Härtefallregelung – Komplette Kostenübernahme bei der Zahnersatzversorgung

Zahngesundheit ist in jedem Alter ein wichtiges Thema. Wer Zahnersatz in Form von Kronen, Brücken oder Teil- und Vollprothesen benötigt, sieht sich schnell mit hohen Kosten konfrontiert.

In der Regel übernehmen gesetzliche Krankenkassen 50 Prozent der Kosten für die Regelversorgung. Die anderen 50 Prozent sind vom Versicherten als Eigenanteil zu tragen. Wünscht er ästhetisch höherwertigen Zahnersatz als es die Regelversorgung vorsieht, hat der Versicherte dafür die Kosten zu tragen. Dennoch lässt die gesetzliche Krankenversicherung keinen im Regen stehen wenn es um medizinisch notwendige Behandlungen geht. Viele Versicherte wissen nicht, dass sie, wenn die Zahnbehandlung eine finanziell unzumutbare Belastung in einer besonderen Lebenssituation darstellt, vom Eigenanteil der Kosten befreit werden können. In diesem Fall muss die Härtefallregelung bei der Krankenkasse beantragt werden, die bis zu 100 Prozent der bevorstehenden Kosten abdecken kann.

Für wen gilt die Härtefallregelung?

Menschen, die ein besonders geringes Einkommen pro Monat haben, können die Härtefallregelung bei ihrer Krankenkasse beantragen. Das Einkommen muss nachgewiesen werden und durfte 2018 die Grenze von 1.218 Euro Bruttoeinnahmen nicht überschreiten. Wer mit Angehörigen wie Ehegatten, gleichgeschlechtlichem Lebenspartner oder familienversichertem Kind zusammenlebt, hat eine höhere Bemessungsgrenze von 1.674,75 Euro. Leben zwei Angehörige mit im Haushalt, sind es schon 1.979,25 Euro und für jeden weiteren im Haushalt lebenden Angehörigen steigt die Bemessungsgrenze um weitere 304,50 Euro. Anspruchsberechtigte sind außerdem Empfänger von BAföG, Sozialhilfe, Hartz IV, Kriegsopferfürsorge und Grundsicherung im Alter. Dasselbe gilt bei Erwerbsminderung. Ebenso berechtigt sind Heimbewohner, deren Unterbringung die Sozialhilfe oder die Kriegsopferfürsorge trägt.

Was bekommt man bei erfolgreicher Beantragung der Härtefallregelung?

Der Zuschuss zur Regelversorgung beträgt ca. 50 Prozent der Kosten der Basis-Zahnversorgung als Festzuschuss für jeden Versicherten. Die anderen 50 Prozent müssen als Eigenanteil selbst aufgebracht werden. Um welche Kosten es im Einzelnen geht und wie hoch genau der Anteil des Festzuschusses ist, ergibt sich aus dem Heil- und Kostenplan, den der Zahnarzt als Kostenvoranschlag zur beabsichtigten Behandlung anfertigt und der von der Krankenkasse genehmigt werden muss. Regelversorgung bedeutet immer die einfachste Art der Wiederherstellung Ihrer Zähne und deckt das Minimum an medizinischer Notwendigkeit ab. Die Härtefallregelung schließt genau die Lücke des Eigenanteils und ermöglicht die 100-prozentige Übernahme der Zahnersatzkosten ohne eigene Zuzahlung. Man erhält den doppelten Festzuschuss.

Wie geht man vor?

Formulare für die Härtefallregelung erhält man bei seinem Zahnarzt oder bei der Krankenkasse. Es müssen Angaben zum Einkommen, den im Haushalt lebenden Personen und der eventuell bereits erhaltenen Hilfe zum Lebensunterhalt gemacht werden. Alle Angaben sind durch Dokumente nachzuweisen. Der Zahnarzt schickt das Formular an die Krankenkasse. Die Krankenkasse prüft den Antrag und genehmigt ihn gegebenenfalls. Auf Ablehnung kann Widerspruch eingelegt werden. Die volle Kostenübernahme gilt nur für die Regelversorgung. Wer hochwertigeren Zahnersatz wie zum Beispiel Keramik- oder Goldkronen statt der vorgesehenen Metallkronen wünscht, muss auch als Härtefall selbst zahlen. Der Antrag wird in der Regel innerhalb von 4 bis 8 Wochen bearbeitet. Die Härtefallregelung kann für jede anstehende Zahnbehandlung erneut beantragt werden.

Wie verhält es sich, wenn das Einkommen leicht über der Grenze liegt?

Wenn Ihr Einkommen die gesetzliche Grenze knapp übersteigt, können Sie trotzdem die Härtefallregelung anteilig in Anspruch nehmen. Dazu muss folgende Rechnung aufgemacht werden: Die Differenz Ihres Bruttoeinkommens zur Härtefallgrenze wird mal 3 genommen. Liegt dieser Betrag unter den Kosten Ihres Eigenanteils für Zahnersatz, bekommen Sie die Differenz als zusätzlichen Zuschuss. Dieser Zuschuss wird „individuelle oder gleitende Härtefallregelung“ genannt.

Fazit

Geringverdiener oder diejenigen, die die Bemessungsgrenze nur knapp überschreiten, sollten einen Antrag auf Kostenübernahme durch die Härtefallregelung stellen. Wenden Sie sich dazu an Ihren Zahnarzt oder an Ihre Krankenkasse.