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Die Unterkieferprotrusionsschiene bei Schlafapnoe

Die Unterkieferprotrusionsschiene ist eine zweiteilige Schiene, die den Unterkiefer im Schlaf leicht nach vorn verlagert. Dadurch bleibt der Rachenraum offener, und die Atemwege fallen seltener zusammen. Sie kommt vor allem bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe infrage sowie bei Menschen, die eine Überdrucktherapie nicht vertragen. Angepasst wird sie zahnärztlich — die Diagnose stellt jedoch die Schlafmedizin.

Inhalt

    Diese Arbeitsteilung ist entscheidend: Die Schiene ist ein zahnärztliches Hilfsmittel für eine Erkrankung, die anderswo diagnostiziert wird.

    Worum es bei Schlafapnoe geht

    Bei der obstruktiven Schlafapnoe erschlafft die Muskulatur im Rachenraum während des Schlafs so weit, dass die Atemwege zeitweise verschließen. Die Atmung setzt aus, der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt, der Körper reagiert mit einer Weckreaktion — meist ohne dass die betroffene Person davon etwas mitbekommt.

    Die Folgen sind Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen ist das typische Fremdbeobachtungszeichen — häufig ist es der Partner oder die Partnerin, die es bemerkt.

    Wichtig: Schnarchen allein ist keine Schlafapnoe. Viele Menschen schnarchen, ohne Atemaussetzer zu haben. Die Unterscheidung trifft eine schlafmedizinische Untersuchung, nicht die Zahnarztpraxis. Mehr zum Zusammenhang unter Schnarchen und Zahnarzt.

    Wie die Schiene wirkt

    Die Schiene besteht aus zwei Teilen — einem für den Ober-, einem für den Unterkiefer —, die miteinander verbunden sind. Die Verbindung hält den Unterkiefer in einer leicht vorverlagerten Position.

    Dadurch wird der Zungengrund nach vorn gezogen und der Raum hinter der Zunge vergrößert. Der Rachen bleibt offener, die Atemwege kollabieren seltener.

    Die Vorverlagerung wird individuell eingestellt und meist über mehrere Termine schrittweise angepasst: so viel wie nötig für die Wirkung, so wenig wie möglich für die Verträglichkeit.

    Wann sie infrage kommt

    Bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe. Hier ist sie eine etablierte Behandlungsoption.

    Wenn eine Überdrucktherapie nicht vertragen wird. Die CPAP-Therapie mit Atemmaske gilt bei ausgeprägter Schlafapnoe als Standard. Manche Menschen kommen damit dauerhaft nicht zurecht — für sie ist die Schiene eine Alternative.

    Bei störendem Schnarchen ohne Apnoe. Auch hier kann sie helfen, dann allerdings ohne medizinische Notwendigkeit im engeren Sinn.

    Wenn Sie viel unterwegs sind. Die Schiene braucht keinen Strom und passt in die Jackentasche — für manche der entscheidende Praxisvorteil gegenüber einem Gerät.

    Wann sie nicht passt

    Es gibt klare Grenzen, und sie liegen im Mund.

    Die Schiene braucht ausreichend eigene, feste Zähne, um sich abzustützen. Bei stark reduziertem Restgebiss, ausgeprägter Parodontitis mit gelockerten Zähnen oder Vollprothesen ist sie nicht geeignet.

    Auch bei Kiefergelenkbeschwerden ist Vorsicht geboten — die Vorverlagerung belastet das Gelenk zusätzlich. Bestehende Beschwerden gehören vorher abgeklärt, siehe CMD-Therapie und Kieferschmerzen.

    Bei schwerer Schlafapnoe ist sie in der Regel nicht ausreichend. Dann bleibt die Überdrucktherapie die Behandlung der Wahl.

    Der Ablauf

    1. Schlafmedizinische Diagnose. Ohne sie geht nichts. Die Untersuchung erfolgt ambulant oder im Schlaflabor und bestimmt Schweregrad und Art der Schlafapnoe.
    2. Zahnärztliche Voruntersuchung. Geprüft wird, ob Zahnzustand und Kiefergelenke eine Schiene zulassen. Dazu gehört häufig eine Funktionsdiagnostik.
    3. Abformung und Anfertigung. Die Schiene wird individuell im Labor gefertigt.
    4. Eingliederung und Einstellung. Die Vorverlagerung wird schrittweise angepasst, meist über mehrere Termine.
    5. Kontrolle des Erfolgs. Eine erneute schlafmedizinische Messung zeigt, ob die Schiene wirkt.
    6. Regelmäßige Nachkontrolle. Sitz, Zahnstellung und Kiefergelenke werden überprüft.

    Schritt fünf wird gelegentlich übersprungen — zu Unrecht. Ob die Schiene wirkt, lässt sich nicht am Gefühl ablesen, sondern nur an einer Messung.

    Was die Kasse zahlt

    Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Unterkieferprotrusionsschiene bei obstruktiver Schlafapnoe unter bestimmten Voraussetzungen — insbesondere bei ärztlich diagnostizierter Schlafapnoe und wenn eine CPAP-Therapie nicht vertragen wird oder nicht infrage kommt, auf ärztliche Verordnung hin und wenn die zahnärztlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

    Ohne diese Voraussetzungen und bei reinem Schnarchen ohne Apnoe handelt es sich um eine Privatleistung. Die Kosten liegen dann je nach Ausführung typischerweise im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich.

    Klären Sie die Kostenübernahme vor der Anfertigung schriftlich mit Ihrer Krankenkasse. Die genauen Voraussetzungen ändern sich und werden im Einzelfall geprüft.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Sie sind meist mild und lassen in den ersten Wochen nach:

    • Druckgefühl an Zähnen und Zahnfleisch am Morgen
    • vermehrter Speichelfluss oder trockener Mund
    • Spannungsgefühl im Kiefergelenk oder in der Kaumuskulatur

    Bei längerer Anwendung können sich Zahnstellung und Biss verändern. Das ist der Grund für die regelmäßigen Kontrollen — Veränderungen werden so früh bemerkt und lassen sich meist durch Anpassung auffangen.

    Anhaltende Kiefergelenkbeschwerden sollten Sie nicht aussitzen, sondern ansprechen.

    Abgrenzung zur Knirscherschiene

    Beide sind Kunststoffschienen für die Nacht — sie haben aber nichts miteinander zu tun.

    Eine Knirscherschiene schützt die Zähne vor dem Abrieb durch nächtliches Pressen und Knirschen. Sie besteht meist aus einem Teil und verlagert den Unterkiefer nicht. Siehe Knirscherschiene und Bruxismus.

    Eine Protrusionsschiene hält den Unterkiefer vorn, um die Atemwege offen zu halten. Sie ist zweiteilig und für die Atmung gemacht, nicht für den Zahnschutz.

    Wer beide Probleme hat, braucht eine Lösung, die das berücksichtigt — sprechen Sie das an.

    Wie es weitergeht

    Wenn Sie den Verdacht auf Schlafapnoe haben, ist der erste Schritt nicht die Zahnarztpraxis, sondern die schlafmedizinische Abklärung. Erst mit der Diagnose lässt sich entscheiden, ob eine Schiene infrage kommt.

    Liegt die Diagnose vor, finden Sie über die Zahnarztsuche eine Praxis in Ihrer Nähe; Krankenkasse und gewünschte Behandlung wählen Sie direkt bei der Online-Terminbuchung aus. Bringen Sie den schlafmedizinischen Befund mit.

    Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Diagnose einer Schlafapnoe und die Therapieentscheidung erfolgen schlafmedizinisch.

    Häufige Fragen

    Wie wirkt eine Unterkieferprotrusionsschiene?

    Sie hält den Unterkiefer im Schlaf leicht vorverlagert. Dadurch wird der Zungengrund nach vorn gezogen, der Rachenraum bleibt offener und die Atemwege fallen seltener zusammen.

    Für wen kommt die Schiene infrage?

    Vor allem bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe und bei Menschen, die eine Überdrucktherapie mit Maske nicht vertragen.

    Zahlt die Krankenkasse die Schiene?

    Unter bestimmten Voraussetzungen ja — in der Regel, wenn eine Überdrucktherapie nicht erfolgreich durchführbar ist. Klären Sie die Übernahme vor der Anfertigung schriftlich mit Ihrer Kasse.

    Was kostet sie als Privatleistung?

    Je nach Ausführung typischerweise im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich. Die genauen Kosten nennt Ihnen die Praxis vorab.

    Brauche ich eine Diagnose?

    Ja. Die Schlafapnoe wird schlafmedizinisch diagnostiziert, ambulant oder im Schlaflabor. Die Zahnarztpraxis fertigt die Schiene an, stellt aber nicht die Diagnose.

    Hilft die Schiene auch gegen reines Schnarchen?

    Häufig ja. Ohne diagnostizierte Apnoe ist sie dann allerdings meist eine Privatleistung ohne medizinische Notwendigkeit im engeren Sinn.

    Welche Nebenwirkungen gibt es?

    Anfangs Druckgefühl, vermehrter Speichelfluss und Spannung im Kiefergelenk. Bei längerer Anwendung sind Veränderungen von Zahnstellung und Biss möglich — deshalb die regelmäßigen Kontrollen.

    Kann ich sie mit Prothesen tragen?

    Die Schiene braucht ausreichend eigene, feste Zähne zur Abstützung. Bei Vollprothesen oder stark reduziertem Restgebiss ist sie in der Regel nicht geeignet.

    Was ist der Unterschied zur Knirscherschiene?

    Die Knirscherschiene schützt die Zähne vor Abrieb und ist meist einteilig. Die Protrusionsschiene ist zweiteilig und hält den Unterkiefer vorn, um die Atemwege offen zu halten.

    Woher weiß ich, ob sie wirkt?

    Nur durch eine erneute schlafmedizinische Messung. Das subjektive Gefühl ist kein verlässlicher Maßstab — lassen Sie den Erfolg kontrollieren.

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    Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

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