Zahnversiegelung – Schutzschild gegen Karies

Die Kauflächen unserer Zähne weisen Höcker und tiefe Grübchen auf. Diese Grübchen werden Fissuren genannt (lateinisch für "Spalte" oder "Einschnitt"). Was für die Kaufunktion ideal ist, macht aber auch Probleme: Speisereste in tief zerklüfteten Fissuren lassen sich auch bei sorgfältiger Zahnpflege nicht immer vollständig entfernen. Das bedeutet, Mikroorganismen und zahnschädigende Bakterien können sich dort ansiedeln und den Zahnschmelz angreifen. Besonders die Zähne von Kindern sind nach dem Durchbruch in die Mundhöhle gefährdet, da der Zahnschmelz neuer Zähne noch nicht ausgehärtet und sehr anfällig für Karies ist.

Was sind bleibende Backenzähne?

Unter dem Milchgebiss von kleinen Kindern warten schon alle späteren bleibenden Zähne auf ihren Auftritt. Nach und nach fallen die Milchzähne aus. Wenn die ersten bleibenden Backenzähne durchbrechen, geschieht das allerdings meistens unbemerkt, da diese direkt hinter den letzten Milchbackenzähnen erscheinen und kein anderer Zahn dafür ausfallen muss. Diese starken Backenzähne, auch Molaren genannt, sind im Kiefer jeweils die beiden letzten Mahlzähne vor den Weisheitszähnen. Diese neuen „Erwachsenenzähne“ brechen etwa im Alter von sechs Jahren durch und heißen deshalb auch „Sechsjahrmolaren". Sie zeichnen sich durch die größten Kauflächen unter allen Zähnen aus, sind mit mehreren kräftigen Wurzeln im Kiefer verankert und sorgen mit ihren Höckern und Furchen für eine gute Zerkleinerung der Nahrung.

Warum sollten Fissuren versiegelt werden?

In den Rillen und Furchen der großen Backenzähne setzen sich oft kleinste Lebensmittelreste fest, insbesondere Stärke, Süßigkeiten und klebriges Essen. Selbst wenn Ihr Kind zu Hause gute Mundhygiene gelernt hat, können die Borsten der Zahnbürste diese Speisereste nicht vollständig aus tiefen Fissuren entfernen. Und wo Reste hängen bleiben, macht der Zahn irgendwann Probleme: Kariesbakterien können sich dort vermehren, greifen den harten Zahnschmelz an, und die zukünftige Zahngesundheit ist gefährdet. Eine präventive Fissurenversiegelung dieser dauerhaften Backenzähne kann einem Zahnverfall bei Ihrem Kind effektiv entgegenwirken. Die Behandlung ist auch noch möglich, wenn schon eine oberflächliche Schmelzkaries besteht.

Auch bei Erwachsenen mit erhöhtem Kariesrisiko kann eine Fissurenversiegelung empfohlen werden, wenn ihre Zähne tiefe Fissuren aufweisen und sie durch mentale oder körperliche Probleme Schwierigkeiten bei der Zahnpflege haben.  

Was passiert bei der Fissurenversiegelung?

Die betroffenen Zähne werden zunächst gründlich gereinigt und trockengelegt, da die Versiegelung nicht auf feuchtem Untergrund haftet. Dazu verwendet der Zahnarzt entweder Watteröllchen oder einen sogenannten "Kofferdam", der das Areal gegen den Speichel abschirmt. Anschließend wird der Zahnschmelz oberflächlich mit einem schwachen Säure-Gel angeraut, um der Versiegelung genug Haftung zu geben. Dann werden die Fissuren auf den Kauflächen mit einer dünnen Schicht aus speziellem Kunststoff versiegelt, der unter einem fokussierten Licht aushärtet, oder mit einer Zementmischung. Danach prüft der Zahnarzt, ob die Kauflächen gut aufeinander passen. Eventuell wird hier und da noch etwas nachpoliert und zuletzt der Zahn fluoridiert. Die so versiegelten Zähne sind rund acht bis zehn Jahre vor Kariesbefall geschützt. Bei regelmässigen Kontrolluntersuchungen wird geprüft, ob der Schutz noch intakt ist oder – falls nötig – erneuert werden muss. 

Was ist die erweiterte Fissurenversiegelung?

Falls an der Kaufläche eines Zahnes bereits eine kleine Karies entstanden ist, wird der Zahnarzt den Befall minimalinvasiv entfernen und diese Stelle zusammen mit den Fissuren ebenfalls versiegeln. Da dabei ein wenig Zahnsubstanz entfernt werden muss, handelt es sich bei dieser Art der Behandlung schon fast um eine kleine Zahnfüllung mit anschließender Versiegelung.

Ist eine Fissurenversiegelung schmerzhaft?

Das Aufbringen der Fissurenversiegelung auf die Zähne ist ein schonendes und schmerzloses Verfahren, das ein Kinderzahnarzt in wenigen Minuten durchführen kann. Für ein Kind kann es allerdings etwas unangenehm sein, den Mund für eine längere Zeit geöffnet zu lassen und stillzusitzen.

Was spricht gegen eine Fissurenversiegelung?

Für ein optimales Ergebnis ist die Vorbereitung der Behandlung und die penible Trockenlegung der zu versiegelnden Zähne extrem wichtig, da der Kunststoff sonst nicht hält. Auch die kleinen Patienten sollten also kooperativ sein und trotz eines Kofferdams stillhalten können, damit die Zahnversiegelung aufgebracht werden und dauerhaft schützen kann. Zähne, die schon Füllungen haben, können nicht versiegelt werden. Wenn ein Teil der Fissurenversiegelung abbricht, besteht an den Rändern ebenfalls ein erhöhtes Kariesrisiko. Da die Versiegelung undurchsichtig ist, besteht in seltenen Fällen die Gefahr, dass sich Karies unentdeckt unterhalb der Schutzhülle ausbreitet. Eine allergische Reaktion auf die verwendeten Kunststoffe ist nur äußerst selten aufgetreten. 

Wer trägt die Kosten einer Fissurenversiegelung?

Für Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen ausschließlich die Fissurenversiegelung der bleibenden großen Backenzähne (jeweils die beiden letzten Zähne vor den Weisheitszähnen). Die Versiegelung weiterer Zähne muss der Patient selber tragen. Auch Erwachsene müssen ihre Zahnversiegelung aus eigener Tasche bezahlen. Es entstehen Kosten in Höhe von etwa 15–40 Euro pro behandeltem Zahn. Wenn Sie eine private Zusatzversicherung haben, sind diese Kosten häufig mitversichert. 

Fazit:

Zähne können im Idealfall ein Leben lang halten. Eine Fissurenversiegelung kann Sie und Ihr Kind vor frühzeitigen Schäden im bleibenden Gebiss und aufwendigen Zahnbehandlungen bewahren. Ist Karies erst einmal entstanden, fällt die Behandlung deutlich aufwendiger und unangenehmer aus als die Vorbeugung. Lassen Sie sich von Ihrem Kinderzahnarzt individuell beraten, ob Sie die Zähne Ihres Kindes versiegeln lassen sollten. Dadurch sinkt das Risiko für  Karies um 80%.

Tipps zum Thema Fissurenversiegelung für gesunde Kinderzähne

  • Eine Zahnversiegelung ist sinnvoll, wenn sie kurz nach dem Durchbrechen der bleibenden Zähne angewendet wird. Dies bedeutet, dass Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren am meisten von dieser Vorsorgemaßnahme profitieren.
  • Die Versiegelung wird in der Regel zweimal durchgeführt: im Alter von 6 Jahren, wenn die ersten Backenzähne durchbrechen, und im Alter von 12 Jahren, wenn die zweiten Backenzähne kommen.
  • Es hat sich gezeigt, dass die einmalige Anwendung von Zahnversiegelungen nach einem Jahr zu etwa 80 bis 90 Prozent gegen Karies wirkt und nach 8 bis 10 Jahren zu etwa 55 bis 85 Prozent.
  • Solange die Kunststoffschicht intakt bleibt, sind die tiefen Rillen der Kauflächen vor Karies geschützt.
  • Versiegelungen können acht bis zehn Jahre halten, bevor eine erneute Anwendung erforderlich ist.
  • Ihr Zahnarzt wird den Zustand der Zahnversiegelung bei Ihrem Kind überprüfen und falls nötig erneuern.
  • Die Borsten einer Zahnbürste sind oft nicht fein genug, um bis auf den Grund tiefer Fissuren vorzudringen. Zahnversiegelungen wirken vorbeugend und sind ein guter Schutz gegen Karies.
  • Die Fissurenversiegelung ist kein Ersatz für gute Zahnpflege. Auch mit Versiegelung geschützte Zähne müssen zwei Mal täglich gründlich geputzt und auch die Zahnzwischenräume gewissenhaft gereinigt werden, denn gerade dort ist das Kariesrisiko besonders hoch. 

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