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Weiße Flecken im Mund: Leukoplakie und andere Ursachen

Weiße Flecken im Mund sind meist harmlos, manchmal steckt aber eine Leukoplakie dahinter. Sie erfahren, welche Ursachen infrage kommen, was die Zwei-Wochen-Regel bedeutet und wann eine Gewebeprobe sinnvoll ist.

Weiße Flecken im Mund sind in den meisten Fällen harmlos. Oft stecken eine Pilzinfektion, eine scharfe Zahnkante oder unbewusstes Kauen auf der Wange dahinter. Ein weißer Fleck, der sich nicht abwischen lässt, keine erkennbare Ursache hat und sich nach Beseitigung möglicher Auslöser nicht innerhalb von etwa zwei Wochen zurückbildet, sollte aber zahnärztlich abgeklärt werden. Dann kann es sich um eine Leukoplakie handeln, eine Veränderung der Schleimhaut, aus der in einem Teil der Fälle Mundkrebs entstehen kann.

Keine Sorge, ein weißer Fleck ist noch lange keine Krebsdiagnose. Wichtig ist nur, ihn richtig einzuordnen. In diesem Ratgeber erklären wir, wie Zahnärztinnen und Zahnärzte die verschiedenen weißen Veränderungen unterscheiden, woran man eine Leukoplakie erkennt und warum eine Gewebeprobe manchmal unverzichtbar ist. Grundlage ist vor allem die deutsche S2k-Leitlinie zu Vorläuferläsionen des Mundhöhlenkarzinoms.

Inhalt

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    Welche harmlosen Ursachen haben weiße Flecken im Mund?

    Viele weiße Stellen entstehen schlicht durch Druck und Reibung. Die Schleimhaut reagiert darauf ähnlich wie die Haut an der Hand, die nach einem Tag Gartenarbeit eine Schwiele bildet. Sie verhornt stärker und wirkt dadurch weißlich.

    Linea alba

    Fast jeder Mensch hat sie, auch wenn kaum jemand sie bemerkt. Die Linea alba, übersetzt „weiße Linie“, verläuft als schmaler Streifen auf der Innenseite der Wange, genau in der Höhe, in der die Zahnreihen aufeinandertreffen. Meist ist sie auf beiden Seiten zu sehen und im Bereich der hinteren Backenzähne etwas deutlicher. Sie braucht keine Behandlung.

    Wangenkauen (Morsicatio buccarum)

    Manche Menschen kauen unbewusst auf der Wangeninnenseite, häufig in angespannten Zeiten. Die Schleimhaut sieht dann weißlich, ausgefranst und uneben aus, manchmal mit kleinen wunden oder geröteten Stellen. Typisch ist, dass beide Seiten betroffen sind. Gelingt es nicht, die Gewohnheit abzulegen, kann eine dünne Kunststoffschiene helfen, die die Wange von den Zähnen fernhält.

    Reibungs- und Bisskeratose

    Scheuert eine abgebrochene Zahnecke, eine raue Füllung oder ein schlecht sitzender Zahnersatz immer an derselben Stelle, bildet sich dort oft eine begrenzte weiße Verhornung. Fachleute sprechen von einer Reibungskeratose. Sie gilt nicht als Krebsvorstufe und sollte zurückgehen, sobald der Reiz beseitigt ist. Genau das ist der Prüfstein. Bleibt der Fleck, obwohl die Kante geglättet wurde, muss weiter nachgesehen werden.

    Woran erkennt man Mundsoor und Lichen planus?

    Ein einfacher Test hilft bei der ersten Einordnung. Lässt sich der weiße Belag mit einem Tupfer abwischen, spricht das für eine Pilzinfektion, den sogenannten Mundsoor. Darunter zeigt sich oft gerötete, aber intakte Schleimhaut. Betroffen sind vor allem Säuglinge, Menschen mit geschwächter Abwehr und Personen, die Kortison inhalieren. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zur Pilzinfektion im Mund.

    Es gibt allerdings auch eine chronische Pilzform, die fest haftet und einer Leukoplakie ähnelt. Bildet sie sich unter einer Pilzbehandlung nicht zurück, ist eine Gewebeprobe angezeigt.

    Der orale Lichen planus, auch Lichen ruber mucosae genannt, ist eine Entzündung der Schleimhaut, an der das Immunsystem beteiligt ist. Nach Fachangaben betrifft er bis zu 2,2 Prozent der Bevölkerung, Frauen etwas häufiger als Männer. Typisch sind feine, netzartige weiße Linien, die meist auf beiden Wangeninnenseiten ziemlich symmetrisch auftreten. Daneben gibt es eine erosive Form mit wunden Stellen. Die Leitlinie empfiehlt beim Lichen planus Kontrollen in Abständen von höchstens vier Monaten.

    Was ist eine Leukoplakie?

    Das Wort bedeutet wörtlich „weiße Platte“. Gemeint ist ein weißer Fleck der Mundschleimhaut, der sich nicht abwischen lässt und keiner anderen Erkrankung zugeordnet werden kann. Die Leukoplakie ist also eine Ausschlussdiagnose. Erst wenn Pilz, Reibung, Wangenkauen, Lichen planus und weitere Ursachen ausgeschlossen sind, sprechen Fachleute von einer Leukoplakie.

    Sie zählt zu den sogenannten potenziell malignen Veränderungen. Das bedeutet, dass sich in einem Teil der Fälle daraus ein Plattenepithelkarzinom entwickeln kann, eine Form von Mundkrebs. Wie Sie das Risiko für Mundkrebs früh erkennen und senken können, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.

    Ganz selten ist die Leukoplakie nicht. Weltweit haben schätzungsweise 1 bis 5 Prozent der Menschen eine solche Veränderung. Die deutsche Leitlinie nennt für leukoplakische Veränderungen bis zu 4 Prozent bei Männern und rund 1 Prozent bei Frauen. Meist tritt sie nach dem 40. Lebensjahr auf.

    Welche Formen gibt es und warum sind rote Stellen ein Warnzeichen?

    Fachleute unterscheiden zwei Grundtypen. Die homogene Leukoplakie ist gleichmäßig weiß und glatt oder nur leicht rau. Ihr Risiko gilt als eher gering. Die inhomogene Leukoplakie sieht uneinheitlich aus, etwa weiß-rot gesprenkelt, knotig oder warzenartig zerklüftet. Bei ihr ist das Risiko einer bösartigen Entwicklung höher.

    Besonders aufmerksam sollte man bei roten Stellen sein. Eine rote Veränderung der Schleimhaut, die sich keiner anderen Ursache zuordnen lässt, heißt Erythroplakie. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde gilt der Zusammenhang zwischen Zellveränderungen und späterer Entartung bei Erythroplakien als besonders eng. Weiß-rote Mischformen sollten deshalb zügig untersucht werden.

    Eine seltene Sonderform ist die proliferative verruköse Leukoplakie. Sie breitet sich langsam an mehreren Stellen im Mund aus und hat laut Leitlinie eine besonders hohe Umwandlungsrate von etwa 70 Prozent. Sie gehört in spezialisierte Hände.

    Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine Leukoplakie?

    Der wichtigste Risikofaktor ist Tabak, geraucht wie gekaut. Bei Rauchern kommt die Leukoplakie nach Angaben der Dermatologie-Plattform DermNet etwa sechsmal häufiger vor als bei Nichtrauchern. Regelmäßiger Alkoholkonsum verstärkt die Wirkung des Tabaks zusätzlich. Wer beides zusammen konsumiert, belastet seine Mundschleimhaut also doppelt.

    Weitere Faktoren sind eine unzureichende Mundhygiene und dauernde mechanische Reize, etwa durch scharfe Kanten oder eine schlecht sitzende Prothese. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Es gibt aber auch Leukoplakien bei Menschen, die nie geraucht haben. Fachbeiträge zählen gerade das Auftreten bei Nichtrauchern sowie die Lage am Mundboden oder an der Zunge zu den Merkmalen mit höherem Risiko.

    Ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Fall. Unterstützung und praktische Hinweise finden Sie in unserem Beitrag Mit dem Rauchen aufhören.

    Wann sollten Sie in die Zahnarztpraxis?

    Für die Einordnung gibt es eine bewährte Faustregel. Zuerst werden mögliche Ursachen beseitigt, also etwa eine scharfe Kante geglättet, eine drückende Prothese angepasst oder eine Pilzinfektion behandelt. Bildet sich der Fleck innerhalb von zwei Wochen erkennbar zurück, kann nach der Leitlinie auf eine Gewebeprobe verzichtet werden. Die Kontrolle läuft dann weiter, bis die Stelle ganz verschwunden ist. Wird der Fleck zwar kleiner, ist aber nach weiteren zwei Wochen noch nicht abgeheilt, sollte er feingeweblich untersucht werden.

    Unabhängig davon sollten Sie zeitnah einen Termin vereinbaren, wenn eines dieser Zeichen auftritt:

    • ein weißer oder roter Fleck, der neu ist oder von dem Sie nicht wissen, wie lange er schon besteht
    • eine unebene, knotige oder weiß-rot gefleckte Oberfläche
    • eine wunde Stelle oder ein Geschwür, das nicht abheilt
    • Blutungen schon bei leichter Berührung
    • eine Verhärtung, die sich tasten lässt, oder anhaltendes Brennen

    Mit der Abklärung sollte man nicht zu lange warten. Laut Leitlinie sollte eine nötige Behandlung möglichst innerhalb von vier Wochen erfolgen, weil sich eine längere Verzögerung ungünstig auf die Prognose auswirken kann. Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche.

    Unser Tipp:

    Haben Sie eine weiße Stelle entdeckt, fotografieren Sie sie bei gutem Licht mit dem Handy und notieren Sie das Datum. So können Sie und Ihre Zahnärztin nach zwei Wochen viel besser beurteilen, ob sich etwas verändert hat. Nehmen Sie das Foto einfach mit zum Termin. Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die DentNet-Zahnarztsuche, dort können Sie auch online einen Termin anfragen.

    Wie wird eine Leukoplakie untersucht und behandelt?

    Eine verlässliche Diagnose liefert nur die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe, die Biopsie. Dabei wird in örtlicher Betäubung ein kleines, möglichst typisches Stück der Veränderung entnommen. Ist der Fleck klein, wird er oft gleich vollständig entfernt.

    Ergänzend gibt es die Bürstenbiopsie, bei der Zellen mit einer kleinen Bürste abgestrichen werden. Die Leitlinie sieht sie vor allem für Verlaufskontrollen vor, wenn noch eine Restunsicherheit besteht. Häufig übernimmt eine Praxis für Oralchirurgie oder ein Kieferchirurg diese Schritte.

    Wie es weitergeht, hängt vom Befund ab. Zeigen sich mäßige oder hochgradige Zellveränderungen, sogenannte Dysplasien, soll die Veränderung nach der Leitlinie vollständig entfernt werden. Bei geringgradigen Befunden ist zunächst auch eine engmaschige Beobachtung möglich. Neben dem Skalpell kommt nach vorheriger Gewebeuntersuchung auch der Laser infrage. In jedem Fall gehört dazu, Risikofaktoren wie Tabak und Alkohol abzubauen.

    Eines sagt die Leitlinie offen. Weder das Herausschneiden noch die Laserbehandlung kann eine spätere Entartung zuverlässig verhindern. Deshalb sind die Kontrollen danach so wichtig.

    Wie hoch ist das Entartungsrisiko und wie oft muss kontrolliert werden?

    Eine einzige Zahl gibt es nicht. Je nach Studie werden Umwandlungsraten zwischen 0,13 und 34 Prozent berichtet. Die große Spannbreite zeigt, wie unterschiedlich die einzelnen Befunde sind. Als wichtigster Hinweis auf das persönliche Risiko gilt, ob und wie stark die Zellen in der Gewebeprobe verändert sind. Genau deshalb ist die Biopsie so aussagekräftig.

    Die Leitlinie empfiehlt nach Entfernung oder Beobachtung geringgradig veränderter Befunde Kontrollen alle sechs Monate, bei stärkeren Zellveränderungen alle drei Monate. Und zwar dauerhaft, unabhängig davon, wie behandelt wurde. Das klingt aufwendig. In der Praxis ist es aber meist nur ein kurzer, gezielter Blick auf die bekannte Stelle.

    Häufige Fragen

    Kann eine Leukoplakie von selbst wieder verschwinden?

    Bildet sich ein weißer Fleck nach Beseitigung eines Reizes innerhalb von zwei Wochen erkennbar zurück, verzichtet man laut Leitlinie meist auf eine Gewebeprobe und kontrolliert bis zur vollständigen Abheilung. Dann war der Auslöser in der Regel ein mechanischer Reiz und keine echte Leukoplakie. Bleibt der Fleck bestehen, sollte er abgeklärt werden.

    Tut eine Leukoplakie weh?

    Häufig verursacht eine Leukoplakie keine Beschwerden und fällt nur zufällig auf, etwa bei der Kontrolluntersuchung. Brennen, wunde Stellen oder Blutungen bei Berührung können Hinweise auf eine Veränderung sein. Gerade weil Schmerzen oft fehlen, ist der regelmäßige Blick der Zahnärztin oder des Zahnarztes wertvoll.

    Kann eine Leukoplakie nach der Entfernung zurückkommen?

    Ja, das ist möglich. In Fachbeiträgen werden Rückfallraten zwischen nahezu null und 30 Prozent genannt. Deshalb empfiehlt die Leitlinie nach jeder Behandlung dauerhafte Kontrollen in festen Abständen.

    Lohnt sich ein Rauchstopp noch, wenn die Leukoplakie schon da ist?

    Ja. Fachgesellschaften und Leitlinie nennen das Abstellen von Risikofaktoren wie Tabak und Alkohol als ersten Schritt jeder Behandlung. Ob und wie stark sich ein Fleck danach zurückbildet, ist von Fall zu Fall verschieden. Ihre Zahnarztpraxis kann Ihnen Wege zu Unterstützungsangeboten nennen.

    Wie oft sollte die Mundschleimhaut ohne Beschwerden kontrolliert werden?

    Die Leitlinie empfiehlt eine systematische Untersuchung der Mundhöhle zweimal im Jahr. Das lässt sich gut mit der halbjährlichen Kontrolle beim Zahnarzt verbinden. Nach einer behandelten oder beobachteten Leukoplakie sieht die Leitlinie kürzere Abstände von drei bis sechs Monaten vor.

    Hinweis: Dieser zahnmedizinische Artikel soll das Verständnis und Wissen über allgemeine Mundgesundheitsthemen fördern. Er ist kein Ersatz für professionelle Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich bei Fragen zu einer Erkrankung oder Behandlung immer von Ihrem Zahnarzt oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister beraten.

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