Wurzelkanalbehandlung oder direkt das Implantat? Das sind die Unterschiede

Sowohl eine Wurzelkanaltherapie als auch ein Implantat sind zwei medizinisch anspruchsvolle Behandlungen.

Mythos Nr. 1: Ich hätte jetzt lieber ein Implantat, da ich sowieso irgendwann eins benötige

Eine Wurzelkanaltherapie und eine Zahnimplantation können dieselbe Erfolgschance haben. Das bedeutet im Idealfall, dass beide 15 bis 20 Jahre, wenn nicht länger, halten. Wenn ein Wurzelkanal behandelter Zahn ausfällt, kann immer noch ein Implantat eingesetzt werden. Wenn jedoch ein Implantat ausfällt, hat jedes neu platzierte Implantat eine geringere Erfolgsrate. Nichts ist für immer. Theoretisch hast du mehr Zeit mit einer Wurzelbehandlung, bevor die Entscheidung für ein Implanatat ansteht. Der betroffene Zahn kann länger erhalten, behandelt und gepflegt werden.

Mythos Nr. 2: Die Erfolgsquote von Zahnimplantaten ist dieselbe wie die für mit Wurzelkanal behandelte Zähne

Ja, aber nur vielleicht. Wenn alle Studien kritisch analysiert werden, kann man ein Muster erkennen. Bei der Wurzelkanalbehandlung wird klar zwischen Erfolg (keine Beschwerden) und Misserfolg (Anzeichen von Beschwerden) unterschieden. Bei Zahnimplantaten wird „Erfolg“ (Retention des Implantats ohne Beschwerden) oft mit „Retention“ verwechselt – d. h. das Implantat kann sich trotz Beschwerden immer noch im Mund befinden, was nicht zum Erfolg führt. Oft ist diese einfache Wahrheit verzerrt, um Implantate attraktiver zu machen. Was du im Internet lesen kannst, kann daher irreführend sein. Der Erfolg des Implantats kann auch von vielen Faktoren abhängen. Beispielsweise vom Ort des Implantats, der Knochenqualität, dem Immunsystem, dem Zustand des Zahnfleisches, der Rauchergeschichte und den eingenommenen Medikamenten. Die Wurzelbehandlung ist erheblich verzeihender, und es gibt nur wenige Faktoren, die dagegen sprechen. Das Alter für Implantate ist ebenfalls kritisch. Der menschliche Körper kann bis zum Alter von 25 Jahren weiter wachsen – wenn nicht länger. Ein Implantat, das in einem wachsenden Individuum platziert wird, kann im späteren Leben ein beeinträchtigtes kosmetisches Erscheinungsbild haben, wenn es zu einem weiteren Kieferwachstum kommt. Dadurch kann es schwieriger sein, ein Zahnimplantat wie einen echten Zahn „natürlich“ aussehen zu lassen.

Mythos Nr. 3: Die Implantat-Technologie ist neuer und muss daher die bessere Behandlung sein

Nicht unbedingt. Neu ist nicht immer besser. Da die Wurzelbehandlung seit dem 18. Jahrhundert praktiziert wird, handelt es sich um eine der am gründlichsten erforschten Behandlungen in der Zahnheilkunde. Die Implantat-Technologie gibt es erst seit dem späten zwanzigsten Jahrhundert. Diese Technologie wird immer noch weiterentwickelt, sobald längerfristige Daten verfügbar werden.

Mythos Nr. 4: Die Kosten eines Implantats wären dieselben wie bei der Wurzelkanaltherapie

Nein. Die Kosten für die Wurzelkanalbehandlung sind oftmals halb so hoch wie bei einer Zahnextraktion in Kombination mit einem Implantat. Sie können jedoch annähernd gleich sein, wenn ein hinterer Zahn behandelt wird, da solche Zähne zum Schutz der Struktur auch Kronen benötigen.

Mythos Nr. 5: Ich habe viel Zeit und Geld für eine Wurzelbehandlung aufgewendet und es ist trotzdem fehlgeschlagen

Nur weil ein Zahn ausgefallen ist, heißt das nicht, dass alle Wurzelbehandlungen fehlschlagen. Das Ergebnis ist zum Teil vom Wissen und Können des Behandlers abhängig. Auch unterschiedliche Zähne in demselben Kiefer können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen – je nach Ort, Größe der Füllung und Ausmaß der Infektion.