Gerötete Schleimhaut, Brennen oder Mundgeruch unter der Prothese? So erkennen Sie eine Prothesenstomatitis, was Sie selbst tun können und wann Sie zum Zahnarzt sollten.
Kurz gesagt: Eine Prothesenstomatitis ist eine Entzündung der Schleimhaut unter der Prothese. Typisch ist eine Rötung, die sich genau auf die Fläche beschränkt, auf der die Prothese liegt, meist am Gaumen. Manchmal brennt es, der Atem riecht unangenehm oder die Mundwinkel reißen ein. Häufig sind Hefepilze wie Candida beteiligt. Gründliche Reinigung, eine nächtliche Tragepause und bei Bedarf ein Mittel vom Zahnarzt bringen die Entzündung in der Regel zum Abklingen. Bessert sie sich nach ein bis zwei Wochen guter Pflege nicht, gehört sie in die Praxis.
Viele Prothesenträger haben eine Prothesenstomatitis, ohne es zu wissen. Sie tut oft nicht weh und fällt erst auf, wenn der Zahnarzt bei der Kontrolle die Prothese herausnimmt. Allgemeines zu Pilzinfektionen im Mund finden Sie im Beitrag Pilzinfektion im Mund. Hier geht es speziell um die Entzündung unter der Prothese und um die Frage, woher der Geruch kommt.
Woran Sie sie erkennen
Nehmen Sie die Prothese heraus und schauen Sie bei gutem Licht mit einem Spiegel auf Ihren Gaumen. Ist die Schleimhaut dort gerötet, wo die Prothese aufliegt, und endet die Rötung genau an deren Rand, ist das ein typisches Zeichen. Manchmal sieht man nur kleine rote Pünktchen, manchmal eine samtig gerötete, leicht geschwollene Fläche. Seltener zeigen sich weißliche Beläge, die sich abwischen lassen.
Dazu kommen bei manchen ein Brennen, vor allem bei scharfem oder saurem Essen, ein seltsamer Geschmack oder Mundgeruch. Auch eingerissene, gerötete Mundwinkel können dazugehören.
Wie es dazu kommt
Die Unterseite einer Prothese ist rauer, als man denkt, und genau dort halten sich Bakterien und Hefepilze gern auf. Wird die Prothese nicht gründlich gereinigt oder rund um die Uhr getragen, finden sie ideale Bedingungen. Nachts fehlt zudem der Speichel, der die Schleimhaut tagsüber schützt.
Weitere Faktoren können das Risiko erhöhen:
| Faktor | Warum er eine Rolle spielt |
| Schlecht sitzende Prothese | Reibung und kleine Verletzungen erleichtern die Entzündung |
| Trockener Mund | Weniger Speichel bedeutet weniger natürlichen Schutz |
| Diabetes, geschwächte Abwehr | Pilze können sich leichter ausbreiten |
| Antibiotika, Kortisonsprays, Immunsuppressiva | Verändern das Gleichgewicht im Mund |
| Rauchen | Beeinflusst Mundflora und Durchblutung der Schleimhaut |
Woher der Geruch kommt
Riecht es beim Herausnehmen der Prothese unangenehm, liegt das fast immer an Belägen und Speiseresten auf der Unterseite. Bakterien zersetzen sie und bilden dabei übel riechende Schwefelverbindungen. Häufige Mitverursacher sind Haftcreme-Reste, die tagelang nicht entfernt wurden, ein Spalt unter einer Prothese, die nicht mehr satt aufliegt, und ein vernachlässigter Zungenbelag. Bei Teilprothesen kann auch entzündetes Zahnfleisch an den eigenen Zähnen der Grund sein. Allgemeines zum Thema lesen Sie im Beitrag Mundgeruch.
Was Sie selbst tun können
Bei einer leichten Rötung reicht oft schon bessere Pflege. Putzen Sie die Prothese zweimal täglich gründlich, vor allem die Unterseite, und nehmen Sie sie nachts heraus. Reinigen Sie auch Gaumen, Kieferkamm und Zunge täglich mit einer weichen Bürste. Die Prothesendose wird gern vergessen, dabei können sich dort ebenfalls Pilze halten. Spülen Sie sie täglich aus. Haftcreme-Reste sollten jeden Abend vollständig entfernt werden. Wie Sie das am besten machen, steht im Beitrag Prothese reinigen und Haftcreme richtig anwenden.
Von Hausmitteln wie Essig oder ätherischen Ölen raten wir ab. Essig greift den Kunststoff an, und Öle können die ohnehin gereizte Schleimhaut zusätzlich reizen.
Wann Sie zum Zahnarzt sollten
Gehen Sie in die Praxis, wenn die Rötung nach ein bis zwei Wochen guter Pflege nicht zurückgeht, wenn es stark brennt oder Essen schmerzt, wenn Sie weiße Beläge oder blutende Stellen sehen oder die Mundwinkel nicht abheilen. Jede Veränderung der Mundschleimhaut, die länger als zwei Wochen besteht und nicht eindeutig zur Prothese passt, etwa eine Wunde oder ein Knoten, sollte grundsätzlich angesehen werden.
Der Zahnarzt untersucht Schleimhaut und Prothese und nimmt bei Bedarf einen Abstrich. Bei einem Pilzbefall verschreibt er meist ein Mittel gegen Pilze, zum Beispiel als Gel oder Suspension, das oft auch auf die Prothese aufgetragen wird. Wenden Sie es so lange an wie verordnet, auch wenn die Beschwerden schon früher nachlassen. Liegt es an der Prothese selbst, weil sie schlecht sitzt oder eine sehr raue Oberfläche hat, wird sie überarbeitet, unterfüttert oder professionell gereinigt. Kommen die Infektionen immer wieder, kann eine Abklärung beim Hausarzt sinnvoll sein, zum Beispiel auf einen bisher unentdeckten Diabetes.
Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche.
Häufige Fragen
Ist eine Prothesenstomatitis ansteckend?
Hefepilze kommen bei vielen Menschen ganz natürlich im Mund vor. Für gesunde Menschen ist eine Übertragung in der Regel unproblematisch. Bei geschwächtem Immunsystem kann das anders sein.
Brauche ich eine neue Prothese?
Meist nicht. Häufig genügen Behandlung und bessere Pflege. Ist die Prothese stark porös oder passt nicht mehr, kann eine Unterfütterung oder eine neue Prothese nötig sein.
Darf ich die Prothese während der Behandlung tragen?
Tagsüber in der Regel ja, nachts sollte sie heraus. Ob die Prothese zusätzlich mit dem Medikament behandelt wird, sagt Ihnen Ihr Zahnarzt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche oder ärztliche Untersuchung. Stand: Oktober 2026.
Quellen