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Intraoralscanner: Der digitale Zahnabdruck ohne Abdruckmasse

Weniger Würgereiz, keine Abdruckmasse: Wie der digitale Zahnabdruck funktioniert und was er kostet.

Sie kennen das vielleicht: Ein Abdrucklöffel voller kalter Masse, Sie sollen ruhig durch die Nase atmen, und die Minuten ziehen sich. Viele Praxen machen den Zahnabdruck heute anders. Ein kleiner Scanner fährt über die Zähne, und nach wenigen Minuten ist Ihr Gebiss als 3D-Modell auf dem Bildschirm.

Hier lesen Sie, wie der digitale Zahnabdruck mit dem Intraoralscanner abläuft, für wen er sich lohnt, was er kostet und wie Sie eine passende Praxis finden.

Kurz gesagt:

Ein Intraoralscanner ersetzt den klassischen Abdruck mit Abformmasse durch einen optischen Scan. Er ist berührungsarm und dauert meist nur wenige Minuten. In Studien bevorzugen Patienten den Scan deutlich und berichten seltener von Unbehagen oder Würgereiz. Gesetzlich Versicherte zahlen den Scan in der Regel privat, die Gebühr liegt bei etwa 10 € je Kieferabschnitt.

Inhalt

Wie läuft ein digitaler Zahnabdruck ab?

Digitaler Zahnabdruck mit dem Intraoralscanner

Der Scanner ist etwa so groß wie eine elektrische Zahnbürste. Vorne sitzt eine kleine Kamera. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt führt ihn Zahn für Zahn über Ihre Zahnreihe. Das Gerät nimmt dabei sehr viele Einzelbilder auf, die Software setzt daraus in Echtzeit ein dreidimensionales Modell zusammen.

  1. Vorbereitung: Die Zähne werden kurz getrocknet, Speichel stört die Kamera.
  2. Scan: Ober- und Unterkiefer werden nacheinander erfasst. Danach beißen Sie kurz zu, damit der Scanner Ihren Biss aufnimmt.
  3. Kontrolle: Sie sehen das Modell meist gleich auf dem Bildschirm. Fehlt eine Stelle, wird nur dieser Bereich nachgescannt. Sie müssen nicht noch einmal komplett in den Abdrucklöffel beißen.
  4. Weiterleitung: Die Daten gehen digital ans Dentallabor. Ein Gipsmodell, das auf dem Postweg bricht oder sich verzieht, gibt es nicht.

Für den ganzen Kiefer brauchen geübte Behandler meist nur wenige Minuten. Den Mund müssen Sie nur so weit öffnen wie bei einer normalen Kontrolle.

Ein Stück Geschichte: Die Idee ist älter, als viele denken. Ab 1980 entwickelten Werner Mörmann und Marco Brandestini an der Universität Zürich das CEREC-System. 1985 wurde damit das erste Keramik-Inlay nach einer optischen Vermessung im Mund eingesetzt. Heute sind Intraoralscanner in vielen Praxen Alltag.

Digital oder klassisch? Der direkte Vergleich

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Scan und Abformmasse auf einen Blick:

Digitaler Abdruck (Intraoralscanner)Klassischer Abdruck (Abformmasse)
Gefühl im MundKleiner Scannerkopf, keine MasseLöffel mit Masse, mehrere Minuten aushärten
WürgereizIn Studien seltenerHäufiger Grund für Unbehagen
Fehler korrigierenNur die betroffene Stelle nachscannenMeist ganzer Abdruck neu
Ergebnis sehenSofort als 3D-Modell am BildschirmErst als Gipsmodell im Labor
Weg ins LaborDigital, ohne VersandAbdruck wird verschickt
Kosten für KassenpatientenMeist privat, ca. 10 € je KieferabschnittIn der Kassenleistung enthalten
GrenzenTief unter dem Zahnfleisch, starke BlutungKaum, dafür unangenehmer

Was Patienten selbst sagen, ist gut untersucht. Eine Übersichtsarbeit mit Metaanalyse im Journal of Prosthetic Dentistry (de Paris Matos et al., 2023) fand: Patienten bevorzugen den Scan. Sie berichten weniger Unbehagen, seltener Übelkeit, schlechten Geschmack oder Atemnot. Bei Angst und Schmerz zeigte sich kein klarer Unterschied. Wie der klassische Abdruck mit Löffel und Abformmasse im Detail abläuft, lesen Sie im Ratgeber Gebissabformung.

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Wofür wird der Intraoralscanner eingesetzt?

  • Kronen, Brücken und Inlays: Der Scan ist die Grundlage für Kronen, Brücken und Inlays, die das Labor am Computer konstruiert und fräst oder druckt. Mehr dazu: CAD/CAM-Technologie und Zahnersatz aus dem 3D-Drucker.
  • Implantatkronen: Mit einem kleinen Scanpfosten auf dem Implantat wird dessen genaue Lage erfasst.
  • Aufbissschienen und Sportmundschutz: Wer nachts knirscht, bekommt die Schiene passgenau nach Scan.
  • Aligner und Zahnspange: Viele kieferorthopädische Praxen planen Aligner und Zahnspangen heute auf Basis eines 3D-Scans der Zähne statt mit einem klassischen Abdruck. Zahnbewegungen lassen sich am Modell planen und über die Zeit vergleichen. Mehr zur Zahnkorrektur.
  • Dokumentation: Zahnabnutzung, Zahnfleischrückgang oder Fehlstellungen lassen sich über Jahre vergleichen.

Besonders lohnend ist der Scan für:

  • Menschen mit starkem Würgereiz
  • Angstpatientinnen und -patienten, die jeden unangenehmen Schritt vermeiden wollen
  • Kinder und Jugendliche in kieferorthopädischer Behandlung
  • alle, bei denen mehrere Abdrücke nötig wären

Wo liegen die Grenzen?

Der Scanner ist kein Wundermittel. Eine Übersichtsarbeit im Journal of Clinical Medicine (Pesce et al., 2025) kommt zu einem gemischten Ergebnis. Bei Ganzkieferaufnahmen sind die Studien widersprüchlich. Die meisten daraus gefertigten Versorgungen lagen aber innerhalb klinisch akzeptabler Grenzen.

In der Praxis stößt der Scan vor allem hier an Grenzen:

  • Präparationsränder tief unter dem Zahnfleisch: Was die Kamera nicht sieht, kann sie nicht erfassen.
  • Blutung und Speichel stören die Aufnahme.
  • Sehr große Versorgungen, etwa eine Totalprothese, werden je nach Fall weiter klassisch abgeformt oder kombiniert.

Ein gutes Zeichen für eine Praxis: Sie erklärt Ihnen offen, welche Methode in Ihrem Fall die bessere ist.

Was kostet der digitale Zahnabdruck?

Privat Versicherte: Der 3D-Scan der Zähne wird nach GOZ-Nummer 0065 berechnet. Das sind 80 Punkte je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich. Beim üblichen 2,3-fachen Satz sind das rund 10,35 € pro Abschnitt. Ein klassischer Abdruck für dieselbe Kieferhälfte darf daneben nicht berechnet werden.

Gesetzlich Versicherte: Der digitale Abdruck ist keine Kassenleistung: Im Kassenkatalog (BEMA) gibt es ihn nicht als eigene Position. Das hat das Sozialgericht Berlin 2019 bestätigt (Az. S 83 KA 77/17). Die Praxis kann ihn nur mit einer privaten Vereinbarung berechnen, die Sie vorher unterschreiben. Je nach Umfang kommen so einige zehn Euro zusammen. Manche Praxen verzichten darauf. Fragen Sie vorher nach. Mehr zur Privatabrechnung für Kassenpatienten.

Beim Zahnersatz richtet sich Ihr Festzuschuss nach dem Befund, nicht nach der Abdruckmethode. Wie Sie beim Eigenanteil sparen, lesen Sie hier: Zahnersatz: Kosten sparen.

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So finden Sie eine Praxis mit digitalem Abdruck

Nicht jede Praxis scannt. Diese fünf Fragen helfen Ihnen bei der Terminvereinbarung:

  • Arbeiten Sie mit einem Intraoralscanner, und für welche Behandlungen?
  • Kommt der Scan in meinem Fall infrage, oder ist ein klassischer Abdruck besser?
  • Was kostet mich der Scan als Kassen- oder Privatpatient?
  • Mit welchem Dentallabor arbeiten Sie zusammen?
  • Kann ich das 3D-Modell meiner Zähne sehen?

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Fazit

Der digitale Abdruck ist für die meisten Patienten angenehmer als die Abformmasse und geht schnell. Fehler lassen sich sofort korrigieren, die Daten gehen ohne Umweg ins Labor. Für tiefe Präparationsränder oder sehr große Versorgungen bleibt der klassische Abdruck eine gute Wahl. Kassenpatienten zahlen den Scan meist selbst, die Kosten sind aber überschaubar. Fragen Sie bei der Terminbuchung einfach nach.

Häufige Fragen zum digitalen Zahnabdruck

In der Regel nicht. Der Scanner wird nur über die Zähne geführt und berührt sie kaum. Sie spüren höchstens leichten Druck oder das kurze Trocknen der Zähne.

Für einen Kiefer brauchen geübte Behandler meist nur wenige Minuten. Der Biss wird zusätzlich kurz aufgenommen.

Viele Patienten mit Würgereiz kommen mit dem Scan besser zurecht, weil keine Abformmasse im Mund ist. Studien zeigen seltener Übelkeit und Unbehagen. Wie stark der Effekt bei Ihnen ist, ist individuell.

Meist nicht. Im Kassenkatalog gibt es keine eigene Position dafür. Die Praxis berechnet ihn mit einer privaten Vereinbarung, die Sie vorher unterschreiben. Manche Praxen verzichten darauf.

Nach GOZ-Nummer 0065 sind es beim 2,3-fachen Satz rund 10,35 € je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich. Je nach Umfang fallen mehrere Abschnitte an.

Für die meisten Versorgungen liefern beide Methoden klinisch gute Ergebnisse. Bei Ganzkieferaufnahmen ist die Studienlage uneinheitlich. Ihr Zahnarzt wählt die Methode, die zu Ihrem Fall passt.

Unter anderem für Kronen, Brücken, Inlays, Implantatkronen, Aufbissschienen und Aligner. Bei Rändern tief unter dem Zahnfleisch kann ein klassischer Abdruck besser sein.

Ja. Mit einem Intraoralscanner wird Ihr Gebiss optisch erfasst, ganz ohne Löffel und Abformmasse. Ob der Scan in Ihrem Fall infrage kommt, klärt die Praxis vor der Behandlung.

Häufig ja. Viele kieferorthopädische Praxen planen Aligner und Zahnspangen inzwischen auf Basis eines 3D-Scans der Zähne. Ob Ihre Praxis so arbeitet, fragen Sie am besten bei der Terminvereinbarung.

In der DentNet-Zahnarztsuche finden Sie Partnerpraxen in Ihrer Nähe und können viele Termine online buchen. Fragen Sie bei der Buchung, ob die Praxis digital abformt.
Dr. Susanne Axmann, Zahnärztin in Ludwigshafen

Über die Autorin

– Zahnärztin in Ludwigshafen

Dr. Susanne Axmann ist Zahnärztin in Ludwigshafen. Ihre Praxis in der Prinzregentenstraße 39 ist DentNet-Partnerpraxis und arbeitet mit einem Intraoralscanner.

Zum Praxisprofil von Dr. Susanne Axmann · Zuletzt aktualisiert: 23.10.2026

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Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

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