Welche Mittel reinigen eine Prothese gründlich, welche beschädigen sie? Und wie viel Haftcreme ist richtig? Mit Übersicht und Anleitung Schritt für Schritt.
Kurz gesagt: Eine Prothese putzen Sie morgens und abends mit einer Prothesenbürste und etwas Flüssigseife oder einer speziellen Prothesencreme. Normale Zahnpasta ist zu scharf für den Kunststoff. Reinigungstabletten sind eine gute Ergänzung, ersetzen das Bürsten aber nicht. Haftcreme kommt in drei bis vier kleinen Tupfen auf die saubere, trockene Prothese. Brauchen Sie immer mehr davon, sitzt die Prothese nicht mehr richtig und sollte angepasst werden.
Auf einer Prothese setzen sich genauso Beläge fest wie auf eigenen Zähnen, besonders auf der rauen Unterseite, die auf der Schleimhaut liegt. Dort fühlen sich Bakterien und Hefepilze wohl. Wer gründlich putzt, schützt also nicht nur die Prothese, sondern auch Gaumen, Zahnfleisch und die Zähne, die noch da sind. Ein paar Grundregeln haben wir schon im Beitrag Prothesenreinigung: fünf Tipps zusammengefasst. Hier geht es um die Frage, welche Mittel wirklich helfen, was der Prothese schadet und wie man Haftcreme sinnvoll einsetzt.
So putzen Sie richtig
Spülen Sie die Prothese nach jedem Essen kurz unter fließendem Wasser ab, damit keine Speisereste darunter bleiben. Morgens und abends wird sie dann gründlich gebürstet. Eine Prothesenbürste hat einen großen Kopf für die Flächen und einen kleinen für Ecken, Klammern und Teleskopkronen. Achten Sie besonders auf die Innenseite, die sieht man beim Putzen am schlechtesten.
Ein Tipp aus dem Alltag: Legen Sie ein Handtuch ins Waschbecken oder lassen Sie etwas Wasser einlaufen. Rutscht Ihnen die Prothese aus der Hand, fällt sie weich. Spülen Sie mit kaltem oder lauwarmem Wasser, heißes Wasser kann den Kunststoff verziehen.
Vergessen Sie den Mund nicht. Eigene Zähne putzen Sie wie gewohnt. Wer keine Zähne mehr hat, reinigt Gaumen, Kieferkamm und Zunge mit einer weichen Bürste oder einem feuchten Tuch.
Was hilft und was schadet
| Mittel | Einschätzung | Warum |
| Prothesenbürste mit Flüssigseife oder mildem Spülmittel | gut | Löst Beläge, ohne den Kunststoff zu zerkratzen |
| Prothesenreinigungscreme | gut | Auf Kunststoff abgestimmt |
| Reinigungstabletten | als Ergänzung | Helfen gegen Verfärbungen und Keime, festen Belag entfernt nur die Bürste |
| Ultraschallbad | als Ergänzung | Erreicht schwer zugängliche Stellen |
| Normale Zahnpasta | ungeeignet | Raut die Oberfläche auf, dort haften Beläge stärker |
| Kochendes Wasser, Spülmaschine | schädlich | Der Kunststoff kann sich verformen |
| Bleiche, Chlorreiniger, Essigessenz | schädlich | Bleichen den Kunststoff und greifen Metallteile an |
| Scheuermilch, harte Bürsten | schädlich | Hinterlassen Kratzer, die Prothese verfärbt schneller |
Hat Ihre Prothese Metallteile, etwa Klammern oder ein Modellgussgerüst, lesen Sie bei Reinigungstabletten genau auf der Packung nach, ob sie dafür geeignet sind. Manche Produkte können Metall auf Dauer angreifen, wenn die Prothese zu lange darin liegt.
Zahnstein und hartnäckige Verfärbungen bekommt man zu Hause kaum weg. Viele Praxen bieten deshalb eine professionelle Prothesenreinigung mit Politur an, meist als private Leistung. Einmal im Jahr bei der Kontrolle hält das die Oberfläche glatt.
Haftcreme richtig anwenden
Eine gut angepasste Prothese hält durch Saugwirkung und das Zusammenspiel von Zunge, Lippen und Wangen. Haftcreme kann zusätzlich Sicherheit geben, etwa bei einer Unterkiefer-Vollprothese, beim Sport oder an Tagen, an denen man sich keine Sorgen um seine Zähne machen möchte.
Damit sie gut hält, muss die Prothese sauber und trocken sein. Auf einer nassen Prothese verteilt sich die Creme schlecht. Tragen Sie drei bis vier kleine Tupfen auf, etwa so groß wie eine Erbse, und halten Sie etwas Abstand zum Rand. Dann die Prothese einsetzen, kurz fest andrücken und einige Sekunden zubeißen. In der ersten Stunde danach am besten nichts Heißes trinken.
Quillt Creme an den Rändern heraus, war es zu viel. Abends gehören die Reste vollständig von Prothese und Gaumen entfernt. Lauwarmes Wasser und ein feuchtes Tuch helfen, bei hartnäckigen Resten auch ein paar Tropfen Speiseöl. Neben Cremes gibt es Haftpulver, das dünner aufträgt, und zuschneidbare Haftpolster. Welche Variante angenehmer ist, muss jeder selbst herausfinden.
Wenn es ohne Haftcreme nicht mehr geht
Fehlen Zähne, bildet sich der Kieferknochen mit den Jahren langsam zurück. Die Prothese liegt dann nicht mehr satt auf, und es entsteht ein Spalt. Wer merkt, dass er immer mehr Haftcreme braucht oder die Prothese trotzdem wackelt, sollte das ernst nehmen. Dicke Schichten Haftcreme verursachen Reibung, Druckstellen und schlechten Geruch.
Meist hilft dann eine Unterfütterung, bei der die Prothesenbasis an die heutige Form des Kiefers angepasst wird. Mehr dazu im Beitrag Prothese gebrochen oder locker: Reparatur und Unterfütterung.
Riecht die Prothese trotz guter Pflege unangenehm, ist die Schleimhaut darunter gerötet oder brennt sie, kann ein Hefepilz beteiligt sein. Was dann zu tun ist, lesen Sie im Beitrag Prothesenstomatitis und Mundgeruch unter der Prothese.
Häufige Fragen
Kann ich die Prothese mit Zahnpasta putzen?
Besser nicht. Die Putzkörper sind für Zahnschmelz gemacht und hinterlassen auf Kunststoff feine Kratzer, an denen sich Beläge und Verfärbungen leichter festsetzen.
Wie oft sind Reinigungstabletten sinnvoll?
Für die meisten reichen ein bis zwei Anwendungen pro Woche. Bei Prothesen mit Metallteilen richten Sie sich nach den Angaben auf der Packung.
Wie bewahre ich die Prothese über Nacht auf?
Gereinigt in einer sauberen Prothesendose. Ob mit Wasser oder trocken, besprechen Sie am besten mit Ihrem Zahnarzt. Die Dose selbst sollte regelmäßig gereinigt werden.
Wer bezahlt eine professionelle Prothesenreinigung?
Meist ist sie eine private Leistung. Für Menschen mit Pflegegrad gibt es zusätzliche Kassenleistungen zur Mund- und Prothesenpflege, mehr dazu im Beitrag Zahnbehandlung bei Behinderung oder Pflegebedarf.
Lassen Sie den Sitz Ihrer Prothese einmal im Jahr bei der Kontrolle prüfen. Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung. Stand: Oktober 2026.
Quellen