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Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich und die Zähne

Eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich hat drei wesentliche Folgen für den Mund: Die Speicheldrüsen produzieren dauerhaft weniger Speichel, dadurch steigt das Kariesrisiko erheblich, und der bestrahlte Kieferknochen heilt nach Eingriffen deutlich schlechter. Deshalb ist die zahnärztliche Sanierung vor Therapiebeginn nicht optional, sondern Teil der Behandlungsvorbereitung — und die Nachsorge begleitet Sie lebenslang.

Inhalt

    Das klingt drastisch. Es ist der Bereich, in dem zahnärztliche Vorbereitung einen der größten Unterschiede macht.

    Was die Bestrahlung im Mund bewirkt

    Die Speicheldrüsen werden geschädigt. Liegen sie im Bestrahlungsfeld, produzieren sie dauerhaft weniger Speichel. Anders als bei einer Chemotherapie erholt sich das oft nur teilweise. Wie zentral Speichel für die Mundgesundheit ist, beschreibt der Beitrag Speichel.

    Die Schleimhaut entzündet sich. Während und nach der Therapie treten wunde Stellen auf, ähnlich wie bei einer Chemotherapie — siehe Mundpflege bei Chemotherapie.

    Der Knochen wird schlechter durchblutet. Der bestrahlte Kieferknochen erhält weniger Blutversorgung. Damit sinkt seine Fähigkeit zu heilen — dauerhaft.

    Die Mundöffnung kann eingeschränkt sein. Durch Vernarbung der Kaumuskulatur wird das Öffnen mit der Zeit schwerer, was auch die Behandlung erschwert.

    Strahlenkaries — warum sie so schnell geht

    Fehlender Speichel bedeutet: keine Spülwirkung, keine Neutralisierung von Säuren, keine antibakteriellen Bestandteile, keine Remineralisierung des Zahnschmelzes.

    Die Folge ist eine besonders aggressive Kariesform, die typischerweise an den Zahnhälsen beginnt und den Zahn ringförmig umfasst. Sie kann deutlich schneller fortschreiten als gewöhnliche Karies.

    Das ist der Grund für die intensive Fluoridierung, die Betroffenen empfohlen wird: hochdosierte Fluoridpräparate, oft täglich, meist über individuell angefertigte Schienen. Grundlagen unter Fluorid, zur Kariesform unter Wurzelkaries.

    Osteoradionekrose — der kritische Punkt

    Der bestrahlte Kieferknochen heilt schlecht. Wird er verletzt — etwa durch eine Zahnentfernung —, kann selten eine Osteoradionekrose entstehen: ein Bereich abgestorbenen Knochens, der nicht abheilt.

    Sie ist selten, aber schwerwiegend und langwierig zu behandeln. Entscheidend ist:
    Alle notwendigen Zahnentfernungen gehören vor die Bestrahlung. Danach wird jede Extraktion im bestrahlten Gebiet zu einem Eingriff mit erhöhtem Risiko, der besondere Vorbereitung erfordert.

    Der Zusammenhang ähnelt dem bei knochenabbauhemmenden Medikamenten, ist aber eigenständig — siehe Bisphosphonate und Kiefernekrose.

    Die Sanierung vor Therapiebeginn

    Sie ist umfangreicher als bei anderen Therapien und braucht zeitlichen Vorlauf, weil Wunden abheilen müssen.

    Dazu gehören üblicherweise:

    • Entfernung aller nicht sicher erhaltungswürdigen Zähne im Bestrahlungsgebiet
    • Behandlung von Karies und undichten Füllungen
    • Behandlung von Entzündungen im Zahnhalteapparat
    • Glätten scharfer Knochenkanten nach Extraktionen
    • Anpassung oder vorübergehendes Aussetzen von Prothesen
    • Anfertigung individueller Fluoridierungsschienen
    • Einweisung in die intensive häusliche Mundhygiene

    Die Beurteilung, welcher Zahn erhaltungswürdig ist, fällt hier strenger aus als sonst. Ein Zahn, den man unter normalen Umständen mit einer Wurzelbehandlung retten würde, wird vor einer Bestrahlung eher entfernt — weil eine spätere Extraktion ungleich riskanter wäre.

    Das kann sich hart anfühlen. Es ist die Abwägung zwischen einem Zahn heute und einer Osteoradionekrose später. Lassen Sie sich die Entscheidung für jeden einzelnen Zahn erklären — Sie haben ein Recht darauf, die Gründe zu verstehen, bevor der Eingriff erfolgt. Was eine umfassende Sanierung umfasst, steht unter Zahnsanierung; zum Eingriff selbst siehe Zahnextraktion.

    Sprechen Sie das Thema früh an, sobald eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich im Raum steht. Der zeitliche Vorlauf ist entscheidend, und er wird in der Behandlungsplanung nicht immer automatisch mitgedacht.

    Die Zeit während der Bestrahlung

    Sehr weiche Zahnbürste, mehrmals täglich, wenig Druck. Milde Zahnpasta ohne scharfe Aromen. Häufiges Spülen mit milden, alkoholfreien Lösungen.

    Den Mund feucht halten: viel trinken, Wasser griffbereit, bei Bedarf Speichelersatzmittel aus der Apotheke. Was sonst hilft, steht unter Mundtrockenheit.

    Prothesen werden während dieser Zeit häufig ausgesetzt, weil sie auf entzündeter Schleimhaut scheuern. Besprechen Sie das mit dem Behandlungsteam.

    Beschwerden im Mund gehören immer angesprochen — es gibt schmerzlindernde Spüllösungen und Gele.

    Die Nachsorge — lebenslang

    Das ist der Teil, der am häufigsten unterschätzt wird. Nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich bleibt das erhöhte Risiko bestehen, oft dauerhaft.

    Was das praktisch bedeutet:
    Engmaschige Kontrollen, deutlich häufiger als der übliche Jahresrhythmus. Den Abstand legt die Praxis fest.

    Tägliche Fluoridierung, meist lebenslang, über die angefertigten Schienen.

    Sofortiges Melden bei jeder Veränderung: freiliegender Knochen, eine Stelle die nicht heilt, neue Schmerzen, Taubheitsgefühl.

    Jede geplante Zahnentfernung im bestrahlten Gebiet vorher mit dem Behandlungsteam abstimmen. Auch Jahre später.

    Prothesen regelmäßig prüfen lassen. Druckstellen sind hier nicht harmlos.

    Wie es weitergeht

    Wenn eine Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich geplant ist: Vereinbaren Sie so früh wie möglich einen zahnärztlichen Termin und sagen Sie ausdrücklich, worum es geht. Der zeitliche Vorlauf für Sanierung und Wundheilung ist der entscheidende Faktor.

    Liegt die Bestrahlung bereits zurück, geht es um konsequente Nachsorge — auch dafür ist ein Termin der richtige Schritt.

    Über die Zahnarztsuche finden Sie eine Praxis in Ihrer Nähe; Krankenkasse und gewünschte Behandlung wählen Sie direkt bei der Online-Terminbuchung aus.

    Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Die zahnärztliche Vorbereitung erfolgt in Abstimmung mit der strahlentherapeutischen Behandlung.

    Häufige Fragen

    Warum muss ich vor einer Bestrahlung zum Zahnarzt?

    Weil der bestrahlte Kieferknochen dauerhaft schlechter heilt. Alle notwendigen Zahnentfernungen sollten vorher erfolgen — danach ist jeder Eingriff im bestrahlten Gebiet risikoreicher.

    Was ist eine Osteoradionekrose?

    Ein Bereich abgestorbenen Kieferknochens, der nach Verletzung des bestrahlten Knochens entsteht und nicht abheilt. Sie ist schwerwiegend und langwierig zu behandeln.

    Was ist Strahlenkaries?

    Eine besonders aggressive Kariesform, die durch den fehlenden Speichel entsteht. Sie beginnt meist an den Zahnhälsen und schreitet deutlich schneller voran als gewöhnliche Karies.

    Bleibt die Mundtrockenheit dauerhaft?

    Häufig ja, zumindest teilweise. Anders als nach einer Chemotherapie erholen sich die Speicheldrüsen oft nur begrenzt, wenn sie im Bestrahlungsfeld lagen.

    Warum werden Zähne entfernt, die man sonst retten würde?

    Weil eine spätere Extraktion im bestrahlten Gebiet mit einem erheblichen Risiko verbunden wäre. Die Beurteilung der Erhaltungswürdigkeit fällt deshalb strenger aus.

    Muss ich lebenslang Fluorid anwenden?

    In der Regel ja, meist täglich über individuell angefertigte Schienen. Das ist ein wichtiger Schutz gegen Strahlenkaries.

    Kann ich nach der Bestrahlung noch Zähne ziehen lassen?

    Möglich, aber nur nach Abstimmung mit dem Behandlungsteam und mit besonderer Vorbereitung. Auch Jahre später gilt das erhöhte Risiko fort.

    Darf ich meine Prothese weiter tragen?

    Während der Bestrahlung wird sie häufig ausgesetzt, weil sie auf entzündeter Schleimhaut scheuert. Danach muss der Sitz regelmäßig kontrolliert werden.

    Wie oft muss ich zur Kontrolle?

    Deutlich häufiger als üblich, oft dauerhaft. Den konkreten Abstand legt die Praxis nach Ihrem Befund und dem Bestrahlungsgebiet fest.

    Wann muss ich mich sofort melden?

    Bei freiliegendem Knochen, bei einer Stelle die nicht heilt, bei neuen Schmerzen im Kiefer und bei Taubheitsgefühl an Lippe oder Kinn.

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    Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

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