Für das Zahnfleisch ist Dampfen nach aktueller Datenlage weniger schädlich als Rauchen – und deutlich schädlicher als nichts. Der wichtigste Punkt für Sie persönlich ist aber ein anderer: Nikotin verengt die Blutgefäße und unterdrückt Zahnfleischbluten. Wer dampft, kann also eine Zahnfleischentzündung haben, ohne das übliche Warnsignal zu bemerken.
Dieser Artikel sagt an mehreren Stellen „wir wissen es nicht“. Das ist keine Ausweichformel, sondern der Stand: E-Zigaretten gibt es noch nicht lange genug, um Erkrankungen zu messen, die sich über Jahrzehnte entwickeln. Das Deutsche Krebsforschungszentrum stellt ausdrücklich fest, dass die Evidenz zu den Auswirkungen auf die Mundgesundheit für verlässliche Schlussfolgerungen nicht ausreicht. Wo wir etwas wissen, sagen wir es mit Zahlen. Wo nicht, sagen wir das auch.
Was beim Dampfen in den Mund kommt
Das Aerosol ist kein Wasserdampf. Es enthält:
- Propylenglykol und Glycerin als Trägerstoffe. Beim Erhitzen können daraus Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein entstehen. Die Wirkungen beim Inhalieren sind nach Einschätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums nicht gut untersucht.
- Nikotin in den meisten Produkten, in Deutschland auf maximal 20 Milligramm pro Milliliter begrenzt.
- Aromastoffe. Dass sie als Lebensmittelzusatz zugelassen sind, sagt nichts über die Sicherheit beim Inhalieren – diese Zulassungen gelten für den Verzehr, nicht für den Atemweg. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stellt fest, dass für 22 Substanzen Daten zur Erbgutschädigung vollständig fehlen. Diacetyl ist in deutschen E-Zigaretten verboten. Zimtaldehyd reizt die Atemwege; Menthol wirkt lokal betäubend und erleichtert dadurch das Inhalieren und die Nikotinaufnahme.
- Metalle vom Heizelement – Nickel, Chrom, Blei. Das ist der einzige Stoffbereich, in dem die E-Zigarette ungünstiger abschneidet als die Tabakzigarette: Metalle können im Aerosol in höherer Konzentration vorliegen als im Tabakrauch. Die Gehalte steigen bei höherer Leistung und wenn der Verdampfer trockenläuft.
- Partikel in Größe und Konzentration ähnlich dem Tabakrauch.
Für die Mundhöhle direkt relevant: Tabakspezifische Nitrosamine – krebserzeugende Stoffe – wurden im Speichel von Nutzenden gefunden. Was diese Spiegel bedeuten, ist unbekannt. Zum Vergleich: Im Urin ausschließlich dampfender Personen liegen die Werte für tabakspezifische Nitrosamine bei etwa 1 bis 10 Prozent der Werte von Rauchenden.
Zahnfleisch: der Befund, der Sie betrifft
Hier liegt die interessanteste Erkenntnis der letzten Jahre, und sie ist kontraintuitiv.
Vier systematische Übersichtsarbeiten kommen in der Richtung überein: Tabakraucher haben durchgängig die schlechtesten Zahnfleischwerte. Dampfende liegen zwischen Rauchern und Nichtrauchern, bei manchen Parametern näher an den Rauchern.
Aber: Dampfende berichten weniger Zahnfleischbluten und weniger sichtbare Entzündung als Nichtraucher. Gleichzeitig sind ihre Entzündungsmarker – Interleukin-1β und TNF-α – höher als bei Nichtrauchern.
Die Erklärung ist Nikotin. Es verengt die Blutgefäße. Entzündetes Zahnfleisch blutet deshalb weniger, obwohl die Entzündung besteht. Bei Rauchern ist dieser Effekt am stärksten ausgeprägt, bei Dampfenden ebenfalls deutlich. In einer Metaanalyse zu Implantaten lag das Zahnfleischbluten bei Dampfenden sogar klar unter dem von Nichtrauchern – die Autoren führen das ausdrücklich auf die Gefäßverengung zurück und nicht auf bessere Gesundheit.
Was das für Sie bedeutet: „Mein Zahnfleisch blutet nicht“ ist bei Dampfenden kein verlässliches Zeichen für gesundes Zahnfleisch. Die Eigenkontrolle, auf die sich Nichtraucher stützen können, fällt weg. Deshalb ist die Messung in der Praxis – der Parodontalstatus mit der Sondierungstiefe – bei Dampfenden besonders wichtig. Was Zahnfleischbluten normalerweise bedeutet, steht in unserem Ratgeber zu Zahnfleischbluten.
Bei der tieferen Schädigung ist die Lage uneindeutig, und das sagen wir so: Eine Metaanalyse von 40 Studien fand bei Sondierungstiefe und Knochenverlust keinen signifikanten Unterschied zu Nichtrauchern. Eine andere Übersichtsarbeit fand dort höhere Werte. Die Reviews widersprechen sich.
Alle diese Arbeiten haben ein gemeinsames Problem: Es gibt keine randomisierten Studien zu Zahnfleischendpunkten, nur Beobachtungsstudien. Und die meisten Dampfenden sind ehemalige Raucher – was man ihrem Zahnfleisch ansieht, kann aus der Raucherzeit stammen. Dazu kommt, dass Raucher in den Studien im Mittel deutlich älter waren als die Dampfenden.
Die Mundflora verändert sich messbar
Das sind die methodisch stärksten Daten in diesem Feld, weil sie aus Längsschnittstudien kommen.
Eine Untersuchung an 84 Personen mit mindestens leichter Parodontitis, über etwa sechs Monate mit zwei Messzeitpunkten, fand: Jede der drei Gruppen – Dampfende, Raucher, Nichtraucher – hatte ein eigenes, statistisch unterscheidbares Mikrobiom. Bei Dampfenden waren Fusobakterien und Tannerella angereichert, Streptokokken vermindert.
Bemerkenswert daran: Das Mikrobiom der Dampfenden lag zwischen Rauchern und Nichtrauchern, aber näher an den Rauchern. Ein automatischer Klassifikator erkannte Dampfer-Proben nur in 45,5 Prozent der Fälle korrekt und ordnete sie häufig den Rauchern zu.
Eine zweite Längsschnittstudie mit 101 Teilnehmenden fand bei Dampfenden mit schwerer Parodontitis signifikant häufiger die Keime Filifactor, Dialister und Treponema als bei Nichtrauchern. Die Verteilung der Parodontalkeime war zwischen Dampfenden und Rauchern sehr ähnlich.
Was diese Verschiebungen klinisch bedeuten, ist offen. Dass sie stattfinden, ist belegt. Mehr zur Erkrankung selbst in unserem Ratgeber zur Parodontitis.
Mundtrockenheit
Eine Metaanalyse von 14 Studien mit 6.827 Teilnehmenden fand bei Dampfenden eine Mundtrockenheits-Häufigkeit von 33 Prozent, bei Tabakkonsumenten 24 Prozent.
Diese Zahlen muss man vorsichtig lesen. Die Konfidenzintervalle überlappen, nur zwei Studien berichteten beide Gruppen, und die Heterogenität lag bei 99 Prozent. Die Mundtrockenheit war selbstberichtet. Belastbar ist deshalb nur: mindestens vergleichbar mit Tabak, eher häufiger.
Die naheliegende Erklärung – Propylenglykol und Glycerin binden Wasser und entziehen es der Schleimhaut – ist eine Hypothese. Keine der geprüften Studien hat diesen Wirkpfad direkt gemessen. Wir schreiben also nicht „weil“, sondern „man nimmt an“.
Dass Mundtrockenheit für die Zähne ungünstig ist, steht dagegen außer Frage: Speichel puffert Säuren, spült Nahrungsreste weg und liefert Mineralien. Dieser Zusammenhang ist aus der allgemeinen Kariologie übertragen, bei Dampfenden aber nicht durch Langzeitdaten belegt. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu trockenem Mund.
Karies: widersprüchliche Daten
Der umfassendste systematische Review dazu schloss 42 Arbeiten ein und kommt zu einem klaren Ergebnis über die Unklarheit: Die Daten ergeben kein eindeutiges Bild.
Zwei Studien fanden mehr unbehandelte Karies bei Dampfenden, eine mit einem Odds Ratio von 4,21. Zwei andere Studien fanden gleiche oder sogar niedrigere Karieswerte. Die zusammenfassende Berechnung stützte sich auf drei Studien und zeigte eine Heterogenität von 98 Prozent – das ist praktisch Beliebigkeit.
Was dagegen im Labor belegt ist: In einer Untersuchung hatten 84 Prozent der geprüften Liquids einen pH-Wert unter 5,5 – also unterhalb der Schwelle, ab der Zahnschmelz Mineral verliert. In E-Liquids wurde Zucker nachgewiesen. Und in Zellversuchen begünstigten Liquids das Wachstum von Streptococcus mutans, dem Leitkeim der Karies, besonders bei süßen Aromen und hoher Viskosität; bei unaromatisierten Liquids war der Effekt klein.
Interessanterweise passt das nicht zu den Längsschnittdaten: Dort waren Streptokokken bei Dampfenden vermindert. Diesen Widerspruch bügeln wir nicht glatt.
Eine Längsschnittstudie, die den Kariesneuzuwachs bei Dampfenden über Jahre gemessen hätte, existiert nicht. Die Aussage „Dampfen verursacht Karies“ ist durch die aktuelle Evidenz nicht gedeckt. Gedeckt ist: Mehrere Risikofaktoren für Karies sind bei Dampfenden plausibel erhöht, die Endpunktdaten sind widersprüchlich und dünn.
Einen weiteren ehrlichen Nullbefund gehört dazu: Derselbe Review fand bei den Speichel-Entzündungsmarkern Interleukin-1β, -6, -8 und TNF-α keinen Effekt des Dampfens – was den Biomarker-Befunden aus den Zahnfleischstudien widerspricht. Auch das ist ungelöst.
Schleimhaut, Geschmack und die Krebsfrage
Am besten belegt ist der unspektakulärste Befund: In den randomisierten Studien der Cochrane-Übersicht zählte die Reizung von Mund und Rachen zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen, neben Kopfschmerz, Husten und Übelkeit. Sie nahm bei fortgesetztem Gebrauch tendenziell ab. Das ist die methodisch stärkste Evidenz zu einem Mundsymptom überhaupt, weil sie aus kontrollierten Studien stammt.
In Zellversuchen an Zahnfleischgewebemodellen trugen Aromastoffe zur Zellschädigung bei, je nach Aroma unterschiedlich stark. Das ist mechanistische Evidenz aus dem Labor, nicht auf Patienten übertragbar.
Zum Krebsrisiko bleiben wir dicht an der Formulierung der zuständigen Stellen: Die aktuellen Studien erlauben keine verlässliche Aussage, ob E-Zigaretten-Konsum Krebs verursacht. Krebserzeugende Stoffe sind nachgewiesen – Formaldehyd, Nickel, Chrom, und tabakspezifische Nitrosamine im Speichel. Das tatsächliche Risiko bei diesen Spiegeln ist unbekannt. E-Zigaretten enthalten in der Regel weniger krebserzeugende Stoffe als Tabakzigaretten.
Warum es keine Langzeitdaten gibt, ist einfach erklärt: Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und COPD treten erst nach Jahren bis Jahrzehnten auf. Für eine Risikobewertung bräuchte man Studien, die über Jahrzehnte Daten sammeln. Solche Studien gibt es derzeit nicht.
Implantate und Behandlungserfolg
Hier wird es für Patienten mit Zahnersatz konkret. Eine Metaanalyse von neun Studien zu Implantaten verglich Dampfende mit Nichtnutzenden:
| Messwert | Dampfende gegenüber Nichtnutzenden |
| Knochenverlust am Implantat | +0,83 mm |
| Zahnbelag | +1,61 Einheiten |
| Entzündungsmarker Interleukin-1β | +170 pg/ml |
| Entzündungsmarker TNF-α | +17,6 pg/ml |
| Zahnfleischbluten | niedriger — durch Nikotin maskiert |
Im Vergleich der Konsumformen war die Zigarette deutlich ungünstiger als die E-Zigarette: 1,33 Millimeter mehr Knochenverlust. Der Risikogradient der Autoren lautet: Zigarette schlechter als Wasserpfeife, diese schlechter als E-Zigarette, diese schlechter als nichts. Mehr zur Erkrankung am Implantat in unserem Ratgeber zur Periimplantitis.
Der praxisrelevanteste Befund betrifft die Parodontitisbehandlung. Mehrere Studien zeigen, dass Dampfende auf die nicht-chirurgische Therapie – Scaling und Wurzelglättung – schlechter ansprechen als Nichtraucher, und zwar ähnlich schlecht wie aktuelle Raucher: mehr verbleibende tiefe Taschen, höherer Bedarf an chirurgischer Nachbehandlung, langsamere Heilung, mehr Reinigungsaufwand.
Wenn Sie dampfen und eine Parodontitisbehandlung vor sich haben, sagen Sie es in der Praxis. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil es die Behandlungsplanung und die Kontrollintervalle ändert. Zu konkreten Nikotinpausen vor Eingriffen gibt es in den geprüften Quellen keine belegten Zeitangaben – was Ihre Praxis empfiehlt, hängt vom Eingriff ab.
Dampfen statt Rauchen: was das bringt
An dieser Stelle wird es politisch, und die Positionen gehen auseinander. Wir stellen beide dar.
Die Cochrane-Evidenz zur Rauchentwöhnung ist eindeutig und die einzige hochgradige Evidenz in diesem ganzen Themenfeld: Nikotinhaltige E-Zigaretten führen häufiger zu Abstinenz nach mindestens sechs Monaten als eine Nikotinersatztherapie – relatives Risiko 1,59, aus sieben Studien mit 2.544 Teilnehmenden, Vertrauenswürdigkeit hoch. In absoluten Zahlen: etwa 8 bis 10 Erfolge pro 100 Personen mit E-Zigaretten gegenüber 6 pro 100 mit Nikotinersatz. Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen unterschieden sich nicht nachweisbar.
Die Positionen der deutschen Stellen fallen zurückhaltender aus. Das Deutsche Krebsforschungszentrum weist darauf hin, dass E-Zigaretten – anders als die Nikotinersatztherapie – keine geprüften Medizinprodukte zur Rauchentwöhnung sind, und dass viele Menschen, die mit ihnen das Rauchen aufgeben, sie langfristig weiternutzen; Abhängigkeit und Gesundheitsrisiken bleiben damit bestehen. Der Krebsinformationsdienst hält fest: Der vollständige Rauchstopp ist der sicherste Weg. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, E-Zigaretten gar nicht zu verwenden.
Beim sogenannten Harm-Reduction-Ansatz benennt das Krebsforschungszentrum drei Kritikpunkte: Er kann Nichtrauchende zum Nikotinkonsum bringen, die Motivation zum Aufhören senken, und Gesundheitsrisiken und Abhängigkeit bleiben nach dem Umstieg bestehen. Relevant sei der Ansatz nur für die begrenzte Gruppe von Rauchenden, die mit evidenzbasierten Methoden nicht aufhören kann oder will.
Ein Punkt ohne Streit: Dualkonsum – dampfen und rauchen – ist etwa so schädlich wie Rauchen allein. Er senkt die Schadstoffbelastung nicht verlässlich und bietet Rauchenden keinen klaren Nutzen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, er könne den Gesamtschaden erhöhen.
Für den Mund speziell gibt es keine Studie, die die Mundgesundheit nach einem Umstieg über Jahre verfolgt hat. Ein Detail sollten Umsteiger aber kennen: Nach dem Wechsel vom Rauchen zur E-Zigarette kann das Zahnfleischbluten zunehmen. Das ist kein Zeichen für eine Verschlechterung, sondern plausibel die Rückkehr einer Warnfunktion, die das Rauchen unterdrückt hatte.
Wenn Sie aufhören wollen: Die kostenfreie Telefonberatung erreichen Sie unter 0800 8313131, dazu das Online-Programm unter rauchfrei-info.de. Mehr in unserem Ratgeber Mit dem Rauchen aufhören.
Jugendliche: die Zahlen für Deutschland
Die Drogenaffinitätsstudie 2025 befragte 7.001 Menschen zwischen 12 und 25 Jahren. Bei den 12- bis 17-Jährigen hatten 18,6 Prozent schon einmal eine E-Zigarette genutzt, 9,5 Prozent in den letzten 30 Tagen. Zum Vergleich: Die 30-Tage-Prävalenz der Zigarette lag bei 7,9 Prozent. Dampfen hat das Rauchen in dieser Altersgruppe also überholt.
Der Trend bei Mehrweggeräten: Bei den 12- bis 17-jährigen Mädchen stieg die 30-Tage-Prävalenz von 1,8 Prozent (2021) auf 7,8 Prozent (2025) – mehr als eine Vervierfachung, und damit höher als bei den Jungen. Einweg-Produkte sind dagegen rückläufig; viele ältere Texte beschreiben noch den Einweg-Boom, der inzwischen gedreht hat.
Ein Befund, der eine verbreitete Annahme widerlegt: 93,2 Prozent der jugendlichen Mehrweg-Nutzenden verwenden nikotinhaltige Liquids. Die Vorstellung, Jugendliche dampften überwiegend nikotinfrei, ist falsch.
Warum das besonders problematisch ist: Nikotin beeinträchtigt die Hirnentwicklung bei Kindern und Jugendlichen und kann Angst verstärken. Aromen und Verpackung senken die Einstiegsschwelle; Aromen fördern tiefes Inhalieren und erhöhen dadurch die Aufnahme von Nikotin. Kühlmittel wie WS-23 können nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung die Nikotinaufnahme und Abhängigkeit erhöhen, besonders bei jungen und unerfahrenen Konsumierenden.
Rechtlich gilt: Verkauf an Personen unter 18 Jahren ist verboten, der Verkauf von Nikotinbeuteln in Deutschland generell. Beides wird nach Angaben der Fachgesellschaft für Sozialpädiatrie dennoch praktiziert. Nikotinbeutel haben unter den 12- bis 17-Jährigen von 4,1 Prozent (2023) auf 5,5 Prozent (2025) zugelegt.
Was Sie konkret tun können
Wenn Sie dampfen, ändert das vier Dinge an Ihrer Zahnpflege:
- Verlassen Sie sich nicht auf Zahnfleischbluten als Warnsignal. Es fehlt bei Ihnen möglicherweise, obwohl eine Entzündung besteht. Das ist der wichtigste Punkt dieses Artikels.
- Sagen Sie es in der Praxis. Ihr Zahnarzt braucht die Information, um die Sondierungsmessung richtig einzuordnen und die Kontrollintervalle anzupassen – und um bei einer Parodontitisbehandlung ein schlechteres Ansprechen einzuplanen.
- Trinken Sie mehr Wasser. Gegen die Mundtrockenheit, und weil Speichel die wichtigste natürliche Schutzeinrichtung Ihrer Zähne ist. Zuckerfreier Kaugummi regt den Speichelfluss an.
- Engere Kontrollintervalle. Besprechen Sie, ob bei Ihnen zwei Termine pro Jahr genügen oder ob öfter sinnvoll ist. Einen Termin bei einer Partnerpraxis in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Zahnarztsuche.
Und die ehrliche Zusammenfassung über alle Abschnitte hinweg: Für das Zahnfleisch ist Dampfen besser als Rauchen und schlechter als nichts. Beim Zahnfleisch-Mikrobiom liegt es näher an den Rauchern als an den Nichtrauchern. Beim Therapieansprechen verhält es sich ähnlich wie Rauchen. Bei Karies und Krebs wissen wir es nicht.
Häufige Fragen zu E-Zigaretten und Zähnen
Ist Dampfen besser für die Zähne als Rauchen?
Für das Zahnfleisch und für Implantate ja, nach aktueller Datenlage deutlich. Raucher haben durchgängig die schlechtesten Werte. Bei der Mundflora, beim Therapieansprechen und bei den Gewebeabbau-Markern ähnelt Dampfen dem Rauchen aber stärker als dem Nichtrauchen. Bei Karies und Krebs ist kein Vergleich möglich.
Mein Zahnfleisch blutet nicht – ist es dann gesund?
Nicht zwingend. Nikotin verengt die Blutgefäße und unterdrückt die Blutung. Mehrere Metaanalysen fanden bei Dampfenden weniger Zahnfleischbluten als bei Nichtrauchern, gleichzeitig aber höhere Entzündungsmarker. Lassen Sie messen, statt sich auf das Fehlen von Blut zu verlassen.
Verursacht Dampfen Karies?
Das ist nicht belegt. Die Daten sind widersprüchlich, und eine Langzeitstudie zum Kariesneuzuwachs fehlt. Belegt ist dagegen, dass viele Liquids einen pH-Wert unter 5,5 haben, Zucker enthalten können und Mundtrockenheit häufig ist – mehrere Risikofaktoren sind also plausibel erhöht.
Macht Dampfen gelbe Zähne?
Dazu liegen keine belastbaren Vergleichsstudien vor. Dass die Teer-Verfärbungen des Rauchens entfallen, ist plausibel, aber nicht systematisch untersucht. Belegt ist nur, dass Dampfende mehr Zahnbelag haben als Nichtraucher – und Belag ist die Vorstufe von Zahnstein.
Ich habe Implantate und dampfe. Ist das ein Problem?
Dampfende zeigten in der Metaanalyse 0,83 Millimeter mehr Knochenverlust am Implantat als Nichtnutzende, mehr Belag und deutlich höhere Entzündungsmarker. Die Zigarette ist noch ungünstiger. Besprechen Sie engere Kontrollintervalle.
Soll ich vor einer Zahnbehandlung eine Dampfpause machen?
Belegte Zeitangaben dazu gibt es in den geprüften Studien nicht, deshalb nennen wir keine. Die Fachliteratur empfiehlt, zu vollständiger Nikotinabstinenz zu motivieren – ausdrücklich einschließlich E-Zigaretten und Tabakerhitzer. Was für Ihren Eingriff sinnvoll ist, sagt Ihnen Ihre Praxis.
Mein Zahnfleisch blutet seit dem Umstieg vom Rauchen stärker. Ist das schlimmer geworden?
Wahrscheinlich nicht. Eine Studie hat genau das beobachtet, und die plausible Erklärung ist die Rückkehr der Blutungsreaktion, die das Rauchen stärker unterdrückt hatte. Lassen Sie es trotzdem beurteilen – nur so wissen Sie es sicher.
Sind nikotinfreie Liquids unbedenklich für den Mund?
Die Blutungsmaskierung durch Nikotin entfällt, und die Abhängigkeit ebenfalls. Trägerstoffe, Aromen, thermische Zersetzungsprodukte und Metalle vom Heizelement bleiben aber. In Zellversuchen trugen gerade die Aromastoffe zur Zellschädigung bei. „Nikotinfrei“ heißt also nicht „unbedenklich“.
Hilft Dampfen beim Rauchstopp?
Nach der Cochrane-Übersicht ja, besser als eine Nikotinersatztherapie: etwa 8 bis 10 Erfolge pro 100 Personen gegenüber 6. Deutsche Stellen weisen aber darauf hin, dass E-Zigaretten keine geprüften Medizinprodukte zur Entwöhnung sind und viele Umsteiger langfristig weiterdampfen. Das Ziel bleibt der Verzicht auf alle Nikotinprodukte.
Dampfen und gelegentlich rauchen – ist das ein guter Kompromiss?
Nein. Dualkonsum ist etwa so schädlich wie Rauchen allein und senkt die Schadstoffbelastung nicht verlässlich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält sogar eine Erhöhung des Gesamtschadens für möglich.
Quellen
- Treede I, Hartard A, Heidt C, Kahnert S, Schaller K: Risiken von E-Zigaretten und Tabakerhitzern, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg 2023
- Deutsches Krebsforschungszentrum: Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten, Heidelberg 2024
- Bundesinstitut für Risikobewertung: E-Zigaretten – alles andere als harmlos, FAQ vom 8. April 2025
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Gesundheitliche Risiken durch Aromen in E-Zigaretten, Stellungnahme Nr. 043/2021
- Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Vapen statt Rauchen – ist das Krebsrisiko geringer?, 20. Januar 2025
- Thiem DGE, Donkiewicz P, Rejaey R, Kämmerer PW et al.: The impact of electronic and conventional cigarettes on periodontal health, Clinical Oral Investigations 2023;27:4911–4928
- Tattar R, Jackson J, Holliday R: The impact of e-cigarette use on periodontal health, Evidence-Based Dentistry 2025; deutsche Zusammenfassung in zm-online, 17. Februar 2025
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- Dipalma G, Inchingolo AD, Colonna V et al.: Vaping, heated tobacco, and periodontal health, Exploration of Medicine 2026;7:1001387
- Thomas SC, Xu F, Pushalkar S et al.: Electronic Cigarette Use Promotes a Unique Periodontal Microbiome, mBio 2022;13(1)
- Xu F, Pushalkar S, Lin Z et al.: Electronic cigarette use enriches periodontal pathogens, Molecular Oral Microbiology 2022;37(2):63–76; deutsche Besprechung in zm 7/2023
- Guo X, Hou L, Peng X, Tang F: The prevalence of xerostomia among e-cigarette or combustible tobacco users, Tobacco Induced Diseases 2023;21:22
- Tabnjh AK, Alizadehgharib S, Campus G, Lingström P: The effects of electronic smoking on dental caries and proinflammatory markers, Frontiers in Oral Health 2025;6:1569806
- Bangiev L, Lubotcky I, Lugassy AY et al.: The Impact of Cigarette Smoking, Waterpipe Smoking, and E-Cigarette Vaping on Peri-Implant Clinical Outcomes, Journal of Oral & Maxillofacial Research 2025;16(4):e1
- Lindson N, Livingstone-Banks J, Butler AR et al.: Electronic cigarettes for smoking cessation, Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 8, CD010216
- Sundar IK, Javed F, Romanos GE, Rahman I: E-cigarettes and flavorings induce inflammatory responses in oral epithelial cells and periodontal fibroblasts, Oncotarget 2016; deutsche Besprechung in zm-online, 23. November 2016
- Orth B, Nitzsche A: Die Drogenaffinität Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2025 – Teilband Tabak und andere nikotinhaltige Produkte, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, Köln 2026
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Weltnichtrauchertag 2026 – Vapen bei Jugendlichen auf dem Vormarsch, 26. Mai 2026
- Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin: Warnung vor Verharmlosung der E-Zigaretten, 17. Oktober 2024