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Kontrollverlust beim Zahnarzt

Das Gefühl, im Behandlungsstuhl ausgeliefert zu sein, ist für viele Menschen ein zentraler Auslöser von Zahnarztangst. Hilfreich können konkrete Vereinbarungen sein: ein Handzeichen, das die Behandlung sofort unterbricht, eine aufrechtere Sitzposition, angekündigte Behandlungsschritte und regelmäßige Pausen. Diese Dinge kosten nichts und können das Erleben spürbar verändern, auch wenn das von Mensch zu Mensch verschieden ist.

Inhalt

    Wer weiß, was ihm im Behandlungsstuhl zu schaffen macht, kann es der Praxis sagen. Das ist wichtiger, als es klingt, denn eine Praxis kann nur auf das Rücksicht nehmen, was sie weiß.

    Warum diese Situation so belastet

    Im Behandlungsstuhl kommen mehrere Dinge zusammen, die den meisten Menschen unangenehm sind.

    Sie liegen tiefer als die Person, die Sie behandelt. Viele empfinden das als unangenehm, auch wenn das Team freundlich ist.

    Sie können nicht sprechen, weil der Mund offen ist und Instrumente darin liegen. Damit fällt der einfachste Weg weg, sich bemerkbar zu machen.

    Sie sehen nicht, was passiert, denn die Behandlung spielt sich außerhalb Ihres Blickfelds ab. Was man nicht sieht, malt man sich oft schlimmer aus, als es ist.

    Und Sie können nicht einfach aufstehen. Wer zurückgelehnt unter der Lampe liegt und Instrumente im Mund hat, kommt aus der Situation kaum heraus.

    Wurde dann noch einmal ein Signal übergangen, bleibt bei vielen der Eindruck zurück, dass die eigene Grenze in der Praxis nicht zählt. Aus solchen Erfahrungen entsteht Angst, die sich hält.

    Das Handzeichen: einfach und wirksam

    Die Vereinbarung ist einfach: Sie heben die Hand, und die Behandlung wird sofort unterbrochen, also nicht erst nach dem laufenden Arbeitsschritt.

    Das ist mehr als eine Möglichkeit zur Pause. Sie wissen dann, dass Sie die Situation jederzeit beenden können, und allein dieses Wissen senkt bei vielen die Anspannung, auch wenn sie das Zeichen nie brauchen.

    Damit die Vereinbarung nicht nur auf dem Papier steht, helfen zwei Dinge. Probieren Sie das Zeichen gleich zu Beginn einmal aus, bevor die eigentliche Behandlung startet: Sie heben die Hand, die Praxis hält an. Diese Erfahrung überzeugt mehr als jede Zusage.

    Bestehen Sie außerdem darauf, wenn es nicht funktioniert. Wird trotz Zeichen weitergearbeitet, sprechen Sie das an. Passiert es ein zweites Mal, sollten Sie die Praxis wechseln.

    Weitere Vereinbarungen, die helfen

    Neben dem Handzeichen gibt es weitere Absprachen, die vielen Patienten helfen:

    • Aufrechter sitzen: Der Stuhl muss nicht flach stehen. Viele empfinden eine aufrechtere Position als angenehmer, und sie hilft auch gegen Würgereiz.
    • Schritte ankündigen lassen: Sätze wie „Jetzt kommt Wasser“ oder „Das dauert noch zwei Minuten“ nehmen den Schreck, weil Sie wissen, was als Nächstes kommt.
    • Feste Pausen: Vereinbaren Sie vorab, dass zum Beispiel alle fünf Minuten kurz abgesetzt wird, damit Sie schlucken und durchatmen können. Dann müssen Sie nicht während der Behandlung darum bitten.
    • Ein Spiegel: Manche Patienten möchten sehen, was gemacht wird, weil sie das beruhigt. Fragen Sie danach, wenn es Ihnen so geht.
    • Begrenzte Behandlungszeit: Eine Absprache wie „höchstens 20 Minuten, dann ist für heute Schluss“ macht die Zeit bis dahin leichter auszuhalten.
    • Kopfhörer: Für viele sind die Geräusche das Schlimmste. Mit eigener Musik treten sie in den Hintergrund.

    Wie Sie das ansprechen

    Viele scheuen sich davor, weil es nach Sonderwünschen klingt. Für Praxen sind solche Absprachen aber Alltag, und sie erleichtern auch die Behandlung, weil sich entspannte Patienten leichter behandeln lassen.

    Ein Satz genügt, zum Beispiel: „Mir macht vor allem Angst, dass ich nicht abbrechen kann. Können wir ein Handzeichen vereinbaren?“

    Sagen Sie das vor der Behandlung, am besten schon bei der Terminvereinbarung. Bei der Online-Terminbuchung können Sie es in der Anfrage vermerken und müssen dafür kein Gespräch führen.

    An der Reaktion erkennen Sie auch, ob die Praxis zu Ihnen passt. Ein selbstverständliches „Natürlich, machen wir“ ist ein gutes Zeichen. Weicht die Praxis aus, wissen Sie ebenfalls Bescheid. Worauf Sie bei der Praxiswahl achten können, steht im Beitrag „Angstpatient: die richtige Praxis finden“.

    Wenn die Anspannung zu groß bleibt

    Manchmal reichen Absprachen nicht aus, weil die Anspannung schon vor dem Termin zu hoch ist.

    Lachgas senkt die Anspannung, ohne dass Sie das Bewusstsein verlieren. Sie bleiben ansprechbar und können das Handzeichen weiter nutzen, was für viele eine gute Kombination ist. Mehr dazu steht im Beitrag zur Lachgassedierung.

    Eine kognitive Verhaltenstherapie setzt bei der Ursache an. Sie bearbeitet die Erwartung, ausgeliefert zu sein, und die Erfahrung, dass die eigene Grenze nicht zählt. Wie das abläuft, beschreibt der Beitrag „Verhaltenstherapie bei Zahnarztangst“.

    Im DentNet ist diese Therapie für teilnehmende Versicherte kostenfrei. Ein Selbsttest hilft Ihnen, die eigene Angst einzuordnen. Die Einzelheiten finden Sie auf der Seite zur Zahnbehandlungsangst.

    Wenn die Angst umfassender ist

    Die Angst vor dem Kontrollverlust ist oft Teil einer allgemeineren Zahnbehandlungsangst. Wenn Sie deshalb schon länger Termine vermeiden, lohnt es sich, das Thema breiter anzugehen. Der Beitrag „Angst vorm Zahnarzt“ erklärt die Behandlungswege, und der Beitrag „Zahnarztphobie“ hilft bei der Frage, ob mehr dahintersteckt.

    Ihr nächster Termin

    Vereinbaren Sie beim nächsten Termin das Handzeichen und probieren Sie es einmal aus, bevor die Behandlung beginnt.

    Über die Zahnarztsuche finden Sie eine Praxis in Ihrer Nähe. Krankenkasse und gewünschte Behandlung wählen Sie direkt bei der Online-Terminbuchung aus. So legen Sie Ort und Zeit selbst fest und müssen dafür nicht telefonieren.

    Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

    Häufige Fragen

    Warum habe ich beim Zahnarzt das Gefühl, ausgeliefert zu sein?

    Sie liegen unterhalb der behandelnden Person, können nicht sprechen, sehen nicht, was passiert, und kommen nicht ohne Weiteres aus der Situation. Zusammen ist das für viele schwer auszuhalten.

    Was ist ein Handzeichen beim Zahnarzt?

    Eine Vereinbarung, dass die Behandlung sofort unterbrochen wird, wenn Sie die Hand heben. Es gibt Ihnen die Möglichkeit zurück, die Situation jederzeit zu beenden.

    Funktioniert das Handzeichen wirklich?

    In einer geeigneten Praxis ja. Probieren Sie es einmal aus, bevor die Behandlung beginnt. Diese Erfahrung überzeugt mehr als jede Zusage.

    Muss ich flach liegen?

    Nein. Eine aufrechtere Position ist fast immer möglich und verändert das Erleben deutlich. Fragen Sie danach.

    Kann ich um Pausen bitten?

    Ja. Am besten vereinbaren Sie sie vorher fest, zum Beispiel alle fünf Minuten. Dann müssen Sie nicht mittendrin darum bitten.

    Ist es unhöflich, Sonderwünsche zu äußern?

    Nein. Für Praxen ist das Routine, und entspannte Patienten sind leichter zu behandeln. Die Reaktion sagt Ihnen zudem viel über die Praxis.

    Hilft Musik über Kopfhörer?

    Für viele ja. Die Geräusche sind ein häufiger Auslöser, und mit eigener Musik treten sie in den Hintergrund.

    Was, wenn trotz Zeichen weitergearbeitet wird?

    Sprechen Sie es sofort an. Wiederholt es sich, sollten Sie die Praxis wechseln, denn eine übergangene Grenze ist oft genau die Erfahrung, aus der die Angst entstanden ist.

    Kann ich mir die Behandlung im Spiegel ansehen?

    In vielen Praxen ja. Manchen Menschen hilft Sichtbarkeit, weil die Vorstellung schlimmer ist als das Geschehen. Fragen Sie danach.

    Hilft Lachgas gegen das Gefühl von Kontrollverlust?

    Es senkt die Anspannung, ohne das Bewusstsein zu nehmen. Sie bleiben ansprechbar und können das Handzeichen weiter nutzen.

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    Verantwortlich: (Geschäftsführer – Strategie & Unternehmensentwicklung, Imex Dental)
    Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

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