Stiftzahn oder Implantat – was sind die Unterschiede?

Oft wird der Stiftzahn (auch Stiftkrone oder Jacketkrone genannt) mit einem Zahnimplantat verwechselt. Dabei gibt es – neben ein paar Ähnlichkeiten im Aufbau und der Behandlung – entscheidende Unterschiede zwischen den beiden Versorgungsarten. Beide Versorgungen tragen eine Zahnkrone, doch unterscheidet sich die Trägerplattform entscheidend. In einem Fall wird die eigene natürliche Zahnwurzel als Halterung genutzt, im anderen wird eine künstliche Zahnwurzel in den Kiefer gepflanzt. Dadurch unterscheiden sich die Kosten für einen Stiftzahn sehr von den Kosten für ein Zahnimplantat

Stiftzahn und Implantat – ein Vergleich

Der grundlegende Unterschied zwischen einem Stiftzahn und einem Implantat besteht darin, dass ein Implantat eine künstliche Zahnwurzel ist, die chirurgisch in den Kieferknochen eingepflanzt wird. Das Implantat verwächst nach einigen Wochen mit dem Kiefer und ist so eine belastbare neue Wurzel für eine neue passende Zahnkrone. Der Stiftzahn ist ein wurzelbehandelter Zahn, der von innen durch einen Stiftaufbau verstärkt wird und ebenfalls eine Krone trägt. Der betroffene Zahn ist dabei fest mit seiner eigenen natürlichen Wurzel im Kiefer verankert.

Nach der Einheilung kann auf dem Implantat Zahnersatz wie eine Krone oder eine Brücke befestigt werden. Die künstliche Zahnwurzel kann auch als Haltevorrichtung für Teil- oder Vollprothesen dienen, was eindrucksvoll in einem zahnlosen Kiefer bei einer All-on-4 Prothese angewendet wird. Ein Stiftzahn wird in die noch intakte Zahnwurzel eines natürlichen Zahns eingesetzt, der vorher wurzelbehandelt wurde und marktot ist. Stark geschädigte Zähne, deren Stumpf nicht mehr genug Substanz für eine Kronen- oder Brückenversorgung bietet, die aber noch eine gesunde Wurzel besitzen, können so neu aufgebaut und für eine Stiftkrone benutzt werden. Wenn der natürliche eigene Zahn ansonsten nicht mehr zu retten ist, kann ein Stiftzahn die letzte Möglichkeit sein, ihn so lange wie möglich zu erhalten. Für das Einsetzen des Stifts ist kein operativer Eingriff notwendig, und er kann im Gegensatz zum Implantat sofort belastet werden, da der Stift gleich im Zahn zementiert wird und nicht einwachsen muss. Ein weiterer Unterschied ist das Material. Implantate werden heute aus Keramik oder Titan gefertigt, während der Stift im Zahn aus Metall, Kunststoff, Glasfaser, Zirkon oder Karbon gefertigt werden kann. 

Zur Geschichte des Stiftzahns

Bereits im 19. Jahrhundert erfand der Amerikaner Marshall Logan eine Porzellanhülsenkrone mit einem Metallkern (Logan-Krone). Im Kern war ein Stift aus Platin eingebettet, der im aufgebohrten Wurzelkanal eines toten Zahns verankert wurde. Damals wurden Wurzelstift und Krone noch in einem Stück angefertigt, heute besteht eine Stiftkrone aus zwei Teilen, die nacheinander eingesetzt werden. So kann bei Beschädigungen eine neue Krone gesetzt werden, ohne dass der Stift aus der Zahnwurzel entfernt werden muss. 

Wie lange hält ein Stiftzahn?

Die Lebensdauer eines Stiftzahns hängt vom Zustand der natürlichen Zahnwurzel ab, in der der Stift verankert ist. Die Wurzelkanalbehandlung ist oft die letzte Station einer längeren Leidensgeschichte und einer Vielzahl von Behandlungen. Vielleicht hatte der Zahn schon eine Füllung oder trug schon mal eine Zahnkrone. Eine tote Zahnwurzel kann bei guter Mundhygiene zwar lange erhalten bleiben, aber der natürliche Alterungsprozess der Wurzel und die Kaubelastung können sie auf Dauer zerstören. Ein Stiftaufbau ist aufgrund seines Aufbaus empfindlicher, was übermäßige oder einseitige Belastungen betrifft. Die Lebensdauer kann bei sehr guter Mundhygiene fünf bis zehn Jahren oder länger betragen. 

Wo werden Stiftzähne im Kiefer eingesetzt?

Da die Statik eines Stiftzahns nur bedingt belastungsfähig ist, werden Stiftkronen ausschließlich im Front- und Seitenzahnbereich verwendet. Dabei kommen zwei verschiedene Anwendungsgebiete zum Einsatz. Das im Wurzelkanal verankerte Aufbausystem kann für eine Einzelzahnversorgung mit einer Zahnkrone erfolgen oder mehrere Stifte können Pfeiler für Brücken oder Teilprothesen bilden.

Ablauf eines Stiftaufbaus

Voraussetzung für einen Stiftaufbau ist immer eine erfolgreiche Wurzelbehandlung des Zahns. Der Wurzelkanal, der den Stift aufnehmen soll, muss vom Zahnarzt vorbereitet werden. Falls der Zahn mehrere Wurzelkanäle besitzt, muss der Zahnarzt entscheiden, in welchem er den Stiftaufbau einbringt oder ob mehrere Stifte notwendig sind. Gute Voraussetzungen haben Wurzelkanäle mit guter Knochenverankerung, möglichst geradem Verlauf, einem großen Durchmesser und der richtigen Einschubrichtung.

Direktes Verfahren – konfektionierter Stiftaufbau

Ein vorgefertigter Stift  – ein Radixanker aus Metall, Kunststoff, Glasfaser, Zirkonkeramik oder Karbon – wird in die Zahnwurzel einzementiert. Wenn der Stift fest im Wurzelkanal sitzt, wird daran der Aufbau modelliert, der später den Zahnersatz aufnimmt. Nach dem Aushärten wird der Aufbau beschliffen und mit einem Provisorium versorgt. Das direkte Verfahren ist kostengünstiger, da die Behandlung weniger Zeit in Anspruch nimmt und keine Kosten für Edelmetalle anfallen. 

Indirektes Verfahren – gegossener Stiftaufbau

Hier werden Stift und Aufbau anhand einer Gebissabformung individuell für den Patienten im Dentallabor hergestellt. Der Stift und der Aufbau für die Krone wird in einem Stück in Edelmetall gegossen und vom Zahnarzt in den Zahn einzementiert. Auf dem metallenen Stumpfaufbau kann der Zahnersatz angebracht werden. Dieses Verfahren eignet sich besonders, wenn die natürliche Zahnkrone vollständig zerstört ist. Durch die höhere Bruchfestigkeit der Metallstifte wird dieses Verfahren vor allem bei Seitenzähnen verwendet, wo höhere Kaubelastungen auftreten. 

Ihr Zahnarzt wird Ihnen die beste Behandlungsoption für Ihre wurzelbehandelten Zähne aufzeigen und ihnen den passenden Zahnersatz empfehlen.

Wie hoch sind die Kosten für einen Stiftzahn?

Die Kosten setzen sich individuell zusammen aus der vorhergehenden Wurzelbehandlung, dem eigentlichen Stiftaufbau und der künstlichen Krone. Sie sind außerdem abhängig von den verwendeten Materialien, dem angewandten Verfahren und der Position des Zahns im Gebiss. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich mit einem Festzuschuss im Rahmen der Regelversorgung, bei Härtefällen wird der doppelte Festzuschuss gewährt. Pro Zahn können die Kosten etwa zwischen 450 und 1.000 Euro variieren und sind damit deutlich geringer als die Kosten für Zahnimplantate.

Fazit

Implantat oder Stiftzahn: Diese Entscheidung sollten Sie in Ruhe gemeinsam mit Ihrem Zahnarzt treffen. Stiftaufbauten ersetzen keine fehlenden Zähne, sondern erhalten die intakte Wurzel natürlicher Zähne für eine gewisse Zeit, wenn eine gewöhnliche Überkronung nicht mehr möglich ist. Ein operativer Eingriff ist dafür nicht notwendig. Stiftzähne sind insgesamt kostengünstiger als Implantate, halten aber unter Umständen nicht so lange, da ein wurzelbehandelter Zahn nicht mehr so robust ist. Zahnimplantate ersetzen fehlende Zähne, zeichnen sich durch lange Haltbarkeit und hohe Sicherheit aus und können überall im Kiefer eingesetzt werden. Der anspruchsvolle Eingriff und die verwendeten Materialien sind Privatleistungen und verursachen hohe Kosten, da die Krankenkasse für die Überkronung eines Implantats nur den geringen Festzuschuss für die Regelversorgung mit festsitzendem Zahnersatz (bei einer Einzelzahnlücke ist das eine Zahnbrücke) übernimmt. 


Dieser Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist nicht als Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung gedacht. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.