcher passt, entscheidet die Praxis. Hintergründe finden Sie unter Schmerzmittel bei Zahnschmerzen und Antibiotika beim Zahnarzt.

    Das sollten Sie in der Praxis ansprechen

    • dass Sie schwanger sind, in welcher Woche, oder dass eine Schwangerschaft möglich ist
    • alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die Sie gerade nehmen
    • Besonderheiten aus dem Mutterpass, zum Beispiel Bluthochdruck oder Schwangerschaftsdiabetes
    • wenn Ihnen im Liegen schwindelig oder übel wird, damit die Praxis Sie anders lagern kann
    • Ihre Fragen zu Röntgen und Betäubung, am besten vor dem Termin

    Bringen Sie den Mutterpass am besten mit. Dann ist alles Wichtige schnell geklärt.

    Zahnschmerzen in der Schwangerschaft: lieber früh behandeln

    Schmerzen, eine Schwellung oder Fieber sollten Sie auch in der Schwangerschaft zeitnah abklären lassen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der zahnärztliche Notdienst. Blutet das Zahnfleisch häufiger als sonst, steckt oft eine Schwangerschaftsgingivitis dahinter. Wie oft Sie in der Schwangerschaft zur Kontrolle gehen sollten, lesen Sie unter Zahnreinigung in der Schwangerschaft.

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    Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche Beratung. Stand: November 2026.

    Häufige Fragen

    Schadet die Spritze beim Zahnarzt meinem Baby?

    Nach heutigem Wissen nicht. Das Pharmakovigilanzzentrum Embryotox der Charité stuft das Betäubungsmittel Articain in der Schwangerschaft als Mittel der Wahl ein, auch mit Adrenalinzusatz. Wichtig ist, dass die Praxis von Ihrer Schwangerschaft weiß.

    Darf ich in den ersten drei Monaten zum Zahnarzt?

    Ja. Kontrollen und notwendige Behandlungen sind jederzeit möglich. Planbare, größere Behandlungen legt man meist ins zweite Schwangerschaftsdrittel, weil sie dann für viele Frauen angenehmer sind.

    Bekomme ich beim Zahnröntgen eine Bleischürze?

    Das handhaben Praxen unterschiedlich. Fachgremien halten Schutzschürzen beim Zahnröntgen inzwischen für entbehrlich, viele Praxen legen sie Schwangeren aber weiterhin an. Fragen Sie einfach danach, wenn Sie sich damit wohler fühlen.

    Ich wurde geröntgt, bevor ich wusste, dass ich schwanger bin. Was jetzt?

    Bei einer Zahnaufnahme kommt am Bauch nur sehr wenig Strahlung an, weit unter den Werten, ab denen das Bundesamt für Strahlenschutz Schäden erwartet. Sprechen Sie es bei Ihrer nächsten Vorsorge trotzdem an, dann kann Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt es einordnen.

    Welches Schmerzmittel darf ich bei Zahnschmerzen nehmen?

    Paracetamol kann laut Embryotox in der ganzen Schwangerschaft eingesetzt werden. Ibuprofen ist bis zur 28. Schwangerschaftswoche möglich, danach nicht mehr. Nehmen Sie Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit Ihrer Praxis oder Ihrer Frauenarztpraxis.

    Darf ich in der Stillzeit eine Betäubung bekommen?

    Ja. Laut Embryotox kann Articain auch in der Stillzeit angewendet werden, auch mit Adrenalin. Eine Stillpause ist dafür nicht nötig.

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