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Prothese eingewöhnen: Sprechen, Kauen, Speichel und wie lange es dauert

Wie lange dauert die Eingewöhnung an eine neue Prothese? Was in den ersten Wochen normal ist, wie Sie Sprechen und Kauen üben und wann Sie zum Zahnarzt sollten.

Kurz gesagt: An eine neue Prothese gewöhnen sich die meisten Menschen innerhalb von zwei bis sechs Wochen. Mehr Speichel, ein Fremdkörpergefühl und eine etwas undeutliche Aussprache gehören in den ersten Tagen dazu. Schneller geht es, wenn Sie die Prothese viel tragen, täglich laut lesen und mit weicher Kost anfangen. Druckstellen sollten Sie nicht aussitzen, sondern früh in der Praxis nacharbeiten lassen. Eine Vollprothese im Unterkiefer braucht oft länger, manchmal zwei bis drei Monate.

Am ersten Abend mit der neuen Prothese fragen sich viele, ob das je normal wird. Der Mund ist voll, die Zunge stößt überall an, und beim Sprechen klingt die eigene Stimme fremd. Das ist kein Hinweis darauf, dass etwas falsch gemacht wurde. Zunge, Wangen und Lippen müssen sich neu orientieren, und die Schleimhaut muss lernen, den Druck zu tragen. Mit etwas Übung wird das deutlich schneller besser, als es sich am Anfang anfühlt.

Wie lange es dauert

Wie lange die Umstellung dauert, hängt vor allem von der Art der Prothese ab und davon, ob Sie schon einmal eine getragen haben. Wer eine alte Prothese gegen eine neue tauscht, ist meist nach wenigen Tagen wieder sicher. Wer zum ersten Mal herausnehmbaren Zahnersatz bekommt, braucht mehr Geduld.

Art der ProtheseÜbliche EingewöhnungWas dabei auffällt
Teilprothese mit Klammern1 bis 3 WochenHält an den eigenen Zähnen, fühlt sich meist bald vertraut an
Teleskop- oder Geschiebeprothese1 bis 3 WochenSitzt sehr fest, das Ein- und Ausgliedern muss man üben
Vollprothese im Oberkiefer2 bis 6 WochenDie Gaumenplatte verändert Geschmack und Aussprache
Vollprothese im Unterkiefer4 Wochen bis 3 MonateWenig Halt, die Zunge muss lernen, sie mitzuhalten
Prothese auf Implantatenwenige Tage bis 2 WochenBewegt sich kaum, meist am leichtesten

Die Zeiten sind Erfahrungswerte aus der Praxis, keine festen Grenzen. Bei manchen geht es schneller, bei anderen dauert es länger, ohne dass etwas nicht stimmt.

Die ersten Tage

Am auffälligsten ist oft der viele Speichel. Der Mund behandelt die Prothese anfangs wie etwas, das gegessen werden soll, ähnlich wie ein Bonbon, und die Speicheldrüsen arbeiten auf Hochtouren. Nach einigen Tagen, spätestens nach zwei Wochen, beruhigt sich das. Schlucken Sie den Speichel einfach herunter, statt ihn ständig auszuspucken. So gewöhnt sich der Körper schneller daran.

Eine Gaumenplatte im Oberkiefer kann zunächst einen Würgereiz auslösen. Bei den meisten lässt er nach, wenn sie die Prothese konsequent tragen. Hält er nach zwei Wochen noch stark an, sollte der Zahnarzt nachsehen, ob der hintere Rand zu lang oder zu dick geraten ist. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zum Würgereiz beim Zahnarzt.

Viele merken außerdem, dass Speisen etwas weniger intensiv schmecken und Heißes weniger warm wirkt. Das liegt an der Kunststoffplatte über dem Gaumen. Die meisten Geschmacksknospen sitzen aber auf der Zunge, deshalb fällt das nach einer Weile kaum noch auf.

Ein leichtes Drücken ist am Anfang normal. Eine echte Druckstelle erkennen Sie an einer geröteten oder weißlichen, wunden Stelle, die beim Kauen schmerzt. Die gehört in die Praxis.

Sprechen üben

Die Laute S, Z, Sch und F entstehen genau dort, wo jetzt Prothesenzähne oder die Gaumenplatte sitzen. Am Anfang klingt die Aussprache deshalb oft etwas lispelnd oder pfeifend. Das Beste dagegen ist Übung: Lesen Sie jeden Tag zehn bis fünfzehn Minuten laut, etwa aus der Zeitung oder einem Buch. Wörter mit vielen Zischlauten wie „Sechsundsechzig“ oder „Zwetschgen“ eignen sich besonders. Wer sich dabei mit dem Handy aufnimmt, hört nach ein paar Tagen selbst, wie viel sich schon getan hat.

Klappert die Prothese beim Sprechen, hilft es, kurz zuzubeißen und zu schlucken, bevor Sie weiterreden. Nach etwa zwei Wochen merken andere meist keinen Unterschied mehr. Wenn Sie beruflich viel sprechen müssen, kann es sinnvoll sein, den Termin für die neue Prothese vor ein paar ruhigere Tage zu legen.

Kauen lernen

Mit einer Prothese kauen Sie mit weniger Kraft als mit eigenen Zähnen, und wer mit den Schneidezähnen abbeißt, kann eine Vollprothese leicht aushebeln. Fangen Sie deshalb mit weichen Speisen an: Rührei, Kartoffelpüree, gegartes Gemüse, Joghurt oder Brot ohne Rinde. Nach ein paar Tagen können Sie zu kleinen Stücken übergehen, die Sie auf beiden Seiten gleichzeitig kauen. Das gleichmäßige Kauen hält die Prothese ruhig.

Äpfel oder belegte Brote schneiden Sie am besten in Stücke, statt hineinzubeißen. Festere Lebensmittel wie Fleisch oder rohes Gemüse kommen nach und nach dazu. Sehr klebrige Dinge wie Karamell oder Kaugummi bleiben auch später schwierig. Bei einer Teleskopprothese oder einer Prothese auf Implantaten ist das Abbeißen meist schon früher wieder möglich.

Möglichst viel tragen

Je mehr Sie die Prothese in den ersten Wochen tragen, desto schneller gewöhnt sich der Mund daran. Ob sie auch nachts drinbleiben soll, legt Ihr Zahnarzt fest. In den ersten Tagen wird das manchmal empfohlen, damit sich Druckstellen schnell zeigen. Danach gelten andere Regeln, die wir im Beitrag Nachts mit oder ohne Prothese schlafen erklären.

Eine gut sitzende Prothese braucht eigentlich keine Haftcreme. In der Anfangszeit kann eine kleine Menge aber Sicherheit geben, gerade bei einer neuen Unterkieferprothese. Eine schlecht sitzende Prothese soll sie allerdings nicht ausgleichen. Wie Sie sie richtig dosieren, steht im Beitrag Prothese reinigen und Haftcreme richtig anwenden.

Wann Sie in die Praxis sollten

Nachkontrollen gehören bei einer neuen Prothese zur Behandlung. Üblich ist ein erster Termin ein bis zwei Tage nach dem Einsetzen und weitere in den folgenden Wochen. Warten Sie aber nicht auf den nächsten Termin, wenn eine Stelle so schmerzt, dass Sie die Prothese nicht mehr tragen können, wenn eine wunde Stelle nach zwei bis drei Tagen nicht abheilt oder wenn die Prothese beim Sprechen und Kauen ständig herausfällt. Auch Schmerzen im Kiefergelenk oder in den Kaumuskeln sind ein Grund, früher zu kommen. Dann stimmt womöglich die Bisshöhe nicht.

Schleifen Sie Druckstellen nie selbst ab und biegen Sie keine Klammern nach. Das verschlechtert die Passform oft dauerhaft. Das Nacharbeiten in der ersten Zeit ist Aufgabe der Praxis. Für neuen Zahnersatz gilt bei Kassenpatienten außerdem eine Gewährleistung von zwei Jahren, mehr dazu im Beitrag Zahnersatz passt nicht: zwei Jahre Gewähr.

Wenn Sie eine Praxis in Ihrer Nähe suchen, finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche eine Partnerpraxis und können den Termin direkt online buchen.

Häufige Fragen zur Eingewöhnung

Darf ich die Prothese zwischendurch herausnehmen?

Nach dem Essen zum Reinigen ja. Ansonsten gilt: Wer sie bei jedem unangenehmen Gefühl herausnimmt, braucht länger, bis er sich daran gewöhnt hat.

Warum fühlt sich die neue Prothese größer an als die alte?

Weil sie an den inzwischen veränderten Kiefer angepasst ist und die Bisshöhe oft wiederhergestellt wird. Nach einigen Tagen empfinden die meisten das nicht mehr als störend.

Ich beiße mir ständig in die Wange. Ist das normal?

In den ersten Tagen kommt das vor, weil Wange und Zunge den neuen Platz noch nicht kennen. Hört es nicht auf, sollte der Zahnarzt die Stellung der Seitenzähne prüfen.

Wie lange dauert es, bis ich wieder normal spreche?

Mit täglichem lautem Lesen meist ein bis zwei Wochen, mit Gaumenplatte manchmal etwas länger.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung. Stand: Oktober 2026.

Quellen

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