Mundtrockenheit, veränderter Geschmack, wunde Schleimhaut: Was nach einer Corona-Infektion im Mund zurückbleiben kann, was dahintersteckt und wie Sie Ihre Zähne in dieser Zeit schützen.
Nach einer Corona-Infektion berichten manche Menschen über Wochen oder Monate von Mundtrockenheit, Geschmacksstörungen, Zahnfleischbluten oder wunden Stellen im Mund. Die Forschung dazu ist noch jung, ein eindeutiger Zusammenhang lässt sich im Einzelfall oft nicht beweisen. Sicher ist aber: Ein dauerhaft trockener Mund erhöht das Kariesrisiko, und dagegen können Sie gemeinsam mit Ihrer Zahnarztpraxis viel tun.
Eine Patientin, Mitte vierzig, kam zur Kontrolle und sagte gleich zu Beginn, ihr Kaffee schmecke seit der Infektion im Frühjahr „irgendwie verbrannt“. Nebenbei erwähnte sie, dass sie nachts drei- oder viermal aufwache, weil ihr Mund so trocken sei. An zwei Zahnhälsen fanden wir beginnende Karies, die ein halbes Jahr zuvor noch nicht da war.
Solche Verläufe sind kein Grund zur Panik. Sie zeigen aber, warum es sich lohnt, Beschwerden im Mund nach einer Infektion ernst zu nehmen und in der Praxis offen anzusprechen.
Was bedeutet Long COVID eigentlich?
Als Long COVID bezeichnet man gesundheitliche Beschwerden, die länger als vier Wochen nach einer Corona-Infektion bestehen oder danach neu auftreten. Halten sie über zwölf Wochen an, spricht man vom Post-COVID-Syndrom. In beiden Fällen gilt: Die Beschwerden dürfen sich nicht besser durch eine andere Ursache erklären lassen.
Wie viele Menschen betroffen sind, ist schwer zu sagen. Frühe Studien aus den Jahren 2020 und 2021 gingen von 6 bis 15 Prozent der Infizierten aus. Neuere Auswertungen kommen auf deutlich niedrigere Werte, und nach den Omikron-Varianten sowie mit Impfschutz scheint Long COVID seltener aufzutreten. Typisch sind Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Kurzatmigkeit, Schlafstörungen und eben auch Riech- und Geschmacksstörungen.
Welche Beschwerden im Mund können nach Corona bleiben?
Am häufigsten genannt werden ein veränderter oder abgeschwächter Geschmack und ein trockener Mund. Daneben beschreiben Betroffene Zahnfleischbluten, wunde Stellen oder kleine Geschwüre an Lippen, Zunge und Wangenschleimhaut, Schwierigkeiten beim Kauen und das Gefühl, die Zähne hätten sich verändert.
Eine britische Befragung mit 104 Erwachsenen gibt einen Eindruck davon, wie belastend das sein kann. 69 Prozent berichteten von mindestens einer Mundbeschwerde im Zusammenhang mit COVID-19, bei 47 Prozent hielt sie länger als drei Monate an. Gleichzeitig war nur gut ein Viertel deswegen beim Zahnarzt. Die Stichprobe ist klein und nicht repräsentativ, das Muster dürfte vielen Praxen aber bekannt vorkommen.
Eine große Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 mit über hundert Studien fand, dass Geschmacks- und Geruchsstörungen am längsten anhalten. Etwa 60 Prozent der Betroffenen besserten sich innerhalb von drei Monaten, bei bis zu knapp 15 Prozent blieben die Beschwerden länger bestehen. Die Autorinnen und Autoren weisen allerdings darauf hin, dass viele der eingeschlossenen Studien methodische Schwächen haben.
Warum wird der Mund nach einer Corona-Infektion trocken?
Eine einzelne Erklärung gibt es nicht. Diskutiert wird ein Zusammenspiel aus der Virusinfektion selbst, der Immunreaktion danach, Medikamenten und Stress. Wer längere Zeit erschöpft ist, trinkt außerdem oft weniger und atmet nachts häufiger durch den Mund.
Medikamente sind ein Punkt, den viele unterschätzen. Hunderte Wirkstoffe können den Speichelfluss verringern, darunter manche Mittel gegen Bluthochdruck, Depressionen oder Blasenbeschwerden. Gerade in der Long-COVID-Zeit kommen nicht selten neue Präparate hinzu. Setzen Sie Medikamente aber nie eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, ob eine Umstellung möglich ist.
Warum Speichel so wichtig ist, lesen Sie im Beitrag über Speichel. Kurz gesagt spült er Speisereste weg, puffert Säuren und liefert Mineralien, mit denen sich der Zahnschmelz nach jeder Mahlzeit erholt. Fehlt er, steigt das Risiko für Karies und für Pilzinfektionen im Mund.
Was hilft bei Geschmacks- und Geruchsstörungen nach Corona?
Vieles, was wir als Geschmack erleben, ist in Wahrheit Geruch. Die Zunge selbst erkennt nur süß, sauer, salzig, bitter und umami. Das Aroma von Kaffee, Erdbeeren oder Bratkartoffeln nimmt überwiegend der Riechnerv wahr. Wer sagt, „ich schmecke nichts mehr“, hat deshalb häufig vor allem eine Riechstörung.
Die gute Nachricht: Bei den meisten Menschen erholt sich der Geruchssinn nach einer Corona-Infektion innerhalb von ein bis zwei Monaten. Laut der HNO-Leitlinie berichteten etwa sechs Monate nach der Infektion mehr als 80 Prozent von einer weitgehenden Erholung, nach Omikron treten Riechstörungen zudem seltener auf. Verzerrte Gerüche, bei denen etwa Kaffee plötzlich nach Verbranntem riecht, können sich allerdings über Monate hinziehen.
Für länger anhaltende Störungen empfiehlt die Patientenleitlinie Long/Post-COVID ein Riechtraining: morgens und abends jeweils etwa 30 Sekunden an vier verschiedenen Duftproben schnuppern, zum Beispiel Rose, Zitrone, Eukalyptus und Gewürznelke. Das Training braucht Geduld und wird so lange fortgesetzt, bis sich der Geruchssinn normalisiert hat. Bleibt die Störung bestehen, ist eine HNO-ärztliche Abklärung sinnvoll.
Unser Tipp:
Schreiben Sie vor dem nächsten Zahnarzttermin auf, wann Ihre Beschwerden begonnen haben, welche Medikamente Sie seitdem neu einnehmen und wie oft Sie nachts wegen Mundtrockenheit aufwachen. Mit diesen drei Angaben kann Ihre Praxis Ihr Kariesrisiko deutlich besser einschätzen und die Kontrollabstände passend wählen.
Wie schützen Sie Ihre Zähne, wenn der Speichel fehlt?
Der wichtigste Baustein ist Fluorid. Die aktuelle S3-Leitlinie zur Kariesprävention empfiehlt für Erwachsene eine Zahnpasta mit mindestens 1000 ppm Fluorid, zweimal täglich. Bei erhöhtem Kariesrisiko, vor allem an freiliegenden Zahnhälsen, kann Ihre Zahnärztin eine höher dosierte Zahnpasta mit 5000 ppm verordnen. Sie ist rezeptpflichtig und erst ab 16 Jahren zugelassen. Ergänzend kommen Fluoridlack in der Praxis, Fluoridgel oder eine fluoridhaltige Mundspülung infrage. Mehr dazu finden Sie im Beitrag Fluorid als Kariesschutz.
Im Alltag hilft es, regelmäßig kleine Schlucke Wasser zu trinken, besonders zu den Mahlzeiten. Zuckerfreier Kaugummi oder zuckerfreie Lutschbonbons regen den Speichelfluss an, Produkte mit Xylit können zusätzlich vor Karies schützen. Ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer macht die Nächte oft angenehmer. Koffein, Alkohol und Tabak trocknen dagegen weiter aus, scharfe oder salzige Speisen brennen auf trockener Schleimhaut.
Speichelersatzmittel als Spray oder Gel können die Beschwerden lindern, ersetzen aber nicht die Schutzwirkung echten Speichels. Welche weiteren Möglichkeiten es gibt, lesen Sie im Ratgeber Mundtrockenheit. Wenn sich im Mund weiße, abwischbare Beläge oder ein Brennen bilden, kann eine Pilzinfektion dahinterstecken, die behandelt werden sollte.
Was kann die Zahnarztpraxis bei Long COVID tun?
Eine spezielle Untersuchung, die beweist, dass Mundbeschwerden von COVID-19 kommen, gibt es nicht. In der Praxis geht es deshalb darum, andere Ursachen auszuschließen und die Folgen im Blick zu behalten. Dazu gehören ein Gespräch über den zeitlichen Verlauf und die Medikamente, ein Blick auf Schleimhaut und Zahnfleisch und gegebenenfalls eine Messung, wie viel Speichel Sie bilden.
Bei trockenem Mund sind kürzere Kontrollabstände oft sinnvoll, damit beginnende Karies früh auffällt, solange sie sich noch mit Fluorid aufhalten lässt. Blutet das Zahnfleisch dauerhaft, sollte eine Parodontitis abgeklärt werden. Und weil Long COVID viele Organe betreffen kann, ist der Austausch mit der Hausarztpraxis hilfreich. Sie bleibt die erste Anlaufstelle für die Gesamtbehandlung.
Wer mit Erschöpfung zu kämpfen hat, darf das ruhig sagen. Kürzere Termine oder ein Termin zu einer Tageszeit, zu der Sie sich meist besser fühlen, lassen sich in vielen Praxen einrichten.
Was zahlt die Krankenkasse bei Mundbeschwerden nach Corona?
Eine eigene Kassenleistung für Long COVID im Mund gibt es nicht. Es gelten die üblichen Regeln: Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf zwei Kontrolluntersuchungen im Jahr und einmal jährlich auf die Entfernung von Zahnstein. Liegt eine Parodontitis vor, übernimmt die Kasse nach vorheriger Genehmigung die systematische Behandlung einschließlich der unterstützenden Nachsorge über zwei Jahre.
Die professionelle Zahnreinigung gehört nicht zu den gesetzlichen Regelleistungen. Viele Kassen geben aber freiwillig einen Zuschuss, laut Verbraucherzentrale meist zwischen 20 und 100 Euro pro Reinigung, manche nur einmal im Jahr. Welche Kasse wie viel zahlt, haben wir im Vergleich der PZR-Zuschüsse zusammengestellt. Fragen Sie im Zweifel direkt bei Ihrer Krankenkasse nach.
Wann sollten Sie mit Mundbeschwerden nach Corona zum Zahnarzt?
Wenn Ihr Mund länger als ein paar Wochen trocken bleibt, sollten Sie nicht bis zur nächsten Routinekontrolle warten. Dasselbe gilt für Zahnfleischbluten, das nicht von selbst aufhört, für wunde Stellen, die nach zwei Wochen nicht abgeheilt sind, und für neue Schmerzen an Zähnen oder Zahnhälsen.
Eine Diagnose aus der Ferne ist bei solchen Beschwerden nicht möglich. Ein kurzer Blick in den Mund klärt dagegen oft schon viel. Wenn Sie eine Praxis suchen, die sich Zeit für ein ausführliches Gespräch nimmt, können Sie hier eine Partnerpraxis in Ihrer Nähe finden und direkt einen Termin anfragen.
Kann Long COVID Mundtrockenheit verursachen?
Mundtrockenheit wird nach Corona-Infektionen häufig berichtet. Ob das Virus selbst, die Immunreaktion, neue Medikamente oder zu wenig Trinken die Ursache sind, lässt sich im Einzelfall oft nicht klären. Wichtig ist, den trockenen Mund behandeln zu lassen, weil er das Kariesrisiko erhöht.
Wie lange dauern Geschmacksstörungen nach Corona?
Bei den meisten Menschen erholen sich Geruch und Geschmack innerhalb von ein bis zwei Monaten, nach etwa sechs Monaten berichten über 80 Prozent von einer weitgehenden Erholung. Verzerrte Gerüche können länger anhalten. Ein regelmäßiges Riechtraining kann bei anhaltenden Störungen sinnvoll sein.
Was kann ich zu Hause gegen einen trockenen Mund tun?
Trinken Sie regelmäßig kleine Schlucke Wasser, kauen Sie zuckerfreien Kaugummi und nutzen Sie nachts einen Luftbefeuchter. Koffein, Alkohol und Tabak verstärken die Trockenheit. Putzen Sie zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta und fragen Sie in der Praxis nach zusätzlichem Fluoridschutz.
Zahlt die Krankenkasse eine professionelle Zahnreinigung bei Long COVID?
Die professionelle Zahnreinigung ist keine gesetzliche Regelleistung, auch nicht bei Long COVID. Viele Kassen zahlen aber freiwillig einen Zuschuss. Eine notwendige Parodontitisbehandlung übernimmt die Kasse nach Genehmigung.
Kann mein Zahnarzt feststellen, ob ich Long COVID habe?
Nein, Long COVID wird ärztlich festgestellt, erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Die Zahnarztpraxis kann aber Veränderungen im Mund erkennen, andere Ursachen prüfen und die Zähne gezielt schützen. Erzählen Sie dort ruhig von Ihrer Infektion und Ihren Beschwerden.
Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern.
Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.