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Milchzähne und Zahnwechsel: Zeiten, Pflege und was die Kasse zahlt

Durchbruchszeiten, das aktuelle Fluoridschema, die Früherkennung Z1 bis Z6 und was bei Milchzahnkaries und Zahnunfällen zu tun ist.

Zwanzig Milchzähne, der erste meist im siebten Lebensmonat, das Gebiss komplett mit etwa zweieinhalb bis drei Jahren. Ab sechs beginnt der Wechsel, mit zwölf bis fünfzehn Jahren stehen die bleibenden Zähne. Klingt übersichtlich. In der Praxis stellen sich Eltern trotzdem dieselben Fragen immer wieder: Wie viel Zahnpasta? Muss Milchzahnkaries wirklich behandelt werden? Und was tun, wenn ein Zahn ausgeschlagen wird?

Dieser Ratgeber fasst zusammen, was in Deutschland derzeit fachlich gilt – mit Durchbruchstabellen, dem aktuellen Fluoridschema und den Kassenleistungen, die Ihrem Kind zustehen. Eine Sache vorab, weil sie fast alle älteren Elternratgeber betrifft: Die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen heißen seit dem 1. Januar 2026 Z1 bis Z6 und werden im Gelben Heft dokumentiert. Wer noch Texte mit „FU 1a, 1b, 1c“ liest, liest einen veralteten Stand.

Das Milchzahngebiss: zwanzig Zähne in zweieinhalb Jahren

Die Zahnanlagen entstehen schon zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche. Bei der Geburt sind die Kronen der Milchzähne bereits fertig ausgebildet, sie stecken nur noch im Kiefer. Sichtbar wird der erste Zahn meist im sechsten bis achten Lebensmonat – wobei die Streuung groß ist. Manche Kinder kommen mit einem Zahn zur Welt, andere haben mit einem Jahr noch keinen. Beides ist meist kein Grund zur Sorge, aber ein Grund, es beim Zahnarztbesuch anzusprechen.

Die Reihenfolge ist verlässlicher als das Alter. Zuerst kommen die unteren mittleren Schneidezähne, dann die oberen. Danach die seitlichen Schneidezähne. Dann – und das überrascht viele – die ersten Milchbackenzähne, erst danach die Eckzähne. Zum Schluss die zweiten Milchbackenzähne.

MilchzahnDurchbruch (Monate)FDI-Nummern
Mittlerer Schneidezahn6 bis 8 (unten früher als oben)51, 61, 71, 81
Seitlicher Schneidezahn8 bis 1252, 62, 72, 82
Erster Milchbackenzahn12 bis 1654, 64, 74, 84
Eckzahn16 bis 2053, 63, 73, 83
Zweiter Milchbackenzahn20 bis 3055, 65, 75, 85

Eine Einschränkung, die wir offenlegen: Es gibt in Deutschland keine Leitlinie und keine aktuelle Referenzstudie zu Durchbruchszeiten. Die Werte stammen aus Patientenpublikationen der Landeszahnärztekammern und einem medizinischen Fachhandbuch; keine dieser Quellen gibt Perzentilen an. Beim zweiten Milchbackenzahn weichen die Angaben am stärksten voneinander ab. Nehmen Sie die Tabelle also als Orientierung, nicht als Soll-Vorgabe.

Das Zahlensystem in der Tabelle ist das FDI-Schema, das auch Ihre Zahnarztpraxis verwendet. Die erste Ziffer steht für den Quadranten, die zweite für den Zahn von der Mitte nach außen. Milchzähne tragen die Quadranten 5 bis 8, bleibende Zähne 1 bis 4 – immer aus Sicht des Kindes. „Zahn 85“ ist also der zweite Milchbackenzahn unten rechts. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Zahnschema.

Der Zahnwechsel: was wann passiert

Der Wechsel beginnt um den Schuleintritt. Interessant ist, dass der erste bleibende Zahn meist gar kein Wackelzahn-Nachfolger ist: Der erste große Backenzahn, der Sechsjahrmolar, bricht hinter der Milchzahnreihe durch und ersetzt keinen Milchzahn. Er kommt oft unbemerkt, häufig sogar vor dem ersten Wackelzahn – und wird beim Putzen regelmäßig übersehen, weil niemand dort einen neuen Zahn erwartet. Genau dieser Zahn ist aber der kariesanfälligste im ganzen Gebiss.

Die Milchzahnwurzeln werden von den nachdrängenden bleibenden Zähnen abgebaut. Deshalb wackelt ein Milchzahn irgendwann: Von seiner Wurzel ist kaum noch etwas übrig.

Bleibender ZahnDurchbruch (Jahre)
Erster großer Backenzahn (Sechsjahrmolar)5 bis 7
Mittlerer Schneidezahn6 bis 8 (unten zuerst)
Seitlicher Schneidezahn7 bis 9
Erster kleiner Backenzahn9 bis 11
Eckzahn und zweiter kleiner Backenzahn10 bis 13
Zweiter großer Backenzahn (Zwölfjahrmolar)11 bis 14
Weisheitszähneab 17, oft später, manchmal nie

Die letzten Milchzähne gehen etwa mit elf Jahren verloren. Wann der Wechsel abgeschlossen ist, beantworten die Quellen unterschiedlich – die Angaben reichen von zwölf bis fünfzehn Jahren. Am Ende stehen 28 bleibende Zähne, mit den vier Weisheitszähnen 32.

Warum Milchzähne wichtiger sind, als sie aussehen

„Die fallen doch sowieso aus“ ist der Satz, der Kinderzahnärzte seufzen lässt. Milchzähne haben mindestens fünf Aufgaben: kauen, die Sprachentwicklung tragen, den Kiefer formen, das Aussehen prägen – und Platz halten.

Die Platzhalterfunktion ist der entscheidende Punkt. Geht ein Milchzahn zu früh verloren, wandern die Nachbarzähne in die Lücke, und der bleibende Zahn bricht schief durch oder findet keinen Platz. Dann wird aus einem verlorenen Milchzahn später eine kieferorthopädische Behandlung. Manchmal lässt sich das mit einem Lückenhalter abfangen. Ehrlicherweise: Für Lückenhalter gibt es keine deutsche Leitlinie, und eine internationale Übersichtsarbeit fand keine starke Evidenz für eine bestimmte Bauart. Dass die Milchzähne Platz halten, ist fachlicher Konsens – welcher Lückenhalter am besten funktioniert, ist schlecht untersucht.

Dazu kommt: Milchzahnschmelz ist dünner als der Schmelz bleibender Zähne. Karies kommt dort schneller voran. Und eine unbehandelte Entzündung an einer Milchzahnwurzel sitzt direkt über dem Keim des bleibenden Zahns.

Frühkindliche Karies: die Nuckelflasche und ihre Folgen

Als frühkindliche Karies bezeichnet man Karies bei Kindern unter drei Jahren. Die typische Form entsteht durch dauerhaftes Nuckeln an der Flasche, besonders nachts und besonders mit zucker- oder säurehaltigen Getränken. Betroffen sind zuerst die oberen Schneidezähne – die unteren bleiben zunächst gesund, weil die Zunge sie beim Saugen schützt. Dieses Muster ist so charakteristisch, dass es Zahnärzte sofort erkennen.

Das erste Zeichen sind kreidig-weiße Entkalkungen am Zahnschmelz. Noch keine Löcher, aber der Beginn. Wer das früh sieht, kann oft ohne Bohrer gegensteuern.

Die Zahlen für Deutschland: Bei den Dreijährigen hatten in der letzten bundesweiten Erhebung 13,7 Prozent Karieserfahrung, 86,3 Prozent waren naturgesund. Der Durchschnittswert klingt niedrig, verdeckt aber eine starke Ungleichverteilung – innerhalb der betroffenen Gruppe lag der Wert bei 3,57 betroffenen Zähnen. Fachleute sprechen von sozialer Polarisierung: Wenige Kinder tragen fast die gesamte Karieslast. Bei den Zwölfjährigen sind heute rund 78 Prozent kariesfrei, die Karieslast ist seit Ende der 1990er-Jahre um etwa 90 Prozent gesunken. Ein Erfolg der Gruppenprophylaxe – der bei den Kleinsten aber nicht in gleichem Maß angekommen ist.

Eine Lücke, die wir benennen: Neuere bundesweite Zahlen für Dreijährige als die Erhebung von 2015/16 gibt es nicht. Die große Mundgesundheitsstudie von 2025 hat Kleinkinder nicht untersucht. Eine neue Erhebung läuft.

Die praktische Konsequenz ist unspektakulär: Die Flasche ist zum Trinken da, nicht zum Beruhigen und nicht zum Einschlafen. Ungesüßte Getränke, und ab dem ersten Zahn geputzt.

Fluorid: das aktuelle Schema

Hier war die Lage jahrelang verwirrend, weil Zahnmedizin und Kinderheilkunde unterschiedliche Empfehlungen gaben – die eine Zahnpasta ab dem ersten Zahn, die andere Fluoridtabletten. Eltern bekamen in der Kinderarztpraxis etwas anderes zu hören als in der Zahnarztpraxis. Seit April 2021 gibt es eine gemeinsame Empfehlung, 2025 fachlich fortgeschrieben und seit Januar 2026 in der amtlichen Elterninformation des Gelben Hefts umgesetzt.

AlterZahnpastaMengeHäufigkeit
Geburt bis erster Zahnnoch keine–Kombitablette 0,25 mg Fluorid + 400 bis 500 I.E. Vitamin D täglich
Erster Zahn bis 12 Monate1.000 ppm Fluorid
(oder fluoridfrei plus Fluoridtablette)
reiskorngroß, bis 0,125 gbis 2 × täglich
12 bis unter 24 Monate1.000 ppm Fluoridreiskorngroß, bis 0,125 g2 × täglich, Eltern putzen
24 bis 72 Monate1.000 ppm Fluoriderbsengroß, bis 0,25 g2 × täglich
Ab 6 Jahren1.450 ppm Fluoridbis volle Bürstenlängemindestens 2 × täglich

Die wichtigste Regel steht nicht in der Tabelle, sondern daneben: Fluoridhaltige Zahnpasta und Fluoridtabletten sollen nicht kombiniert werden. Entweder das eine oder das andere. Ab dem ersten Zahn entscheiden Sie sich nach Beratung – bei der U5 oder beim ersten Zahnarztbesuch – für einen der beiden Wege.

Überschreiten Sie die angegebene Menge nicht. Kleinkinder können noch nicht ausspucken, sie schlucken die Zahnpasta. Deshalb auch kein Fruchtgeschmack: Das verleitet zum Schlucken und erschwert später das Ausspucken. Fluoridgel und Mundspüllösung sind in der Regel erst ab sechs Jahren sinnvoll, vorher ist das Schluckrisiko zu hoch.

Zur Sicherheitsfrage, weil sie regelmäßig gestellt wird: Akute Vergiftungen durch Zahnpasta sind praktisch bedeutungslos – von 1.683 Fällen verschluckter Fluoridzahnpasta bei Kleinkindern, die ein Giftinformationszentrum zwischen 1996 und 2021 erfasste, verlief fast jeder symptomlos oder mit leichten Magen-Darm-Beschwerden. Etwa 10 bis 20 Prozent der Kinder in Deutschland haben eine milde Dentalfluorose, eine feine weißliche Schmelzveränderung; sie entsteht bei dauerhafter Überdosierung während der Schmelzbildung, und das Risiko endet mit etwa sechs Jahren. Der zuletzt viel diskutierte Verdacht, Fluorid könne die kognitive Entwicklung beeinträchtigen, hat sich nach Bewertung der deutschen Expertengruppe nicht bestätigt; die Forschung dazu läuft weiter. Wer die empfohlene Menge einhält und das Kind beim Putzen beaufsichtigt, ist auf der sicheren Seite. Mehr dazu in unserem Ratgeber Fluorid als Kariesschutz.

Ein Nebenaspekt, den wir transparent machen: Für die Fluoridierung im Milchgebiss existiert derzeit keine gültige Leitlinie der wissenschaftlichen Fachgesellschaften – die frühere ist abgelaufen, die aktuelle Kariesleitlinie schließt Vorschulkinder ausdrücklich aus. Maßgeblich sind der gemeinsame Konsens von 2021 und das Positionspapier von 2025.

Was die Kasse zahlt: Z1 bis Z6, Fluoridlack, Versiegelung

Früherkennungsuntersuchungen Z1 bis Z6. Sechs zahnärztliche Untersuchungen vom sechsten bis zum vollendeten 72. Lebensmonat, Rechtsgrundlage § 26 SGB V. Seit dem 1. Januar 2026 heißen sie Z1 bis Z6 und werden im Gelben Heft dokumentiert, nicht mehr in einem separaten Zahnpass. Die Zeitfenster: Z1 im 6. bis 9. Monat, Z2 im 10. bis 20., Z3 im 21. bis 33., Z4 im 34. bis 48., Z5 im 49. bis 60., Z6 im 61. bis 72. Monat.

Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Blöcke. Bei Z1 bis Z3 gehören die Anamnese zum Ernährungsverhalten – ausdrücklich zum Nuckelflaschengebrauch – und die praktische Anleitung der Eltern zur Mundhygiene dazu. Sie üben also in der Praxis, wie man die Zähne eines Kleinkinds tatsächlich putzt und wie viel Zahnpasta auf die Bürste kommt. Bei Z4 bis Z6 entfällt die praktische Übung; dafür wird das Kariesrisiko eingeschätzt und gegebenenfalls werden Fluoridtabletten verordnet.

Fluoridlack. Zweimal je Kalenderhalbjahr, vom sechsten bis zum vollendeten 72. Lebensmonat, zusätzlich zu den Untersuchungen. Wichtige Neuerung: Seit April 2024 ist die Anwendung ab dem 34. Lebensmonat vom Kariesrisiko entkoppelt – sie steht jetzt allen Kindern bis zum sechsten Geburtstag zu, nicht nur Risikokindern. Zum Nutzen: Die Bewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen fand einen Hinweis auf geringere Kariesinzidenz, kein starker Beleg, aber ein belastbarer Hinweis.

Individualprophylaxe. Ab dem vollendeten sechsten bis zum nicht vollendeten 18. Lebensjahr einmal je Kalenderhalbjahr, nach § 22 SGB V: Zahnfleischbefund, Mundhygienestatus, Aufklärung, Motivation und Instruktion, Maßnahmen zur Schmelzhärtung. Das sind die Termine, die auch das Bonusheft füllen. Details in unserem Ratgeber zur Individualprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen.

Fissurenversiegelung. Kassenleistung, aber eng umgrenzt: nur für die bleibenden großen Backenzähne, also die Sechser und Siebener, nur vom vollendeten sechsten bis zum nicht vollendeten 18. Lebensjahr und nur für kariesfreie Fissuren. Milchbackenzähne und die kleinen Backenzähne sind nicht erfasst. Die Leitlinie hält eine Versiegelung grundsätzlich auch an Milchzähnen für möglich – die Kasse zahlt sie dort nicht. Den größten Nutzen hat die Versiegelung unmittelbar nach dem Durchbruch der bleibenden Backenzähne. Mehr in unserem Ratgeber zur Fissurenversiegelung.

Putzen, Nachputzen, Wackelzähne

Geputzt wird ab dem ersten Zahn, morgens und abends. Weiche, kleine Bürste; am Anfang geht auch ein Wattestäbchen. Führen Sie das Kind behutsam heran und putzen Sie nicht gegen seinen Widerstand – ein Machtkampf am Waschbecken kostet Sie die nächsten Jahre.

Die bekannte Reihenfolge heißt KAI: zuerst Kauflächen, dann Außenflächen, dann Innenflächen. Zwei bis drei Minuten, und die Technik sollte mit etwa sechs bis acht Jahren sitzen.

Beim Nachputzen weichen die Empfehlungen voneinander ab, und wir geben sie so wieder, wie sie sind: Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt Nachputzen bis zum Schulalter und Kontrolle bis etwa zehn Jahre, die Landeszahnärztekammer Thüringen das neunte Lebensjahr, die Bayerische Landeszahnärztekammer etwa das achte. Eine Leitlinienaussage gibt es dazu nicht. Als Faustregel: gründlich nachputzen mindestens bis zum Schuleintritt, danach kontrollieren bis etwa acht bis zehn Jahre. Entscheidend ist nicht das Geburtsdatum, sondern ob das Kind die Backenzähne wirklich sauber bekommt.

Zum Schnuller: Im zweiten Lebensjahr auf Abgewöhnung hinarbeiten. Nuckeln ab dem dritten Lebensjahr kann den Kiefer dauerhaft verformen.

Und der Wackelzahn? Dazu gibt es, so überraschend das klingt, keine offizielle Empfehlung. Weder die Fachgesellschaften noch die Kammern äußern sich zur Frage, ob Eltern einen wackelnden Milchzahn ziehen dürfen. Was belegt ist: Beim normalen Zahnwechsel ist die Wurzel bereits abgebaut, der Zahn hängt am Zahnfleisch. Wenn das Putzen wehtut, können Sie mit einem Finger hinter dem Zahn gegenhalten und von der anderen Seite putzen. Wenn ein Zahn seit Wochen wackelt, blutet oder das Kind beim Essen behindert, ist das ein Thema für die Praxis – nicht fürs Internet.

Zahnunfall: Beim Milchzahn gilt das Gegenteil

Das ist der Abschnitt, den Eltern kennen sollten, bevor sie ihn brauchen. Denn bei Milchzähnen gilt genau die umgekehrte Regel wie bei bleibenden Zähnen.

Ein ausgeschlagener Milchzahn wird nicht wieder eingesetzt. Die internationale Traumaleitlinie ist an dieser Stelle unmissverständlich. Drei Gründe: die erhebliche Behandlungsbelastung für ein kleines Kind, die Gefahr, den bleibenden Nachfolger oder seinen Durchbruch zu schädigen, und – der wichtigste – das Risiko, dass das Kind den Zahn einatmet.

Das heißt: Für einen Milchzahn brauchen Sie keine Zahnrettungsbox, und Sie sollen den Zahn nicht zurückstecken. Trotzdem in die Praxis – wegen Weichteilverletzungen, möglicher Wurzelreste und der Nachkontrolle. Vorgesehen sind eine Kontrolle nach sechs bis acht Wochen und noch eine mit etwa sechs Jahren, wenn der bleibende Zahn kommt.

Bei einem bleibenden Zahn ist es umgekehrt: Der gehört so schnell wie möglich in eine Zahnrettungsbox, ersatzweise in H-Milch, isotone Kochsalzlösung oder Ringerlösung. Nach mehr als 60 Minuten Trockenlagerung sind die Zellen der Wurzelhaut sehr wahrscheinlich nicht mehr vital. Was Sie dazu wissen müssen, steht in unserem Ratgeber zur Zahnrettungsbox.

Ist ein Milchzahn ins Zahnfleisch hineingeschlagen oder verschoben, wird er in der Regel nicht gerichtet: Er soll sich spontan wieder einstellen, unabhängig von der Richtung der Verschiebung. Das dauert meist bis zu sechs Monate, manchmal ein Jahr. Kontrolliert wird nach einer Woche, nach sechs bis acht Wochen, nach sechs Monaten und nach einem Jahr.

Auch hier eine offene Flanke: Für Milchzahnverletzungen gibt es keine deutsche Leitlinie. Die deutsche Traumaleitlinie gilt ausdrücklich nur für bleibende Zähne; maßgeblich ist die internationale Empfehlung.

Milchzahnkaries: muss immer gebohrt werden?

Nein. Das ist seit einigen Jahren die wichtigste Veränderung in der Kinderzahnheilkunde, und sie nimmt vielen Eltern eine Sorge.

Entscheidend ist der Zustand des Zahnnervs. Ist der Zahn schmerzfrei und die Entzündung reversibel, stehen mehrere Wege offen. Eine Läsion lässt sich durch konsequentes Putzen plus Fluorid inaktivieren, in der Praxis unterstützt durch Fluoridlack. Oder die Hall-Technik: eine vorgefertigte Stahlkrone, die ohne Bohren und ohne Betäubung direkt auf den kariösen Backenzahn zementiert wird. Bei großen Defekten, nach einer Wurzelbehandlung oder bei hoher Kariesaktivität bleiben Stahlkronen der Standard. Liegt eine nicht mehr heilbare Entzündung oder ein abgestorbener Nerv vor, ist eine Wurzelbehandlung oder das Ziehen des Zahns nötig – und beim Ziehen gleich die Frage nach dem Platzhalter.

Wie ein führender deutscher Kinderzahnarzt es formuliert: Karies wird primär dort behandelt, wo sie entsteht – zu Hause.

Die Studienlage dazu ist offen. Eine große randomisierte Studie verglich drei Behandlungsstrategien bei Drei- bis Siebenjährigen und fand keinen Unterschied bei Schmerzen oder Infektionen. Was sich daraus für Eltern ergibt, ist eindeutig: Eine kariöse Stelle am Milchzahn muss immer zahnärztlich beurteilt werden. Nichts zu tun ist keine Option. Aber Bohren ist nicht automatisch der einzige Weg, und Sie dürfen nach den Alternativen fragen.

Häufige Fragen von Eltern

Wann sollte mein Kind zum ersten Mal zum Zahnarzt?

Ab dem sechsten Lebensmonat, spätestens mit dem ersten Zahn. Der erste Termin ist die Untersuchung Z1 und kostet Sie nichts. Je früher der erste Besuch ohne Beschwerden stattfindet, desto selbstverständlicher wird der Zahnarztbesuch später – das ist die beste Vorbeugung gegen Zahnarztangst, die wir kennen.

Welche Zahnpasta und wie viel?

Ab dem ersten Zahn bis 24 Monate: reiskorngroß, 1.000 ppm Fluorid, zweimal täglich. Von 24 bis 72 Monate: erbsengroß, 1.000 ppm, zweimal täglich. Ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr 1.450 ppm und bis zu volle Bürstenlänge. Nicht mehr – Kleinkinder schlucken, was im Mund ist.

Zahnpasta oder Fluoridtabletten?

Entweder, oder – nie beides. Von der Geburt bis zum ersten Zahn gibt es eine Kombitablette mit 0,25 mg Fluorid und Vitamin D. Ab dem ersten Zahn wählen Sie nach Beratung: entweder Fluoridtablette plus fluoridfreie Zahnpasta oder fluoridierte Zahnpasta plus reines Vitamin D.

Ist Fluorid gefährlich für mein Kind?

Bei Einhaltung der empfohlenen Mengen nein. Akute Vergiftungen durch Zahnpasta sind praktisch bedeutungslos. Eine milde Dentalfluorose – feine weiße Schmelzflecken – haben etwa 10 bis 20 Prozent der Kinder; sie entsteht nur bei dauerhafter Überdosierung während der Schmelzbildung, und das Risiko endet mit etwa sechs Jahren. Der Verdacht auf eine Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung hat sich nicht bestätigt.

Bis wann muss ich nachputzen?

Gründlich nachputzen mindestens bis zum Schuleintritt, kontrollieren bis etwa acht bis zehn Jahre. Die Quellen nennen Werte zwischen acht und zehn Jahren, eine Leitlinie gibt es dazu nicht. Verlassen Sie sich auf den Befund, nicht auf das Alter: Wenn beim Kontrollieren noch Belag auf den Backenzähnen liegt, putzen Sie weiter nach.

Mein Kind hat einen Milchzahn ausgeschlagen – in die Zahnrettungsbox?

Nein. Ein ausgeschlagener Milchzahn wird nicht wieder eingesetzt, wegen der Belastung für das Kind, möglicher Schäden am bleibenden Nachfolger und der Gefahr, dass der Zahn eingeatmet wird. Gehen Sie trotzdem in die Praxis. Die Zahnrettungsbox gilt nur für bleibende Zähne.

Zahnt mein Baby – kommt davon das Fieber?

Zahnen kann die Körpertemperatur leicht erhöhen, gilt aber nicht als Fieberursache. Eine Metaanalyse mit über 3.500 Kindern fand als häufigste Begleiterscheinungen gereiztes Zahnfleisch, Unruhe und verstärkten Speichelfluss. Hohes Fieber oder Durchfall haben eine andere Ursache und sollten ärztlich abgeklärt werden. Mehr dazu in unserem Ratgeber Wenn Babys zahnen.

Welcher bleibende Zahn kommt zuerst?

Meist der erste große Backenzahn mit etwa fünf bis sieben Jahren, häufig noch vor dem ersten Wackelzahn. Er ersetzt keinen Milchzahn, sondern bricht hinter der Milchzahnreihe durch – und wird deshalb beim Putzen leicht vergessen. Schauen Sie dort gezielt nach.

Muss jede Milchzahnkaries gebohrt werden?

Nein. Bei schmerzfreien Zähnen sind das Inaktivieren durch Putzen und Fluorid, Fluoridlack oder die Hall-Technik etablierte Alternativen. Eine nicht mehr heilbare Entzündung des Zahnnervs erfordert dagegen eine Wurzelbehandlung oder das Ziehen. Untersuchen lassen müssen Sie in jedem Fall.

Wie viele Zähne hat mein Kind am Ende?

20 Milchzähne, dann 28 bleibende Zähne – der Durchbruch ist etwa mit 13 Jahren abgeschlossen. Mit den vier Weisheitszähnen sind es 32. Die kommen ab etwa 17 Jahren, bei manchen Menschen gar nicht.

Quellen

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Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

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