Ein Kofferdam ist ein dünnes, elastisches Tuch, das den Zahn während der Behandlung trocken hält. Wozu er dient, wie sich das Tragen anfühlt und wer die Kosten übernimmt.
Ein Kofferdam ist ein dünnes, elastisches Tuch, das die Zahnärztin oder der Zahnarzt über einen oder mehrere Zähne spannt. Nur die Zähne, die behandelt werden, schauen durch kleine Löcher heraus. So bleibt der Zahn trocken und frei von Speichel, und kleine Instrumente können nicht in den Rachen fallen.
Am häufigsten kommt der Kofferdam bei einer Wurzelbehandlung und bei Kunststofffüllungen zum Einsatz. Er gehört zu den zahnärztlichen Instrumenten und Hilfsmitteln, die viele Patienten erst im Behandlungsstuhl zum ersten Mal sehen. Wie er aufgebaut ist, wie sich das Tragen anfühlt und wer die Kosten übernimmt, lesen Sie unten.
Der Name kommt aus dem Wasserbau. Dort ist ein Kofferdamm eine Wand, die eine Baustelle im Wasser trocken hält. Im Mund übernimmt das Gummituch dieselbe Aufgabe: Es trennt den Zahn, an dem gearbeitet wird, vom feuchten Rest der Mundhöhle.
In der Fachsprache heißt das absolute Trockenlegung, in den Gebührenverzeichnissen Anlegen von Spanngummi. Eingeführt hat das Verfahren der New Yorker Zahnarzt Sanford Christie Barnum im Jahr 1864.
Woraus besteht ein Kofferdam?
Ein Kofferdam besteht aus vier Teilen:
- Tuch: eine dünne, dehnbare Folie, meist aus Latex. Es gibt sie in verschiedenen Stärken, Größen und Farben.
- Klammer: eine kleine Klammer aus Edelstahl oder Kunststoff. Sie sitzt am Zahn und hält das Tuch fest.
- Rahmen: ein Bügel aus Metall oder Kunststoff vor dem Gesicht, an dem das Tuch aufgespannt wird.
- Lochzange: Damit stanzt das Praxisteam die Löcher für die Zähne ins Tuch.
Für Menschen mit Latexallergie gibt es latexfreie Tücher, meist aus Silikon oder synthetischem Polyisopren. Manche Praxen legen zusätzlich eine weiche Serviette zwischen Haut und Tuch. Das macht das Tragen angenehmer.
Unser Tipp:
Sagen Sie vor der Behandlung Bescheid, wenn Sie auf Latex allergisch reagieren. Dann kann die Praxis ein latexfreies Tuch verwenden. Mehr dazu im Artikel Allergie beim Zahnarzt.
Wann wird ein Kofferdam eingesetzt?
Bei einer Wurzelbehandlung ist der Kofferdam der Standard. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) schreibt in ihrer Stellungnahme zur Wurzelkanalaufbereitung, der Zahn solle „grundsätzlich“ mit Kofferdam isoliert werden. Sie nennt drei Gründe:
- Speichel und Bakterien aus dem Mund gelangen nicht in den Wurzelkanal.
- Die feinen Wurzelkanalinstrumente können nicht verschluckt oder eingeatmet werden.
- Die Spüllösungen, mit denen der Kanal gereinigt wird, laufen nicht in den Mund.
Auch bei anderen Behandlungen hilft die Trockenlegung, vor allem bei Materialien, die Feuchtigkeit schlecht vertragen:
Nicht immer ist ein Kofferdam möglich. Muss unterhalb des Zahnfleischrands gearbeitet werden, lässt er sich nicht einsetzen.
Wie läuft das Anlegen ab?
- Die Praxis wählt Tuch und Klammer passend zum Zahn und stanzt die Löcher.
- Klammer und Tuch werden am Zahn befestigt.
- Der Rahmen spannt das Tuch vor dem Mund auf.
- Nach der Behandlung nimmt das Team alles mit wenigen Handgriffen wieder ab.
Für einen einzelnen Zahn dauert das Anlegen nach Angaben endodontischer Fachgesellschaften im Regelfall nicht länger als eine Minute.
Die Klammer sitzt mit etwas Druck am Zahn. Wenn es unangenehm drückt, sagen Sie es dem Team.
Kann man mit Kofferdam normal atmen?
Ja. Sie atmen ganz normal durch die Nase. Eine freie Nasenatmung ist deshalb Voraussetzung für die Behandlung mit Kofferdam. Den Mund können Sie in dieser Zeit nicht ganz schließen. Speichel, der sich sammelt, saugt die Assistenz bei Bedarf ab.
Manche Menschen fühlen sich unter dem Tuch beengt. Fachartikel nennen Platzangst und schwere Atemwegserkrankungen als Gründe, auf den Kofferdam zu verzichten. Dann prüft die Zahnärztin oder der Zahnarzt die Behandlung neu und nutzt andere, weniger wirksame Schutzmaßnahmen.
Unser Tipp:
Vereinbaren Sie vor dem Start ein Handzeichen, etwa die Hand heben. So kann das Team jederzeit eine Pause machen. Haben Sie am Behandlungstag Schnupfen, rufen Sie am besten vorher in der Praxis an. Wer große Angst vor dem Zahnarzt hat, findet Hilfe auf der Seite Zahnbehandlungsangst.
Für gesetzlich Versicherte steht das „Anlegen von Spanngummi“ ausdrücklich im Leistungsverzeichnis der Krankenkassen, dem BEMA. Dort ist es unter Nr. 12 als besondere Maßnahme beim Präparieren oder Füllen aufgeführt.
Bei Privatversicherten rechnet die Praxis nach der Gebührenordnung für Zahnärzte ab, Nr. 2040 „Anlegen von Spanngummi, je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich“. Ob bei Ihrer Behandlung Kosten für Sie entstehen, erklärt Ihnen die Praxis vorab. Einen Überblick gibt der Artikel Was kostet eine Wurzelbehandlung?.
Der Kofferdam sieht ungewohnt aus, hat aber eine klare Aufgabe. Er hält den Zahn trocken und sauber und schützt Sie davor, kleine Instrumente oder Spüllösungen zu verschlucken. Bei Wurzelbehandlungen gehört er nach Ansicht der Fachgesellschaft zum Standard.
Wer Latex nicht verträgt, schlecht durch die Nase atmet oder Platzangst hat, spricht das am besten schon vor dem Termin an. Eine passende Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche. Dort können Sie auch online einen Termin anfragen.
Häufige Fragen zum Kofferdam
Ein dünnes, elastisches Tuch, das über die Zähne gespannt wird. Nur der behandelte Zahn schaut heraus. So bleibt er trocken, und kleine Instrumente können nicht verschluckt werden.
Das Tuch selbst nicht. Die Klammer sitzt mit etwas Druck am Zahn. Wenn es unangenehm drückt, sagen Sie es dem Praxisteam.
Ja, durch die Nase. Eine freie Nasenatmung ist Voraussetzung. Haben Sie Schnupfen, rufen Sie am besten vorher in der Praxis an.
Ja. Latexfreie Tücher bestehen meist aus Silikon oder synthetischem Polyisopren. Sagen Sie vor der Behandlung, dass Sie eine Latexallergie haben.
Das Anlegen von Spanngummi steht im Leistungsverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen (BEMA Nr. 12). Ob für Sie Kosten entstehen, erklärt die Praxis vor der Behandlung.
Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern.
Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.
Das könnte Sie auch interessieren