Aphten und andere Erkrankungen der Mundhöhle

Unsere Mundschleimhaut macht einiges mit im Laufe des Lebens. Zahnspangen, Zahnersatz oder sogar die Zähne selbst können sie reizen, heiße Speisen und Getränke, scharfkantige Nahrungsmittel können sie verletzen. Schlechte Ernährung, Mundtrockenheit, Alkohol und Tabakkonsum sorgen für eine gestörte Mundflora und fördern Entzündungen und Erkrankungen. Wunde Stellen und entzündliche Gewebedefekte können in der gesamten Mundhöhle und im Rachen auftreten. Meistens sind diese Wundstellen und Mundgeschwüre harmlos und verheilen nach einiger Zeit von selbst. Wir erklären die häufigsten Erkrankungen der Mundschleimhaut und ihre Ursachen im Detail.

Hinweis:

Bei der richtigen Schreibweise der "Aphthen" scheiden sich die Geister. Laut Duden ist der Begriff "Aphthen" richtig geschrieben. Die Mehrzahl der Suchenden im Internet verwenden jedoch für Ihre Suchanfragen die Schreibweise "Aphten". Damit wir auch die Gruppe erreichen, haben wir uns entschieden bei der Verwendung des Wortes Aphthen die kombinierte Schreibweise "Aphthen / Aphten" zu verwenden.

Habituelle Aphthen

Aphthen (aus dem Altgriechischen für "entfachen", auch Aphten oder Aften geschrieben) sind Entzündungen in der Schleimhaut des Munds und im Rachen. Sie sind zwar fast immer harmlos, schmerzen aber empfindlich beim Essen und Trinken, Schlucken, Sprechen oder Zähneputzen oder beim Verzehr von säurehaltigen Lebensmitteln. 2–10 % der Bevölkerung leiden gelegentlich oder wiederkehrend unter diesen Schleimhautentzündungen im Mund, die verschiedene Ursachen haben können. 

Wodurch entstehen Aphthen?

Mundgeschwüre können durch mechanische Reize verursacht werden, zum Beispiel durch schlecht sitzende Zahnspangen oder Prothesen. Sie verursachen durch Reibung wunde Stellen in der Mundhöhle. Ein versehentlicher Biss in die Wange mit einem scharfkantigen Zahn kann eine kleine Verletzung verursachen, die sich entzündet. Der Mundpilz Candida albicans ist ebenfalls als mögliche Ursache für die Entzündungen im Mund bekannt. Auch ein geschwächtes Immunsystem oder autoimmune Erkrankungen, bakterielle Infektionen oder Vitamin-Mangelzustände können für die Entstehung von Aphthen / Aphten verantwortlich sein. In seltenen Fällen kann aber auch eine Krebserkrankung oder eine HIV-Infektion der Auslöser sein. Wenn die Geschwüre sehr tief gehen, nicht von allein oder sehr schlecht abheilen, häufig wiederkehren und mit Fieber einhergehen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen abzuklären.

Woran erkenne ich Aphthen?

Die kleinen Geschwüre heben sich gegenüber der gesunden Mundschleimhaut optisch deutlich ab. Sie haben einen gelblich-weißen Kern und sind durch den Entzündungsprozess rot umrandet. Je nachdem, wo sich die Aphthen / Aphten in der Mundhöhle befinden, können sie äußerst unangenehm sein und starke Schmerzen verursachen, zum Beispiel an der Zungenspitze, an der Lippe oder am weichen Gaumen. Die Geschwüre sind rezidivierend, das bedeutet, die Aphthen  / Aphten können immer wiederkehren.

Welche Arten von Aphthen gibt es?

Am häufigsten kommen die kleineren Aphthen / Aphten (Minor-Typ) vor. Sie sind etwa linsengroß, von eher oberflächlicher Natur und heilen relativ schnell wieder aus. Große Aphthen / Aphten (Major-Typ) nennt man die größeren, die bis zu 3 cm Durchmesser haben können, manchmal auch mehr. Sie erzeugen tieferliegende Gewebedefekte in der Mundschleimhaut ein, schließen sich nur langsam und hinterlassen beim Abheilen Narben. Von ihnen sind deutlich weniger Menschen betroffen. Die dritte Erscheinungsform sind herpetiforme Aphthen / Aphten, die sehr selten vorkommen. Sie treten oft in großer Anzahl am Zungenrand oder der Innenseite der Lippen auf. Ihren Namen verdanken die herpetiformen Aphthen / Aphten ihrer Ähnlichkeit mit Herpesbläschen, obwohl sie nicht durch das Herpes Virus verursacht werden. 

Wie werden Aphthen behandelt?

Aphthen / Aphten sind nicht ansteckend, daher erfolgt die Behandlung der Schmerzen ausschließlich symptomatisch. Sprays, Salben oder Gele aus der Apotheke betäuben die betroffenen Stellen lokal. Antiseptische Mundspülungen (möglichst ohne Alkohol) gelangen in den gesamten Rachenraum und unterstützen den Heilungsprozess. Auch pflanzliche Mittel und Tinkturen aus Kamille, Myrrhe, Zitronensaft oder Backpulver können helfen, die Schäden in der Schleimhaut zu bekämpfen und die Heilung zu fördern. Eine gute Mundhygiene, der Verzicht auf Tabakgenuss und Alkohol fördert eine gute und gesunde Mundflora und beugt entzündlichen Erkrankungen vor.

Aphthöse Stomatitis (Mundfäule)

Die aphthöse Stomatitis (im Gegensatz zur allgemeinen Stomatitis) wird durch das Herpes-Virus Typ 1 ausgelöst. Ungefähr 90 % aller Menschen tragen dieses Virus in sich, aber nur rund ein Drittel der infizierten Personen erkrankt daran. Wenn bei Kindern das Herpes-Virus zum ersten Mal aktiv wird, kann es Mundfäule auslösen. Zahlreiche schmerzende Herpes-Bläschen bilden sich auf der Mundschleimhaut. Weitere Symptome sind hohes Fieber, das bis zu fünf Tage andauern kann, und ein Anschwellen des Zahnfleischs, des Gaumens und der Zunge sowie ein säuerlicher Mundgeruch. Aufgrund der entzündeten Papillen (die Zungenwärzchen) empfinden die Patienten einen stark brennenden Schmerz, der die Nahrungsaufnahme behindert. Vermehrter Speichelfluss und angeschwollene Halslymphknoten sind weitere Symptome der Mundfäule. Nach etwa einer Woche trocknen die Bläschen ein, dann kann das Virus nicht mehr übertragen werden.

Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Die hochansteckende Viruserkrankung befällt meistens Kinder unter zehn Jahren; Erwachsene merken oft kaum etwas von der Erkrankung. Sie wird durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen, verläuft meistens harmlos und heilt nach acht bis zehn Tagen ohne Folgen ab. Die Symptome ähneln zuerst denen einer Grippe: leichtes Fieber, Appetitmangel und Kopfschmerzen. Dann zeigt sich ein roter Ausschlag an Handinnenflächen und Fußsohlen, und in der Mundschleimhaut bilden sich schmerzhafte kleine Bläschen. Lokal angewendete Schmerzmittel zum Einnehmen oder zur lokalen Betäubung helfen, die Symptome zu lindern. Bei kleinen Kindern besteht die Gefahr der Dehydration, da sie wegen der starken Schmerzen im Mund nicht essen und trinken wollen. Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Die Ansteckungsgefahr ist erst nach dem vollständigen Abklingen der Symptome und dem Abheilen der Bläschen gebannt. 

Speicheldrüsentumore

Die meisten Speicheldrüsentumore entstehen am Mundboden unter der Zunge oder auch am Ohr. Sie schmerzen nicht, sind gutartig und wachsen langsam. Es handelt sich dabei um weiche, verschiebbare Knoten in der Schleimhaut. Da jedoch auch gutartige Tumore im Prinzip entarten können, sollten sie nach Möglichkeit entfernt werden. Der Arzt wird mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, MRT und CT feststellen, welche Art der Behandlung am besten geeignet ist, und den Tumor operativ entfernen. 

Morbus Behçet

Diese Erkrankung ist eine seltene autoimmune Entzündung der Blutgefäße. Die genaue Ursache ist nicht bekannt, nach heutigem Wissenstand werden bestimmte genetische Voraussetzungen und Umweltfaktoren für die Überreaktion des Immunsystems vermutet. Zu den frühen Symptomen der Krankheit gehören wiederkehrende Aphthen / Aphten im Mund, die hauptsächlich die Wangenschleimhaut, das Zahnfleisch, die Lippen und die Zungen befallen. Gaumen und Rachen sind seltener betroffen. Die Krankheit befällt auch den Intimbereich und die Augen. Die Behandlung richtet sich nach der Ausprägung der Symptome. Auch hier werden die Geschwüre im Mund mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten behandelt.

Mundhöhlenkrebs

Tabakrauchen, exzessiver Alkoholkonsum, schlechte Ernährungsgewohnheiten und mangelnde Mundhygiene sind Risikofaktoren für Mundhöhlenkrebs. Häufig werden werden Mundboden und Zunge befallen, aber kleine oder größere bösartige Tumore können im gesamten Mundraum und an den Lippen auftreten. Sie gehören wie auch der Rachenkrebs und der Kehlkopfkrebs zur Klasse der Kopf-Hals-Tumore und sind lebensbedrohlich. Symptome für ein Mundhöhlenkarzinom erscheinen erst spät. Schwellungen in der Mundhöhle, Schluckstörungen, Schmerzen, leichte Blutungen (verfärbter Speichel), Mundgeruch und eine Sprechbehinderung können erste Anzeichen für Mundhöhlenkrebs sein. Suchen Sie unbedingt einen Arzt auf, um die Ursachen abzuklären. Mit einer Probeentnahme wird er feststellen, um welche Art von Tumor es sich handelt. Hier helfen je nach Stadium der Erkrankung die vollständige Entfernung des Tumors durch einen chirurgischen Eingriff, Chemotherapie oder Bestrahlung. Kleinere Tumore können auch mit einem CO2 Laser gewebeschonend entfernt werden.

Fazit:

Es gibt viele harmlose wunde Stellen und Geschwüre, die im Mund auftreten können. Die meisten sind nur sehr unangenehm und schmerzhaft und heilen folgenlos von selbst ab. Bestimmte Erscheinungsformen sollten aber unbedingt überprüft werden. Das macht der Zahnarzt, der Allgemeinmediziner oder der HNO-Arzt. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) bietet Zahnmedizinern Unterstützung bei der Diagnose eines unklaren Befundes an. Dabei wird ein Foto des Befundes teilanonymisiert an Kollegen weitergegeben, die sich auf dem Gebiet der Oralpathologie auskennen. Ziel dieses Beratungsdienstes ist, die Aufklärungsrate bei Erkrankungen der Mundhöhle zu verbessern und eine Bilddatenbank mit Befunden anzulegen.