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Diabetes und Parodontitis

Zwischen Diabetes und Parodontitis gibt es einen Zusammenhang, den Ihre Ärztin oder Ihr Arzt und Ihre Zahnarztpraxis gemeinsam einordnen sollten. Wer eine der beiden Erkrankungen hat, sollte die andere im Blick behalten — und beide behandeln lassen.

Inhalt

    Was Parodontitis ist

    Die Parodontitis ist eine bakteriell verursachte Entzündung des Zahnhalteapparats. Sie beginnt meist als Zahnfleischentzündung mit Bluten beim Putzen. Bleibt sie unbehandelt, greift sie auf den Knochen über, der den Zahn hält. Der Zahn wird locker und kann verloren gehen.

    Das Tückische: Parodontitis tut lange nicht weh. Sie schreitet über Jahre voran, und viele bemerken sie erst, wenn Zähne wackeln. Grundlagen und Behandlungsablauf stehen unter Parodontitis.

    Warum Diabetes das Zahnfleisch belastet

    Mehrere Mechanismen wirken zusammen, und sie greifen ineinander.

    Die Abwehr arbeitet schlechter. Bei erhöhtem Blutzucker sind die Immunzellen weniger schlagkräftig. Bakterien in den Zahnfleischtaschen haben es leichter.

    Die Heilung verzögert sich. Wundheilung und Gewebeneubildung laufen langsamer ab — auch nach zahnärztlichen Eingriffen.

    Die kleinen Gefäße leiden. Der Blutzucker schädigt über die Jahre die feinen Blutgefäße. Das betrifft die Netzhaut und die Nieren, aber eben auch das Zahnfleisch, das dadurch schlechter versorgt wird.

    Der Mund wird trockener. Viele Menschen mit Diabetes haben weniger Speichel. Speichel spült, neutralisiert Säuren und enthält antibakterielle Bestandteile — fehlt er, steigt das Risiko für Karies und Entzündungen. Mehr dazu unter Mundtrockenheit.

    Hinzu kommt eine höhere Anfälligkeit für Pilzinfektionen im Mund, weil ein zuckerreiches Milieu Hefepilzen entgegenkommt — siehe Pilzinfektion im Mund.

    Warum Parodontitis den Blutzucker beeinflusst

    Die umgekehrte Richtung ist der weniger bekannte Teil, und sie erklärt, warum die Zahnbehandlung mehr ist als Zahnpflege.

    Eine fortgeschrittene Parodontitis ist eine chronische Entzündung mit einer erstaunlich großen entzündeten Fläche. Bildlich gesprochen entspricht die entzündete Wundfläche bei fortgeschrittener Parodontitis in manchen Fällen der Größenordnung einer Handfläche – eine exakte wissenschaftliche Messgröße ist das allerdings nicht.

    Über diese Fläche gelangen Bakterien und Entzündungsbotenstoffe in den Blutkreislauf. Diese Botenstoffe können der Insulinwirkung entgegenwirken — das kann die Blutzuckereinstellung erschweren.

    Daraus ergibt sich der praktische Punkt: Die Behandlung einer Parodontitis kann sich günstig auf die Blutzuckereinstellung auswirken. Sie ist damit nicht nur eine zahnmedizinische, sondern eine internistisch relevante Maßnahme.

    Woran Sie eine Parodontitis erkennen

    Achten Sie auf diese Zeichen — und nehmen Sie sie ernst, auch wenn nichts wehtut:

    • Zahnfleischbluten beim Putzen oder Essen
    • gerötetes, geschwollenes oder empfindliches Zahnfleisch
    • Zahnfleischrückgang, längere Zähne, freiliegende Zahnhälse
    • anhaltender Mundgeruch oder schlechter Geschmack
    • Zähne, die sich locker anfühlen oder ihre Stellung verändern
    • Eiteraustritt am Zahnfleischrand

    Zahnfleischbluten ist dabei kein harmloses Zeichen, sondern ein Entzündungssignal. Details unter Zahnfleischbluten.

    Was Betroffene konkret tun sollten

    Sagen Sie in der Zahnarztpraxis, dass Sie Diabetes haben. Die Praxis kann die Behandlung dann entsprechend planen.

    Wie oft eine Kontrolle für Sie sinnvoll ist, legt die Praxis nach Ihrem Befund fest.

    Fragen Sie in der Praxis, ob eine professionelle Zahnreinigung für Sie sinnvoll ist. Manche Krankenkassen bezuschussen sie freiwillig — fragen Sie dort nach.

    Erwähnen Sie beim Diabetologen Ihre Zahnfleischsituation. Und umgekehrt. Die beiden Fachrichtungen sprechen im Alltag zu selten miteinander; Sie können diese Brücke schlagen.

    Legen Sie Termine günstig. Am Vormittag, nach der gewohnten Mahlzeit und Medikation. Nehmen Sie Traubenzucker mit. Sagen Sie der Praxis Bescheid, wenn Sie sich während der Behandlung unwohl fühlen — Unterzuckerung ist kein Grund für Zurückhaltung.

    Was die Behandlung bringt

    Die Parodontitisbehandlung folgt einem strukturierten Ablauf: Zuerst wird die Mundhygiene optimiert und der Zahnstein entfernt, dann werden die Zahnfleischtaschen gereinigt, anschließend folgt die dauerhafte Nachsorge.

    Der letzte Punkt ist bei Diabetes besonders wichtig. Parodontitis ist keine Erkrankung, die man einmal behandelt und dann vergisst — sie braucht regelmäßige Kontrolle, sonst kehrt sie zurück. Der Ablauf ist unter Zahnfleischbehandlung beschrieben.

    Der Zusammenhang ist keine Ausnahme

    Für Menschen mit Diabetes ist der Zusammenhang aber besonders gut belegt — und besonders gut beeinflussbar.

    Wie es weitergeht

    Wenn Sie Diabetes haben und länger nicht beim Zahnarzt waren, ist ein Kontrolltermin der sinnvolle nächste Schritt. Parodontitis lässt sich in einem frühen Stadium deutlich einfacher behandeln als in einem späten — und sie meldet sich nicht von selbst.

    Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die Zahnarztsuche; Krankenkasse und gewünschte Behandlung wählen Sie direkt bei der Online-Terminbuchung aus. Geben Sie beim Termin an, dass Sie Diabetes haben.

    Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Über Ihre Diabetestherapie entscheidet die behandelnde ärztliche Stelle.

    Häufige Fragen

    Warum bekommen Menschen mit Diabetes häufiger Parodontitis?

    Es gibt einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Parodontitis, den Ihre Ärztin oder Ihr Arzt und Ihre Zahnarztpraxis gemeinsam einordnen sollten.

    Kann eine Zahnfleischbehandlung den Blutzucker verbessern?

    Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Zahnfleischgesundheit und Blutzuckereinstellung. Besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

    Wie oft sollte ich als Diabetiker zum Zahnarzt?

    Den für Sie passenden Kontrollabstand legt die Praxis anhand Ihres Befunds fest.

    Muss ich meinen Diabetes in der Zahnarztpraxis angeben?

    Unbedingt. Die Praxis kann die Behandlung dann entsprechend planen.

    Ist Zahnfleischbluten bei Diabetes normal?

    Nein. Zahnfleischbluten ist immer ein Entzündungszeichen und sollte abgeklärt werden — bei Diabetes umso mehr.

    Werden Wunden im Mund schlechter heilen?

    Das kann im Einzelfall unterschiedlich sein — sprechen Sie das bei Bedarf mit Ihrer Praxis und Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

    Kann ich trotz Diabetes Implantate bekommen?

    Das lässt sich nur individuell anhand Ihres Befunds beurteilen — sprechen Sie es mit Ihrer Praxis ab.

    Warum habe ich einen trockenen Mund?

    Sprechen Sie trockenen Mund bei Ihrer Praxis oder Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt an — es gibt Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern.

    Sollte ich einen Termin morgens oder nachmittags legen?

    Vormittags nach der gewohnten Mahlzeit und Medikation ist meist günstiger. Nehmen Sie Traubenzucker mit.

    Zahlt die Kasse die Parodontitisbehandlung?

    Die Behandlung ist bei entsprechendem Befund eine Kassenleistung. Der Ablauf ist geregelt und umfasst auch die anschließende Nachsorge.

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