• Zahnpflege• Zähne

Süßholz: Die Wurzel für gesunde Zähne?

Gemahlen, geschnitten oder geraspelt: Schon im Altertum wurde die Süßholzwurzel sehr geschätzt. Ihre schleimlösende, entzündungshemmende Wirkung fand vielfältige medizinische Verwendung und steckt heute noch in Hustensäften oder Arzneitees. Schleckermäuler schätzen außerdem das schwarze Gold, das in einem aufwendigen Verfahren aus dem Saft der Süßholzwurzel und anderen Zutaten hergestellt wird: die Lakritze. In Ländern, in denen es an Zahnbürsten mangelt, wird faserig gekautes Süßholz sogar zur Zahnreinigung verwendet. Unterstützt Süßholz – oder gar Lakritz – die Erhaltung der Zahngesundheit?

Welche Heilwirkung hat Süßholz?

Die Süßholzwurzel ist bis zu 50-mal süßer als Zucker und enthält zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Cumarine. Hauptbestandteil der Wurzel ist Glycyrrhizin bzw. Glycyrrhizinsäure. Je nach Art der Pflanze unterscheidet sich der Gehalt von Glycyrrhizin. Die Inhaltsstoffe von Süßholz wirken antiseptisch, antiviral und antioxidativ. Sie regen die Gallenfunktion an, lindern bei Erkrankungen der oberen Atemwege und beruhigen einen gereizten Magen. Glycyrrhizin hat im Körper eine ähnliche Wirkung wie die körpereigenen Hormone Kortison und Aldosteron, es kann den Blutzuckerspiegel senken und den Elektrolythaushalt des Körpers beeinflussen.    

Als Zuckerersatzstoff eignet sich die süße Wurzel dennoch nicht, da der übermäßige Verzehr zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Die Dosis macht das Gift: Zuviel Süßholz oder übermäßiger Konsum von Lebensmitteln wie Lakritze erhöht die Ausscheidung von Kalium und kann zu Bluthochdruck, Ödemen und Herzrhythmusstörungen führen. Auch Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten können auftreten, das betrifft besonders Digitalispräparate bei Herzbeschwerden und Kortisonmedikamente. Menschen mit hohem Blutdruck oder Nierenproblemen, Diabetiker und Schwangere sollten auf den Verzehr von Süßholzwurzel-Tee und -kapseln oder Lakritze verzichten. 

Schadet Süßholz den Zähnen?

Die Süße der Wurzel hat auf die Zähne keine karieserzeugende Wirkung. Der Genuss von Süßholzwurzel-Tee ist daher nicht zahnschädigend. Durch die entzündungshemmende Wirkung kann es sogar vor Bakterienwachstum und Zahnfleischbluten schützen. Lakritze enthält jedoch viele Inhaltsstoffe, unter anderem auch Zuckersirup. Und weil Lakritz so schön lange an den Zähnen und in den Zahnzwischenräumen kleben bleibt, ist das für Kariesbakterien ein ausgiebiges Festmahl. Wie jedes Genussmittel sollte das schwarze Gold nur in Maßen genossen werden. 

Es spricht also grundsätzlich nichts dagegen, dass Sie einen Zweig Süßholzwurzel fransig kauen und sich damit die Zähne putzen. Ob Sie damit dieselbe Wirkung erzielen wie mit einer elektrischen Zahnbürste oder eine Handzahnbürste, ist nicht belegt.  

Lakritz als Karies-Killer?

Laut einer 2015 veröffentlichten Studie der Universität Edinburgh sollte der Verzehr von Lakritz gesund für Zähne, Zahnfleisch und Mundflora sein. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass in der Süßholzwurzel enthaltene Trans-Chalcone die Aktivität eines bestimmten Schlüsselenzyms blockieren. Dieses Enzym sorgt für das Wachstum des Karies-Hauptverursachers (Streptococcus mutans) und damit auch für bakteriellen Zahnbelag (Plaque). Lakritz wurde schon begeistert als "Karies-Killer" bejubelt, bevor sich kritische Stimmen mehrten. In der in-vitro Studie sei nur ein einziger Stamm des Karies-Keims in seiner Fähigkeit zur Bildung von Biofilmen gehindert worden. Neben dem Karies-Leitkeim seien im Mund rund 30 verschiedene Arten Bakterien in der Lage, Biofilm zu bilden und damit Karies zu fördern. Lakritz ist zur Kariesprävention also leider nicht geeignet. 

Fazit:

Die Süßholzwurzel besitzt neben ihrem süßen und aromatischen Geschmack zahlreiche heilsame Eigenschaften. Sie wirkt lindernd bei Magenbeschwerden und Husten und kann durch ihre antivirale Wirkung sogar bei Herpes helfen. Eine hohe und regelmäßige Dosierung bewirkt allerdings genau das Gegenteil und ruft gesundheitliche Probleme hervor. Ab einem bestimmten Gehalt von Süßholzwurzelextrakt in der Lakritze ist seit 2021 ein entsprechender Warnhinweis auf den Verpackungen Pflicht.