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Wenn das Kind Angst vor dem Zahnarzt hat

Zahnarztangst bei Kindern kann durch eigene Erfahrungen entstehen, Kinder übernehmen sie aber auch von Erwachsenen. Eltern helfen deshalb vor allem mit ihrer Wortwahl: keine beschwichtigenden Sätze mit Wörtern wie „weh“ oder „Angst“, keine Behandlung als Drohung, keine eigenen schlechten Erlebnisse. Dazu kommt ein früher Kennenlerntermin ohne Beschwerden, bevor überhaupt etwas behandelt werden muss.

Inhalt

    Der Kennenlerntermin ist besonders wichtig. Ein Kind, das die Praxis nur kennt, wenn etwas wehtut, verbindet sie mit Schmerzen.

    Woher die Angst kommt

    Bei Kindern hat die Angst meist eine von drei Ursachen.

    Oft übernehmen Kinder die Angst von Erwachsenen. Wenn Eltern selbst Angst haben, spüren Kinder das an der Anspannung im Wartezimmer, am Tonfall und an der Art, wie über den Termin gesprochen wird. Kinder achten sehr genau auf Körpersprache.

    Angst entsteht auch durch die Wortwahl. Der Satz „Das tut bestimmt nicht weh“ enthält das Wort „weh“, und Kinder nehmen solche negativ besetzten Wörter oft stärker wahr als die Verneinung davor. Die beruhigend gemeinte Aussage weist dann auf etwas hin, das offenbar wehtun könnte.

    Die dritte Ursache ist ein erster Besuch, bei dem gleich behandelt wurde. Wer die Praxis zum ersten Mal mit Zahnschmerzen betritt, verbindet sie mit Schmerz. Ein Kind, das die Praxis schon kannte, bringt andere Erfahrungen mit.

    Was Eltern besser nicht sagen

    Diese Sätze sind gut gemeint, bewirken aber das Gegenteil:

    • „Das tut nicht weh.“ Der Satz enthält das Wort „weh“. Besser ist: „Der Zahnarzt schaut sich deine Zähne an.“
    • „Du brauchst keine Angst zu haben.“ Der Satz enthält das Wort „Angst“ und legt nahe, dass es einen Grund dafür gibt. Sprechen Sie das Thema besser gar nicht an.
    • „Wenn du nicht putzt, musst du zum Zahnarzt.“ Damit wird die Praxis zur Strafe. Dieser Satz schadet wohl am meisten.
    • „Ich war da auch immer, und es war schrecklich.“ Eigene schlechte Erlebnisse sollten Sie vor dem Termin nicht erzählen.
    • „Du bekommst was, wenn du brav bist.“ Das Kind schließt daraus, dass etwas Unangenehmes bevorsteht, für das es entschädigt werden muss.

    Hilfreicher ist es, normal über den Termin zu sprechen. Der Zahnarzttermin ist ein Termin wie der beim Kinderarzt oder beim Friseur. Wenn Sie ihn nicht als etwas Besonderes behandeln, tut das Kind es meist auch nicht.

    Der frühe Kennenlerntermin

    Am meisten erreichen Sie über den Zeitpunkt des ersten Besuchs. Gehen Sie mit Ihrem Kind in die Praxis, bevor etwas behandelt werden muss.

    Bei diesem Termin passiert wenig. Das Kind darf den Stuhl ausprobieren, es sieht das Wasser laufen, bekommt den Spiegel gezeigt, und vielleicht werden die Zähne gezählt. Bohrer und Spritze kommen nicht vor.

    So macht das Kind eine gute erste Erfahrung. Muss später doch einmal behandelt werden, ist die Praxis kein fremder, bedrohlicher Ort mehr.

    Wann der erste Termin sinnvoll ist und wie die Zahnvorsorge bei Kindern aufgebaut ist, steht im Beitrag „Individualprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen“.

    Woran Sie eine kindgerechte Praxis erkennen

    Nicht jede Praxis ist auf Kinder eingestellt. Eine kindgerechte Praxis erkennen Sie an diesen Punkten:

    • Das Team spricht mit dem Kind und nicht über es. Kinder merken sofort, ob sie ernst genommen werden.
    • Alles wird gezeigt, bevor es benutzt wird. Das Kind darf den Sauger an der Hand ausprobieren und das Wasser an den Fingern spüren.
    • Die Instrumente haben kindgerechte Namen, die nicht albern sind, den Geräten aber den Schrecken nehmen.
    • Es ist genug Zeit eingeplant. Kinder brauchen länger, und Hektik überträgt sich auf sie.
    • Das Team benennt, was das Kind geschafft hat. Das ist Anerkennung und keine Bestechung.

    Was Kinderzahnheilkunde ausmacht, beschreibt der Beitrag „Kinderzahnarzt“.

    Was Sie beim Termin tun können

    • Bleiben Sie ruhig. Ihre Anspannung überträgt sich stärker als jedes Wort. Wenn Sie selbst Angst haben, lassen Sie das Kind nach Möglichkeit von jemand anderem begleiten.
    • Überlassen Sie dem Team das Gespräch. Lassen Sie das Behandlungsteam mit dem Kind sprechen. Wenn Sie ständig eingreifen, entsteht beim Kind der Eindruck, dass es Hilfe braucht.
    • Bleiben Sie in Sichtweite, aber im Hintergrund. Meist genügt es, wenn das Kind Sie sehen kann.
    • Loben Sie danach das Verhalten und nicht das Ergebnis. Sagen Sie zum Beispiel „Du warst mutig“ und nicht „Es war ja gar nichts“.
    • Machen Sie danach nichts Besonderes. Verzichten Sie auf ein Trostgeschenk. Es war ein normaler Termin, und so sollten Sie ihn auch behandeln.

    Wenn das Kind trotzdem nicht mitmacht

    Das kommt vor und bedeutet nicht, dass etwas gescheitert ist. Ein abgebrochener Termin ist besser als ein erzwungener.

    Wird ein Kind festgehalten und gegen seinen Willen behandelt, lernt es, dass seine Grenze nicht zählt. Aus solchen Erfahrungen entsteht langfristige Zahnarztangst. Bei nicht dringenden Behandlungen ist ein zweiter Anlauf deshalb fast immer der bessere Weg.

    Bei umfangreichem Behandlungsbedarf und sehr ängstlichen Kindern kommt Lachgas infrage. Das Verfahren ist etabliert und in bestimmten Konstellationen Kassenleistung. Mehr dazu steht im Beitrag „Lachgassedierung“. Eine Vollnarkose ist bei sehr jungen Kindern ein Eingriff mit eigenem Risikoprofil. Sie sollte nur nach sorgfältiger Abwägung und einem ausführlichen Aufklärungsgespräch mit Anästhesist und Kinderzahnarzt erfolgen und nicht routinemäßig die erste Wahl sein.

    Vorbeugen ist einfacher als beruhigen

    Am besten schützt vor Zahnarztangst, dass wenig behandelt werden muss. Regelmäßige Kontrollen, die Fissurenversiegelung der bleibenden Backenzähne und eine gute Pflege der Milchzähne sorgen dafür, dass die Termine überwiegend angenehm bleiben.

    Milchzähne sind dabei wichtiger, als viele denken, denn sie halten den Platz für die bleibenden Zähne frei. Geht ein Milchzahn früh verloren, kann später eine kieferorthopädische Behandlung nötig werden.

    Wenn Sie selbst Angst haben

    Viele Eltern mit eigener Zahnarztangst schieben die Termine ihrer Kinder auf. Das geschieht nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil sie selbst nicht hingehen können. Offen gesprochen wird darüber selten.

    Wenn das auf Sie zutrifft, müssen Sie sich keine Vorwürfe machen, denn dafür gibt es Hilfe. Im DentNet gibt es ein Therapieangebot bei Zahnbehandlungsangst mit anonymem Selbsttest, das für teilnehmende Versicherte kostenfrei ist. Die Einzelheiten stehen auf der Seite „Zahnbehandlungsangst“ und im Beitrag „Angst vorm Zahnarzt“.

    Kennenlerntermin buchen

    Wenn Ihr Kind noch keinen Zahnarzt hat, buchen Sie einen Kennenlerntermin, solange nichts wehtut.

    Über die Zahnarztsuche finden Sie eine Praxis in Ihrer Nähe. Krankenkasse und gewünschte Behandlung wählen Sie direkt bei der Online-Terminbuchung aus. Geben Sie an, dass es um einen ersten Termin für ein Kind geht, dann plant die Praxis entsprechend Zeit ein.

    Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

    Häufige Fragen

    Ab wann sollte mein Kind zum Zahnarzt?

    Früh und bevor Beschwerden auftreten. Bei einem Kennenlerntermin ohne Behandlung macht das Kind eine gute erste Erfahrung, auf der spätere Termine aufbauen können.

    Was sage ich meinem Kind vor dem Termin?

    Möglichst wenig Besonderes. Vermeiden Sie Sätze mit „weh“ oder „Angst“, auch in der Verneinung, denn Kinder nehmen solche Wörter oft stärker wahr als die Verneinung davor.

    Darf ich meine eigene Angst zeigen?

    Besser nicht. Kinder achten sehr genau auf Körpersprache. Wenn Sie selbst starke Angst haben, lassen Sie das Kind nach Möglichkeit von jemand anderem begleiten.

    Soll ich mit ins Behandlungszimmer?

    In der Regel ja, aber im Hintergrund. Lassen Sie das Behandlungsteam mit dem Kind sprechen und gehen Sie nicht ständig dazwischen.

    Was tun, wenn mein Kind nicht mitmacht?

    Abbrechen ist besser als erzwingen. Aus einer Behandlung, die gegen den Willen des Kindes durchgesetzt wird, kann dauerhafte Zahnarztangst entstehen.

    Ist ein Kinderzahnarzt besser?

    Auf Kinder eingestellte Praxen nehmen sich mehr Zeit und arbeiten mit kindgerechter Kommunikation. Entscheidend ist weniger die Bezeichnung als der tatsächliche Umgang.

    Gibt es Lachgas für Kinder?

    Ja, Lachgas wird auch in der Kinderzahnheilkunde eingesetzt. Bei sehr jungen Kindern ist eine Vollnarkose nur nach sorgfältiger Abwägung und einem ausführlichen Aufklärungsgespräch mit Anästhesist und Kinderzahnarzt sinnvoll, nicht als routinemäßige erste Option.

    Soll ich mein Kind nach dem Termin belohnen?

    Besser nicht mit Geschenken. Ein Trostgeschenk signalisiert nachträglich, dass etwas Schlimmes passiert ist. Loben Sie das Verhalten.

    Sind Milchzähne überhaupt wichtig?

    Ja. Sie halten den Platz für die bleibenden Zähne frei. Ein früh verlorener Milchzahn kann kieferorthopädischen Aufwand nach sich ziehen.

    Was ist der häufigste Elternfehler?

    Den Zahnarztbesuch als Drohung zu verwenden, etwa mit dem Satz „Wenn du nicht putzt, musst du zum Zahnarzt“. Damit wird die Praxis zur Strafe.

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    Verantwortlich: (Geschäftsführer – Strategie & Unternehmensentwicklung, Imex Dental)
    Fachlich geprüft durch: Zahntechnikermeister Uwe Landsberger

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