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Allergie beim Zahnarzt: Betäubung, Latex und Kunststoffe

Echte Allergien gegen die Betäubungsspritze sind selten, Reaktionen auf Latex, Kunststoffe oder Desinfektionsmittel kommen dagegen vor. Hier erfahren Sie, welche Stoffe in der Zahnarztpraxis eine Rolle spielen und wie Sie eine Allergie abklären lassen.

Eine echte Allergie gegen die örtliche Betäubung beim Zahnarzt ist selten. Wenn nach der Spritze Beschwerden auftreten, stecken häufiger Kreislaufreaktionen, Angst oder eine Überempfindlichkeit gegen Zusatzstoffe dahinter. Anders sieht es bei Latex, bestimmten Kunststoffen und dem Desinfektionsmittel Chlorhexidin aus. Hier gibt es belegte allergische Reaktionen, teils auch schwere.

Wer bereits weiß, dass er auf etwas allergisch reagiert, sollte das der Praxis vor der Behandlung sagen und seinen Allergiepass mitbringen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Stoffe in der Zahnarztpraxis Allergien auslösen können, wie eine Allergie zuverlässig abgeklärt wird und was im Notfall passiert.

Inhalt

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    Wie häufig ist eine Allergie gegen die Betäubungsspritze?

    In Deutschland wird für die örtliche Betäubung beim Zahnarzt fast ausschließlich Articain verwendet, nach einer Übersicht in den Zahnärztlichen Mitteilungen mit einem Marktanteil von 97 Prozent. Articain gehört zu den Lokalanästhetika vom sogenannten Amid-Typ, benannt nach seiner chemischen Struktur. Allergien gegen Articain sind ausgesprochen selten.

    Die Autoren dieser Übersicht verweisen auf eine Auswertung von Fallberichten und Fallserien aus 25 Jahren mit insgesamt 1.333 Teilnehmenden. Nur bei 29 von ihnen ließ sich eine echte Articain-Allergie durch Haut- oder Provokationstests bestätigen. Meist handelte es sich um Sofortreaktionen. Dass jemand mit einer Articain-Allergie auch auf andere Amid-Lokalanästhetika reagierte, kam in dieser Auswertung nur dreimal vor.

    Eine zahnmedizinische Studie aus dem Jahr 2011 zeichnet ein ähnliches Bild. Die Autoren zitieren die Schätzung, dass nur etwa ein Prozent aller Reaktionen während einer örtlichen Betäubung allergisch bedingt ist. Bei den 20 untersuchten Patientinnen und Patienten, die früher auf eine Spritze reagiert hatten, ließ sich keine Allergie eindeutig bestätigen.

    Was steckt sonst hinter Beschwerden nach der Spritze?

    Wer nach einer Betäubung zittert, schwitzt oder kurz das Gefühl hat, umzukippen, denkt schnell an eine Allergie. Häufiger sind andere Ursachen. In der Fachliteratur werden vor allem vasovagale Reaktionen genannt, also Kreislaufreaktionen, bei denen Puls und Blutdruck plötzlich absinken. Dazu kommen Angst und psychosomatische Reaktionen, Wirkungen des gefäßverengenden Zusatzes Adrenalin und selten eine zu hohe Wirkstoffmenge im Blut, etwa wenn ein Teil der Lösung in ein Blutgefäß gelangt.

    Die Autoren der Übersicht in den Zahnärztlichen Mitteilungen betonen, dass psychogene Reaktionen eine Allergie vortäuschen können. Insgesamt geben sie die Komplikationsrate bei örtlicher Betäubung mit 4,5 Prozent an. Die meisten dieser Komplikationen gehen vorüber und brauchen keine besondere Behandlung.

    Eine frühere unangenehme Erfahrung ist deshalb kein Beweis für eine Allergie. Erzählen Sie trotzdem davon, damit die Praxis sie richtig einordnen kann. Wenn die Spritze Ihnen grundsätzlich Sorgen macht, lesen Sie unseren Ratgeber Angst vor der Spritze beim Zahnarzt.

    Welche Rolle spielen Sulfit und Konservierungsstoffe?

    Manchmal reagiert der Körper nicht auf den Wirkstoff, sondern auf einen Begleitstoff. Lokalanästhetika mit Adrenalin enthalten Sulfit als Antioxidans, damit das Adrenalin stabil bleibt. Eine Sulfit-Überempfindlichkeit betrifft nach Angaben der Übersicht in den Zahnärztlichen Mitteilungen 2,9 bis 4,5 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Es handelt sich um eine sogenannte Pseudoallergie, bei der keine Antikörper vom Typ IgE beteiligt sind. Haut- und Bluttests fallen deshalb oft negativ aus.

    Ein zweiter Zusatzstoff ist der Konservierungsstoff Methylparaben. Er steckt nur in Mehrfachentnahmeflaschen, aus denen mehrere Spritzen aufgezogen werden. Wegen des zusätzlichen Allergierisikos gelten diese Flaschen laut den Autoren nicht als empfehlenswert.

    Bei Reaktionen auf Zusatzstoffe sind Präparate ohne Adrenalin vorzuziehen. Erzählen Sie in der Praxis deshalb auch, wenn Sie auf geschwefelte Lebensmittel reagieren. Diese Information kann bei der Wahl der Betäubung helfen.

    Was tun bei einer Latexallergie?

    Naturlatex steckt in vielen medizinischen Produkten, von Handschuhen bis zu Gummiteilen an Instrumenten. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) unterscheidet zwei Formen. Die Soforttyp-Allergie richtet sich gegen Eiweiße im Naturlatex und kann Fließschnupfen, Atembeschwerden oder Quaddeln auslösen. Die Kontaktallergie vom Spättyp wird durch Zusatzstoffe aus der Herstellung ausgelöst und zeigt sich eher als Ekzem.

    Der DAAB rät, bei jedem Arztbesuch auf die Latexallergie hinzuweisen und den Allergiepass vorzuzeigen. Die australisch-neuseeländische Fachgesellschaft für klinische Immunologie und Allergie (ASCIA) hat Empfehlungen speziell für Zahnarztpraxen veröffentlicht:

    • Latexfreie, puderfreie Handschuhe, etwa aus Nitril, verwenden.
    • Statt eines Latex-Kofferdams, eines Spanngummis zum Abschirmen einzelner Zähne, einen Kofferdam aus Silikon einsetzen.
    • Latexallergische Patienten als Erste am Morgen einbestellen, damit sie möglichst wenig Latexpartikeln aus der Raumluft ausgesetzt sind.
    • Polierkelche aus Gummi und Gummigriffe an Instrumenten prüfen und bei Bedarf ersetzen.

    Ob eine Praxis diese Punkte umsetzen kann, klären Sie am besten schon bei der Terminvereinbarung. Bei einer schweren Latexallergie lohnt sich das ausdrückliche Nachfragen.

    Unser Tipp:

    Fotografieren Sie Ihren Allergiepass und speichern Sie das Bild auf dem Handy. Dann haben Sie die Angaben auch dabei, wenn der Pass zu Hause liegt. Erwähnen Sie Ihre Allergie schon bei der Terminvereinbarung, damit die Praxis sich vorbereiten kann. Über die DentNet-Zahnarztsuche finden Sie eine Praxis in der Nähe und können online einen Termin anfragen.

    Können Kunststoffe in Füllungen und Prothesen eine Allergie auslösen?

    Viele zahnärztliche Werkstoffe enthalten Acrylate und Methacrylate. Das sind kleine Bausteine, sogenannte Monomere, die sich beim Aushärten zu einem festen Kunststoff verbinden. Sie finden sich zum Beispiel in Kompositfüllungen, in zahnärztlichen Haftvermittlern und in Prothesenkunststoffen. Wie Kompositfüllungen aufgebaut sind, beschreibt unser Ratgeber zu Kompositfüllungen.

    Besonders gefährdet sind laut der Hautarzt-Plattform DermNet die Menschen, die täglich mit den noch flüssigen Materialien arbeiten, also Zahnärztinnen, Zahnärzte und Zahntechniker. Typisch ist ein allergisches Kontaktekzem an Fingern und Händen. Methylmethacrylat dringt innerhalb von Minuten durch Latex- und Vinylhandschuhe, Nitrilhandschuhe schützen besser.

    Bei Patientinnen und Patienten ist die Lage anders, weil der Kunststoff im Mund ausgehärtet ist. Wer dennoch Brennen oder Rötungen unter einer Prothese bemerkt, sollte das untersuchen lassen, denn dafür gibt es verschiedene mögliche Ursachen. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag zu Prothesenstomatitis und Mundgeruch unter der Prothese. Wer eine bekannte Acrylat-Allergie hat, etwa nach Kunstnägeln, sollte das vor einer Füllung oder neuen Prothese ansprechen.

    Und Metalle?

    Auch Metalle im Mund werden immer wieder als Auslöser von Unverträglichkeiten genannt. Dieses Thema behandeln wir ausführlich in eigenen Beiträgen zur Metallallergie und Unverträglichkeit bei Zahnersatz und zur Titanallergie.

    Ist Chlorhexidin ein Allergie-Risiko?

    Chlorhexidin ist ein weit verbreitetes Antiseptikum, also ein Mittel, das Keime auf Haut und Schleimhaut abtötet. In der Zahnmedizin begegnet es Ihnen vor allem in Mundspüllösungen und Gelen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat 2013 daran erinnert, dass Chlorhexidin schwere, teils lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen kann. Anlass waren neue Fallberichte.

    Wer schon einmal auf Chlorhexidin reagiert hat, sollte chlorhexidinhaltige Produkte meiden und die Praxis vor jeder Behandlung darauf hinweisen. Im Zweifel wird ein Verdacht allergologisch abgeklärt. Das gilt auch, wenn die Reaktion nicht beim Zahnarzt, sondern etwa nach einer Operation oder einem Blasenkatheter aufgetreten ist, denn Chlorhexidin kommt auch dort zum Einsatz.

    Wie wird eine Allergie zuverlässig abgeklärt?

    Ob wirklich eine Allergie vorliegt, klärt eine Allergologin oder ein Allergologe, häufig in einer Hautarztpraxis oder einer Klinik. Grundlage ist ein ausführliches Gespräch über die frühere Reaktion. Bringen Sie dafür möglichst Unterlagen mit, etwa den Namen des Betäubungsmittels aus dem Behandlungsbericht.

    Danach folgen je nach Verdacht unterschiedliche Tests. Bei einer Kontaktallergie gegen Kunststoffe oder Metalle wird meist ein Epikutantest gemacht. Dabei werden kleine Mengen der Testsubstanzen werden mit Pflastern auf die Haut geklebt und später abgelesen. Bei Verdacht auf eine Reaktion gegen das Betäubungsmittel kommen Hauttests und, wenn nötig, ein Provokationstest infrage. Dabei wird das Mittel unter ärztlicher Aufsicht in steigender Menge gegeben.

    Die Autoren der Übersicht in den Zahnärztlichen Mitteilungen raten, Patientinnen und Patienten in unklaren Fällen gezielt Testmaterial mitzugeben, zum Beispiel je eine Karpule, also eine kleine Zylinderampulle, mit und ohne Adrenalin. So wird geprüft, welches Präparat Sie tatsächlich vertragen. Das Ergebnis gehört in Ihren Allergiepass.

    Was passiert bei einer allergischen Reaktion in der Praxis?

    Die schwerste Form einer allergischen Reaktion ist die Anaphylaxie, eine Reaktion, die den ganzen Körper erfassen und lebensbedrohlich werden kann. Nach der deutschsprachigen Leitlinie zur Akuttherapie und zum Management der Anaphylaxie ist Adrenalin das Mittel der Wahl. Danach wird immer der Notruf 112 gewählt. Bei Erwachsenen zählen Arzneimittel zu den häufigsten Auslösern, neben Insektengiften und Nahrungsmitteln.

    Wenn Ihnen nach einer früheren Anaphylaxie ein Notfallset verordnet wurde, nehmen Sie es auch zum Zahnarzttermin mit. Laut der Leitlinie besteht es in der Regel aus folgenden Teilen:

    • einem Adrenalin-Autoinjektor, der in den äußeren Oberschenkel gedrückt wird
    • einem Antihistaminikum
    • einem Kortisonpräparat
    • gegebenenfalls einem Asthma-Notfallspray

    Zu den Warnzeichen einer Anaphylaxie zählt die Leitlinie unter anderem Quaddeln, Schwellungen an Lippen oder Zunge, Schluckbeschwerden, Atemnot und Schwindel. Treten solche Beschwerden nach dem Termin auf, rufen Sie sofort den Notruf 112. Hatten Sie früher eine unklare Reaktion, lassen Sie diese vor der nächsten Behandlung abklären und besprechen Sie das Ergebnis mit Ihrer Zahnärztin. Über die DentNet-Zahnarztsuche finden Sie eine Praxis in Ihrer Nähe.

    Häufige Fragen

    Kann ich nach einer Reaktion auf die Spritze trotzdem örtlich betäubt werden?

    In den meisten Fällen ja. Ist eine Articain-Allergie nachgewiesen, kommen nach Angaben von Fachautoren in den Zahnärztlichen Mitteilungen andere Wirkstoffe wie Lidocain oder Mepivacain infrage. Bei Reaktionen auf Zusatzstoffe werden Präparate ohne Adrenalin bevorzugt. Welches Mittel passt, sollte vorher allergologisch geklärt werden.

    Warum sollte ich Asthma in der Zahnarztpraxis erwähnen?

    Eine Überempfindlichkeit gegen Sulfit, das in adrenalinhaltigen Betäubungsmitteln steckt, ist bei Menschen mit Asthma häufiger. Die Zahnärztlichen Mitteilungen nennen 3 bis 10 Prozent der Asthmatiker, bei kortisonabhängigem Asthma deutlich mehr. Mit dieser Information kann die Praxis die Betäubung passend auswählen.

    Welche Lebensmittel können bei einer Latexallergie Probleme machen?

    Der Deutsche Allergie- und Asthmabund nennt Kreuzreaktionen mit Früchten wie Avocado, Banane und Kiwi sowie mit rohen Kartoffeln. Auch Pflanzen wie Ficus benjamini können Beschwerden auslösen. Wer solche Reaktionen bemerkt, sollte sie bei der allergologischen Abklärung ansprechen.

    Ist eine ausgehärtete Kunststofffüllung noch allergieauslösend?

    Nach Angaben von DermNet gelten ausgehärtete Acrylate als weitgehend reaktionsarm, das Allergierisiko geht vor allem von den noch nicht ausgehärteten Monomeren aus. Eine bekannte Acrylat-Allergie sollten Sie trotzdem vor der Behandlung ansprechen, damit die Praxis den Kontakt mit unausgehärtetem Material gering hält.

    Was steht in einem Allergie- oder Anaphylaxie-Pass?

    Der ärztlich ausgestellte Pass enthält Angaben zur Person, zu den Auslösern, zu den verordneten Notfallmedikamenten und zum Vorgehen im Notfall. Er gehört zusammen mit dem Notfallset immer ins Gepäck. Zeigen Sie ihn bei jedem Arzt- und Zahnarztbesuch vor.

    Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.

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