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Mundpflege bei Demenz: Tipps für Angehörige und Pflegende

Zähneputzen wird bei Demenz oft zur täglichen Herausforderung. Sie erfahren, wie die Mundpflege mit Ruhe und den richtigen Hilfsmitteln gelingt, woran Sie Schmerzen erkennen und welche zahnärztlichen Leistungen die Krankenkasse übernimmt.

Mundpflege bei Demenz gelingt am besten mit festen Ritualen, kurzen und ruhigen Anleitungen und so viel Selbstständigkeit wie möglich. Weil Menschen mit Demenz Schmerzen im Mund oft nicht mehr benennen können, sind regelmäßige zahnärztliche Kontrollen besonders wichtig. Gesetzlich Versicherte mit Pflegegrad haben zudem Anspruch auf zusätzliche Vorsorgeleistungen nach § 22a SGB V, darunter eine Zahnsteinentfernung und ein persönlicher Mundgesundheitsplan.

Vielleicht kennen Sie die Situation. Die Mutter, die ein Leben lang auf gepflegte Zähne geachtet hat, lässt die Zahnbürste plötzlich liegen oder dreht beim Putzen den Kopf weg. Das ist kein Trotz. In diesem Ratgeber erfahren Sie, warum die Mundgesundheit bei Demenz leidet, wie Sie die tägliche Pflege einfacher machen und wie Sie den Zahnarztbesuch gut vorbereiten.

Inhalt

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    Warum leidet die Mundgesundheit bei Demenz?

    Im Verlauf einer Demenz gehen auch Routinen verloren, die ein Leben lang selbstverständlich waren. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft beschreibt, dass Zähne nicht mehr richtig geputzt werden und der Umgang mit der Prothese regelrecht verlernt wird. Hinzu kommt nach Angaben der Bundeszahnärztekammer, dass Hinweise zur Mundhygiene oft nicht mehr umgesetzt werden können.

    Manchmal ist auch die Bewegungsplanung gestört. Fachleute sprechen von einer Apraxie, wenn jemand eine Handlung zwar ausführen möchte, den Ablauf aber nicht mehr zustande bringt. In einer Pilotstudie mit 92 Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen in Südwestdeutschland hatten Menschen mit Apraxie deutlich mehr Zahnfleischbluten und einen höheren Behandlungsbedarf am Zahnhalteapparat.

    Ein weiterer Punkt ist der Speichel. Viele Medikamente, etwa gegen Depressionen oder Bluthochdruck, verringern den Speichelfluss und erhöhen so das Kariesrisiko. Ein trockener Mund erschwert außerdem das Schlucken und den Halt der Prothese. Hinweise dazu finden Sie in unserem Ratgeber zur Mundtrockenheit. Bei Schluckstörungen können außerdem Speisereste und Beläge eingeatmet werden und eine Lungenentzündung begünstigen.

    Woran erkennen Sie Schmerzen oder Probleme im Mund?

    Menschen mit Demenz sagen oft nicht, dass ihnen etwas wehtut. Manchmal fehlen die Worte, manchmal wird die Frage nicht verstanden. Achten Sie deshalb auf Veränderungen im Verhalten. Die Bundeszahnärztekammer und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennen unter anderem diese Hinweise:

    • Ihr Angehöriger verweigert das Essen oder lehnt bestimmte Speisen plötzlich ab
    • er wehrt sich bei der Mundpflege oder dreht den Kopf weg
    • er kaut nur noch auf einer Seite oder knirscht ständig mit den Zähnen
    • die Prothese wird nicht mehr getragen oder fällt immer wieder heraus
    • er schlägt sich wiederholt gegen Kiefer oder Gesicht, wird aggressiv oder zieht sich zurück und lächelt seltener

    Solche Veränderungen können Ausdruck von Schmerzen sein, haben aber nicht immer etwas mit den Zähnen zu tun. Das sollte im Einzelfall geklärt werden. Schwellungen oder Rötungen im Kiefer- oder Gesichtsbereich sind dagegen ein klares Zeichen und gehören rasch in zahnärztliche Hände.

    Auch kleine Alltagsbeobachtungen helfen weiter. Ist die Zahnbürste immer trocken, wird die Zahnpasta nicht leerer oder liegt die Prothese nachts nicht mehr an ihrem gewohnten Platz, braucht Ihr Angehöriger vermutlich Unterstützung. Ein kurzer Blick in den Mund mit einer Taschenlampe hat sich laut Alzheimer Gesellschaft bewährt.

    Wie gelingt das Zähneputzen im Alltag?

    Am leichtesten fällt die Mundpflege, wenn sie fester Bestandteil der gewohnten Körperpflege ist, morgens und abends zur gleichen Zeit. Die Bundeszahnärztekammer nennt als Beispiel die Rasur bei Männern. Gleiche Abläufe geben Halt und erleichtern die Mitarbeit.

    Übernehmen Sie nicht gleich alles. In frühen Phasen reicht oft eine kurze Anleitung oder ein gemeinsamer Beginn. Sie führen die Zahnbürste zusammen mit der Hand Ihres Angehörigen zum Mund, danach putzt er vielleicht allein weiter. Gut funktioniert auch, wenn Sie beide nebeneinander vor dem Spiegel putzen und er Ihre Bewegungen nachmacht.

    Sprechen Sie in kurzen, klaren Sätzen und kündigen Sie jeden Schritt an. Loben und bedanken Sie sich hinterher, das erleichtert das nächste Mal. Eine ruhige Atmosphäre ohne Zeitdruck hilft. Und denken Sie an Brille, Hörgerät und gutes Licht.

    Auch Kleinigkeiten zählen. Zu heißes oder kaltes Wasser kann an empfindlichen Zähnen schmerzen. Eine Zahnpasta, die unangenehm schmeckt oder stark schäumt, wird oft abgelehnt. Das Stehen am Waschbecken kann zudem Angst vor einem Sturz auslösen, im Sitzen geht es oft entspannter.

    Welche Position und welche Hilfsmittel sind sinnvoll?

    Ihr Angehöriger sollte möglichst aufrecht sitzen, den Kopf leicht zum Kinn geneigt. So lässt sich gut schlucken, und die Gefahr des Verschluckens sinkt. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft rät ausdrücklich davon ab, frontal „von vorne zu stochern“. Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt, seitlich zu stehen, gut abgestützt, und den Kopf mit dem freien Arm locker zu halten.

    Einige Hilfsmittel erleichtern die Arbeit spürbar:

    • eine Zahnbürste mit kurzem Kopf und weichen bis mittleren Borsten, bei Bedarf mit verdicktem Griff
    • eine Dreikopfzahnbürste, die Außen-, Innen- und Kauflächen gleichzeitig reinigt
    • eine elektrische Zahnbürste, wenn Ihr Angehöriger sie gewohnt ist
    • fluoridhaltige Zahnpasta für Erwachsene
    • ein Spülbecher mit Nasenausschnitt
    • ein Aufbisskeil aus Schaumstoff, der hilft, den Mund offen zu halten

    Mit der Dreikopfzahnbürste arbeiten Sie am besten mit kleinen rüttelnden Bewegungen von Zahn zu Zahn, statt über die ganze Zahnreihe zu schrubben. Weitere Tipps für den Pflegealltag finden Sie im Beitrag Mundgesundheit und Zahnpflege bei Pflegebedürftigen.

    Was tun, wenn Ihr Angehöriger die Mundpflege abwehrt?

    Lippen und Mund sind sehr empfindliche Bereiche. Wird ein Mensch mit Demenz dort unvermittelt berührt, reagiert er womöglich mit Angst oder Abwehr. Hilfreich ist es, den Kontakt langsam anzubahnen. Die Bundeszahnärztekammer beschreibt, wie man am Arm beginnt und sich über Schulter, Hals, Wange und Kinn bis zum Mund vorarbeitet.

    Bleibt der Mund zu, können Sie die Lippen behutsam mit dem Finger umkreisen und den Mundwinkel leicht abhalten. Gelingt auch das nicht, reinigen Sie wenigstens die Außenflächen der Zähne. So gelangt zumindest etwas Fluorid an die Zähne.

    Zwingen Sie niemanden. Oft klappt es zu einer anderen Tageszeit, an einem anderen Ort oder mit einer anderen vertrauten Person. Hält die Abwehr über längere Zeit an, sprechen Sie mit der Zahnarztpraxis. Dahinter kann auch ein Problem im Mund stecken, das bisher niemand bemerkt hat.

    Unser Tipp:

    Schreiben Sie auf, wie Ihr Angehöriger früher seine Zähne gepflegt hat. Welche Zahnbürste, welche Zahnpasta, morgens vor oder nach dem Frühstück? Je vertrauter der Ablauf, desto eher gelingt die Pflege. Nehmen Sie diese Notizen und den aktuellen Medikationsplan auch zum Zahnarzttermin mit. Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche, dort können Sie auch online einen Termin anfragen.

    Wie pflegen Sie die Zahnprothese richtig?

    Nach den Mahlzeiten genügt es meist, die Prothese unter Wasser abzuspülen. Abends wird sie gründlich mit einer Bürste und Zahnpasta gereinigt, Seife ist dafür nicht geeignet. Zwei- bis dreimal pro Woche kann sie zusätzlich für 10 bis 15 Minuten in warmem Wasser mit einer Reinigungstablette liegen. Reste von Haftcreme lassen sich vorher gut mit einer feuchten Kompresse lösen. Ausführliche Hinweise finden Sie in unseren fünf Tipps zur Prothesenreinigung.

    Über Nacht sollte die Prothese, wenn das gewohnt ist, trocken in einer Dose mit geöffnetem Deckel liegen. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft halbiert sich das Risiko einer Lungenentzündung ungefähr, wenn Prothesen nachts herausgenommen werden. Ob das für Ihren Angehörigen passt, lesen Sie im Beitrag Nachts mit oder ohne Prothese schlafen.

    Ein praktischer Punkt wird oft vergessen. Prothesen gehen im Pflegeheim oder im Krankenhaus erstaunlich leicht verloren. In einer britischen Untersuchung gaben rund 60 Prozent der befragten Einrichtungen an, dass die Prothesen dort nicht gekennzeichnet waren. Fragen Sie deshalb in Ihrer Zahnarztpraxis nach, ob sich der Zahnersatz mit dem Namen Ihres Angehörigen beschriften lässt.

    Wie planen Sie den Zahnarztbesuch?

    Die Bundeszahnärztekammer rät bei Pflegebedürftigen zu mindestens zwei zahnärztlichen Kontrollen im Jahr. Bei Demenz sind sie besonders wichtig, weil Schmerzen oft nicht geäußert werden. Je früher Schäden erkannt werden, desto schonender lassen sie sich meist behandeln. Sprechen Sie das Thema deshalb möglichst bald nach der Diagnose an, solange Ihr Angehöriger noch gut mitwirken kann. Dann lässt sich in Ruhe besprechen, welche Behandlungen sinnvoll sind.

    Erste Anlaufstelle ist meist die vertraute Hauszahnarztpraxis. Die Landeszahnärztekammer kann Praxen mit Erfahrung in der Betreuung von Menschen mit Demenz nennen. Legen Sie den Termin in die Tageszeit, in der Ihr Angehöriger am ausgeglichensten ist. Eine vertraute Begleitperson und ein gewohnter Gegenstand, etwa die eigene Handtasche, geben Halt. Angaben zu Beruf, Familie oder Hobbys helfen dem Praxisteam, ins Gespräch zu kommen.

    Ist der Weg in die Praxis kaum noch möglich, kommt eine aufsuchende Betreuung infrage, also ein Besuch zu Hause oder im Pflegeheim. Vor Ort lassen sich vor allem einfachere Maßnahmen erledigen, etwa Druckstellen der Prothese behandeln, kleine Reparaturen vornehmen oder Zahnstein entfernen. Aufwendigere Eingriffe sind meist nur in der Praxis möglich. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Zahnbehandlung bei Behinderung oder Pflegebedarf.

    Welche Leistungen übernimmt die Krankenkasse?

    Mit § 22a SGB V gibt es eigene Vorsorgeleistungen für Menschen mit Pflegebedarf. Anspruch haben gesetzlich Versicherte, die einem Pflegegrad nach § 15 SGB XI zugeordnet sind oder Eingliederungshilfe nach § 99 SGB IX erhalten. Das Gesetz nennt die Erhebung des Mundgesundheitsstatus, die Aufklärung über die Bedeutung der Mundhygiene und über Maßnahmen zu deren Erhaltung, einen Plan zur individuellen Mund- und Prothesenpflege sowie die Entfernung harter Zahnbeläge. Pflegepersonen sollen dabei einbezogen werden. Die Einzelheiten regelt eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses.

    Nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung übernimmt die Krankenkasse diese Leistungen einmal je Kalenderhalbjahr. Der Mundgesundheitsplan enthält die Befunde, Empfehlungen zur Zahn- und Prothesenpflege und konkrete Hinweise für Angehörige und Pflegekräfte. Mit Einwilligung Ihres Angehörigen oder seiner Betreuerin erhalten Sie eine Kopie. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft weist außerdem darauf hin, dass seit Juli 2021 notwendige Parodontitis-Behandlungen auch bei bewilligtem Pflegegrad übernommen werden.

    Lebt Ihr Angehöriger in einem Pflegeheim, lohnt eine Nachfrage nach einem Kooperationsvertrag mit einer Zahnarztpraxis. Solche Verträge sieht § 119b SGB V vor. Laut KZBV regeln sie unter anderem regelmäßige Besuche einer Zahnärztin oder eines Zahnarztes im Heim, Untersuchungen bis zu zweimal im Jahr und die Anleitung des Pflegepersonals. Die freie Arztwahl bleibt dabei bestehen. Eine passende Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche.

    Häufige Fragen

    Gilt der Anspruch nach § 22a SGB V schon ab Pflegegrad 1?

    Ja. Das Gesetz knüpft den Anspruch an einen Pflegegrad nach § 15 SGB XI, ohne eine Mindeststufe zu nennen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt ausdrücklich die Pflegegrade 1 bis 5. Alternativ genügt ein Anspruch auf Eingliederungshilfe.

    Übernimmt die Krankenkasse die Fahrt zur Zahnarztpraxis?

    Nach Angaben der KZBV unter bestimmten Voraussetzungen ja, etwa bei Pflegegrad 4 oder 5, bei Pflegegrad 3 mit dauerhaft eingeschränkter Mobilität oder bei bestimmten Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis. In der Regel fällt ein Eigenanteil an. Klären Sie die Einzelheiten am besten vorher mit der Krankenkasse.

    Sollte ich bei Demenz Zahnseide verwenden?

    Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hält Zahnseide in der Pflege für schwierig, weil sie das Zahnfleisch verletzen kann. Interdentalbürsten sind eine Alternative, sofern Ihr Angehöriger sie kennt. Welche Größe passt, kann Ihnen die Zahnarztpraxis zeigen.

    Was hilft bei trockenen Lippen und Krusten im Mund?

    Ein fetthaltiger Lippenbalsam vor der Mundpflege schützt rissige Lippen. Krusten sollten nicht abgezogen werden. Weichen Sie sie mit etwas Öl oder Tee ein und entfernen Sie sie danach sanft mit einer feuchten Kompresse.

    Was sollte ich zum Zahnarzttermin mitbringen?

    Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt die elektronische Gesundheitskarte, den aktuellen Medikationsplan und die Kontaktdaten der Hausarztpraxis. Gibt es eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuung, nehmen Sie die entsprechenden Unterlagen mit. Das erleichtert Aufklärung und Einwilligung.

    Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.

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