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Bisphosphonate und Kiefernekrose

Bisphosphonate und bestimmte Antikörpertherapien hemmen den Knochenabbau. Dabei kann es zu einer Kiefernekrose kommen — einem Bereich freiliegenden, nicht heilenden Kieferknochens. Eine zahnärztliche Sanierung vor Therapiebeginn kann sinnvoll sein.

Inhalt

    Wichtig gleich vorweg, weil diese Sorge häufig auftaucht: Setzen Sie Ihr Medikament nicht eigenmächtig ab. Es schützt vor Knochenbrüchen oder wirkt gegen Metastasen. Über eine Unterbrechung entscheidet ausschließlich die verordnende ärztliche Stelle.

    Worum es geht

    Antiresorptive Medikamente bremsen die Zellen, die Knochen abbauen. Dadurch wird der Knochen stabiler — gewollt bei Osteoporose und bei Knochenmetastasen.

    Der Kieferknochen ist allerdings ein Sonderfall. Er unterliegt einem ständigen Umbau, steht über die Mundhöhle in Kontakt mit Bakterien und wird bei jedem Kauen belastet. Wird der Umbau stark gebremst, kann die Heilung nach einer Verletzung ausbleiben — etwa nach einer Zahnentfernung oder unter einer Druckstelle der Prothese.

    Fachlich heißt das Krankheitsbild medikamentenassoziierte Kiefernekrose. Es ist langwierig zu behandeln. Deshalb liegt das Gewicht ganz auf der Vorbeugung.

    Wer betroffen sein kann

    Zwei Behandlungssituationen sind zu unterscheiden, und der Unterschied ist erheblich.

    Das Risiko unterscheidet sich je nach Erkrankung, Dosierung und Dauer der Therapie. Ihre behandelnde ärztliche Stelle und Ihre Zahnarztpraxis können das für Ihren Fall gemeinsam einordnen.

    Neben Bisphosphonaten betrifft das auch Antikörpertherapien mit ähnlicher Wirkung sowie bestimmte Medikamente, die die Gefäßneubildung hemmen. Für die Praxis zählt nicht der Name des Präparats allein, sondern Wirkstoff, Dosis und Dauer.

    Das Risiko steigt zusätzlich bei Rauchen, schlecht eingestelltem Diabetes, Kortisontherapie, unzureichender Mundhygiene und bestehenden Entzündungen im Kiefer. Das erhöhte Risiko besteht nicht nur während der Therapie — je nach Präparat kann eine Restwirkung auch nach Therapieende fortbestehen. Sprechen Sie auch dann noch bestehende Medikamentenwirkungen aktiv an.

    Der entscheidende Zeitpunkt: vor Therapiebeginn

    Wenn eine antiresorptive Therapie geplant ist, ist der beste Moment für die Zahnbehandlung davor. Idealerweise werden alle Eingriffe, die den Knochen betreffen, vor dem ersten Behandlungszyklus erledigt und die Wundheilung abgewartet.

    Zur Sanierung gehören typischerweise:

    • Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne
    • Behandlung von Entzündungen an Zahnwurzeln und im Zahnhalteapparat
    • Beseitigung scharfer Knochenkanten und Druckstellen
    • Anpassung von Prothesen, damit sie nicht scheuern
    • Aufbau einer stabilen häuslichen Mundhygiene

    Sprechen Sie das aktiv an, sobald eine solche Therapie im Raum steht. Der Hinweis kommt aus der behandelnden Fachrichtung nicht immer von selbst, und ein paar Wochen Vorlauf machen einen realen Unterschied. Was eine umfassende Sanierung umfasst, beschreibt der Beitrag zur Zahnsanierung.

    Wenn die Therapie bereits läuft

    Auch dann ist zahnärztliche Behandlung möglich — sie wird nur anders geplant.

    Die Praxis wird nach Möglichkeit zahnerhaltend arbeiten, statt Zähne zu entfernen. Ist ein Eingriff am Knochen unvermeidbar, erfolgt er besonders schonend, mit sorgfältigem Wundverschluss und engmaschiger Kontrolle. Häufig wird begleitend ein Antibiotikum eingesetzt und Rücksprache mit der verordnenden Stelle gehalten.

    Was Sie beitragen können: Nennen Sie ungefragt Ihre Medikation, mit Wirkstoff, Dosis und Beginn der Therapie. Bringen Sie den Medikationsplan mit. Und gehen Sie regelmäßig zur Kontrolle, auch wenn nichts wehtut — der Sinn dieser Termine liegt genau darin, Probleme zu finden, bevor sie Beschwerden machen.

    Worauf Sie achten sollten

    Melden Sie sich in der Praxis, wenn Sie eines dieser Zeichen bemerken:

    • freiliegender Knochen im Mund, sichtbar oder tastbar
    • eine Stelle, die nach einer Zahnentfernung nach Wochen nicht verheilt
    • anhaltende Schmerzen im Kiefer ohne erkennbaren Zahnbefund
    • Schwellung, Eiter oder ein schlechter Geschmack an einer bestimmten Stelle
    • Taubheitsgefühl an Lippe oder Kinn
    • ein Zahn, der ohne ersichtlichen Grund locker wird

    Diese Zeichen bedeuten nicht automatisch eine Kiefernekrose. Sie gehören aber zeitnah angesehen. Je früher etwas erkannt wird, desto einfacher ist die Behandlung.

    Prothesen verdienen besondere Aufmerksamkeit

    Ein Punkt, der oft untergeht: Eine Prothese, die drückt, ist unter antiresorptiver Therapie kein kleines Ärgernis. Die Druckstelle ist eine Verletzung der Schleimhaut, und genau dort kann der darunterliegende Knochen freiliegen.

    Wer eine herausnehmbare Versorgung trägt, sollte sie regelmäßig kontrollieren lassen und Druckstellen sofort anpassen lassen — nicht aussitzen. Mehr dazu unter Zahnprothesen.

    Was das für Implantate bedeutet

    Implantate sind unter laufender antiresorptiver Therapie nicht grundsätzlich ausgeschlossen, erfordern aber eine sorgfältige Einzelfallabwägung. Bei niedrig dosierter Osteoporosetherapie werden sie unter Voraussetzungen gesetzt; bei hochdosierter onkologischer Therapie ist die Zurückhaltung deutlich größer.

    Das Gleiche gilt für den Knochenaufbau. Diese Entscheidung trifft die Praxis gemeinsam mit der behandelnden ärztlichen Stelle — nicht der Wunsch allein.

    Warum Vorsorge hier mehr zählt als anderswo

    Der Grundgedanke ist einfach: Was nicht entzündet ist, muss nicht entfernt werden. Und was nicht entfernt werden muss, kann keine Nekrose auslösen.

    Regelmäßige Kontrollen, professionelle Reinigung und eine konsequente häusliche Pflege sind unter dieser Therapie keine Kür. Sie sind der Weg, Eingriffe am Knochen von vornherein zu vermeiden. Wie die zahnärztliche Vorsorge aufgebaut ist, steht unter Vorsorgeuntersuchungen.

    Wie es weitergeht

    Wenn eine antiresorptive Therapie geplant ist: Vereinbaren Sie vor Therapiebeginn einen Termin und sagen Sie, worum es geht. Läuft die Therapie bereits, gilt dasselbe — dann geht es um regelmäßige Kontrolle und schonende Planung.

    Eine Praxis in Ihrer Nähe finden Sie über die Zahnarztsuche; Krankenkasse und gewünschte Behandlung wählen Sie direkt bei der Online-Terminbuchung. Nennen Sie schon bei der Terminvereinbarung Ihre Medikation, damit ausreichend Zeit eingeplant wird.

    Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Über Ihre Medikation entscheidet ausschließlich die verordnende ärztliche Stelle.

    Häufige Fragen

    Was ist eine medikamentenassoziierte Kiefernekrose?

    Ein Bereich freiliegenden Kieferknochens, der über längere Zeit nicht abheilt und im Zusammenhang mit knochenabbauhemmenden Medikamenten auftritt. Sie ist selten, aber langwierig zu behandeln.

    Darf ich mit Bisphosphonaten einen Zahn ziehen lassen?

    Ja, wenn es nötig ist — allerdings mit besonderer Planung. Die Praxis arbeitet schonend, verschließt die Wunde sorgfältig, kontrolliert engmaschig und hält bei Bedarf Rücksprache.

    Muss ich das Medikament vor der Zahnbehandlung absetzen?

    Nicht eigenmächtig. Über eine Unterbrechung entscheidet ausschließlich die verordnende ärztliche Stelle, gegebenenfalls in Abstimmung mit der Zahnarztpraxis.

    Wie hoch ist das Risiko bei Osteoporosetherapie?

    Deutlich geringer als bei hochdosierter onkologischer Therapie. Es steigt mit der Behandlungsdauer und wenn Risikofaktoren wie Rauchen oder Entzündungen hinzukommen.

    Was sollte ich vor Therapiebeginn erledigen lassen?

    Eine zahnärztliche Sanierung: nicht erhaltungswürdige Zähne entfernen, Entzündungen behandeln, Prothesen anpassen, Mundhygiene stabilisieren — und die Heilung abwarten.

    Woran erkenne ich eine Kiefernekrose?

    An freiliegendem Knochen, an einer Wunde, die nach Wochen nicht heilt, an anhaltenden Kieferschmerzen oder einem Taubheitsgefühl an Lippe oder Kinn. Lassen Sie das zeitnah ansehen.

    Kann ich Implantate bekommen?

    Nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber eine sorgfältige Einzelfallentscheidung — abhängig von Dosis, Therapiedauer und Grunderkrankung, in Abstimmung mit der behandelnden ärztlichen Stelle.

    Was ist mit meiner Prothese?

    Druckstellen sind unter dieser Therapie ernst zu nehmen. Lassen Sie den Sitz regelmäßig kontrollieren und Druckstellen sofort anpassen, statt sie auszuhalten.

    Wie oft sollte ich zur Kontrolle?

    Häufiger als üblich. Den Abstand legt die Praxis nach Ihrer Therapie und Ihrem Befund fest — das Ziel ist, Eingriffe am Knochen gar nicht erst nötig werden zu lassen.

    Betrifft das auch Spritzen gegen Osteoporose?

    Auch Antikörpertherapien mit knochenabbauhemmender Wirkung gehören dazu. Nennen Sie in der Praxis immer den Wirkstoff, nicht nur die Darreichungsform.

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    Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

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