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Angst vor dem Bohrer

Bei den meisten Menschen ist nicht der Schmerz das Problem, sondern das Geräusch und die Vibration. Beides lässt sich beeinflussen: Kopfhörer mit eigener Musik nehmen dem Geräusch die Dominanz, moderne Instrumente laufen deutlich leiser, und bei frühen Kariesstadien kommen Verfahren infrage, die ohne Bohren auskommen. Ein wirksamer Schritt ist, früh genug zu kommen, damit wenig gebohrt werden muss.

Inhalt

    Die Angst vor dem Bohrer stammt fast immer aus einer Zeit, in der Zahnmedizin tatsächlich anders war. Was sich geändert hat, wissen die wenigsten.

    Warum das Geräusch so belastet

    Es ist selten der Schmerz. Unter guter örtlicher Betäubung spürt man beim Bohren keinen Schmerz — wohl aber Druck und Vibration, und die Grenze zwischen beidem verwischt, wenn man angespannt ist.

    Das Geräusch wirkt aus drei Gründen so stark:
    Es wird über den Knochen geleitet. Sie hören es nicht nur mit den Ohren, sondern spüren es im Schädel.

    Es ist unmittelbar mit der Erwartung verknüpft. Wer als Kind eine schmerzhafte Behandlung erlebt hat, hat dieses Geräusch als Signal gespeichert. Der Körper reagiert, bevor überhaupt etwas passiert.

    Es signalisiert Unvorhersehbarkeit. Sie hören, dass gearbeitet wird, sehen aber nicht, wo und wie lange.

    Was sich technisch geändert hat

    Schnellere, leisere Instrumente. Moderne Turbinen arbeiten mit höherer Drehzahl und weniger Vibration. Die Behandlungszeit sinkt, das Geräusch ist weniger schrill als früher.

    Bessere Betäubung. Mit Oberflächengel vor dem Einstich und langsamer Injektion ist die Betäubung selbst kaum spürbar — mehr dazu unter Spritze beim Zahnarzt.

    Bessere Diagnostik. Karies wird früher erkannt, wenn noch wenig Substanz betroffen ist. Kleinere Defekte bedeuten kürzere Behandlungen.

    Weniger Substanzverlust. Die heutige Zahnmedizin arbeitet substanzschonender als noch vor Jahrzehnten. Es wird weniger weggenommen und mehr erhalten.

    Verfahren, die ohne Bohren auskommen

    Sie ersetzen den Bohrer nicht generell, decken aber bestimmte Situationen ab.

    Kariesinfiltration. Bei sehr früher Karies, die den Zahnschmelz noch nicht durchbrochen hat, kann ein flüssiges Kunststoffharz die geschädigte Stelle durchdringen und stabilisieren — ohne Bohren. Voraussetzung ist ein frühes Stadium. Details unter Kariesinfiltration.

    Laser. Bestimmte Laser können Zahnhartsubstanz abtragen, arbeiten geräuschärmer und vibrationsfrei. Der Anwendungsbereich ist begrenzt und die Behandlung dauert länger — siehe Laserzahnmedizin.

    Ozonbehandlung. Wird ergänzend zur Keimreduktion eingesetzt, ersetzt aber keine Füllung. Siehe Ozontherapie.

    Der gemeinsame Nenner: Alle diese Verfahren funktionieren nur bei frühen Befunden. Wer wartet, bis der Zahn schmerzt, hat diese Optionen nicht mehr. Das ist das stärkste Argument für frühe Kontrolltermine, das ich kenne — und es klingt paradox: Wer Angst vor dem Bohrer hat, sollte besonders regelmäßig zur Kontrolle gehen.

    Was Sie beim Termin tun können

    Kopfhörer mitbringen. Eigene Musik, laut genug. Das hilft vielen gegen die Geräuschbelastung, individuell unterschiedlich, und kostet nichts.

    Ein Handzeichen vereinbaren. Hand heben, Bohrer stoppt. Allein die Gewissheit senkt die Anspannung — mehr dazu unter Kontrollverlust beim Zahnarzt.

    Um Ankündigung bitten. „Jetzt wird gebohrt, etwa zwei Minuten." Wer weiß, wann es anfängt und wann es endet, erschrickt nicht.

    Pausen einplanen. Nicht durchziehen, sondern in Abschnitten arbeiten.

    Nach der Betäubung fragen. Wenn Sie beim Bohren etwas spüren, sagen Sie es sofort. Nachbetäuben ist normal und kein Problem.

    Nicht nüchtern kommen. Ein niedriger Blutzucker verstärkt Anspannung und Kreislaufreaktionen.

    Wenn es nicht nur der Bohrer ist

    Bei vielen ist die Bohrerangst Teil einer umfassenderen Zahnbehandlungsangst. Wenn Sie Termine deshalb über längere Zeit vermeiden, lohnt der Blick auf das größere Bild — Angst vorm Zahnarzt ordnet die Wege ein.

    Im DentNet gibt es ein Therapieangebot bei Zahnbehandlungsangst, das für teilnehmende Versicherte kostenfrei ist, mit anonymem Selbsttest zur Einordnung. Gerade bei konkreten, umschriebenen Auslösern wie einem Geräusch arbeitet die Verhaltenstherapie gut. Details unter Zahnbehandlungsangst.

    Der eigentliche Hebel

    Die unbequeme Wahrheit: Je länger Sie warten, desto mehr muss gebohrt werden.

    Karies wächst nach innen. Was heute ein Punkt im Schmelz ist, für den vielleicht noch eine Infiltration reicht, kann unbehandelt zu einem Loch werden, das eine Füllung braucht. In einem ungünstigen Fall kann daraus nach einiger Zeit eine tiefere Schädigung werden, die eine Wurzelbehandlung nötig macht. Wie Karies entsteht und verläuft, steht unter Alles über Karies.

    Wer regelmäßig zur Kontrolle geht, erlebt kurze Termine mit kleinen Eingriffen. Wer wartet, erlebt lange Termine mit großen. Genau das bestätigt dann wieder die Angst.

    Wie es weitergeht

    Sagen Sie beim nächsten Termin, was Sie belastet — dass es das Geräusch ist und nicht der Schmerz. Das ist eine nützliche Information, weil sich daran konkret arbeiten lässt: Kopfhörer, Ankündigungen, Pausen.

    Über die Zahnarztsuche finden Sie eine Praxis in Ihrer Nähe; Krankenkasse und gewünschte Behandlung wählen Sie direkt bei der Online-Terminbuchung aus.

    Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

    Häufige Fragen

    Tut Bohren beim Zahnarzt weh?

    Unter guter örtlicher Betäubung spürt man keinen Schmerz, wohl aber Druck und Vibration. Wenn Sie doch etwas spüren, sagen Sie es — Nachbetäuben ist normal.

    Was hilft gegen das Bohrergeräusch?

    Kopfhörer mit eigener Musik helfen vielen gegen die Geräuschbelastung. Das Geräusch wird zusätzlich über den Schädelknochen geleitet.

    Gibt es Zahnbehandlung ohne Bohren?

    Bei sehr früher Karies kommt die Kariesinfiltration infrage, in bestimmten Fällen auch Laserverfahren. Beides funktioniert nur bei frühen Befunden.

    Was ist Kariesinfiltration?

    Ein Verfahren, bei dem ein flüssiges Kunststoffharz frühe Karies im Zahnschmelz durchdringt und stabilisiert — ohne Bohren. Voraussetzung ist, dass der Schmelz noch nicht durchbrochen ist.

    Sind moderne Bohrer leiser als früher?

    Ja. Moderne Turbinen arbeiten mit höherer Drehzahl, weniger Vibration und kürzerer Behandlungszeit. Das Geräusch ist weniger schrill als vor Jahrzehnten.

    Kann ich die Behandlung unterbrechen lassen?

    Ja. Vereinbaren Sie vorher ein Handzeichen, auf das sofort gestoppt wird. Diese Gewissheit senkt die Anspannung spürbar.

    Warum habe ich mehr Angst vor dem Geräusch als vor dem Schmerz?

    Weil das Geräusch über den Knochen geleitet wird und sich schlecht ausblenden lässt — und weil es bei vielen als Warnsignal aus früheren Erfahrungen gespeichert ist.

    Hilft es, früher zur Kontrolle zu gehen?

    Sehr. Frühe Befunde bedeuten kleine, kurze Eingriffe und eröffnen Verfahren ohne Bohren. Wer wartet, hat diese Optionen nicht mehr.

    Kann ich mir vorher ein Beruhigungsmittel geben lassen?

    Lachgas oder eine leichte Sedierung sind möglich und werden von vielen Praxen angeboten. Sprechen Sie das vor dem Termin an.

    Was, wenn ich beim Bohren doch etwas spüre?

    Heben Sie die Hand und sagen Sie es. Eine unzureichende Betäubung ist ein Grund nachzubetäuben, kein Grund durchzuhalten.

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