Das Abutment – der Stützpfeiler für implantatgetragenen Zahnersatz

Wenn Ihnen dieser englische Fachbegriff aus der Zahnmedizin noch nicht begegnet ist, dann haben Sie vermutlich keine Implantate im Kiefer. Implantate sind künstliche Zahnwurzeln, die in den Kieferknochen eingebracht werden und dort fest verwachsen. Auf ihnen kann festsitzender Zahnersatz angebracht werden, sie können aber auch Prothesen als Verankerung dienen. Das Verbindungsstück zwischen der Ersatzwurzel im Knochen und dem Zahnersatz bildet das Abutment.

Was ist ein Abutment?

Ein Zahnimplantat besteht aus drei Teilen: Dem Implantatkörper, dem Abutment und der Implantatkrone, dem eigentlichen Zahnersatz. Abutment (/əˈbɐtmənt/) ist ein englisches Wort, das übersetzt "Pfeiler" oder "Stützpfeiler" bedeutet. Im Kontext der Zahmedizin ist ein Abutment das Verbindungselement zwischen dem Implantatkörper, der fest im Kieferknochen verwachsen ist, und dem Zahnersatz, der oben auf dem Implantat befestigt wird. Das kann eine einzelne Krone sein, eine Brücke oder auch eine herausnehmbare Prothese, die auf mehreren Zahnimplantaten sicheren Halt findet. Implantat-Abutments können eine abgewinkelte oder gerade Form haben und werden auf dem Implantatkörper verschraubt. Festsitzender Zahnersatz wird auf dem Abutment dauerhaft mit Zement verklebt oder ebenfalls verschraubt. Die Verbindungselemente werden außerdem als Halterungen für Stegkonstruktionen eingesetzt. Verschiedene Systeme zur Fixierung von Zahnprothesen werden ebenfalls als Abutments bezeichnet, zum Beispiel Kugelkopfanker, Druckknopfsysteme und Magnetaufbauten.

Aus welchem Material bestehen Abutments?

Für die Herstellung der Verbindungselemente wird dabei klassisch Titan oder seit einigen Jahren auch Zirkonkeramik verwendet. Aus Titan werden auch die meisten Implantatschrauben hergestellt. Es löst keine Allergien aus und verbindet sich hervorragend mit dem menschlichen Knochen. Titan ist sehr beständig, biokompatibel und korrosionsbeständig. Die dunkelgraue Farbe von Titan-Abutments bedeutet allerdings Abstriche in der Ästhetik, da das Metall bei sehr dünnem Zahnfleisch durchschimmern und einen dunklen Rand erzeugen kann. Bei altersbedingtem Zahnfleischrückgang verstärkt sich dieser Effekt noch. Vollkeramische Abutments aus zahnfarbenem Zirkonoxid haben daher besonders im Front- und Seitenzahnbereich ästhetische Vorteile. Zirkon ist ebenfalls biokompatibel, äußerst stabil und belastbar und hat leicht lichtdurchlässige Eigenschaften, die echten Zähnen sehr ähneln. Lesen Sie hier mehr über die ausgezeichneten Eigenschaften von Zirkonoxid: Zahnkronen aus Zirkon – fast wie ein echter Zahn 

Individuell oder konfektioniert?

Industriell konfektionierte Standard-Abutments sind für alle Implantatsysteme erhältlich. Wie Kleidung von der Stange werden sie nicht speziell für die entsprechende Implantatposition gefertigt und müssen daher in vielen Fällen aufwändig im Zahnlabor nachbearbeitet werden. Da die konfektionierten Abutments eine passgenaue und haltbare Verbindung mit dem Implantatkörper bilden sollen, müssen häufig Winkel nachgeschliffen und auf die jeweilige Situation angepasst werden.  

Individuelle Implantat-Abutments können schon bei der Behandlungsplanung gestaltet werden, oder sie werden nach bereits erfolgter Implantation angefertigt und präzise auf die Anatomie passend entworfen. Okklusion – der Zusammenbiss der Zähne – und Funktion des Zahnersatzes können mit individuellen Abutments perfekt abgestimmt werden. Da ein Abutment auch das Zahnfleisch um das Implantat herum formt, werden so auch im Weichgewebe optimale ästhetische Ergebnisse erzielt. Mit dem CAD/CAM-Verfahren werden Abutments computergestützt aus Vollkeramik hergestellt. Hybrid-Abutments, bei denen ein Titankern einen Mantel aus Zirkonkeramik erhält, vereinen die Vorteile beider Materialien. Die Keramikumhüllung kann auch auf konfektionierten Abutments fest verklebt werden und ermöglicht dadurch eine individuelle Formgebung, zahnfarbene Ästhetik und eine hohe Stabilität.

Individuelle CAD/CAM-Abutments werden im sogenannten Backward-Planning erstellt. Das bedeutet, das ideale Therapieziel wird vor dem eigentlichen Eingriff virtuell ermittelt. Unter Zuhilfenahme von Zahnmodellen, 3D-Implantatdiagnostik und DVT-Röntgenaufnahmen legt der Zahnarzt Position und Anzahl der Implantate, die Länge und die Bohrtiefe genau fest. Die Implantatversorgung wird also rückwärts (engl: backward) geplant und das Abutment so geformt, dass die Krone oder Brücke auf dem Verbindungsstück exakt ins Gebiss passt. Im Zahnlabor entsteht derweil ein provisorischer Zahnersatz, der noch angepasst werden und nach erfolgter Implantation als Provisorium dienen kann.   

Was sind einteilige Implantate?

Bei einteiligen Implantaten bilden Implantatkörper und Abutment eine unzertrennbare Einheit. Sie haben einen kleineren Durchmesser und den Vorteil, dass sie ohne einen Spalt dazwischen auskommen (geringere Gefahr für Bakterienbefall und Infektionen). Sie werden meistens aus Vollkeramik gefertigt und sind bei bestimmten Situationen im Gebiss von Vorteil. Sie bieten aber deutlich weniger Flexibilität bei der optimalen Ausrichtung des späteren Zahnersatzes, da der Implantataufbau nicht individuell beschliffen werden kann. Zweiteilige Implantate sind trotz des höheren Aufwands das am häufigsten verwendete System. Ein Auswechseln des Abutments bei Bruch oder Beschädigung ist nur bei zweiteiligen Implantaten möglich.

Fazit:

Kleine Verbindungsstücke mit einer wichtigen Aufgabe: Abutments verbinden den Zahnersatz fest mit dem im Knochen verpflanzten Implantat. Ihre verschiedenen Ausführungen und Formen haben großen Einfluss auf das spätere Ergebnis und die Haltbarkeit der Suprakonstruktion.